Pour Monsieur
A Gentleman's Cologne / For Men
1955 Eau de Toilette

8.2 / 10 678 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Chanel für Herren, erschienen im Jahr 1955. Es wird noch produziert. Der Name bedeutet „Für den Herrn”.
Aussprache

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
ZitroneZitrone EisenkrautEisenkraut NeroliNeroli OrangeOrange
Herznote Herznote
BasilikumBasilikum IngwerIngwer KardamomKardamom KorianderKoriander
Basisnote Basisnote
EichenmoosEichenmoos VetiverVetiver ZedernholzZedernholz

Parfümeur

Bewertungen
Duft
8.2678 Bewertungen
Haltbarkeit
6.5507 Bewertungen
Sillage
5.9500 Bewertungen
Flakon
7.6492 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.1157 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 25.06.2024.
Wissenswertes
Pour Monsieur aus dem Jahr 1955 war der erste Herrenduft aus dem Hause Chanel.

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Rezensionen

56 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Preis
8
Flakon
5
Sillage
5
Haltbarkeit
8.5
Duft
Foxear

22 Rezensionen
Foxear
Foxear
Top Rezension 79  
Der Leise hat die stärkste Stimme
Pour Monsieur – zu Deutsch „für den Herrn“. 1955 als erstes Herrenparfüm unter Leitung der Nase Henri Robert im Hause Chanel erschienen. Kann der französische Greis weiterhin überzeugen?

Unscheinbar kommt er als rechteckiger, schlanker Wolkenkratzer daher. Klar und hell der Körper, das Haupt grau. Grünes, lichtdurchflutetes Wasser im Innern. Grün: die Farbe der Hoffnung, Gelassenheit und Heilung. Schlichte Ästhetik, die fasziniert.

Bereits im Auftakt schnappt er sich meine Seele und schmeißt sie zur Sonne – ein hesperidisches Heer, das ein lebensbejahendes Frischegefühl überbringt. Im Verlauf lässt die anfängliche Frische nach und es wird krautig-würzig; Kardamom und Ingwer schweben über die holzig warme Basis aus Eichenmoos und Zedernholz, die im gesamten Verlauf omnipräsent ist – im Ergebnis eine besondere frisch-herbe Harmonie.

Das vermeintliche Manko an diesem Herrn ist, dass er nicht viel sagt und sich vor der ersten Tasse Tee wieder verabschiedet. Die britische Bezeichnung „A Gentleman’s Cologne“ ist somit die treffendste. In der Regel (Ausnahme: die Kreationen von Germaine Cellier) waren die Wässer der Nachkriegszeit auf leisen Füßen unterwegs. Parfum war etwas Intimes, das man nur bei körperlicher Nähe (Umarmung, Liebkosung) riechen sollte – nicht vier Häuserblöcke entfernt. Ein tragbarer Duft muss in erster Linie eines: ausgezeichnet riechen – das tut Pour Monsieur, wie nur wenige aus seiner Zunft der Frische-Chypres.

Pour Monsieur entführt mich nicht an einen zauberhaften Ort, er verändert meine Wahrnehmung. Wehend zitrische Windzüge vertreiben schwülstige Smogwolken; blasse Betonbauten werden moosüberwucherte Mammutbäume; grauer Asphalt wird grüner Chypreteppich. Allerorts sprießt Leben, die Luft ist klar und frisch, die Seele lacht: Euphorie.

Persönliche Anekdote: Pour Monsieur trug ich zum ersten Mal an einem warmen Frühlingstag. Ich war mit meiner Nichte auf dem Spielplatz– meine Nichte, die ohne Ausnahme zu Parfüm bis dahin „Bäh!“ sagte. Nach dem Tollen trug ich sie nach Hause, da sie total erschöpft war. Fast 15 Minuten lang schlang sie sich ganz eng um meinen (parfümierten) Hals. Als wir ankamen, sagte sie: „Mama, Micha riecht gut.“. Ein heranwachsendes Chypre liebendes Chanelinchen? Ihre Aussage hat einzig den bitteren Beigeschmack, dass ich ansonsten wie ein Stinktier riechen muss.

Pour Monsieur ist ein Relikt vergangener Zeiten, das inzwischen seinen 66. Geburtstag feiert. Er riecht kein bisschen alt – er hat Charakter und riecht zeitlos. Es gäbe daher keinen passenderen Zeitpunkt für einen Ausflug mit dem betagten Chypre Herrn als jetzt – schließlich fängt das Leben mit 66 Jahren erst richtig an.

… Elegant, stillschweigend und verschmitzt lächelnd saß er auf seinem Stuhl. Um ihn herum nur Palaver. Worte, Worte – nichts als Worte. Sobald die Luft aus seinen Lungen im Zusammenspiel mit seiner Zunge Silben formte, verstummten alle. Leise Laute, fast flüsternd – und doch: jeder lauschte ihm. Laute Worte gehen ins Ohr, leise Worte ins Herz.

Passende Musik: Erobique & Jacques Palminger – Wann strahlst du?
Danke an Cappellusman für die Vintage-Bekanntschaft!
56 Antworten
7
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
9.5
Duft
Salva

77 Rezensionen
Salva
Salva
Top Rezension 66  
Lanze für einen Meilenstein der Herrenparfümerie
A Gentleman‘s Cologne

Sobald ich Begriffe wie Gentleman, Monsieur o.ä. lese, werde ich hellhörig. Düfte, die diese Bezeichnungen tragen, bekommen sofort meine Aufmerksamkeit und stehen unter meinen bevorzugten Richtungen ganz oben. Denn sie haben bestimmte Eigenschaften an sich: Klassisch, elegant und zeitlos, um mal drei zu nennen.

„Pour Monsieur“ ist der erste Herrenduft des Weltkonzerns Chanel, der 1955 vom damaligen Chefparfumeur Henri Robert kreiert wurde. Jener Robert führte nämlich im Hause Chanel von 1953-1978 Regie und ist bspw. auch für „No.19“ (1971) verantwortlich gewesen.

Der Grund dieser Rezension ist im Prinzip die Rangliste auf der Plattform. Denn zum Duft muss eigentlich nicht viel geschrieben werden, da es viele vor mir bereits auf hervorragende Art und Weise getan haben. Der Blick aber auf die 100er Hitparade hier stimmt mich oft traurig und ärgert mich teilweise. Grundsätzlich will ich ebenfalls anmerken, dass ich bis heute nicht nachvollziehe, wie dieses Ranking und die Platzierungen hier überhaupt zustande kommen. Dass mit „Imagination“ ein Louis Vuitton auf dem Thron steht und alleine in den Top 10 vier Roja-Düfte zu finden sind, kann und soll jede/r so werten, wie er/sie es für richtig hält.

Das erstklassige Parfum „Pour Monsieur“ ist aktuell mit Platz 90 (gestern noch 98) gerade so unter den Top 100. Ich erinnere mich, dass er vor geraumer Zeit und im Prinzip seit ich hier angemeldet bin (was auch schon 2,5 Jahre her ist) meist im Mittelfeld zwischen Platz 40-60 zu finden war. Wieso er mit der Zeit weiter nach unten gerückt ist, begreife ich nicht wirklich. Denn „Pour Monsieur“ ist ein Meilenstein der Herrenparfümerie und bestimmte Klassiker müssen geehrt werden.

Dieser exquisite und feine Duft gehört eigentlich in jede klassisch geprägte Herren-Kollektion. So wie jeder meiner Geschlechtsgenossen mindestens zwei (idealerweise sogar drei) gut sitzende Anzüge im Kleiderschrank vorweisen sollte, so sollten sie auch mindestens ein Parfum dieser Art besitzen; wenn nicht diesen, dann eben einen anderen, der ihm ähnelt.

„Pour Monsieur“ weist in gewisser Weise schon leichte Chypreattribute auf, wenngleich er mMn - ganz streng genommen - nicht gänzlich als Chypre durchgehen kann. Denn hierfür fehlen ihm im Herzen letztlich klassisch florale Noten.

Beginnen tut er mit einem für mich sehr natürlich hesperidischem Aroma, in welchem die zitrische Note dominiert und durch die Orange unterstützt wird.
Dieser Start bleibt im Prinzip bis zur Basis bestehen. Auch wenn Kardamom und Ingwer nicht lange warten, um ihren Senf dazuzugeben, wodurch das Parfum seinen würzigen Anstrich erhält (besonders erst genanntes Gewürz nehme ich wahr). Jedoch muss erwähnt werden, dass ich diese Gewürze nur dezent im Hintergrund erahne.
In der Basis treten die anfänglichen erfrischenden Noten zurück und überlassen dem Eichenmoos den vortritt. Hier erhält man den grünen Teil, den der Flakon ja ohnehin suggeriert.
So würde ich letzten Endes „Pour Monsieur“ als zitrisch/frisch-würzigen Grünling klassifizieren.

Die Tatsache, dass „Pour Monsieur“ mit etwa 3-4h über eine maximal durchschnittliche Haltbarkeit verfügt und mit einer sehr diskreten Sillage daherkommt, mag für einige ein Manko sein. Für mich jedoch zeichnet die Art Düfte eben gerade diese Reserviertheit und Zurückhaltung aus und macht diesen herrlichen Klassiker so unersetzlich. Und selbstverständlich ist er mit seiner Aura ein geeigneter Kandidat für einen Signaturduft.

Wenn ich ihn trage, fühle ich regelrecht die schlichte Schönheit und subtile Erlesenheit, die dieses Parfum ausstrahlt. Es ist, als schwebe ich mit diesem ausgezeichneten Duft.

Für mich gehört er in die Hall of Fame und ist in meiner persönlichen Top 10.

Doch wer bin ich denn, der sowas beurteilen kann. Da haben die Roja-Jünger und Vuitton-Hyper sicher mehr zu sagen…
Vielen Dank für‘s Lesen!
37 Antworten
6
Preis
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Axiomatic

112 Rezensionen
Axiomatic
Axiomatic
Top Rezension 43  
Familiengeheimnis
Es gibt Dufterlebnisse, die Verborgenes wieder an die Oberfläche spülen. Chanels Pour Monsieur ist so ein Duft.

Schon sehr früh mit Düften in Berührung gekommen, sollte ich mir zum 12. Geburtstag einen ganz besonderen Duft aussuchen. Da mein Vater stets Anfang der 1980er Antaeus Eau de Toilette als Signatur trug, stöberte ich in Begleitung meiner Mutter und meiner Tante am Chanel-Stand nach möglichen Kandidaten. Zu der Zeit standen nur zwei Flakons zur Auswahl: schwarz oder klar/hellgrau. Schnell war die Wahl getroffen, als die herrliche italienische Begrüßung von Pour Monsieur mich einnahm, um dann eine französische Richtung einzuschlagen. Doch sollte sich mein Wunsch nicht erfüllen. Konsterniert schaute meine Tante prüfend meine Mutter an.
Mit leiser Stimme tuschelten beide was Kodiertes, das sich meiner Kenntnis entzog. So wurde aus Pour Monsieur schnell ein anderer Duft und keine weiteren Fragen durften gestellt werden.
Den Grund für die Ablehnung dieser herrlichen, klaren grünen Linie von Eisenkraut, Koriander, Basilikum und Vetiver würde ich schon noch herausbekommen!
Die Zeit verging, und ich stöberte eines Tages beim Besuch im Hause meiner Oma ein ziemlich altes Fotoalbum, vollgespickt mit Schwarz-Weiß-Bildern, auf. Und da war es, das schwarze Schaf der Familie, das wohl Pour Monsieur als Signatur in seinen besten Jahren trug!
Elegant war er, schöner Anzug und Krawatte, tadellos gekämmt und glatt rasiert. Ein Mann von Welt.
Die Nachfrage nach dem Vorfahren wurde nur zögerlich beantwortet, mein verstorbener Großonkel schien von einem Teil der Familie verstoßen zu sein. Doch meine Mutter erzählte mir auf der Rückfahrt die geheimnisumwobene Geschichte des nicht Nennbaren.
Von allen Geschwistern war er der Hübscheste. Stets besonnen, gebildet, eloquent und sehr vornehm im Umgang mit anderen. Und ein begehrter Junggeselle, der wohl nie das Standesamt von innen sehen würde. Er hätte meine Mutter als Lieblingsnichte gehabt, ein Herz und eine Seele. Doch würde er einen verborgenen Teil seines Lebens wohl mit ins Grab nehmen bei einem tragischen Unfall in der Blüte seines Lebens. Mehr war nicht zu erfahren.

Ende der 1980er kaufte ich mir endlich mein erstes Pour Monsieur, ich wollte dem Modetrend der damaligen Zeit trotzen und etwas Familiäres olfaktorisch nachholen.
Ach, wie sehr ich diese Eröffnung mochte, das reine Flanieren in Porto Fino! Die Hesperiden ließen der Verbene den Vorrang, um weiter im Duftverlauf zu verweilen, während die dezente Orangenblüte leicht frisch und pudrig den Weg markierte.
Dann die Herz- und Basisnoten, die ab nach Frankreich zurückführten, klar getrennt waren sie nicht. Das Zusammenspiel von grünen Eindrücken des Korianders, Kardamoms und Basilikums wurde durch die leichte Süße des Ingwers für die Abrundung des Eichenmooses und dezenten Holzes vorbereitet. Und der ebenfalls grün gehaltene Vetiver schloss elegant die Komposition ab.
Mit Sicherheit schwang ein Hauch von Zistrose mit, als exzellente Gestalterin der zypriotischen Richtung. Aber die geheimnisvolle Offenbarung der Komponenten wurde sehr leise, sehr diskret gehalten. Pour Monsieur duldete keine Kraftausdrücke, er war ein Gentleman durch und durch.
So wie das Stück Nimrod aus den Enigma-Variationen von Edward Elgar.
Der Spaziergang Im Londoner Holland Park gestaltete sich vornehm. Doch wurde hier auf die Öffnungszeiten der Parkanlage geachtet, die Haltbarkeit zwang zum Nachsprühen.
Ich frage mich, ob ein gewisser Jean Cocteau auch als Vorbild bei der Duftgestaltung gegolten haben mochte.
Verschmitzt konnte ich mir meinen einparfümierten Großonkel Ende der 1950er vorstellen.

Und heute erlebe ich eine ganz besondere Begegnung mit dem Duft.
Pour Monsieur katapultiert mich sogleich ins Jahr 1956, da war Doris Day einfach himmlisch als besorgte Mutter in „Der Mann, der zuviel wusste“. Wie sie „Que sera sera“ gesungen hat in diesem eleganten, grauen Kostüm, da fand jeder Sohn zu ihr zurück!
Und James Stewart war wie immer der Gentleman schlechthin. Der gute alte Jamie, schon früh bei Hitchcock auf der Gehaltsliste. Wie in „Cocktail für eine Leiche“ (1948), diesem makabren, homoerotischen Thriller.
„Erotic? For heaven‘s sake, da kommt niemand nackt vor, dummy!“
Nein Doris, ich weiß, dass der Film nicht erotisch ist, da galt ja noch der Hays Code. Ach, ist auch nicht so wichtig, Liebes.

Und dann ihre Paraderolle in „Ein Pyjama für zwei“ (1961). Herrlich, wie sie Rock Hudson immer wieder bezirzt. Da spielt es keine Rolle, dass der dritte im Bunde, Tony Randall, einen lilafarbenen Küchenboden hat, mit Rock Hudson in der Ankleide während der morgendlichen Toilette ist und beide zusammen frühstücken. Oder dass beide während ihres Urlaubs etwas overdressed Kanu fahren. Ja sogar der Schmankerl eines nur mit einem Pelzmantel bekleideten Rock, der in den Fahrstuhl huscht, kann der resoluten Doris nichts anhaben.
„Darling, Rock und Tony sind doch nur sehr gute Freunde! Und ich werde schon Rock für mich gewinnen, darauf kannst Du Gift nehmen!“
Ich weiß Doris, Deine heimliche Waffe waren die Aldehyde von N°5, kein Mann konnte danach klar denken!

Ach Doris, sweetheart, ich frische Pour Monsieur wieder auf, schmeiße mich in Schale mit sandfarbenem Kaschmirpulli mit V-Schnitt, weißem Hemd, hellgrauer Wollhose und Pennyloafers und führe Dich aus! Wie wäre es mit einer Signierstunde mit Truman Capote? Oder dem neuen Musical von Leonard Bernstein?
Ich weiß, Zuckerschnute, Du kennst sie alle und alle kennen Dich!

Los komm, wir machen jetzt eine herrliche Spritztour durch Manhattan im beige-silbernen Buick Invicta Cabriolet zu „Downtown“ von Petula Clark! Du wirst sehen, es wird Dir gefallen!
Gleich biegen wir im Columbus Circle ein und drehen ein paar Ehrenrunden!

The light's so much brighter there
You can forget all your troubles, forget all your cares
So go downtown
Things will be great when you're
Downtown

Und danach geht es zu Chanel an der 57th Street, vielleicht kauft Rock gerade Pour Monsieur! Moment, da ist er ja!
Oh Zuckerwatte, jetzt bloß nicht diese runzelige Mine aufsetzten, er flirtet mit Sicherheit nicht mit der Verkäuferin!
„Den Burschen knöpfe ich mir vor!“
Gut, mein Schatz, das naiv süße Lied „Love in the first degree“ von Bananarama ist jetzt Dein Schachzug!
Ja Doris, gib alles!

Only you can set me free
'Cause I'm guilty
Guilty as a girl can be
Come on baby can't you see
I stand accused of love in the first degree

Na, siehst Du? Ein Dinner im Pierre-Hotel mit Rock wäre gesichert!
„Darling, wo hast Du diesen catchy Song her?“
Honigwabe, er stammt aus der Zeit, als ich meinen Eltern reinen Wein einschenkte und sie eingenordet habe.
„Wait a minute, trinkt Ihr sonst in Europa trüben Wein? I don‘t get it, Ihr Europäer seid schon seltsam!“
Schau, ich wollte doch nur damit sagen, dass…
„Und warum brauchen Deine Eltern einen Kompass? Strange! Deswegen liebe ich New York, hier ist alles so einfach in Nord, Süd, Ost und West eingeteilt!“
Es ist doch nur bildlich gesprochen. Außerdem hat mich, der Tradition folgend, ein Teil der Familie verstoßen.
„Just for a compass? Help me understand, dear!“
Das mache ich beim nächsten Treffen zu einem leckeren Blueberry Cheesecake, versprochen!
Aber jetzt fahre ich Dich wieder zurück zu Deiner Werbeagentur an der Madison Avenue.
Und hier noch eine weiße Rose für Dich, sweet Doris!
„Oh darling, you‘re such a gentleman!“

Und noch einen Kuss auf die Stirn…
22 Antworten
10
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Anarlan

27 Rezensionen
Anarlan
Anarlan
Top Rezension 36  
Coming of Age
Kein Duft begleitet mich schon so lange und keinem anderen werde ich wohl die Treue auch in Zukunft so halten wie diesem. So viel Pathos angesichts eines eckigen, lachhaft simplen Glasflakons mit schlichtem grauem Deckel und grünlichem Inhalt. Beim genauen Nachrechnen ergibt sich, dass ich diesen Herrenduft nun schon dreissig Jahre trage, mal regelmäßig, mal mit längeren Pausen, aber nie hatte ich Ihn nicht in meinem Besitz. Pour Monsieur EDT war allerdings nicht meine erste echte Duftliebe.

Dies war vielmehr KL von Lagerfeld für Frauen aus dem Jahr 1983, eine orientalische Orangen-Zimt-Gewürz-Orgie, die so typisch für die 80er war wie Wham! und Sweater von Elesse und deren Produktionsstop ich mittlerweile immer mehr nachtrauere, je mehr ich mich mit Düften beschäftige. Es ist an dieser Stelle eigentlich vollkommen überflüssig, darauf hinzuweisen, dass ich KL niemals selbst getragen hätte, denken kann man es sich ja, schliesslich handelte es sich um ein klassisches Frauenparfüm, und olfaktorische gender diversity fand für mich in den 80ern auf vollkommen unbekannten Planeten statt.

Ausserdem war durch die pubertär bedingte zunehmend trübere Sicht auf die tatsächlichen Umrisse meiner Existenz ohnehin kein selbstbewusster Umgang mit Düften nur ansatzweise denkbar, so dass sich frühe Duft-Experimente im Rahmen von safen Allerweltsnummern wie „Zino“ (Davidoff) und „Number One“ (Boss) bewegten. KL schuf den dazu passenden, mühelos fantasierbaren Ort des Rückzugs, der Flucht, des exotischen Jenseits, wo alles größer, weiter, heller, edler war als in den engen Korridoren meiner Pubertät. Dazu passte die ganzseitige Werbeanzeige des Duftes bestens, ich kann mich irritierender Weise noch daran erinnern; das Ambiente verschwommen, palastartig edel, Marmor, polierte, reflektierende Oberflächen, indirektes warmes Sonnenlicht, im Vordergrund der wie ein Fächer sich entfaltende Flakon güldenen Inhalts, dahinter ein katzenartiges Wesen mit aus dem Gesicht frisierten, blonden, glatten Haaren, gewaltigen goldenen Ohrclips, in lässiger Anspannung verharrend und dahin gegossen, den Blick ins Unbestimmte gerichtet, und in diesem Unbestimmten schien all das zu liegen, was in meinem Hier und Jetzt fehlte. Lupenreiner Eskapismus, geboren aus Clearasil-Gesichtswasser und der Angst vor der nächsten Mathearbeit.

Es dauerte noch ein paar kurze Jahre und einige Häutungen, bis der frische Wind und das helle Licht der ersten Selbstvergewisserung - aha, das also bin ich, so funktioniert das also bei mir etc. etc. - auf mich trafen, und mit ihnen kam ein Duft in mein Leben, der all das verkörperte: Pour Monsieur EDT von Chanel.

Eine glockenklare, hautnahe Zitrone, dezente, vornehme Chypre-Würze und warme, helle Pudrigkeit. Ich muss das nicht beschreiben und auseinander analysieren, das können andere viel besser, und alles Nötige dazu ist hier nachzulesen. Alles an diesem Duft ist hiesig, jetzt, gegenwärtig, klassisch, vornehm und unbestechlich. Und genau das macht ihn aus meiner Sicht und Erfahrung zu einem Juwel.

Dazu kommt eine 1:1-Umsetzung dieses Gedankens in der Gestaltung des Flakons, der Schlichtheit der Schrift, der Proportionierung, der silbernen Banderole und der Farbgebung der Verpackung in einem Grau, das schöner und matter nicht sein könnte. Klassische Moderne in Reinkultur trotz Plastikdeckel.

Pour Monsieur wirkt bei mir wie ein sauerstoffgesättigter Spaziergang über die sonnengetränkte Sommerwiese nach der versumpften Nacht, und er hat mich seit den ersten Tagen des Erwachsenseins bis heute begleitet und passte zu Jeans und T-Shirt wie zum ersten Maßanzug, zur Studiparty wie zum 3. Staatsexamen. Ich kann nicht anders als zu sagen: It must be love.
9 Antworten
10
Duft
Naaase

109 Rezensionen
Naaase
Naaase
Top Rezension 28  
Leben wie Gott in Frankreich
Ich sitze meiner großen Liebe gegenüber. In einem romantischen Strand-Restaurant. Hinter uns liegt ein wunderschöner Urlaubstag. Ein Tag in Süd-Frankreich, genauer gesagt: In Saint Tropez. Wir genossen unter strahlender Sonne das kühle und damit erfrischende Nass des Mittelmeeres. Bespritzen uns liebevoll und unbeschwert in den Fluten und schmeckten dabei nicht nur die sanfte Zärtlichkeit unsere verliebten Küsse sondern auch das kühle Salz des tief-blauen Meeres.

Unsere nassen Körper wärmten wir liegend auf schneeweißen edlen Strandliegen und spürten dabei den knirschenden Sand an unseren nackten Beinen.

Und nun sitzen wir -wie schon gesagt- in diesem romantischen Restaurant und die Sommer-Sonne des Mittelmeeres geht langsam aber sicher unter. Man hört leise das Rauschen der Wellen und die feuerrote Sonne spiegelt sich in dem kühlen Nass. Ein letzter Gruß von diesem fernen Planeten, bevor er zur Ruhe geht.

Ich blicke in die schönsten Augen, die ich je gesehen habe. Mir wird bewusst, dass ich diese Frau von Tag zu Tag mehr liebe. Alles an ihr ist anmutig und erotisch zugleich.

Vor mir duftet ein kross gebratener Fisch, der gerade mit einem Schuss fruchtigem Olivenöl frisch zubereitet wurde. Neben mir steht ein vor Kälte beschlagenes Glas mit köstlichem Weißwein, der mir kühl und fruchtig die Kehle hinunter läuft. Auch meine Frau nimmt ihr Glas in die Hand und prostet mir mit ihrem zauberhaftesten Lächeln entgegen.

Nur:
Vom Nachbartisch nimmt man den Geruch eines nervtötenden Herrenparfums wahr: Billig, unendlich süß, künstlich und aufdringlich.

Doch was trage ich in diesem Moment ? Welcher Duft ist wie gemacht für einen romantischen Moment wie diesen ? Einen Moment verliebter Zweisamkeit nach einem perfekten Urlaubstag ?

Es ist selbstverständlich "Pour Monsieur". Was sonst ? Beim Aufträgen ein wundervoller Duft nach frisch aufgeschnittenen Zitronen. Keine "chemische Keule", sondern pure Natur. Dann edelste Hölzer, cremig und sanft untermalt. Kardamon und Gewürze gesellen sich dazu. Alles fein abgestimmt und perfekt ausgewogen. Immer zärtlich romantisch; nie laut und aufdringlich. So lange, bis nur noch ein angenehmer Hauch von Sandelholz verbleibt. Kaum wahrnehmbar. Nur für mich und meine Frau. Und so soll es auch sein; und nicht anders.

Mal sehen, wie dieser perfekte Tag noch endet. Man muss ja nicht immer ein "Monsieur" sein ...
7 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

101 kurze Meinungen zum Parfum
PinseltownPinseltown vor 1 Jahr
9
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
9
Duft
Pour Monsieur Pinsel
Einladung
Zu meiner Mondparty im erdmoosig Grünen
Neben dem Zitrusholzhain
In würziger Frische
Ihr alter Freund Gatsby
53 Antworten
Eggi37Eggi37 vor 1 Jahr
8
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
9
Duft
Der Monsieur
Ist holzig-kerlig
Naturgebunden wie Kraut
Hat aber auch ein weich-moosiges Herz
Überzeugt mit zitrus-fresh, eleganten Auftritt
50 Antworten
JonasP1JonasP1 vor 2 Jahren
8
Flakon
6
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Vintage
Gräser wispern
In weiten Zitrushainen
Weiches Moos
Würzumfangen
Tiefe Blicke
Im grünen Sommerwind
Zur aufgehenden Sonne
39 Antworten
MrtangiersMrtangiers vor 4 Monaten
7
Sillage
6
Haltbarkeit
8
Duft
Nouvelle Vague
Pariser Künstler
trägt Zitruscologne
raucht Eisenkraut
wäscht sich die moosgrüne Korianderhaut*
31 Antworten
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 2 Jahren
8
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
8.5
Duft
Heute den hellgrünen Anzug
das zitronengelbe Hemd
und das Einstecktuch aus Moos
es ist Frühling und Monsieur freut sich
28 Antworten
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Diskussionen

Themen zum Parfum im Forum
RivegaucheRivegauche vor 8 Jahren
Herren-Parfum
Chanel Pour Monsieur
Rivegauche:Danke für die Antwort! Das hat geholfen. Demnach müsste meine Flasche vom Mai 1994 sein, prima! :-DGlückwunsch, toller Fang!
DuumvirDuumvir vor 11 Jahren
Beratung
Pour Monsieur von Chanel ist richtig gut, aber...
Duumvir:DieNase:Ich glaube auch, Pour Monsieur und laut ist ein Widerspruch in sich. Ich finde ihn gut, wie er ist.Hallo...

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