41
Top Rezension
Verruchter Koriander-Leder-Gigant für die Ewigkeit!
Es fing mit einer Flohmarktminiatur Mitte der 90er-Jahre bei mir an.
Eine komplett schwarze Flasche, tieflila gegen das Sonnenlicht?
Der Inhalt überfiel mich als 13-Jähriger. Urgewalt, brachial, stark, schwer, eine Sinfonie aus satten Gewürzen, Ledrigem, Herb-Süßen.
Ich kam davon nicht mehr los, habe es über Jahre immer wieder probiert.
Nicht zu kaufen getraut, vielleicht war ich mir unterschwellig bewusst, dass ein 15/16-Jähriger damit auf die Nase fällt. Trotzdem, eine Art Sonderstellung hatte es seitdem immer, nur der Mut zu einer ganzen Flasche fehlte ob meines Alters.
Gerade das schwere, eingefettete Leder im Kern kam mir wohl nicht altersgerecht vor.
Ein paar Jahre nicht darüber nachgedacht, meiner Frau hatte ich ihn mal in der Parfümerie vorgeführt, sie sagte nur: "Oh Gott, alter Kerl! Bitte nicht!"
Da ist man dann wieder mal bei so einem Monolithen der Duftgeschichte,an den wohl JEDER sich erst herantesten und ihn "lernen" muss.
Als ich ihn dann vor etwa 2 Jahren mal wieder in Ruhe alleine testete, ganz bewusst den Phasenreichtum, das Volumen, die Tiefe, das Animalische, das Rauchige, das Ur-Maskuline, die geniale Komposition mir wieder richtig bewusst wurde, konnte ich nicht mehr anders. Er wurde gekauft!
Der Auftakt: Er haut einen wirklich aus den Socken! Viel, viel Koriander und Salbei, "angespitzt" durch zitrische Nebentöne. Eine Würzbombe, die ihresgleichen sucht. Fast herzhaft, delikat, eine Idee an provencalische Küche kommt schon auf bei mir.
Etwas Beschwörendes, Meditatives gesellt sich gleich dazu, die Myrrhe wirkt hier fast kirchlich-feierlich. Über allem schwebt bereits das Ledrige-Animalische.
Die Nase bekommt hier verdammt viel zu tun, das ist toll, imposant, ein richtiger olfaktorischer Lehrgang, was sag ich, ein Studium!
Die Herznoten schleichen sich nach etwa 15 Minuten ein, und nun wird es blumig-krautig. Rose und Jasmin spielen einen Moment lang feminine Nuancen aus, für unerfahrene Nasen kommt hier wohl etwas Verwirrung auf.
Männliches Basilikum und würzig-süß-herber Thymian treten dem aber resolut entgegen und entfachen einen Streit darum, wer die Oberhand behält.
Letztlich ist das aber schon lange entschieden- wer den Duft mehrfach probiert hat, weiß, wie der Film weitergeht:
Das bibergeile, leicht verruchte, satt verwendete Leder, das schon zu Beginn sene Anwesenheit klarmachte, zeigt, wer Herr im Haus ist.
Da wird dann auch klar, das der Name "Antaeus" ein absoluter Geniestreich ist!
Ein nahezu unbesiegbarer Riese der griechischen Mythologie! Geht´s größer?
Dass hier sogar klassische Bildung vonnöten ist, um den Namen zu verstehen, macht deutlich, mit welchem Anspruch vor 33 Jahren noch ein Duft kreiert wurde- nichts weniger als ein Kunstwerk zu schaffen war das Ziel!
Man muss fast lachen (oder weinen?), wenn man sich wahllos aus den 2000er-Jahren eine Namensliste aktuellerer Düfte heranzieht - 1 Million, Go! Jump! Secret Mission, Man, man, man, man....mehr sage ich dazu nicht....
Die Basis vollendet dann gigantisch gut alles Opulente, Brachiale, Kantige, auch den ein oder anderen Verstörende.
Satte, balsamische, moosig angehauchte, wohlig-warme, leicht süße, nie das Grundwürzige vergessende Ledrigkeit.
Haltbarkeit bombastisch, deutlich über 12 Stunden. Aber das ist eben Chanel at its best. Möge dieser Monolith nie, nie, nie, nie, nie, nie aufgegeben werden!!
Meine Frau findet ihn mittlerweile übrigens auch ganz gut. :-)
Eine komplett schwarze Flasche, tieflila gegen das Sonnenlicht?
Der Inhalt überfiel mich als 13-Jähriger. Urgewalt, brachial, stark, schwer, eine Sinfonie aus satten Gewürzen, Ledrigem, Herb-Süßen.
Ich kam davon nicht mehr los, habe es über Jahre immer wieder probiert.
Nicht zu kaufen getraut, vielleicht war ich mir unterschwellig bewusst, dass ein 15/16-Jähriger damit auf die Nase fällt. Trotzdem, eine Art Sonderstellung hatte es seitdem immer, nur der Mut zu einer ganzen Flasche fehlte ob meines Alters.
Gerade das schwere, eingefettete Leder im Kern kam mir wohl nicht altersgerecht vor.
Ein paar Jahre nicht darüber nachgedacht, meiner Frau hatte ich ihn mal in der Parfümerie vorgeführt, sie sagte nur: "Oh Gott, alter Kerl! Bitte nicht!"
Da ist man dann wieder mal bei so einem Monolithen der Duftgeschichte,an den wohl JEDER sich erst herantesten und ihn "lernen" muss.
Als ich ihn dann vor etwa 2 Jahren mal wieder in Ruhe alleine testete, ganz bewusst den Phasenreichtum, das Volumen, die Tiefe, das Animalische, das Rauchige, das Ur-Maskuline, die geniale Komposition mir wieder richtig bewusst wurde, konnte ich nicht mehr anders. Er wurde gekauft!
Der Auftakt: Er haut einen wirklich aus den Socken! Viel, viel Koriander und Salbei, "angespitzt" durch zitrische Nebentöne. Eine Würzbombe, die ihresgleichen sucht. Fast herzhaft, delikat, eine Idee an provencalische Küche kommt schon auf bei mir.
Etwas Beschwörendes, Meditatives gesellt sich gleich dazu, die Myrrhe wirkt hier fast kirchlich-feierlich. Über allem schwebt bereits das Ledrige-Animalische.
Die Nase bekommt hier verdammt viel zu tun, das ist toll, imposant, ein richtiger olfaktorischer Lehrgang, was sag ich, ein Studium!
Die Herznoten schleichen sich nach etwa 15 Minuten ein, und nun wird es blumig-krautig. Rose und Jasmin spielen einen Moment lang feminine Nuancen aus, für unerfahrene Nasen kommt hier wohl etwas Verwirrung auf.
Männliches Basilikum und würzig-süß-herber Thymian treten dem aber resolut entgegen und entfachen einen Streit darum, wer die Oberhand behält.
Letztlich ist das aber schon lange entschieden- wer den Duft mehrfach probiert hat, weiß, wie der Film weitergeht:
Das bibergeile, leicht verruchte, satt verwendete Leder, das schon zu Beginn sene Anwesenheit klarmachte, zeigt, wer Herr im Haus ist.
Da wird dann auch klar, das der Name "Antaeus" ein absoluter Geniestreich ist!
Ein nahezu unbesiegbarer Riese der griechischen Mythologie! Geht´s größer?
Dass hier sogar klassische Bildung vonnöten ist, um den Namen zu verstehen, macht deutlich, mit welchem Anspruch vor 33 Jahren noch ein Duft kreiert wurde- nichts weniger als ein Kunstwerk zu schaffen war das Ziel!
Man muss fast lachen (oder weinen?), wenn man sich wahllos aus den 2000er-Jahren eine Namensliste aktuellerer Düfte heranzieht - 1 Million, Go! Jump! Secret Mission, Man, man, man, man....mehr sage ich dazu nicht....
Die Basis vollendet dann gigantisch gut alles Opulente, Brachiale, Kantige, auch den ein oder anderen Verstörende.
Satte, balsamische, moosig angehauchte, wohlig-warme, leicht süße, nie das Grundwürzige vergessende Ledrigkeit.
Haltbarkeit bombastisch, deutlich über 12 Stunden. Aber das ist eben Chanel at its best. Möge dieser Monolith nie, nie, nie, nie, nie, nie aufgegeben werden!!
Meine Frau findet ihn mittlerweile übrigens auch ganz gut. :-)
12 Antworten


Sehr gut und treffend beschrieben. Dankeschön!
Leider kann ich lange nicht so viele Duftnoten erkennen, wie Du es schaffst.
Antaeus ist und bleibt ein wahres Kunstwerk.