MamskiMamskis Parfumkommentare

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21.12.2017 08:49 Uhr
19 Auszeichnungen
Es war nicht nur einer dieser Tage. Die ganze Woche war eine Aneinanderreihung von diesen Tagen, an denen alles schief läuft, angefangen beim Öffnen der Augen nach einer dieser Nächte, in denen man sich unruhig hin und her wälzt und keinen erholsamen Schlaf findet. Jeder Tag der Woche bot ein gesondertes Highlight, eines vernichtender als das andere. Vom Satz "Schlimmer kann es nicht werden", glitt ich ungebremst in die Überzeugung "Schlimmer geht immer" und durfte mich täglich von der Wahrheit dieser Worte überrollen lassen.

"Unverhofft kommt oft", ging mir durch den Sinn, als ich erstaunt einen Umschlag in den Händen hielt, der einige wundervolle Überraschungspröbchen zutage brachte. Allein schon das Gemisch der durcheinandergeratenen, ineinander verschmolzenen Düfte ließ mich verzückt aufseufzen und plötzlich hielt ich einige Tropfen RUME in den Händen. Uuuuh, den wollte ich schon immer mal schnuppern. "Cola & Haselnuss" raunte mir mein Gedächtnis zu - wie das wohl riechen mag? Und sofort rauf, vorsichtig rauf mit der dunkelbraunrötlichen Mixtur auf mein Handgelenk, die, wie auch die anderen Vertreter der Slumberhouse-Düfte, gerne Flecken auf Haut & Kleidung hinterlässt.

Hatte sich das Rad nun gewendet? War die Unglücksrabenzeit vorbei? Sollte meine Pechsträhne ein Ende gefunden haben?

Als der Duft mich erreichte, befand ich mich sogleich im LaLa-Land, die Sinne schwer getrübt.

Feuchtherbsüße Schwaden dunkelst roter Harzrauchigkeit – sirupartige Anmutungen schwer glühender Gewürze, gewälzt in grünblättrigem Blattteig – saftig und ruppig – dick und satt und dicht und kräftig, einschlagend, durchschlagend, gleichsam durch geweihten Rauch entwaffnend und betörend - lässt mich der Duft schmelzen und dahinfließen und steckt mich in ein Gewand aus balsamischen Kräutern, dunkelwarm und weichwürzig, likörig und geheimnisumwittert klingen dumpf Glocken aus weiter Ferne, leise ins Ohr dringend – ein üppiger, praller Körper mit wohldefinierten Konturen. Stark und kräftig. Glücksseligkeit. Berauscht. Lange. Ewiglich.

Hin und weg war ich. Entschwunden in eine andere Zeit. "Das isser!", wummste es durch meine Hirnwindungen bis hinein in jede Zelle meines Seins, DAS ist er! Mein neuer Signaturduft! Die Krone schon in den Händen, um diesen Königskandidaten auf den Thron meines Duftschlosses zu setzen, eilte, stürzte ich zum PC und tippte hastig das R und das U und das M und das E in den Kasten. Und war mit einem Schlag wieder wach und ernüchtert: Produktion eingestellt!

Mit einem lauten *klong* fiel die Krone in meinen Händen zu Boden und ein riesiger Eimer eiskaltes Wasser ergoss sich über die heiß glühenden Funken, die gerade zum Feuer auflodern wollten und erloschen die soeben entstandene Liebe zu diesem Duft. Da war doch was? Ach ja: Schlimmer geht immer!

Die Probe wanderte in meine heilige Kiste und ab an und genehmigte ich es mir, zu schwelgen.

- Einige Wochen später -

Da diese Pulle durch etliche diverse Dufthaushalte reiste und nirgendwo in diesen eine Heimat finden konnte, danke ich allen Vorbesitzer/innen dafür, dass sie ihn nicht so mochten, wie ich und ihn großzügig und freiherzig haben ziehen lassen! Am meisten danke ich dem Irren, der mir diesen Flakon überraschenderweise zum Geburtstag schickte und mir Weihnachtsgefühle im Herbst bescherte. Von ganzem Herzen danke ich! So durfte RUME zu mir finden und wir werden beieinander bleiben, bis der letzte Tropfen uns scheidet. Mit tief mit geneigtem Haupt verbeuge ich mich treu: Lang lebe der König!


19.11.2017 09:23 Uhr
20 Auszeichnungen
Mein Großvater war Winzer und so kam es dazu, dass auch wir Kinder alljährlich zur Traubenlese mit in den "Wingert" gingen und halfen, die prallen Früchte zu ernten. Nicht selten war es frühmorgens sehr kalt und der Nebel hing schwer in den steilen Weinbergen. Die selbstgestrickten fingerlosen Wollhandschuhe wärmten nicht so recht, die kleinen Finger kühlten schnell ab und man hatte kaum noch Gefühl in diesen. Ab und zu haben wir uns mit der Schere leicht in den Finger geschnitten und es erst bemerkt, wenn ein wenig Blut herunter tropfte. Dann stapfte man zu Opa, hob den verletzten Finger in die Höhe, er murmelte etwas vor sich hin, zog einen Flachmann hervor und schüttete einen guten Schluck Trester über die Wunde, um diese zu desinfizieren. Opa war nie ein Mann der vielen Worte, erst recht nicht liebevoller Gesten, doch diese kleine Verarztung hatte etwas rührendes, wohlwollendes und liebevolles an sich, wenn er einem im Anschluss die Haare über dem Kopf verstrubbelte, leise lächelte und nicht wie sonst in Platt, sondern in hochdeutsch flüsterte: "Pass besser auf!".

An diesen Geruch des guten Schluck Tresters erinnert mich das Kreuzfahrerwasser im Auftakt, wenn auch in abgedimmter Form, und es verwundert mich kein bisschen, dass als Grundlage für diesen Duft 85%iger Obstler verwendet wird. So wie ein guter Schluck Trester schüttelt es mich erst mal harsch und es ist bestimmt nicht angenehm, nach Schnaps zu "duften", doch es ist ein ganz kurzer Augenblick, der sogleich verfliegt, denn dann macht der Duft das, was auch ein guter Schluck Trester im Körper macht: Er wärmt. Und arbeitet.

Es riecht medizinisch-krautig, ätherisch, ein wenig küchenwürzig und für mich ist das Kreuzfahrerwasser kein Parfum, sondern ein Duft, der sich um mich kümmert und mich in liebevolles Wohlwollen einhüllt. Das mit Ölen und Kräuterauszügen versetze Obstwasser (ein bisschen Anis, viel Thymian, viel Fenchel und ein wenig Rosmarin lassen sich hervorragend heraus riechen und der Lavendel wird so umschmeichelt von diesen Kräutern, dass er auf- und erblüht, aber dabei nie überheblich wird) hinterlässt tatsächlich eher den Eindruck eines medizinischen Suds oder einer Heilsalbe. Etwas süß wird es auch. Blumen kann ich keine ausmachen, auch Weihrauch und zitrische Noten spielen in meiner Dufterfahrung eher keine Rolle. Die Kräuter sind harmonisch miteinander verwoben, aber hier wurde kein superduper Parfum kreiert. Es riecht genau so, wie es ist: Als hätten sich ein paar Mönche zurückgezogen und ein altes Rezept heraus gekramt, dies hingebungsvoll umgesetzt und den Duft in Flakons abgefüllt.

Diesen Duft trage ich immer dann, wenn es mir nicht gut geht. Wenn ich mich kränklich fühle, angeschlagen oder genervt oder wenn ich garstig bin, wenn mir einfach alles und jeder auf den Wecker geht und ich mich nach Ruhe sehne. Denn genau das gibt mir das Kreuzfahrerwasser: Ruhe. Es beruhigt, es eilt nicht, es hat seine Zeit, es desinfiziert (auch garstige Gedanken), heilt meine innerlichen Wunden und wärmt. Es erinnert mich. Es erinnert mich innerlich an vieles, was ich in hektischen Zeiten vergesse. Als ob Opa mir über den Kopf wuschelt und sagt: "Pass besser auf!".


11.08.2017 08:07 Uhr
8 Auszeichnungen
Normalerweise teste ich einen Duft mehrfach, bevor ich einen Kommentar schreibe, doch hier mache ich eine Ausnahme. Allerdings gibt es keinen vollständigen Kommentar, sondern einfach ungefiltert die ersten Gedanken und Notizen, die mir zu diesem Duft durch den Kopf gegangen sind:

aus der Naturduftreihe. "November im gemäßigt abscheulichen* Wald" - witziger Name, aber bisschen over the top und etwas verschwurbelt esoterisches Gerede auf der Firmenseite.

Duft: Uuuh. Schwierig zu beschreiben. Kratzt erstmal etwas im Hals. Sehr dunkel, feucht, erdig. Pilzig. Definitiv unisex, nicht weibisch/weiblich, gar nicht. Grün, dunkelgrün und unklar, neblig. Hautnah. Waldig. Kaum Sillage? Tee? Ich weiß nicht - wo? Irgendwie sehe ich noch die Farbe Grau. SEHR schwer zu fassen, zu beschreiben. Auf jeden Fall interessant und (für mich wohlgemerkt) tragbar, aber schwierig, nicht unbedingt leicht zugänglich. Ja, eine Art Neroli könnte sein, aber hier nicht als Kopfnote, die sich nach und nach verzieht, sondern mittendrin und mittendrauf und irgendwie: kratzbürstig.

Eine Lichtung am Waldrand im nassen Morgentau, der Tag ist noch nicht da, trüb verhangen und nebulös. Süße, wenn überhaupt, rieche ich nur ganz verhalten. Wirklich harziges kann ich auch nicht erriechen, höchstens erahnen. Auf jeden Fall kratzt es mich im Hals. Überhaupt nicht feminin im üblichen Sinn. Könnte mir sogar vorstellen, dass manche Damen ihn eher der maskulinen Richtung zuordnen würden.

Irgendwas irritierendes ist da drin, im Sinne von allergen. Mir geht ein wenig der Hals zu und das hatte ich noch nie in der Form. Nicht viel, aber ganz leicht und nur am Anfang, verzieht sich mit der Zeit.

Er verändert sich, langsam, aber stetig. JETZT. Jetzt kommt etwas Tee heraus. Jetzt auch Süße. JA, jetzt ist da deutlich Tee, schwarzer mit grünem gemischt plus ein bisschen Feuerholzrauch, ganz dezent. Definitiv interessant.

An der frischen Luft, draußen, beim Herumlatschen, bekommt der Duft unheimlich Auftrieb, geht nochmal richtig auf und haut raus, was das Zeug hält. Es ist ein sehr warmer Tag, fast zu heiß und der Duft begleitet mich, weicht nicht von meiner Seite. Nun wird es süßer und auch femininer, aber nicht übertrieben. Und wird immer süßer und femininer, aber nicht ZU süß, nicht abartig, sondern angenehm. Schön süß. Heimelig und gemütlich. Der Duft macht Spaß in seiner Entwicklung, ist spannend! Von einer Kratzbürste zum Schmusebürstchen. Nun auch Harze. Heimkommen nach einem Spaziergang, einem langen Spaziergang, einem abwechslungsreichen. SCHÖN!

Der Duft hat eine PHÄNOMENALE Haltbarkeit (12+Std.) und macht eine unglaubliche Entwicklung durch! Anfangs dunkelgrün-erdig und pilzig-grau, im Verlauf blüht der Tee auf, der mit leicht feurigem Rauch mehr und mehr angereichert wird und gegen Ende wird der Duft immer weicher, immer harziger, immer schmusiger! Ganz, ganz toll! Zum Schluss ist er watteweich-rauchig-harzig, ein bisschen wie Ankommen und Ausruhen . Er geht ganz leise, mit einem Hauchen. Das hat mich so überrascht (auch die Haltbarkeit!) und vollends begeistert! Wunderbar! Ganz, ganz toll! Am liebsten würde ich den gleich nochmal auftragen, aber da so wenig davon da ist, werde ich wohl abwarten, bis alle den mal hatten und wenn noch was übrig sein sollte, gibt's davon nen Kommentar! Wundervoller Duft, ganz W U N D E R V O L L !!

* ein fauxpas meiner Übersetzungskünste, richtig ist: Laubwald


26.03.2017 10:50 Uhr
9 Auszeichnungen
Hyle war eines der ersten Pröbchen, die ich hier ganz überraschend einfach so geschenkt bekommen habe. (DANKE!) Hyle war der erste Duft, mit dem ich meine Sammlung nach meiner Anmeldung auf Parfumo bereicherte.

Einfach aufgesprüht, ohne die Pyramide zu kennen, ohne vom Label je was gehört zu haben, war der allererste Schnüffler eher ein vages " Hm, was ist das denn? Mag ich das?".
Kurz darauf schlenderte ich durch die Stadt, als mich plötzlich ein wohlduftendes Odeur erreichte und ich mich laufend fragte, woher dieser leichte Lavendelduft wohl herrühren mag? Einige Male drehte ich mich um und schnüffelte sogar Regale ab. Ich wurde nicht fündig.

So erquickend, fast erfrischend, doch nicht spritzig, es wirkt mineralisch und klar, ein bisschen wie ... nasse Haut? Nicht direkt warm, aber doch wärmend, doch keinesfalls heiß, sogar irgendwie kühl, doch nicht fröstelnd oder gar kalt, eher windig bei Sonnenschein. Einfach und natürlich. Ein leichter Hauch Süße, aber ohne zu kleben oder gar zu triefen. Lavendel in der Ferne, doch nah genug, um erkannt zu werden. Würzig, ohne zu überladen und krautig, dabei ohne bittre Herbheit, eher fenchelig. Leichte Pudrigkeit.

Als ich nach einer ziemlich langen, irritierten Weile, in der ich die Quelle des Wohlgeruchs nicht ausmachen konnte, entdeckte, dass der Duft meinem Handgelenk entströmte, war ich perplex! DAS war HYLE? Echt jetzt? Immer und immer wieder flog das Handgelenk zur Nase und wehte mir Brise um Brise sonnig-salzig-wonnige Wohlgefühle zu. Es traf mich ziemlich unverblümt mitten ins einsame, suchende Duftherz: Oh, der gefällt mir. Sehr sogar!

Zuhause angekommen wurde sofort die entsprechende Duftseite aufgerufen und ich fand heraus: ein Aquat. Aha. Sowas bezeichnet man also als aquatische Duftrichtung. Und tatsächlich: Lavendel in der Duftpyramide. Von Meer und Wellen und Salz und Tang und Algen ist die Rede in den Kommentaren und ich konnte das plötzlich sehr gut nachvollziehen, wenngleich ich von alleine wohl nicht auf diese Assoziationen gekommen wäre. Ich hatte bis dato noch nie einen Aquaten in der Nase.

Es dauerte nicht lange und das Pröbchen war aufgebraucht, leergesprüht bis zum letzten Tropfen . Und mit jedem Tragen wurde mir klar und klarer: JA! Ich will! Hyle hüllte mich in meinem ersten Parfumo- Frühjahr bis spät in den Sommer hinein in einen Mantel inniger Freundschaft, und auch wenn dem Duft keine Lobeshymnen gewidmet wurden: Die Brandung der brechenden Wellen höhlen immer noch beharrlich hylisch den Platz aus, den er in meiner Sammlung bekommen hat und ich tanze liebend gerne in seiner leicht schäumenden Gischt.

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Weiteres:
- Ich habe keine Ahnung, wie der Duftname korrekt ausgesprochen wird (hüll? heil? hühl?)
- Die Haltbarkeit liegt bei etwa 5 - 6 Stunden bei meiner Haut, die Sillage befindet sich im guten mittleren Bereich.
- Der Flakon ist mittlerweile blickdicht und tiefschwarz. Abfüllen ist eine Katastrophe, der Sprühkopf verteilt den Duft breitflächig und es ist selbst mit Trichterchen schwierig, Sprühverlust zu vermeiden.
- Auch ich denke, dass der Duft im neuen Flakon leicht abgeändert wurde, mein Pröbchen hatte etwas mehr Tiefe und Fülle und eine bessere Haltbarkeit. Hyle ist in der Basis etwas heller geworden, immer noch wundervoll und die Veränderung marginal.
- Acqua di Sale wird als Duftzwilling genannt und die beiden gleichen sich zwar, aber für mich geht Hyle eine Spur tiefer, ist weniger süßlich und klarer. Acqua di Sale hätte es nicht in meine Sammlung geschafft.


11.09.2016 10:38 Uhr
16 Auszeichnungen
Die kleine, dickwandig-gläserne 15ml Apothekerflasche mit schwarzem Drehverschluss und der geheimnisvollen Aufschrift „Cilice“ beinhaltet ein bernsteinfarbenes Eau de Parfum. In Wirklichkeit ist es ein Öl, denn selbst beim Umfüllen in einen Minisprüher trieft die Flüssigkeit nach dem Besprühen in der Art auf mein Handgelenk, dass ich den Duft in meine Haut einreiben muss, damit er sich verteilt und überhaupt aufgenommen werden kann.

Sanft und intim ist der Duft, der mir entgegen strömt. Anfangs dicht und satt fließt er dann konstant ruhig ohne nennenswerte Höhen und Tiefen auf einer Ebene und bleibt, wie er ist: Balsamisch und ätherisch. Umschlungen von uralten, knorrigen Bäumen, aus deren Wunden der Stämme Harze üppig hervorquellen. Ein leicht klebrig beschwerter Duftschleier aus Weihrauch und Labdanum umhüllt. Es duftet wohlig und ungeheuerlich vertraut. Koniferisch. Eine Ahnung von Bienen und Honig flirrt durch dunkelgrünbraune, grazil likörwürzige Anmutungen, einbegriffen etwas Rauch. Wachsweich ist die Haut. Fast schmierig, salbengleich. Etwas Melancholie schwingt im Hintergrund mit, auch ein wenig Sakrales, aber eher so, als hätte man sich davon abgewendet und der letzte Hauch wurde noch nicht abgestreift. Sehr mollig, dunkel, aber keineswegs düster, eher schummrig. Waghalsig ist der Duft nicht, sondern schüchtern, ruhig und beinahe: unerhört ansehnlich, groß und schön.

Cilice ist scheu, die Sillage daher gering und anscheinend nur für den Träger bestimmt und man darf nicht erwarten, dass von Nasen verführte Köpfe herum schnellen und diesem Duft hinterher schnuppern werden. Er ist ein wundervoller Begleiter für leise, verschwiegene Stunden, in denen ich alleine träumen und auch spinnen möchte. Das herzerwärmende Gesicht von Cilice kommt gedämpft und verhalten angeschlichen und flüstert alte und weise Geschichten, die man zwar alle irgendwie und irgendwo schon einmal mitbekommen hat, man aber nie müde wird, sie erneut zu hören und daher immer wieder lauschend die Ohren spitzt, um auch ja kein Wort zu verpassen. Und vielleicht ist ein Wort dabei, welches zuvor noch nie vernommen wurde? Es ist so warm und gemütlich in diesem Duft, dass ich einfach nur die Augen schließen und genießen möchte. Und zwar hautnah.


09.02.2016 11:23 Uhr
24 Auszeichnungen
Hin und wieder hat man Begegnungen, die alles auf den Kopf stellen und in der Lage sind, festgefahrene, starre Einstellungen erst zu lockern, dann aufzulösen und schließlich ins Gegenteil zu kehren.

Kiste ist so eine Begegnung. Fruchtig – süß? Pfirsich? An mir? Für mich? Niemals!

Doch nach dem ersten Tropfen bin ich hin und weg. Werde entführt, kann mich nicht wehren gegen das, was mit und in mir geschieht. Beim Öffnen des Deckels dieser Kiste werde ich in einen Bann gezogen, der mir die Welt in neuem Lichte präsentiert. Eine neue Sicht tut sich auf. Direkt und ohne Umwege berührt dieser Duft mein Herz und macht sich nicht erst die Mühe, meinen Kopf beeindrucken oder gar bezirzen zu wollen. Hier gibt es kein Warten auf das, was kommen mag. Kein Ausharren, um zu dem vordringen zu können, was sich tief im Innersten verstecken könnte. Kein Vorspiel, welches in die nachfolgende Vorstellung einführt oder Spannung erzeugt, die Enttäuschung hervorrufen kann, da sie nicht hält, was sie verspricht. Da ist kein Prolog.

Kiste ist direkt da. Präsent mit allem, was diesem Duft innewohnt. Legt ohne Umschweife los, packt mich an der Hand und offenbart sich mir, ohne sich selber zu schonen: "So bin ich. Nein, vergiss es, so bin ich nicht, aber so." Es gibt für mich keinen gewohnten Verlauf, ich verlaufe mich nicht, weil: ich bin schon da. Angekommen. Der Duft verändert sich im Wesen nicht. Das, was ihm zugrunde liegt, hat Bestand bis zum Ende. Doch steht der Duft nicht auf der Stelle, sondern tanzt, wodurch ich mal die eine oder die andere Seite kurz betrachten darf.

Pfirsich (Prunus persica = persischer Apfel) ist meiner Nase nach die Essenz dieses Duftes. Schwer, üppig, prall, saftig, reif, über gelb-rote Anteile hin zu einem Orange changierend. Samtig, mit pelziger Haut. Und wie Pfirsich nun mal ist - leicht süffig und klebrig. Diese „Schwäche“ der Süße wird durch einen warm-goldenen Honig, der nicht zäh, sondern fließend daher kommt, unterstützt, vielleicht sogar hervorgehoben, um zu zeigen: So bin ich halt! Und jeder darf (sogar sollte) es sehen. Damit keine Missverständnisse auftauchen. Würde ich nur diese eine Seite sehen, riechen, würde ich ganz schnell weglaufen. Doch Kiste hat so viel mehr.

Gleichzeitig fängt milder, hellbrauner, herrlich duftender Pfeifentabak zusammen mit einer Tasse schwarzem Tee und einem kleinen, herben Schluck Bourbon diese Süße auf, lassen sie nicht nach oben hin ins Unerträgliche abdriften, sondern befördern sie auf den Boden. Ein Hauch von Erde erinnert daran, dass ich nicht im Himmel schwebe, sondern ein Stückchen Himmel auf Erden erfahren darf. Diese andere Seite ist geprägt von Stärke, Kraft, Erfahrung und hingebungsvoller Güte, sie beschützt die Süße und ist jederzeit bereit, sein Leben für sie zu lassen. Dieses Maskuline ist so nah und eng mit der Süße verwoben, dass diese Einheit einen Rausch an Emotionen in mir freisetzt.

Wundervoll warm ist dieser Duft. Ich vertraue Kiste. Hier fühle ich mich nicht nur wohl, sondern geborgen. Gut aufgehoben. Als wäre ich der Inhalt dieser Kiste, die schützend ihre Arme um mich breitet. Hier will ich liegen, hier will ich sein. Und hier darf ich so sein, wie ich bin. Kiste ist nicht nur ein Freund, Kiste ist eine besondere Liebe. Mein Schatz!

Hin und wieder hat man Begegnungen, die alles auf den Kopf stellen und in der Lage sind, festgefahrene, starre Einstellungen erst zu lockern , dann aufzulösen und schließlich ins Gegenteil zu kehren.

Kiste ist so eine Begegnung. Fruchtig – süß? Pfirsich? An mir? Für mich? Mit Kiste? Ohne zu zögern - auf jeden Fall - jederzeit und: immer wieder!


20.09.2015 14:03 Uhr
11 Auszeichnungen
Die kleinen Flaschen der Demeter-Fragrance-Library stehen aufgereiht in drei Reihen mit dem Rücken zu mir und ich ziehe mir eine hervor und betupfe mutig mein Handgelenk. Ich möchte blind testen und herausfinden, ob ich die Düfte ihren Namen zuordnen kann.

Es zieht eine schmodderig dunkelgrün anmutende Duftwolke in meine Nase und ich weiß noch nicht, womit ich den Geruch verknüpfe, doch kommt er mir bekannt vor. Es riecht kräftig nach abgestandenem Blumenwasser, ich habe das Bild eines Plastikeimers mit Resten aufgequollener Stengeln vor Augen, vermischt mit mittlerweile braun gewordenen, abgefallenen Blättern. Es riecht außerdem erdig und schal.

Einen Blick auf die Namensliste werfend bleiben meine Augen an dem Demeter-Duft „Green House“ hängen. Ja, der könnte es sein. Ich nehme noch eine Nase voll und entdecke gruftige Erdigkeit im Geruch. Schnell suchen meine Augen abermals die Liste ab und haken im Ausschlußverfahren nacheinander die Düfte ab. „Dirt“? Könnte es nicht vielleicht auch Dirt sein? Nein, dafür ist es meines Erachtens nicht erdig und dreckig genug, zu viel verdorbenes, vergammeltes Grünzeug schwimmt in dieser imaginären, brackigen Wassersuppe herum, die mit trocken-klumpiger Blumenerde aus der Tüte lediglich ein wenig aufgepeppt und verquirlt wurde. Außerdem meine ich dezent ausgedörrte, verschrumpelte Blüten zu erschnuppern. Dirt schließe ich nun aus.

Plötzlich weiß ich, an welchen Ort mich dieser Geruch erinnert: An die Blumenabfall-Ecke eines Friedhofs! Diese Kompost-Ecke, wo die ganzen verblühten, vertrockneten Schnittblumen der Gräber landen, wo ausgebuddelte, kleine Sträucher und Pflanzen mit den kümmerlichen Resten ihrer Wurzeln, an denen noch die verklumpte Erde hängt, die mit jedem Regen erneut gewässert wird, hingeworfen werden. Dieser ganze Mischmasch aus toten Blumen, deren Stengel das frische, kräftige Grün und ihre Stärke, ihren Halt verloren haben und nun nur noch blass, weich und aufgedunsen, labberig und kraftlos auf diesem eigens dafür hergerichteten Grab vor aller Augen vor sich hinkompostieren darf.

Nun bin ich mir nicht mehr sicher, ob das tatsächlich der Duft „Green House“ sein könnte, jedoch schließe ich alle anderen aus und entscheide mich dafür, da meiner Meinung nach nichts anderes übrig bleibt. Selbstzufrieden ziehe ich das Fläschchen zu mir und wende es.

„THUNDERSTORM“ >> ???

Nein, das hätte ich nicht erwartet, nie und nimmer! Ehrlichgesagt weiß ich nicht, was ich bei einem Gewitterduft erwartet hätte, aber gewiss nicht diesen Friedhof der vor sich hingammelnden Schnittblumen!
Mittlerweile sind zwanzig Minuten vergangen und vollkommen verdutzt schnuppere ich erneut an dem Duft auf meiner Haut, welcher jetzt sehr hautnah geworden ist. Ob ich mit der Assoziation „Gewitter“ im Kopf nun auch andere Komponenten heraus riechen können werde?

Ja. Ob es am Namen liegt? Nomen est omen? Nun verknüpfen meine Synapsen den Duft mit aufgeheizten, viereckige Betonplatten, zwischen deren Ritzen Moos oder sonstiges Grünes wächst und es riecht, wie wenn der Regen nachgelassen hat und die Sonne diesen nun dunkler gewordenen, gegossenen Steinboden wieder zu trocknen versucht. Einige Stellen sind schon wieder hellgrau und man kann beobachten, wie diese Flecken größer werden. Ein eigenartiger Geruch, den ich nicht auszudrücken vermag.

Ist denn der Pflanzenabfall –Duft verschwunden? Nein, aber er scheint sich (vielleicht auch nur in meinem Kopf?) verändert zu haben, von Dunkelgrün- fast Olivfarbigem hin zu einem immer blasser, hellgrüner werdendem, verschwindendem Hauch, der im Abklang sogar noch irgendeine seifige(?) Note offenbart. Nach gut zwei Stunden rieche ich nichts mehr vom Demeter-Duft „Thunderstorm“, der seinem Namen meiner Nase nach nicht gerecht wird. Ich bin irritiert, da ich mich insgeheim schon auf „Gewitterduft“ und Krachen und Bersten und Blitzen, auf aufgeladene Spannung gefreut hatte und mit ziemlich welkem Gammelkram abgespeist wurde. Für mich leider eine Enttäuschung. Schade!


23.07.2015 20:37 Uhr
4 Auszeichnungen
Die südfranzösische Stadt Nîmes ist wohl seit dem 17. Jahrhundert für qualitativ hochwertige, feine und robuste Stoffe bekannt und ihre Geschichte ist eng mit der Geschichte der Textilindustrie verknüpft. Im späten Mittelalter entwickelte sich ein Stoff, welcher in sogenannter „Köperbindung“ gewebt wurde. Dieses Gewebe bezeichnet man ursprünglich als „Serge“. „Serge de Nîmes“ ist also ein Gewebe, welches seinen Ursprung in Nîmes findet und sich im Laufe der Zeit zu dem verkürzten Wort „Denim“ entwickelte. Der blau-weiße Jeansstoff ist der wohl prominenteste Vertreter dieser Grundbindungsart für gewebte Stoffe.

OH±Denim ist ein Duft, der mich direkt beim Aufsprühen in eine florale, dicht gewebte Blumendecke hüllt. Grazile, noch verschlossene weiße Blüten mit einem Hauch von rosa an den Spitzen, blassgrüne Blätter, lange Stängel, zart gelbe Blümchen mit einem Hauch grün in der Farbe, weiß, gelb und hauchgrün umweht dieses Parfum meine Sinne und entführt mich in blumige Gefilde. Eine ganz feine, leicht dezent trockene, herbe Note sitzt verspielt im Hintergrund und schubst dadurch ein pastellfarbenes Bild in den Vordergrund. Versteckt sich Jasmin irgendwo in diesem Schleier aus Blüten? Den Namen finde ich hervorragend getroffen, wenn ich Denim als Webtechnick eines Stoffes verstehe. Hier wurden Blumen zu einem olfaktorischem Stoff miteinander verwoben!

Zur Haltbarkeit: Nach elf Stunden nehme ich immer noch einen Hauch des Duftes wahr, der im Ausklang leicht seifig riecht. OH±Denim ist für mein Empfinden viel zu viel zu feminin für einen Mann.

Ich liebe Blumen, doch sind Blumenparfums keine meiner bevorzugten Lieblinge und ich tue mich schwer mit diesem Duft, auch mit einer Beschreibung, da er mir so gar nicht zusagt. Doch bin ich sicher, dass es für diesen, meiner Meinung nach klassischen Duft, irgendwo eine Frau mit ihrem eigenen, liebenswürdigen Stil gibt, die nach ihm sucht.

In meiner Vorstellung trägt sie eine dieser dreiviertel-langen stonewashed Sommerjeans, die ihre Hüften umschmeicheln, ihre blanken Füße stecken in hellbraunen oder weißen, offenen Ledersandalen mit Steg, die vielleicht irgendwie verziert sind. Eine leichte Bluse, die sie nicht in den Bund gesteckt hat (!), flattert im sommerlichen Wind umher. Ihr Haar ist schon seit Stunden nach oben gesteckt und an den Seiten purzeln kleine Strähnen herab. Sie lacht herzlich und ist fröhlich und zufrieden. Vielleicht hat sie schon ein paar sympathische Fältchen, vielleicht aber auch nicht. Sie genießt gerade ihre Freizeit ungemein und denkt nicht an den Stress der Arbeit, den sie zu Hause in einem Kistchen verschlossen und den Schlüssel fortgeworfen hat. Ihre Augen sind klar, hell und freundlich. Ihr Lächeln: gleichbleibend umwerfend!

Ich hoffe, der Duft wird seine Trägerin finden und die zwei werden durch „Kö(r)perbindung“ miteinander verwoben! Ich wünsche es beiden!


20.07.2015 21:40 Uhr
8 Auszeichnungen
VORWEG: Man möge beachten, dass hier lediglich die Eindrücke und Erfahrungen der Schreiberin zum Ausdruck gebracht werden, die mitnichten identisch mit dem Duftempfinden anderer werter, hochgeachteter Kommentatorinnen und Kommentatoren sein müssen.

Eigentlich dachte ich, ich hätte irgendwo in den Tiefen meiner Dufterinnerungen den Geruch von Latex abgespeichert. Und nahm an, ich würde den Geruch wiedererkennen.

FEHLANZEIGE. Nix mit Latex. Entweder habe ich noch nie Latex gerochen, oder das hier riecht nicht danach. Aber: DEN Geruch hier kenne ich! Und zwar von diversen, man verzeihe mein Unwissen bezüglich der korrekten chemischen Ausdrücke, PVC- oder Plastikdingen, die nicht nur höchst ungesund, sondern komplett gesundheitsschädigend riechen.

Mir ist Kinderspielzeug, auch Babyspielzeug begegnet, welches so riecht und nie und nimmer gekauft wurde oder sofort im Mülleimer landete, sollte es den Weg zu uns nach Hause gefunden haben. Es gibt Plüschtiere, die so stinken. Sogar Klamotten können diesen widerwärtigen Gestank an sich haben. Flip-Flops. Plastikverpackungen. Schuhe, besonders Turnschuhe. Der Plastik-Geruch in den sogenannten € 1,-Läden ist nix gegen XX±Latex.

Sofort nach dem Aufsprühen bin ich zutiefst erschrocken! Es stinkt erbärmlich, penetrant und aufdringlich, übelst giftig nach extrem minderwertigem Gummi-Plastik-Gedöns (oft made in China). Es ist für mich kaum auszuhalten! War es beim Aufsprühen schon schlimm, scheint die Wärme der Haut dem „Duft“ noch mehr Antrieb zu verleihen. Angewidertes Abwarten.

Nach fünf Minuten frage ich mich ernsthaft, ob dieses „Parfum“ krebserregende Substanzen enthalten könnte? Ob es sein könnte, dass dieses „Dufterlebnis“ meinen Körper schädigt? In irgendeiner Art? Mühsam versuche ich, meinen Kopf frei zu bekommen, um unbeeindruckt zu riechen, zu schnüffeln.

Zwanzig Minuten später: Es hat nicht funktioniert! Mein Gesicht verzieht sich zu einer einzigen Grimasse und aus tiefster Seele kommt ein langgezogenes „Uääääää...“ mit herausgestreckter Zunge über meine nach unten hängenden Lippen. Ich bereue es, diesen abscheulichen Gestank an mich gesprüht zu haben! Und hoffe, hoffe, hoffe inständig, er möge nicht so lange halten, wie der Suede. Er ist ja auch schon schwächer geworden... „Und vielleicht eine gute Vorbereitung auf diverse Fläschchen des Demeter-Wanderpakets?“, versuche ich mich zu beruhigen.

Nach gut über einer Stunde gebe ich mich geschlagen. Ich rieche nur dieses Plastik, was in meiner Vorstellung Weichmacher ausdünstet, sonst nichts. Ekelhaft. Selbst WENN sich da noch etwas entwickeln, tun sollte, ich habe die Nase gestrichen voll … und es ist mir herzlich egal!

Ich überlege, zu welchem Zweck UèrMì diesen keinesfalls wohlriechenden „Duft“, mit dem ich nur Negatives in Verbindung bringe, entwickelt haben könnte, und frage mich, wer sich freiwillig diesen billigen Plastik-Müll-Schrott-Gestank auf die Haut sprühen würde und vor allem: wozu? Ist das „Kunst“? Künstlich ist es allemal ...

Mir fällt dazu nur eins ein: Sollte man mitten in der Nacht gerne draußen herumspazieren, wo es vielleicht nicht ganz sicher ist, könnte man oder frau XX±Latex auftragen und jeder potentielle Bösewicht würde garantiert Reißaus nehmen! Es riecht einfach abartig abstoßend! Nur, … ? Wie läuft man vor sich selber weg?

Ich muss jetzt duschen! SOFORT!
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Nachtrag: Ich konnte noch nicht unter das Wasser hüpfen, ich wurde aufgehalten! Mehr als drei Stunden später ist es vorbei mit Plastik und tatsächlich nehme ich eine leichte Brise maritimer Anklänge wahr. Gar nicht so übel. Doch es ist zu spät, viel zu lange musste ich „das Grauen“ ertragen und dieser kleine, gelungene, verwässerte Schlussakkord versöhnt mich nicht. Zu lange und zu laut dröhnte die Stinkbombe in meiner Nase.

Normalerweise teste ich mehrfach.
Also: more XX±Latex for me? NO F±Chance!


20.07.2015 13:25 Uhr
4 Auszeichnungen
Zuallererst anmerken möchte ich, dass ANTOINE LIE, die Nase nicht nur hinter dieser UèrMì-Kreation, unter anderem ebenfalls für „Rien“ und andere Düfte der Marke EldO verantwortlich zu machen ist.

Hier nun der erste Kommentar zum UèrMì- Wanderpäckchen:

Neugierig sprühe ich die ersten Spritzerchen auf und vernehme sofort einen weichen, artifiziellen Industrie-Kunstwildleder-Geruch. Ob ich diese Velour-Note auch gerochen hätte, wenn ich nicht gewusst hätte, nach was es riechen soll, bleibt dahingestellt, da ich ebenfalls zwei Freundinnen schnuppern ließ, die es nicht erkannten. Auch nicht, nachdem ich ihnen mitteilte, was es sein soll. ???

Eine kratzige Süße steigt mir in die Nase, die auch einen Hauch Plastik zwischen alten, lederähnlichen Komponenten enthält. Die sogenannten „plonischen“ (Definition siehe zwei Kommentare unter mir) Geruchs-Akkorde kristallisieren sich im Laufe der ersten halben Stunde mehr und mehr heraus, wobei sie die Persönlichkeit des Duftes unterstreichen, der durch vergangene Erinnerungen eine vertraute Akzeptanz hervorruft. Es erscheint mir, als sei dieses Parfum eine Fusion aus Synthetik und diverser natürlicher Gerüche. Es zieht sich bei mir sehr schnell zurück und wird hautnah, was ich sympathisch finde, weil er nicht darauf aus zu sein scheint, große Wellen schlagen zu wollen oder zu müssen. Den blümeligen Aspekt vermag ich nicht zu definieren, dieser ist aber vorhanden.

Nach etwa einer Stunde ist die Breitseite des „entfernten Tante-Geruchs“ vorbei und der Duft entwickelt sich immer süßer. Ich gestehe, dass ich überrascht bin ob der Hinwendung zur vergleichsweise mehr entstehenden Natürlichkeit, die er nun an den Tag zu legen scheint. Er macht eine seltsame Entwicklung an mir durch, als ob der Duft sich mehr und mehr entkleidet, nach und nach eine Komponente nach der anderen ablegt, wobei ich die einzelnen, verschwindenden Duftbausteine nicht beschreiben kann. Das Velo(ur)ige tritt nicht nur komplett in den Hintergrund, sondern der Duft entledigt sich dessen komplett.

Im Schneckentempo entfaltet sich dieser Duft und verliert nach und nach, so wie Blätter im Herbst von einem Baum abfallen, seine Zusätze. Seinen Schmuck, wenn man so sagen will. Blitzt tatsächlich ein klein wenig Würze zwischendurch auf, steht der Duft gegen Ende (nach gut sechs Stunden) ziemlich nackt und entblößt da. (Nicht an die Tante denken! Nur an den Duft!) Und verblüffenderweise rieche ich nur noch eins: ein kleines, süßes, unschuldiges Vanillchen. Niedlich irgendwie. Und nach nochmals zwei Stunden scheint es zurück im Kreislauf des Lebens verschwunden zu sein. Als wäre es nie da gewesen.

Für mich ein seltsames Parfum! Sollte er als Dufterfahrung kreiert worden sein, ist er mir persönlich nicht kräftig, velourig genug. Als Alltagsduft finde ich diese Interpretation von Suede sehr smooth und gelungen, sofern die erste halbe Stunde als angenehm empfunden wird und kann mir durchaus vorstellen, dass er Liebhaber/innen finden könnte.

Ich danke Franfran20 für die Möglichkeit, diese Düfte testen zu dürfen!


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