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Mapaba

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Rezensionen
Zu früher Sieg des Drydowns über Opening, dennoch spannendes, sauberes Spiel
Seit Donnerstag hat das limitierte Victoire in meinem zu Hause einen Platz gefunden. Natürlich musste ich es umgehend testen und bin nach wie vor froh, dass ich es geordert habe.

Ich war gespannt, wie die doch recht bekannten Komponenten und üblichen Verdächtigen von Patricia de Nicolaï im Zusammenspiel dosiert/eingesetzt werden, ob es womöglich eine Überraschung parat hält und natürlich wie das Parfüm am Ende wohl duften mag.

Das Opening ist für jemanden, der das Nishane Wūlóng Chá bereits kennt, einfach beschrieben: es riecht identisch und zwar exakt. Grüner Tee gepaart mit Zitronengras und etwas Feige. Die Assoziation meinerseits ist ein buddhistischer Spa-Bereich, ein wohltuender Saunaaufguss, Regeneration. Somit trifft dieses Bild ziemlich genau das, was der Duft anlässlich der Olympischen Spiele auch ausdrücken will.

Leider verändert sich diese Eingangsstimmung bzw. das Duftbild aus meiner Sicht im Verlauf etwas zu rasch und weicht einem deutlich floralerem, seifigerem Schauspiel bei dem auch eine leicht synthetische Note mitschwingt. Nicht unangenehm oder störend, aber doch überraschend.

Übrig bleibt im Drydown ein frischer, gepflegter und zitrischer Duft mit leicht holziger Background-Note. Also genau das, was man beispielsweise nach dem Sport oder eine Spa-Aufenthalt tragen möchte und nie unangenehm wird. Sehr gut für mich auch vorstellbar an heißen Tagen an einer Strandbar oder im Freibad.

Ich habe das Victoire am Morgen aufgetragen und konnte es am Abend bei ca. 20cm Abstand zur Haut immer noch deutlich wahrnehmen. Die Sillage ist hingegen nach ca. 3-4 Stunden verloren.

Fazit:

Wer das Nishane schon besitzt, kann diese Order getrost überspringen, denn er hat mMn. bereits die edelste Interpretation der aufgeführten Zutaten im Schrank stehen mit einer etwas besseren Sillage. Die Haltbarkeit würde ich identisch sehen.

Ich finde das Ergebnis aber dann doch deutlich harmonischer als beispielsweise das hochgelobte Imagination, welches ich irgendwann veräußert habe, weil ich den für mich im Drydown zu heftigen typischen Weichspüler-/Putzmittel-Vibe nicht mehr riechen konnte. Das Victoire wirkt edler und gradliniger ohne Ecken und Kanten.

Da ich aktuell weder das Nishane noch das LV besitze, kommt mir das Victoire sehr gelegen und wird mir, sofern der Sommer einmal kommen mag, ein nützlicher Begleiter sein. Ein solider Duft ohne großen "Aha-Effekt"

Ich habe in der Vorbestellung knapp 70€ bezahlt, was mehr als gut ist, wenn man bedenkt was man dafür bekommt.

Aufgrund dem weißen Moschus und der dezent seifigen Nuance ist es auch für Damen sehr gut tragbar in meinen Augen.

EDIT:

Opening = Wūlóng Chá Extrait de Parfum

Drydown = "Accento | XerJoff"

4 Antworten
Eine Erlebnisreise, die bereits vor dem Aufsprühen beginnt
Bereits vor Jahren begegnete mir dieser Duft in Form einer Probe, die mir zur Verfügung gestellt wurde. Offensichtlich hatte der Souk-Partner allerdings den Fehler gemacht, die Moleküle bzw. Bestandteile vor Entnahme nicht zu vermischen, daher war meine damalige Reaktion zunächst: "kühle Eisminze, gähn", da mir das Konzept aber generell stark zusagt, ergriff ich einige Monate später die Gelegenheit und testete erneut. Der Händler informierte mich, dass ich den Flakon zunächst für 4 Sekunden schütteln und erst dann aufsprühen soll. Gesagt getan. Was soll ich sagen: es war Liebe auf den zweiten Blick!

Völlig andere Nuancen und Noten wurden mir eröffnet, die mich bis heute immer wieder aufs Neue fesseln und das damit assoziierte Gefühl auslösen, dass ich geeicht, frisch, geerdet bin und der Tag mir gehören wird :)

Cloud Collection No. 2 ist kein Parfüm, sondern ein Erlebnis, dass bereits vor dem Auftragen beginnt. Die getrennten Moleküle schwimmen durch den Flakon, ich betrachte sie und schüttele. Die nun nicht mehr transparente Flüssigkeit wird zu einer milchig-trüben Verbindung, die ich im Anschluss auf Haut und Kleidung auftrage. Stürmische Küsten, kühle Wälder, eisige Berge, all das verbinde ich mit der Eröffnung dieses tollen Dufts. Ein Saunaaufguss, Wellness, Eisminze kombiniert mit skandinavischen Hölzern und aquatischen Noten sind die Assoziationen, die nachgelagert folgen und sehr lange anhalten. Wenn ich das No. 2 am frühen Morgen auftrage, zaubert es mir über den Tag verteilt immer wieder diesen "Wohlfühlfrischefaktor" in die Nase und selbst am späten Abend erhasche ich noch Bestandteile dieser einzigartigen unverwechselbaren DNA.

Es gab mal eine Situation, als ich auf einer Geschäftsreise war und Abends im Hotel meinen Koffer öffnete, in dem sich ein bereits getragener Pullover befand, den ich eine Woche zuvor im Zuge eines anderen Business-Trips mit dem Zarko benetzt hatte und offensichtlich versehentlich nicht in der Wäsche gelandet war. Sofort waren beim Herausnehmen (zwar ganz dezent, aber eben dennoch eindeutig zuzuordnen) die Nuancen dieses Dufts wahrnehmbar. Immer noch frisch (wie gewaschen aus dem Schrank geholt) und noch viel wichtiger: Identisch zur Eröffnung. Kennt ihr Parfüms, die beim Opening etwas suggerieren, was dann über die Zeit in eine völlig kontroverse Richtung geht? Genau das ist beim Cloud No. 2 nicht der Fall. Es bleibt das übrig, was zu Beginn angekündigt wird. Für mich persönlich sehr einzigartig.

Ich trage die Wolke zu Hause, auf der Arbeit, im Freibad und Abends im Restaurant bei einem delikaten Essen und einem guten Glas Rotwein. Dieser Duft geht immer, selbst meine Kinder können ihn riechen und das ist wahrlich eine Herausforderung. Im Sommer wirkt er kühlend, im Winter erfrischend. Ein Alleskönner.

Versteht mich nicht falsch: Man riecht mit diesem Duft nicht sexy, verführerisch oder wohlhabend, es ist auch kein Kompliment-getter auch wenn dies vereinzelt vorkommt, sondern wie eingangs bereits erwähnt wirkt man geeicht, bodenständig und mit beiden Beiden im Leben stehend. Nie aufdringlich, nie überheblich, aber immer sauber, clean und rein. Auch das mag ja gelegentlich sexy sein.

Ich besitze nicht viele Parfüms, sondern wirklich nur die, die ich über einen längeren Zeitraum tragen kann und regelmäßig benutze. Das Layton ist erste Wahl, wenn wir geschäftliche Veranstaltungen haben (Ausstellungen, Vorträge etc.), das Guerlain Musc Outreblanc besitze ich erst seit 1 Woche, nachdem ich von einem netten Parfumo hier zunächst eine Probe erhalten habe (tausend Dank!!!) und sofort begeistert war und zuschlagen musste, On the Beach und California Dream verwende ich auch gerne und regelmäßig. Das aus meiner Sicht völlig überbewertete Imagination steht nur noch rum. Es ist im Vergleich zum Zarkoperfume einfach zu banal, einfältig und nichtssagend. Cloud No. 2 ist unter all den genannten Kandidaten der Duft, den ich mit Abstand am meisten auflege und noch nie eingegangen bin. Bei Düften mag ich es unkompliziert und frisch. Genau das bietet Cloud No.2

Dieses Parfüm ist in meinen Augen massiv unterbewertet und verkannt.

Unbedingt testen und nicht vergessen: vorher kräftig schütteln :)
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Kurzweiliges Duftvergnügen
Ich persönlich liebe die zitrischen, aquatischen Teeduftvertreter, in dessen Kategorie man das l‘eau zweifelsfrei einordnen kann. Spritzig-frischer Lemonengras-Eistee beschreibt das unmittelbare erste Auftreten recht gut. Leider (so perfekt das Zusammenspiel der Nuancen auch abgestimmt ist) ist die Liaison nur von sehr kurzweiliger Dauer. Damals, als das Kenzo erschienen ist, hielt ich es nebst dem Kenzo Power dufttechnisch in dieser Kategorie für unschlagbar. Aber auch zu dieser Zeit schon war das l‘eau für mich persönlich eher ein eigennütziger Freshie, den man nach Sport oder einem Saunagang auflegen kann, ohne das er nervt. Seinen Mitmenschen hat man damit allerdings nicht imponiert, da es schlicht und ergreifend nach 15 Minuten für niemanden mehr wahrnehmbar war.

Neulich war ich dann einmal wieder in einer gewöhnlichen Drogerie und da stand es, also konnte ich nach all den Jahren der Abstinenz nicht widerstehen und habe es aufgesprüht. Sofort sind die abgespeicherten Assoziationen in Verbindung mit diesem Duft wieder hochgekocht. Irgendwie hatte ich aber auch das Gefühl dass der Duft noch schneller verfliegt als damals. Kann aber auch daran liegen dass ich stark gealtert bin und meine Haut die Moleküle nicht mehr identisch speichert :)

Insgesamt wäre das l‘eau heute keine Option mehr für mich. Zu viele deutlich haltbareren und technisch brillanteren Parfums sind auf dem Markt, die genau diese Geruchsschiene bedienen. Ein Nishane Wulong Cha etwa mit deutlich besserer Haltbarkeit, oder das minted von Nomenclature mit schönerer Auflösung der Einzelkomponenten. Auch ein Xerjoff 400 kann man hier strenggenommen verorten, dann aber ohne das „Tee-Meditations-ich-bin-mit-mir-im-Reinen“ Erlebnis.

Wer aber ein Parfüm suchte für die alltäglich schönen Situationen im Leben wie „oh Scheiße der Postbote hat geklingelt und will dass ich unterschreibe, bin gerade aber erst aus dem Bett gekrochen, stinke und brauche schnell eine Frische-Suggestion“ ist hier goldrichtig. Man kann sich danach auch wieder völlig entspannt ins Bett neben die Frau legen. Zumindest riechen wird sie den kurzes Exkurs durchs Treppenhaus an die Haustüre und zurück definitiv nicht.
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