Ein ausgesprochen vielschichtiger und vielfältiger, süßlich-holziger, feinblumiger, grasiger, harzig tiefer, naturalistischer Duft, der mir bei der Einordnung einige verwirrte Kopf-Kratzer beschert hat.
Hier eine um Stringenz bemühte Sammlung meiner Eindrücke nach mehrmaligem testen:
Hmm, irgendwie bist du zu Beginn fruchtig, die Süße riecht lieblich! Was ist denn hier los, seit wann sind Räuber so bezaubernd? Anfangs bekomme ich eine Schippe Jasmin und Ginster – gut, vielleicht auch das echte Mädesüß, aber ich habe keine Ahnung, wie es riecht. Auch das unechte Mädesüß ist mir ein Rätsel, deswegen klammere ich das hier mal aus, fehlende Expertise und so.
Jedenfalls: Das Opening ist herrlich un-räuberisch, doch dann kommt’s dicke. Das Met schwappt über den Rand des Krugs und riecht für mich stark nach Bienenwachs. Dann wird es doll krautig, modrig, das verkippte Met sickert in die Erde, die Tannenzapfen liegen hier überall verteilt und hängen nicht mehr frisch und lebendig am Baum, inmitten der Fichtenblätter, die langsam anfangen, den Lebensabend-Tango mit dem Myzel zu tanzen. Die Sonne scheint noch, es ist warm, es ist schön – eher September als November.
Ich glaube, auf dieser Insel herbstet es. Hier herrscht eine angenehm süße Modrigkeit, leichte
Athenaeum -Opening-Assoziationen machen sich bei mir breit. Süß, dampfig, braun, Bienenwachs oder auch altes Met.
Bittersüß und angenehm modrig dümpelt der Inselräuber vor sich hin, entspannt sich im menschenleeren Urlaubsgebiet. Wir sind, von der Duft-Szenerie hier, nicht im mediterranen Raum, keine Kräuter oder Zitronen. Wir sind wohl eher der Norden, oder? Diese Insel ist kein Mittelmeer-Paradies, wohl eher das wilde Skandinavien. Haben sie nicht dort so gerne Met gepeitscht?
Ich weiß es nicht, ich male heute Duftbilder und bereichere die Welt mit meinen lückenhaften kulturanthropologischen, geschichtlichen und geografischen Kenntnissen!