SkjomiSkjomis Parfumkommentare

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Skjomi vor 9 Monaten 14
7
Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
9
Flakon

Freu dich nicht zu früh auf den Sommer...
Weihnachten ist grade erst vorbei. Im Treppenhaus riecht es noch nach Glühwein, und im Fernsehen läuft Der Weiße Hai.
Diese Songzeile von Element of Crime kam mir spontan in den Sinn, als ich diesen Duft aus dem äußerst großzügigen, weil mit ganzen Flakons bestückten, Wanderpaket testete. Das war eine schöne Erfahrung, der Flakon, die Haptik, das Aussehen gehört für mich mittlerweile irgendwie zum Dufterlebnis dazu. Dementsprechend erwartete ich bei diesem schönen Namen und dem tollen Flakon mit der hellgelben Flüssigkeit und den kleinen Strandsteinchen drin einen salzig-frischen Aquaten oder doch etwas, was mich evtl an warme Strände jenseits des Ozeans entführt.
Ich sag´s gleich - diese Erwartungshaltung erlischt bereits beim ersten Aufsprühen. Die genannte Bergamotte und Zitrone verzischt sich bei mir offenbar sofort, vielmehr entsteht der Eindruck von Anis und Gewürzen, Tonka mischt auch gleich mit und eine süß-holzige, würzige Mischung entsteht. Also doch nochmal nachgelesen, was soll das mit dem Ozean? Herr Knudsen bezog sich in seiner Schöpfung wohl auf die Reise mit einem luxuriösen Überseedampfer, und so wird dann auch ein Schuh draus. Der frische Ozeanwind bleibt draußen, wo die Haie kreisen und es dunkel und ungemütlich ist, während ein warmer orangener Lichtschein durch die Fenster innen zu erahnen ist. Dort drin lässt es sich die feine Gesellschaft gutgehen bei Kaffee und Likör und aromatisch gewürzten Gebäckteilchen. Die Herren mit edlen Zigarren, die Damen in feinen Abendkleidern. Ihr Rosenparfüm mischt sich mit etwas Rauch und der weihnachtlichen Atmosphäre, die warme, duftgeschwängerte Luft riecht süß, würzig und etwas holzig.
Im weiteren Verlauf wird der Duft etwas sanfter und pudriger, ein weicher, hellerer Ton kommt hervor und man kann sich vorstellen, wie das pastellfarbene Morgenlicht verheißungsvoll die Küste des neuen Kontinents beleuchtet.
Ich finde, alles in allem ein ansprechender Duft, der mit Erwartungen und deren Enttäuschung spielt, ich empfinde ihn durch diese warme Würze auch gar nicht wie die übliche Rose/Oud-Kombi.
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Skjomi vor 2 Jahren 32
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Another Year with nothing to do
Schaut man über die Songtexte, die 1969 beinhalten, könnte man den Eindruck bekommen, das war ein langer, heißer Sommer (ähnlich wie der, der jetzt schon begonnen hat) – einer, der schöne Erinnerungen beinhaltet (those were the best days of my life) oder auch einer, der eine gewisse Leere und Ratlosigkeit mit sich brachte, die Anfänge des Punk (another year with nothing to do). Aber auch Woodstock, die Mondlandung, Freiheit, Grenzenlosigkeit, Rebellion. Für Johan Bergelin, den Gründer der Marke 19-69, eine Ära von Freiheit, Toleranz und Gegenkultur.

"Capri" aus der Reihe dieser recht verschiedenen Duftreisen vermittelt hier das Bild des Sommers, in dem Parfüm beigelegten Textblatt wird eine Fahrt durch blühende Orangenhaine beschrieben, genauer sogar durch die Umgebung der Villa Malaparte auf Capri, einem Anwesen auf einem kleinen, vorspringenden Felsen im Meer, welches als das schönste Haus der Welt gilt und als Schauplatz des Films „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard fungierte. Der kleine Text bezieht sich auch auf die Cabrio-Szene des Films, auf Brigitte Bardot und den Wind in ihren Haaren, draußen im Meer liegt die Yacht der Onassis, auf der dem Nichtstun gefrönt wird und kühle Drinks gereicht werden.

Der Duft entspricht diesem Bild, wenngleich er leicht und lebensfroh rüberkommt, die Schwere, die sich in den Spannungen des Paares im Film auch zeigt, sowie die Bitterkeit, die ebenso ein Zug dieses eindrucksvollen Hauses ist, werden nur dezent angedeutet in den bitteren Orangenaromen.

Ein schöner Beginn mit Orangenblüten und einem Hauch Mandel, gut unisex austariert, wie ich finde, und von trockenen Kräutern unterlegt wie ich sie mir geruchlich in so einer felsigen Gegend am Meer vorstelle, aromatisch und von der Sonne erhitzt. Der Duft strahlt Leichtigkeit aus, ein Gefühl wie ein fliegender Schal im Wind, wenn das Cabrio um die Kurve biegt, wehendes Haar, Helligkeit, flirrende Sonne. Ein wirklich schöner Sommerduft, leicht und ein wenig beruhigend, der Erde und dem Himmel verbunden.

Der einzige Nachteil für mich ist die Haltbarkeit – bei den jetzigen Temperaturen an und um die 30 Grad wäre er ideal, aber meine Haut scheint auch Durst zu haben und frißt die schönen, hellen, zitrischen Düfte in kürzester Zeit auf, es bleibt nur ein ganz kleiner Hauch, und das ist mir zu wenig.

Der Flakon gefällt mir dagegen, er ist schön schlicht und liegt gut in der Hand – die Farbe des Duftes ist wundervoll getroffen, ein tiefes, sattes Gelborange reifer Orangen und untergehender Sonne.

Jetzt bin ich gespannt auf die anderen Düfte dieses ereignisreichen Jahres!


14 Antworten

Skjomi vor 3 Jahren 21

See you at the bitter end...
Wer hat eigentlich das erste Wanderpäckchen erfunden? Dem gebürt ein Lob, und natürlich all jenen, die immer wieder Pröbchen sponsern, um neue Düfte auf die Reise zu schicken (hier besonders: King Lui).
Auf die Vagabond Prince Düfte war ich besonders gespannt – zu Recht. Alle sind interessant und haben eine Seele, erzählen eine Geschichte. Die Schwanenprinzessin war nicht mein persönlicher Favorit, aber sie ist eine reizvolle Persönlichkeit. Mit ihrem widersprüchlichen Wesen hat sie mich durcheinander gebracht, sie in eine eindeutige Duftkategorie einzuordnen ist schwer –das Thema wurde sehr konsequent umgesetzt. Schwanensee – die unschuldige, weiße Odette und die verführerische, zerstörerische Odile. In Black Swan, der eindringlichen Verfilmung, wird dieser Wandel als eine Entwicklung, ein sich-unabhängig-machen aus überbehüteten verkindlichten Strukturen dargestellt. Licht und Schatten, Gegensätze. Das ist Swan Princess!

Die Schwanenprinzessin bezaubert auf den ersten Riecher mit ihrem pudrig-süssen, rosa-luftigem Tütü, der Unschuld in ihren Rehaugen und der Anmut ihres Tanzes. Weiche Moschusakkorde, vereint mit grazilen Blüten erschaffen den zartsüßen Duft einen jungen, unschuldigen Mädchens. Vorstellbar auf einer frühlingshaften Blumenwiese, das Element Wasser nehme ich hier aber nicht wahr, eher den Puder, mit dem hinter der Bühne das Näschen nochmal auf Bühnenniveau gebracht wird. Mir wird es fast zu viel des Guten, Reinen –es wirkt anästhisierend, einhüllend, das Einengende dieser Lebensart, welches im Film deutlich gezeigt wird, wird für mich auch im Duft spürbar. Ich muss ein wenig nach Luft ringen, es fehlt Raum zur Entfaltung.

"Since were feeling so anaesthetised
in our comfort zone

you showered me with lullabies.."

Diese Phase musste ich durchstehen, sie hält einige Stunden an, bis sich die Basis langsam ans Licht schält. Und die hat es in sich! Die weiße, unschuldige Schwanenprinzessin Odette begegnet ihrer dunklen Seite Odile, entdeckt das Bittere hinter dem Süßen, ihre eigene Zerstörungskraft und Sinnlichkeit. Hier nehme ich vor allem Sandelholz und Vetiver wahr, insbesondere letzterer macht diesen interessanten Twist aus ins Bittere, Herb-holzige, dezent Grün-krautige. Eine Wandlung mal andersrum, haben doch die meisten Düfte eher eine süßlich-balsamische Basis. Das ist gewagt und nötigt mir Respekt ab, etwas in der Art habe ich noch nicht gerochen. Eine gute Geschichte und eine spannende Entwicklung, die, wenn man so will, die Anstrengung, den Schweiß und die Härte hinter den graziösen Bewegungen einer Schwanenprinzessin zeigen.

"Every step we took that synchronised
every broken bone

See you at the bitter end"*

Ich persönlich mag mich für den Tag entscheiden, ob ich etwas leichtes, süßes möchte oder mir eher nach etwas herbem, kantigem ist. Der Duft bietet beides – nacheinander. Erspart aber andererseits das Wechseln des Duftes am Abend, wenn man vom süßen Puder genug hat und Lust auf einen pikanten Nachtisch entwickelt.

(*Placebo)
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Skjomi vor 3 Jahren 16
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage

Deine Tasche riecht nach Schwimmbad
Und jetzt stehen wir hier im Regen
mit unser'm Wassereis
Du warst noch nie im Osten
und ich war noch nie alt

Da drüben im Kaufhaus
sehen die Leute aus wie wir
Nur ihr Lächeln ist strahlend
und ihr Körper aus Papier

Deine Tasche riecht nach
Schwimmbad im April
Obwohl du eigentlich
nicht mehr abtauchen willst
Und verschwommen wirfst du
die Sterne in die Nacht zurück
Hinter uns die Ewigkeit
und vor uns das Glück

Auf meiner letzten Rückreise vom Meer Richtung Heimat im Autoradio aufgeschnappt blieb diese Liedzeile bei mir hängen. Nun hatte ich dank eines schönen Tausches (besten Dank nochmal an den singenden Waldbewohner :-) die Gelegenheit, einige sehr interessante und mehr oder weniger artifizielle Düfte zu testen – was mir gleichzeitig eine unerwartete Reise in Vergangenheit und Erinnerungen verschaffte. Die Wäschemangel im Keller wurde schon im Statement verarbeitet und auch „Tidal Pool“ ließe sich in einem Statement vollständig beschreiben, aber dazu fiel mir nun dieser schöne Liedtext ein, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Kurz gesagt, ist „Tidal Pool“ ein einzelner Duftakkord, und er riecht nach Schwimmbad.
Für mich genauer nach nassen Badesachen oder der Haut, wenn man nach einem langen Tag im Wasser leicht fröstelnd und mit Gänsehaut nach Hause geht.
Tidal Pools sind Gezeitenbecken, natürliche, an felsigen Küsten vorkommende Pools, die sich je nach Ebbe und Flut mit Wasser füllen. Es gibt z.B. einen sehr schönen bei Saint Malo, auch auf El Hierro gibt es viele solcher Becken, in denen sich auch bei rauer Brandung wunderbar schwimmen und schnorcheln lässt.
Passend dazu hat dieser Wassergeruch ein feines salziges Aroma, ein wenig ähnlich zu z.B. „Salina“ von Laboratio Olfattivo, allerdings meine ich beim Pool auch manchmal gechlortes Schwimmbadwasser, also klassischen Pool, zu riechen, immer wieder vermischt mit nassem Lycra, oder woraus Bikinis eben so bestehen. Dem sommerlichen, unbeschwerten Eindruck tut das keinen Abbruch.
Viel konnte ich nicht in Erfahrung bringen, aber bei CB gingen wohl viele Anfragen nach individuellen Duftakkorden ein, da die Herstellung dieser aber recht teuer sei, wurden die 10 populärsten angefragten Akkorde nun als Reihe umgesetzt. „Tidal Pool“ war einer davon. Die Gerüche, die CB produziert, kann man schwer als Parfüm oder Duft im klassischen Sinne beschreiben (und das sollen sie auch nicht sein), aber genau wie auch der wundervolle „Greenbriar“ zaubert mir „Tidal Pool“ ein Lächeln ins Gesicht, wann immer ich an ihm schnuppere. Es ist einer dieser Gerüche, die ganze Kindheits- oder Urlaubstage sofort im Gedächtnis lebendig werden lassen inclusive der damit verbundenen Gefühle, dem Glück, der Sterne, dem Wassereis, dem noch-nie-alt-gewesen-sein und der feuchtkalten Sachen. Sowas ist eigentlich unbezahlbar.

Und verschwommen wirfst du
die Sterne in die Nacht zurück
Hinter uns die Ewigkeit
und vor uns das Glück
(Text: Tonbandgerät)
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Skjomi vor 3 Jahren 10
5
Duft
7
Haltbarkeit

Mein letzter Wille – Idylle
Der Trouble in Heaven ist nun der für mich letzte Duft der Louboutin-Testreihe und der, der mir spontan am ehesten zusagt, sofort erkenne ich meine Lieblinge Patchouli und Iris. Ein wenig fühle ich mich an Armanis Iris Celadon erinnert durch diese Kombi, wobei ich finde, dass Armani da wagemutiger war und in seinen Duft einen schönen Twist eingebaut hat - vom trocken staubig herben Start hin zum weichen-fluffigen Ende. Louboutin traut sich das nicht, der Duft wirkt wie glattgebügelt. Wie schon bei seinen beiden anderen Düften steht der Dufteindruck von Anfang an und ändert sich im Verlauf kaum. Hier präsentiert sich ein weicher, schokoladiger Patchouli im Mittelpunkt, pudrig und fluffig untermalt von Iris, was ihm zeitweise den Anschein trocken staubigen Kakaopulvers gibt, mit etwas Zimt verfeinert. Eine warme, pudrige, würzige Wolke. Soweit, so schön. Laut Werbung soll dieser Duft mysteriös und provozierend sein, für eine selbstbewußte Frau mit Neigung zu gefährlichen Liebschaften.
Heute jedoch hat diese Frau wohl einfach mal genug vom Nachtleben, hat (aus Gewohnheit) ihre schwarze Seidenunterwäsche an, trägt aber ihren bequemen Haus-Frottee-Anzug drüber und strickt auf dem Sofa Wintersocken. Das Kätzchen zu ihren Füßen schnurrt. Das mag himmlisch sein und idyllisch, aber wo ist der Trouble, das provozierende Element?
Die Flakonfarbe in dunklem Lila mit einem schokobraunen Touch passt gut, der Duft wirkt auch eher dunkel, weich und warm, etwas gewürzig, doch ohne Ecken und Kanten auch sehr glatt und ein wenig langweilig. Im Verlauf wird er sogar noch blumig-süßer und femininer, mit diesem Touch vieler moderner Abenddüfte für Frauen. Für gestreßte Jägerinnen der Nacht, die einfach mal einen gemütlichen Abend zuhause verbringen wollen, als Ruhepol, Entspannungsduft, vielleicht sogar Seelenbalsam ist er jedoch durchaus geeignet. Wenngleich ich glaube, da finden sich günstigere Alternativen. Vom großen Designer aufsehenerregenden Schuhwerks hätte ich mehr Innovationskraft erwartet.
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