Ab in die Beeren!
Und das nach dem 2. Test, sei vorangeschickt.
Seit einigen Jahren habe ich eine Vorliebe für olfaktorische rote Beerenaromen entwickelt - allerdings zu patchoulilastig sollen sie nicht sein.
Von den Miss Dior Düften catchte mich damals die erste Miss Dior Chérie Version 2005 - aus Gründen der etwas frivolen Erdbeernote. Die Nachfolgerversionen begeisterten mich eher nicht so bislang.
Diesen Duft empfand ich beim ersten Test als einen synthetisches Beerenmischmaschaffront. Allerdings - irgendwie interessant. Eine primäre Ablehnung dieser Art ist mir aus den 80ern mit "Loulou (Eau de Parfum) | Cacharel“ erinnerlich, Anfang der 90er mit "Angel (Eau de Parfum) | Mugler“ . Beide Male dann große Liebe.
Zum 2. Test: hier wird die Kopfnote Brombeermarmelade genannt - ich lege mich nicht darauf fest, es riecht nach roter süßlicher Beerenpulpe für mich, ohne daß es infantil oder billig wirkt. Sorgt für gute Laune!
Blumig- holzig wird´s danach, die Beeren halten sanft und beharrlich bis zum Schluß durch. Synthetisch ist das Ganze von vorn bis hinten und hält wie die Pest wenn man übersprüht! Ich persönlich empfinde die Synthethik hier als angenehm und harmonisch - der Duft läßt sich auch bei > 20°C gut tragen und wird mir nicht zuviel.
Kurkdijan kennt sich bestens mit diesen Riechstoffen aus - mich erinnert dieses Parfum an "Her (Eau de Parfum) | Burberry“ , nur in potenter. "Her Elixir de Parfum | Burberry“ hat eine komplett andere Basis, die mich nicht an diese Miss Dior Essence hier denken ließe.
Eine Erdbeernote soll es auch in seinem "Baccarat Rouge 540 (Eau de Parfum) | Maison Francis Kurkdjian“ geben, ein Duft, bei dem ich wegen anderer Noten komplett raus bin. "Rouge Trafalgar (Eau de Parfum) | Dior“ ist um Längen transparenter.
Kurzum: ein beeriger Spaßduft für mich, der polarisieren mag. Bei mir: erst Nay, dann Yay !
EdP vs EdT
Heutzutage ist es vielen Dufthäusern im mittleren bis gehobenen Preisniveau gemein, einem gut angenommenen Parfum Flanker nach Flanker folgen zu lassen, so auch Chanel.
Entweder unterscheiden sie sich in Konzentration oder unter Belassen des Kernthemas geschaffener Veränderungen der Erstversion durch manchmal Anklänge eines anderen Parfumgenres.
Wir Duftliebhaber hier sind sicher daran interessiert zu erfahren ob der Neue jetzt so viel anders ist als der Alte, inwiefern, und: lohnt es sich ihn sich zuzulegen?
Letztere Entscheidung treffen wir dann beim Testen. Interessant finde ich persönlich immer die Eindrücke meiner Mit-Parfumas/Parfumos hier bei Parfumo, bevor ich den Duft unter die Nase kriege.
Die EdT Version scheint den hier angegebenen Duftstoffen in der Pyramide nach komplexer aufgebaut zu sein. Es handelt sich um einen herb-frisch-zitrisch-blumig-holzigen Duft für die wärmere Jahreszeit.
Das ist bei der neuen EdP Schwester nicht anders.
Das EdT beginnt mit einem sehr herben Zitruskick der sicher durch die Zeder, die da in den Kopfnoten gelistet ist verstärkt wird. (Würde ich ja nie benennen können ohne die Duftpyramide zu kennen).
Das EdP beginnt zitrisch, und zwar fast ausschließlich zitrisch, ohne zunächst herb zu sein.
Sehr schnell kommen bei beiden Versionen die Blumen und Hölzer der Basis mit hinein.
Das Thema der Herznoten ist bei beiden gleichermaßen der Jasmin. Meinem Eindruck nach ist er Dreh - und Angelpunkt beider Schwestern; jedoch etwas frischer und heller beim EdT, was sicher durch Wasserhyazinthe und Pfeffer hinbekommen wird.
Beim EdP ist der Jasmin weich-indolisch - nicht so hell, aber auch nicht schwer.
Die Holznoten der Basis sind ähnlich, beim EdP überwiegt der Ambereindruck, das EdT erscheint mir einen Ticken pudriger durch Iris und Moschus.
Das EdP wirkt insgesamt weicher und holziger, was, wem die Herbe des EdT zuviel ist, besser gefallen könnte.
Beim EdT bleibt der herbere Einduck bis zum Schluß erhalten.
Rieche ich beide Versionen nicht parallel, sondern in gewissem zeitlichen Abstand hintereinander, erkenne ich zunächst sofort die starke Ähnlichkeit.
Dennoch gibt es chaneltypisch sehr feine Unterschiede. Einige Stimmen in den Foren behaupten, bei dem EdP handle es sich eigentlich um einen komplett anderen Duft.
Bei mir ist die Halbarkeit bei beiden gleich gut, ebenfalls paßt das EdP zu heißen Tagen.
Mademoiselle ganz privat ?
Chanel hat´s wieder getan - wieder einen neuen Abkömmling eines sehr bekannten Klassikers auf den Markt gebracht und man fragt sich: wann bringen sie etwas komplett Neues, vielleicht etwas mutig ganz Neues in unsere Nasen?
Nun ja: ganz grundsätzlich andere, sogar sehr stark polarisierende Düfte findet man woanders.
Chanel Düfte sollen, so erscheint es mir, beinahe immer und überall tragbar sein. Genau das mag ich.
Ich frage mich, ob es sich bei diesem Duft um einen Bezug zum gezwungenermaßen allgemeinen Rückzug der diesjährigen Situation handelt - wenngleich Chanel diesen Duft als Geruch vor dem Schlafengehen oder auch für die Bettwäsche empfiehlt.
Mir persönlich sind meine Düfte zu schade, um damit die Bettwäsche einzusprühen - aber auch da gibt es unterschiedliche Vorlieben.
Wie zu erwarten, erkennt man die Mademoiselle sofort beim Aufsprühen.
Ich rieche zitrische Fruchtigkeit, die Blumen, nehme den orientalischen Grundton wahr.
Sanfter, weniger pudrig, eher etwas cremig. Patchouli soll nicht drin sein, ich bilde mir ein, Anklänge davon zu riechen, den fruity - chypre Grundcharakter enthält das L´Eau Privée genauso.
Die Duftentwicklung ist nicht sehr groß, es verbleibt der uns bekannte Duft in abgeschwächter Form.
Aber: es wäre kein Chanel, würde es keine Haltbarkeit geben. Das funktioniert über Stunden. Natürlich kann man sich sagen, daß man den nicht auch noch braucht, wenn man die anderen Versionen bereits in der Sammlung hat.
Mir persönlich gefällt diese leisere Version. Vielleicht ist es für einige Nasen von Euch eine Option sofern Euch Coco Mademoiselle L´Eau Privée ´s Schwestern zu laut oder zu kratzbürstig sind.
Meiner Meinung nach läßt sich diese sanftere Mademoiselle wunderbar tagsüber zu allem Aktivitäten oder Nicht - Aktivitäten tragen.
Nicht besessen, aber...
...meinerseits unterschätzt bei den ersten Malen riechen in der Parfümerie damals kurz nach Erscheinen.
Wieso er namentlich "Obsession" angegliedert wurde, ist völlig unlogisch. Mit dem CK Urgestein verbindet ihn wirklich rein gar nichts.
Wie gesagt: meinem Statement vor 3 Jahren nach roch ich eher wenig, jedenfalls nicht den erwarteten Lavendel.
Der Duft kam mir wieder in den Kopf nachdem ich in den letzten Monaten häufig mit Chanels Lavendeln "Boy" , "Jersey EdP" , + dem Chloe "Eau de Fleurs - Lavande" herumlief und diese unterschiedlichen Lavendeldüfte jeden Tag auf´s Neue genossen habe.
Chloe produzieren ihren Lavendel leider nicht mehr. Im Mainstream Bereich ist Lavendel als Duftnote wenig präsent, deshalb testete ich den CK wiederholt.
Zu Beginn wehen mir unspezifisch synthetisch frische Noten mit leichter Schärfe um die Nase. Unspektakulär, der Begriff "Drogerieduft" fällt mir dazu ein.
Nach und nach sortiert sich das Ganze, es treten lavendelige Blumennoten hervor, die durch synthetisch moschusartige, etwas holzige Basisriechstoffe fixiert werden.
Mein Dufteinduck läßt sich am ehesten mit einem kühlem, synthetiklavendeldominiertem Saubermoschus beschreiben. Kein blühendes Lavendelfeld.
Und: mir gefällt das Ganze. Tragbar zu, bei und mit allem als sauberes Accessoire wenn´s mal unspektakulär sein soll, oder zum Wohlfühlen.
Haltbarkeit liegt auf der Haut im Mittelfeld, in meinen Haaren den ganzen Tag lang.
...ist ein Chanel ... ist ein Chanel...
Die große Frage ist: inwiefern ist Gabrielle 2, wie ich ihn der Einfachheit nennen will anders als Gabrielle 1?
Und: ist die ganze Flankerei, auch bei Chanel ,nicht abgedroschen und überflüssig?
Ich beantworte die zweite Frage zuerst: kann man so sehen. Wenn man allerdings eine markenbezogene Schwäche als Duftsammler hat wie ich bei Chanel, kann das subjektiv Sinn machen.
Linkes Handgelenk: Gabrielle 1, rechts: Gabrielle 2.
Die Duftpyramiden sind sich ziemlich ähnlich, wen wundert´s. Und doch:
1: eröffnet etwas kantiger und dezent zitrisch, das ist bei 2 nicht der Fall: hier toben auf eine smoothere Art auf Knopfdruck alle Blumen durcheinander - dezidiert nehme ich Ylang und eine weiche Tuberose wahr.
Dazu kommt eine etwas süßere Fruchtigkeit als bei der 1, die sich durch den ganzen Verlauf zieht ohne die Oberhand zu bekommen.
Nach etwa 20 min verliert 1 im Vergleich zu 2 an Fahrt, entwickelt sich einen Ticken heller, herber und leiser.
Die 2 hingegen bleibt fruchtsüffig blumig. Die Basis steuert Cremigkeit hinzu und unterstützt das Weißblüherherz, das für mich das Thema des Parfums stellt.
Gabrielle 1 bleibt zarter und frischer hinsichtlich des Blumenthemas, auch sie bekommt einen ähnlichen Support durch die Basisduftstoffe.
Gabrielle 2 riecht runder und voller insgesamt, ohne schwer zu werden. Sie ist ein Parfum für alle Gelegenheiten, wie sie so typisch für Chanel sind.
Da es sich nicht um einen monothematischen Bumenduft handelt, müssen Tuberose - oder Ylangempfindliche Nasen keine Angst haben erschlagen zu werden, denn Extreme gibt´s hier nicht.
Weißblüher sollte man allerdings schon mögen.
Die Haltbarkeit ist gut.