Und jetzt stehen wir hier im Regen mit unser'm Wassereis Du warst noch nie im Osten und ich war noch nie alt
Da drüben im Kaufhaus sehen die Leute aus wie wir Nur ihr Lächeln ist strahlend und ihr Körper aus Papier
Deine Tasche riecht nach Schwimmbad im April Obwohl du eigentlich nicht mehr abtauchen willst Und verschwommen wirfst du die Sterne in die Nacht zurück Hinter uns die Ewigkeit und vor uns das Glück
Auf meiner letzten Rückreise vom Meer Richtung Heimat im Autoradio aufgeschnappt blieb diese Liedzeile bei mir hängen. Nun hatte ich dank eines schönen Tausches (besten Dank nochmal an den singenden Waldbewohner :-) die Gelegenheit, einige sehr interessante und mehr oder weniger artifizielle Düfte zu testen – was mir gleichzeitig eine unerwartete Reise in Vergangenheit und Erinnerungen verschaffte. Die Wäschemangel im Keller wurde schon im Statement verarbeitet und auch „Tidal Pool“ ließe sich in einem Statement vollständig beschreiben, aber dazu fiel mir nun dieser schöne Liedtext ein, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Kurz gesagt, ist „Tidal Pool“ ein einzelner Duftakkord, und er riecht nach Schwimmbad. Für mich genauer nach nassen Badesachen oder der Haut, wenn man nach einem langen Tag im Wasser leicht fröstelnd und mit Gänsehaut nach Hause geht. Tidal Pools sind Gezeitenbecken, natürliche, an felsigen Küsten vorkommende Pools, die sich je nach Ebbe und Flut mit Wasser füllen. Es gibt z.B. einen sehr schönen bei Saint Malo, auch auf El Hierro gibt es viele solcher Becken, in denen sich auch bei rauer Brandung wunderbar schwimmen und schnorcheln lässt. Passend dazu hat dieser Wassergeruch ein feines salziges Aroma, ein wenig ähnlich zu z.B. „Salina“ von Laboratio Olfattivo, allerdings meine ich beim Pool auch manchmal gechlortes Schwimmbadwasser, also klassischen Pool, zu riechen, immer wieder vermischt mit nassem Lycra, oder woraus Bikinis eben so bestehen. Dem sommerlichen, unbeschwerten Eindruck tut das keinen Abbruch. Viel konnte ich nicht in Erfahrung bringen, aber bei CB gingen wohl viele Anfragen nach individuellen Duftakkorden ein, da die Herstellung dieser aber recht teuer sei, wurden die 10 populärsten angefragten Akkorde nun als Reihe umgesetzt. „Tidal Pool“ war einer davon. Die Gerüche, die CB produziert, kann man schwer als Parfüm oder Duft im klassischen Sinne beschreiben (und das sollen sie auch nicht sein), aber genau wie auch der wundervolle „Greenbriar“ zaubert mir „Tidal Pool“ ein Lächeln ins Gesicht, wann immer ich an ihm schnuppere. Es ist einer dieser Gerüche, die ganze Kindheits- oder Urlaubstage sofort im Gedächtnis lebendig werden lassen inclusive der damit verbundenen Gefühle, dem Glück, der Sterne, dem Wassereis, dem noch-nie-alt-gewesen-sein und der feuchtkalten Sachen. Sowas ist eigentlich unbezahlbar.
Und verschwommen wirfst du die Sterne in die Nacht zurück Hinter uns die Ewigkeit und vor uns das Glück (Text: Tonbandgerät)
Wunderwunderwunderbar. Danke für's Teilen, danke für's Texten, danke für's auf-die-Merkliste-Schreiben! Und wenn Du kannst, versuch unbedingt einmal den "Dandelion"!
Jetzt erst entdeckt, was für ein wunderbarer Kommentar! Ja, Erinnerungsdüfte sind was Großartiges, ganz unabhängig von der Tragbarkeit/ "Parfümigkeit". Der Gedanke dies als Parfümeure in den Vordergrund zu stellen ist mir sehr sympathisch.
Ich mag ja diese "Duftbibliotheken" auch immer wieder gern, die Frage nach der Tragbarkeit werde ich trotzdem meist abschlägig beantworten. Vielleicht ist es oft schöner, am Flakon zu schnuppern und zu lächeln, als selbst danach zu duften. Oder die Dufterinnerungen aufs Kopfkissen sprühen zum Träumen... :-)
Es ist richtig: Greenbriar ist auch wundervoll und so glaube ich dir sofort, dass der toll ist. Diesen kenne ich leider noch nicht, obwohl ich mal ein ganz umfangreiches Set der Marke hatte. Schöner Kommentar!