Ein beliebtes mythisches Thema, das sich in zahlreichen Kulturen findet, ist jenes der kleinen Wasser- oder Meerjungfrau, die in einen Menschenprinzen verliebt ist und dessen Liebe gewinnen muss, um eine unsterbliche Seele zu erlangen. Am zweifellos berühmtesten ist die Variante des Dänen Hans Christian Andersen, spätestens durch die süßlich-heitere Arielle-Verfilmung aus Walt Disneys Feder weltbekannt, doch auch die Sagen der Undine und der Melusine erzählen eine ähnliche Geschichte. Die slawischen Märchen kennen das unglückliche Wassermädchen als Rusalka, vom böhmischen Komponisten Antonín Dvorák als Oper hinreißend vertont.
Die Geschichte der jungen Nixe, die um der Liebe Willen ein Mensch werden möchte und sich dafür an die Meer- bzw. die Hexe Ježibaba verkauft, lebt vom dramatischen Spiel von mädchenhafter Schwärmerei und Zartheit und ihrem ebenso beseelten wie verzweifelten Streben nach des Prinzen Liebe und dessen letztlicher Vergeblichkeit. Mit Ausnahme der kindgerechten Arielle endet die Geschichte der kleinen Meerjungfrau stets unglücklich, kann sie den Prinzen und seine Liebe nicht gewinnen. Dvoráks berühmte sehnsuchts- und hingebungsvolle Mondarie erzählt von der Verzweiflung der Nixe Rusalka, die sich ohne den Beistand der Hexe nicht mehr zu helfen weiß.
Chanels 28 La Pausa beginnt mit einem Akkord zartgrüner Jugend - kein saftiges Blattgrün und kein frisches Heu, sondern vom Wind gebleichtes Gras an den Gestaden einer ungezähmten See. Es ist keine Süße in diesem Grün, und doch ist es arglos und freundlich - so wie die kleine Meerjungfrau den jungen Prinzen aus den nassen Fluten rettet und zärtlich am Strand zwischen die Steine legt. Die Iris in ihrer grauen Sanftheit legt sich wie Tau über das helle Grün und gibt ihm Reife und eine weiche Traurigkeit, die seine zarte Frische mit pudriger Ernsthaftigkeit - beinahe Strenge - überlagern, ihm Melancholie verleihen und ihn silbrig kühl und sehr erwachsen machen.
Fazit: recht ungewöhnlich für einen aus der Rue Cambon. Grün und ernst und erwachsen. Und in seiner verhaltenen Traurigkeit sehr schön. Wie die Nixe Rusalka, die ihre Geschichte nachts dem Mond erzählt.
ich mag den duft sehr, leider habe ich kraft und stehvermögen vermißt.
jetzt jedoch gibt es ja das wirklich lohnenswerte edp - für noch mehr traurigkeit...
War schon als Kind von diesem Märchenwesen fasziniert... Danke dir - ohne diese deine Assoziation wäre ich vielleicht nicht aufmerksam geworden auf den Duft! So klingt er sehr testenswert!
Wunderschöner Kommentar! Die verhaltene Traurigkeit trifft tatsächlich die Stimmung des Duftes, den ich als eiskalt-metallisch empfunden habe.
Da durfte der Flakon gleich wieder abtauchen...
jetzt jedoch gibt es ja das wirklich lohnenswerte edp - für noch mehr traurigkeit...
Da durfte der Flakon gleich wieder abtauchen...
Ich mochte das Märchen schon immer!