Davidoff (Eau de Toilette) von Davidoff

Davidoff 1984 Eau de Toilette

Ernstheiter
30.12.2018 - 11:59 Uhr
21
Top Rezension
8Duft 9Haltbarkeit 9Sillage 8Flakon

Biber im Armani pour Homme

In vielen hier vertretenen Sammlungen finden sich Duefte aus vergangenen Zeiten. Ihren Weg dahin moegen sie aus vielen verschiedenen Gruenden gefunden haben. Haeufig ist es der leicht melancholische Versuch, durch das Einstellen eines solchen Duftes die Erinnerung an besonders schoene Momente oder Perioden des Lebens festzuhalten. Ich habe das mit Macassar von Rochas und Jil Sander Man Pure getan. Und natuerlich mit Davidoff. Alle drei Duefte verbinde ich mit den 80ern, mit der Studenzeit und unbeschwertem Leben (was es in einem ehrlichen und emotionslosen Rueckblick gar nicht war).

Davidoff startet frisch, aber nur ganz kurz gelb-zitrisch. Sehr schnell wir diese Agrumenfrische gruen, kein grasiges, sondern eher mediterranes Gartengruen. Gleichzeitig entwickelt sich eine verhaltene Schaerfe, leicht schrill ohne weh zu tun. Sie vermittelt den Eindruck von wuerziger Seifigkeit. Viele Duefte aus den 80ern haben diese Seifigkeit, die je nach Intensitaet von leicht schweissig bis urinoes gehen kann. Dies ist bei Davidoff nicht der Fall. Die Seifigkeit ueberlagert die gruene Frische nicht, sondern bleibt in ihr gefangen.

Nach und nach verblasst die gruene Ausrichtung von Davidoff und es tritt Leder hervor. Die Seifigkeit ist nach wie vor da, bekommt aber einen leicht animalischen Touch, der wohl durch das Bibergeil hervorgerufen wird. Dank seine sparsamen Dosierung kommt es aber nicht zu einem Eindruck von Stallgeruch oder Tierkaefig.

In seiner mediterran-frischen Ausrichtung erinnert mich Davidoff an Armani pour Homme. Beide stammen aus dem Jahre 1984 und haben viele Duftnoten gemeinsam. Leider hatte ich Armani pour Homme seit vielen, vielen Jahren nicht mehr unter der Nase und moeglicherweise spielt mir meine Erinnerung einen Streich; aber mir scheint es so, als sei Davidoff ein entfernter Verwandter von ApH, dem man durch Beigabe von Bibergeil einen saeuerlich-animalischen Twist verpasst haette.

Davidoff hat als Kind seiner Zeit ein grosses Durchhaltevermoegen und eine ebenfalls alles andere als schuechterne Sillage. Waehrend ich in den 80ern im Davidoff-Nebel verschwand, ist heute Vorsicht bei der Dosierung angebracht.
7 Antworten
ZoraZora vor 7 Jahren
Mir gefallen solche Düfte auch heute noch. Toller Kommentar zum Jahresende.
GaukeleyaGaukeleya vor 7 Jahren
Den hatte ich in den 80ern meinem Vater mal geschenkt "für gute Anlässe" ^^ Ich mochte und mag noch immer solcherlei Düfte sehr gern. Davidoff war/ist einer der schönsten dieser Gattung. Ein gutes Neues Jahr Dir! :-)
Can777Can777 vor 7 Jahren
Oh,ja,...der war schon sehr eindrucksvoll und einprägsam!
Die besten Wünschen für das neue Jahr mein Lieber!
PaloneraPalonera vor 7 Jahren
Wie schön, daß auch Du Dich schreibend aus dem Jahr verabschiedest - und dann auch noch zu diesem grandiosen Duft! "Davidoff" war einer meiner ersten Herrendüfte - ich lernte ihn etwa zur gleichen Zeit kennen wie den von Dir angeführten Armani, den ich als komplett anders in Erinnerung habe, nicht zuletzt, weil er mir heftiges körperliches Unwohlsein verursacht hat. Und ja, bei "Davidoff" braucht's Umsicht in der Dosierung.
MeggiMeggi vor 7 Jahren
Das war schon ein Großer!
KovexKovex vor 7 Jahren
Auch ich verbinde mit dem Duft Erinnerungen an meinen Vater. In diesem Fall daran, dass ich mich immer heimlich an seinem Fläschchen vergriffen habe ;)
YataganYatagan vor 7 Jahren
Ein sehr würdiger Jahresabschlusskommentar, denn dieser Duft gehört zu den besten Herrendüften aller Zeiten. Ich muss da immer an meinen Vater denken, weil er ihn in den letzten Lebensjahren beinahe täglich trug. Tolles Zeug und ein schöner Kommentar. Alles Gute für 2019!