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Sehr hilfreiche Rezension
Der Spieltrieb (Teil I)
Die nachfolgende Geschichte ist von „Jules“ inspiriert und in Kooperation mit dem User Scentwolf entstanden - im abwechselnden Modus und ohne zu wissen, was der andere schreiben und wie er die Geschichte weiterspinnen wird.
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Der Spieltrieb
Teil I
Er wusste um diese Sucht. Dem drängenden Wunsch nach Ekstase und Erfüllung. Das Verlangen, die Kontrolle nach und nach zu verlieren und den Kontrollverlust dabei kontrollieren zu können. Ginge das überhaupt und bis wohin würde es führen?
Wozu ein leidenschaftsloses Leben führen? War das Leben nicht schon durch die alltäglichen Pflichten alltäglich genug? War da nicht eine innere Stimme, die nach mehr Leben im Leben rief? War da nicht das Lechzen nach etwas anderem als dem Gewöhnlichen, dem Banalen?
Jenseits einer bürgerlichen Fassade gab es die verschiedensten Versuchungen, die ihn anzogen. Oder war es immer nur der gleiche Hunger nach Leben, der auf unterschiedlichen Wegen gestillt und gleichzeitig wieder geweckt werden wollte? Die Summe aller Laster bliebe immer gleich, so hieß es. Er wäre nicht der Erste gewesen, der dem Gesang der Sirenen ins Verderben gefolgt wäre. Er wusste um die Gefahr. Meistens jedenfalls.
Wie das nun mal so ist mit Süchten, toxischen Beziehungen und ausserehelichen Affären: sie fangen in charmanten Bars der 5-Sterne-Hotels und glitzernden Casinos an, gehüllt in Schleiern sorgfältig ausgesuchter Rasierwasser mit Lavendel und Geranium und dem bewusst gewählten Duft frivolen Jasmins. Der Abstieg findet seinen Zwischenhalt bei zweitklassigen Italienern ausserhalb des Stadtzentrums - verkümmerte Estragon und Basilikum als Tischdeko inklusive. Im besten Fall findet die Spätphase in schäbigen Motels statt, im schlechtesten auf Parkplätzen vorstädtischer Supermärkte, auf Rücksitzen aus abgewetztem, kümmelndem Leder. Hastige Treffen in Mittagspausen oder zwischen Arbeitsschluss und Heimfahrt, sich in einer Wolke aus nachlassenden Deodorants und angeschmuddelter Haut suhlend, anstelle von schicken Etablissements und ekstatischen Wochenenden. „Jede Sucht ist suizidal. Wer hingegen suchtfrei tut, ist schon längst tot“, sagte er in seinem Kopf mantraartig auf. So wandelte er auf dem schmalen Grat zwischen Lebenslust und Selbstzerstörung, mal erfüllt von seiner eigenen Grandiosität, mal vom Selbsthass. Wenn immer der rasende Zug zu entgleisen drohte, hechtete er gerade noch rechtzeitig in die Vorhersehbarkeit zurück.
„Zisch!“ Zwei Sprühstosse aus dem Flakon, im Haus machte sich der Duft pissigen Jasmins breit. Jawoll! Allen ans Bein pissen! Für einen kurzen Moment meinte er gesehen zu haben, wie seine Haut rissig wurde.
„Wo gehst Du denn um diese Uhrzeit noch hin?“, fragte sie.
"Joggen“, antwortete er knapp und ohne sie anzusehen.
„Um 10 Uhr abends? In diesem Aufzug?!“
„Yes, Baby, it’s Showtime!“, grinste er übertrieben mit weit aufgerissenen Augen, zog sich seine alte Lederjacke über und setzte zu einem dritten und vierten Sprühstoß an. Einen fünften pfefferte er noch nach, gerade Zahlen brachten nur Unglück.
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Für den zweiten Teil sei auf die Rezension von Scentwolf verwiesen (https://www.parfumo.de/Parfums/Dior/Jules_Eau_de_Toilette/rezensionen/363193). Ein herzliches Dankeschön für das inspirierende Zuspielen von Wortbällen. Oder drei. Gerade Zahlen bringen nur Unglück.
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Der Spieltrieb
Teil I
Er wusste um diese Sucht. Dem drängenden Wunsch nach Ekstase und Erfüllung. Das Verlangen, die Kontrolle nach und nach zu verlieren und den Kontrollverlust dabei kontrollieren zu können. Ginge das überhaupt und bis wohin würde es führen?
Wozu ein leidenschaftsloses Leben führen? War das Leben nicht schon durch die alltäglichen Pflichten alltäglich genug? War da nicht eine innere Stimme, die nach mehr Leben im Leben rief? War da nicht das Lechzen nach etwas anderem als dem Gewöhnlichen, dem Banalen?
Jenseits einer bürgerlichen Fassade gab es die verschiedensten Versuchungen, die ihn anzogen. Oder war es immer nur der gleiche Hunger nach Leben, der auf unterschiedlichen Wegen gestillt und gleichzeitig wieder geweckt werden wollte? Die Summe aller Laster bliebe immer gleich, so hieß es. Er wäre nicht der Erste gewesen, der dem Gesang der Sirenen ins Verderben gefolgt wäre. Er wusste um die Gefahr. Meistens jedenfalls.
Wie das nun mal so ist mit Süchten, toxischen Beziehungen und ausserehelichen Affären: sie fangen in charmanten Bars der 5-Sterne-Hotels und glitzernden Casinos an, gehüllt in Schleiern sorgfältig ausgesuchter Rasierwasser mit Lavendel und Geranium und dem bewusst gewählten Duft frivolen Jasmins. Der Abstieg findet seinen Zwischenhalt bei zweitklassigen Italienern ausserhalb des Stadtzentrums - verkümmerte Estragon und Basilikum als Tischdeko inklusive. Im besten Fall findet die Spätphase in schäbigen Motels statt, im schlechtesten auf Parkplätzen vorstädtischer Supermärkte, auf Rücksitzen aus abgewetztem, kümmelndem Leder. Hastige Treffen in Mittagspausen oder zwischen Arbeitsschluss und Heimfahrt, sich in einer Wolke aus nachlassenden Deodorants und angeschmuddelter Haut suhlend, anstelle von schicken Etablissements und ekstatischen Wochenenden. „Jede Sucht ist suizidal. Wer hingegen suchtfrei tut, ist schon längst tot“, sagte er in seinem Kopf mantraartig auf. So wandelte er auf dem schmalen Grat zwischen Lebenslust und Selbstzerstörung, mal erfüllt von seiner eigenen Grandiosität, mal vom Selbsthass. Wenn immer der rasende Zug zu entgleisen drohte, hechtete er gerade noch rechtzeitig in die Vorhersehbarkeit zurück.
„Zisch!“ Zwei Sprühstosse aus dem Flakon, im Haus machte sich der Duft pissigen Jasmins breit. Jawoll! Allen ans Bein pissen! Für einen kurzen Moment meinte er gesehen zu haben, wie seine Haut rissig wurde.
„Wo gehst Du denn um diese Uhrzeit noch hin?“, fragte sie.
"Joggen“, antwortete er knapp und ohne sie anzusehen.
„Um 10 Uhr abends? In diesem Aufzug?!“
„Yes, Baby, it’s Showtime!“, grinste er übertrieben mit weit aufgerissenen Augen, zog sich seine alte Lederjacke über und setzte zu einem dritten und vierten Sprühstoß an. Einen fünften pfefferte er noch nach, gerade Zahlen brachten nur Unglück.
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Für den zweiten Teil sei auf die Rezension von Scentwolf verwiesen (https://www.parfumo.de/Parfums/Dior/Jules_Eau_de_Toilette/rezensionen/363193). Ein herzliches Dankeschön für das inspirierende Zuspielen von Wortbällen. Oder drei. Gerade Zahlen bringen nur Unglück.
28 Antworten


Prädikat lesenswert !!
Gratulation euch beiden! Gemeinsame Projekte bringen ganz neue Perspektiven. Und euch und uns Lesern den Spaß!
Ich bin kein Fremdgeher & derart dreckiger Jasmin würde wohl eher keine Sucht in mir auslösen ;)
Die Fougère-Komponenten klingen dennoch sympathisch & Dior hat sicher kein untragbares Monster kreiert.
Gerne gelesen !
…das mit den geraden Zahlen beschäftigt mich gerade 😂😂
Beste ungerade Grüße !!
🏆
Und der Cliffhanger funktioniert bestens... wann kommt die Fortsetzung...??
Viel Spaß weiterhin !!