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Top Rezension
Vom Affen auf dem Feigenbaum oder der Affe bin ich
Langsam wird es mir unbequem hier in der Baumkrone des Feigenbaumes, auf den ich vor geraumer Zeit geklettert bin. Urspruenglich wollte ich nur einen Spaziergang in dieser traumhaft schoenen meditteranen Landschaft machen, ueber die noch fruehlingsfrischen Wiesen laufen und mich eventuell unter einen der vereinzelt umherstehenden Feigenbaeume legen, um auszuspannen. Irgendwie fand ich es aber Schade, dass man von diesen Wiesen aus das Wellenrauschen des nahegelegenen Mittelmeeres zwar hoeren, das Meer selbst aber nicht sehen konnte. Also bin ich auf die Idee gekommen, am Baumstamm eines grossen alten Feigenbaumes mit seiner stark zerkluefteten, graubraunen Rinde raufzusteigen, um zu versuchen, aus dieser erhoehten Position das Meer zu sehen. Nach mehreren anstrengenden Versuchen und einigen schmerzhaften Kontakten mit der rauen Baumrinde sass ich dann endlich ziemlich weit oben in der Baumkrone. Leider bildeten die fuenffingrigen gefaecherten Blaetter des Feigenbaumes ein so dichtes Blattwerk, dass es unmoeglich war, das Meer zu sehen und ich schon wieder hinuntersteigen wollte. Aber ich zoegerte einen Moment, ganz gefesselt von einem Geruch nach sattem Gruen.
Ein Gruen, so saftig, dass ich unweigerlich an einen Haufen frisch gemaehten Grases denken musste. Um mich herum hingen unzaehlige Feigen die mit ihrer braeunlich-gruen-violetten Farbe diesen Eindruck
noch verstaerkten. Ich konnte nicht anders, als eine direkt vor meiner Nase haengende Feige zu pfluecken und sie mir an die Nase zu halten. Das Gewicht der Frucht erstaunte mich, schwer lag sie in meiner Hand und ihre Prallheit schien mich fast zu mahnen, behutsam mit ihr umzugehen, ansonsten wuerde sie beim geringsten Druck auseinanderplatzen. Ich fuelte mich in einem gruenen Duftrausch, gruen aus den Blaettern, gruen aus den Feigen. Beides zusammen ergibt aber kein feuchtes, dampfendes Dschungelgruen, wie in Fleur de Liane, sondern wird begleitet vom Eigengeruch der Baumrinde. Es ist genau diese Baumrinde, die dem Gruen einen Daempfer verpasst, sodass es nicht in eine cologne-artige Frische abgleitet.
Allein dieser Geruch ruft unweigerlich Bilder von meditteranen Landschaften hervor, von Wiesen und Baeumen, die sich noch Ihre Frische aus dem Fruehling bewahrt haben, aber langsam anfangen, die
Rechnung mit der alles unbarmherzig austrocknenden Sonne zu machen. Die Kakophonie der Zikaden ist ueberall um mich herum, aber seltsamerweise nicht nervtoetend, sondern eher beruhigend und schlaefrig
machend.
Als meine Muskeln anfangen zu rebellieren, beginne ich den Abstieg. Je weiter ich mich aus der Baumkrone entferne und dem Boden naehere, umso staerker nehme ich den Geruch von Holz und Rinde wahr. Kein Geruch von frischem Bleistift, sondern der von getrocknetem Holz. Ein suesslicher Hauch von Kokosmilch, die ich vor einiger Zeit auf mein T-Shirt gekleckert habe, mischt sich dazu. Und waehrend ich beim Runterklettern meinen Gedanken freien Lauf lasse, verliere ich den Halt und.....
..... oeffne die Augen. Ich stehe vor meinem Badezimmerspiegel, in der rechten Hand den Flakon von Philosykos, das linke Handgelenk an meiner Nase und denke, was fuer ein toller Duft.
In der Tat kenne ich nur wenige andere Duefte, die es wie Philosykos verstehen, die Imagination olfaktorisch so gekonnt in eine bestimmte Richtung zu lenken. Keiner wird je bei Philosykos Assoziationen zu Meeresfrische, orientalischem Gewuerzmarkt oder Saegewerk haben. Olivia Giacobetti hat hier hervorragende Arbeit geleistet und nicht nur den Geruch des gesamten Feigenkosmos olfaktorisch umgesetzt. Ich gehe soweit zu behaupten, dass es ihr gleichzeitig auch gelungen ist, einen mediterranen Geruch par excellence zu kreieren.
Und dennoch faellt es mir schwer, eine besonders hohe Wertung abzugeben, da es Philosykos an Tiefe fehlt. Seine Entwicklung ist sehr linear, faengt mit dem Gruen der Blaetter und der Feigen an, geht ueber in den Duft des Baumes, ja selbst den Geruch der trockenen Erde, auf der der Feigenbaum waechst, scheint man zu riechen. Fast habe ich ein wenig schlechtes Gewissen, ueber Philosykos so positiv zu schreiben, um ihn dann in wenigen Schlusszeilen "abzuwerten". Aber es fehlt mir einfach die Raffinesse, keine Ecken oder Kanten sind vorhanden, die einen zum Auseinandersetzen und Hinterfragen bringen, sondern eine SEHR SEHR schoene, aber mir persoenlich zu AALGLATTE Duftentwicklung. Ein weiterer Minuspunkt ist fuer mich die Dosierung. Zwei Spruehstoesse bringen fuer 20 Minuten eine sehr kraeftige Sillage, danach zieht sich der Duft aber stark zurueck.
In jedem Falle eine SCHOENE DUFTERFAHRUNG.
Ein Gruen, so saftig, dass ich unweigerlich an einen Haufen frisch gemaehten Grases denken musste. Um mich herum hingen unzaehlige Feigen die mit ihrer braeunlich-gruen-violetten Farbe diesen Eindruck
noch verstaerkten. Ich konnte nicht anders, als eine direkt vor meiner Nase haengende Feige zu pfluecken und sie mir an die Nase zu halten. Das Gewicht der Frucht erstaunte mich, schwer lag sie in meiner Hand und ihre Prallheit schien mich fast zu mahnen, behutsam mit ihr umzugehen, ansonsten wuerde sie beim geringsten Druck auseinanderplatzen. Ich fuelte mich in einem gruenen Duftrausch, gruen aus den Blaettern, gruen aus den Feigen. Beides zusammen ergibt aber kein feuchtes, dampfendes Dschungelgruen, wie in Fleur de Liane, sondern wird begleitet vom Eigengeruch der Baumrinde. Es ist genau diese Baumrinde, die dem Gruen einen Daempfer verpasst, sodass es nicht in eine cologne-artige Frische abgleitet.
Allein dieser Geruch ruft unweigerlich Bilder von meditteranen Landschaften hervor, von Wiesen und Baeumen, die sich noch Ihre Frische aus dem Fruehling bewahrt haben, aber langsam anfangen, die
Rechnung mit der alles unbarmherzig austrocknenden Sonne zu machen. Die Kakophonie der Zikaden ist ueberall um mich herum, aber seltsamerweise nicht nervtoetend, sondern eher beruhigend und schlaefrig
machend.
Als meine Muskeln anfangen zu rebellieren, beginne ich den Abstieg. Je weiter ich mich aus der Baumkrone entferne und dem Boden naehere, umso staerker nehme ich den Geruch von Holz und Rinde wahr. Kein Geruch von frischem Bleistift, sondern der von getrocknetem Holz. Ein suesslicher Hauch von Kokosmilch, die ich vor einiger Zeit auf mein T-Shirt gekleckert habe, mischt sich dazu. Und waehrend ich beim Runterklettern meinen Gedanken freien Lauf lasse, verliere ich den Halt und.....
..... oeffne die Augen. Ich stehe vor meinem Badezimmerspiegel, in der rechten Hand den Flakon von Philosykos, das linke Handgelenk an meiner Nase und denke, was fuer ein toller Duft.
In der Tat kenne ich nur wenige andere Duefte, die es wie Philosykos verstehen, die Imagination olfaktorisch so gekonnt in eine bestimmte Richtung zu lenken. Keiner wird je bei Philosykos Assoziationen zu Meeresfrische, orientalischem Gewuerzmarkt oder Saegewerk haben. Olivia Giacobetti hat hier hervorragende Arbeit geleistet und nicht nur den Geruch des gesamten Feigenkosmos olfaktorisch umgesetzt. Ich gehe soweit zu behaupten, dass es ihr gleichzeitig auch gelungen ist, einen mediterranen Geruch par excellence zu kreieren.
Und dennoch faellt es mir schwer, eine besonders hohe Wertung abzugeben, da es Philosykos an Tiefe fehlt. Seine Entwicklung ist sehr linear, faengt mit dem Gruen der Blaetter und der Feigen an, geht ueber in den Duft des Baumes, ja selbst den Geruch der trockenen Erde, auf der der Feigenbaum waechst, scheint man zu riechen. Fast habe ich ein wenig schlechtes Gewissen, ueber Philosykos so positiv zu schreiben, um ihn dann in wenigen Schlusszeilen "abzuwerten". Aber es fehlt mir einfach die Raffinesse, keine Ecken oder Kanten sind vorhanden, die einen zum Auseinandersetzen und Hinterfragen bringen, sondern eine SEHR SEHR schoene, aber mir persoenlich zu AALGLATTE Duftentwicklung. Ein weiterer Minuspunkt ist fuer mich die Dosierung. Zwei Spruehstoesse bringen fuer 20 Minuten eine sehr kraeftige Sillage, danach zieht sich der Duft aber stark zurueck.
In jedem Falle eine SCHOENE DUFTERFAHRUNG.
8 Antworten
Seerose vor 7 Jahren
Das ist ja ein richtiger Ernst-Heiter-Kommi! Und warum hast Du die Feigen nicht gegessen? Frische grüne Feigen von Baum haben mich mal ganz schnell von einer Miesmuschelvergiftung (Blaualgengift, sie waren ganz frisch) geheilt, echt! Aber getrocknet sind sie mir unverträglich.
Neptuna vor 8 Jahren
Auch ich dachte zuerst an frisch gemähtes Gras, eine ganze Kokosnuss samt braunen Fasern. Schöner Start, aber dann kommt nix mehr. Deine Bewertung der Sillage mit 7 ist sehr großzügig. Sehr anschaulich charakterisiert!
Palonera vor 8 Jahren
Dann versuch auch unbedingt einmal "Premier Figuier", Olivia Giacobettis ersten Feigenduft überhaupt, den sie für L'Artisan Parfumeur gefertigt hat!
Jumi vor 8 Jahren
Ein sehr schöner, bildreicher Kommi! Und wie ich dich verstehe! Manche Düfte sind einfach eine tolle Erfahrung, grosses Kopfkino etc., doch zum Tragen fehlt dann doch etwas... Bei diesem war mein Test sehr flüchtig, muss mich näher mit ihm befassen
0815abc vor 8 Jahren
Witziger und schöner Kommentar. Ich hab ihn neulich als Schlafduft getragen und war überrascht über die Haltbarkeit.Am Tage geht er in der Tat schnell unter.Palmwedelpokal.
Zora vor 8 Jahren
Ein wundervoller Kommentar. Mir fehlte es auch etwas an Tiefe sonst wäre er sofort auf die Wunschliste gekommen. Bin immer noch auf der Suche nach "dem" Feigenduft.
Kovex vor 8 Jahren
Ich fühlte mich beim Lesen als hätte ich neben dir im Feigenbaum gesessen. Sehr schön beschrieben. Merkliste!
Yatagan vor 8 Jahren
Lustiger Kommentar! :)) Ich selbst mag ihn sehr und nach Philosykos gab es ja eine Flut von Feigendüften, was wiederum dazu führte, dass viele Feigendüfte abwerteten (ähnlich wie bei der Oud-Flut), aber wenn man mal berücksichtigt, dass er wahrscheinlich der Anfang war (und der beste geblieben ist), ist er schon toll!

