
loewenherz
919 Rezensionen

loewenherz
Sehr hilfreiche Rezension
10
Spröde Stimme, sanftes Lied
Hier ist nun einer, über den ich gleich schreiben wollte, als er mir neulich in die Nase kam. Über den ich noch immer schreiben wollte, während er auf meinem Handgelenk Raum nahm und sich entwickelte. Und über den zu schreiben ich mir dann doch noch etwas Zeit genommen haben, denn der bedarf es eben, um seine Gedanken zu einem Parfum zu ordnen und sortieren - gerade dann, wenn einer Ordnung und Sortierung so sehr verdient hat wie Fischersunds Flotholt, den ich so schön und so besonders finde wie schon ganz lange keinen mehr. Den ich spontan mitnehmen wollte, doch der Stimme der Vernunft (noch) folgte und dem Haben-Wollen-Impuls erfolgreich widerstand.
Zwei von Fischersunds Parfums - Jöklalykt und Útilykt - kannte ich schon, fand beide sinnlich durchaus ansprechend und akademisch spannend konzipiert. Flotholt passt sich gut ein in diesen Reigen und ist doch besonderer und anders - sowohl hinsichtlich Lautstärke wie Orchestrierung seiner Duftakkorde. Als prägend empfinde ich die Rauchnote - die Anklänge von Asche hat und somit die Erinnerung an etwas Verlorenes, Verbranntes. Doch ohne jene Räuchernote auskommt, die der Akkord Rauch mitunter hat, und die ich dann mitunter störend finde. Stattdessen wird Flotholt getragen von etwas Zerbrechlichem, etwas Verletztem und kaum mehr als einer Erinnerung, einem Echo.
In den Dialog mit dem rauchigen Schlüsselakkord treten weitere starke Protagonisten - jeder von ihnen sorgfältig gewählt und abgestimmt in seiner herben Schönheit. Ein dunkelmariner Ton - grünschäumende See an einem schwarzen Strand, und ohne alles, was die Parfumindustrie üblicherweise 'aquatisch' nennt. Ein kratziger, fast stallig anmutender Moschuston: viehisch-intim, aber nicht warm - der Lagerstätte eines Tieres gleich, das lange schon fort ist. Die ferne Ahnung eines Waldes - den es in Flotholts heute weithin baumloser Heimat Island einst gegeben hat - harzig und fremd und karg, unter Stürmen hingebeugt. Und eben jener feinrauchige Nordwind, der die spröden Stimmen zu einem sanften und weichen Lied zusammenführt, das berührt und 'etwas macht mit uns'.
Fazit: möchte ich Flotholt haben, wo er mich doch scheinbar so begeistert? Ein Teil von mir natürlich - klar doch! - und ich kann heute nicht mit Sicherheit sagen, ob dieser Teil sich nicht doch noch durchsetzt, wenn ein trüber Moment an einem trüben Tag mal plötzlich Sinn und Schönheit braucht. Jedoch bedient Flotholt wie geschildert eine sehr spezielle Nische - rauchig und herb und fremd und doch vertraut - und diese Nische ist in meinem Portfolio durch Aēsops Hwyl - ein anderer Duft, doch hinsichtlich seiner Wesensart für mich verwandt - bereits besetzt. Daher sagt die Stimme der Vernunft (noch) Nein zu mir, doch jede(n), die/der sich für Flotholt entscheidet, beglückwünsche ich sehr.
Zwei von Fischersunds Parfums - Jöklalykt und Útilykt - kannte ich schon, fand beide sinnlich durchaus ansprechend und akademisch spannend konzipiert. Flotholt passt sich gut ein in diesen Reigen und ist doch besonderer und anders - sowohl hinsichtlich Lautstärke wie Orchestrierung seiner Duftakkorde. Als prägend empfinde ich die Rauchnote - die Anklänge von Asche hat und somit die Erinnerung an etwas Verlorenes, Verbranntes. Doch ohne jene Räuchernote auskommt, die der Akkord Rauch mitunter hat, und die ich dann mitunter störend finde. Stattdessen wird Flotholt getragen von etwas Zerbrechlichem, etwas Verletztem und kaum mehr als einer Erinnerung, einem Echo.
In den Dialog mit dem rauchigen Schlüsselakkord treten weitere starke Protagonisten - jeder von ihnen sorgfältig gewählt und abgestimmt in seiner herben Schönheit. Ein dunkelmariner Ton - grünschäumende See an einem schwarzen Strand, und ohne alles, was die Parfumindustrie üblicherweise 'aquatisch' nennt. Ein kratziger, fast stallig anmutender Moschuston: viehisch-intim, aber nicht warm - der Lagerstätte eines Tieres gleich, das lange schon fort ist. Die ferne Ahnung eines Waldes - den es in Flotholts heute weithin baumloser Heimat Island einst gegeben hat - harzig und fremd und karg, unter Stürmen hingebeugt. Und eben jener feinrauchige Nordwind, der die spröden Stimmen zu einem sanften und weichen Lied zusammenführt, das berührt und 'etwas macht mit uns'.
Fazit: möchte ich Flotholt haben, wo er mich doch scheinbar so begeistert? Ein Teil von mir natürlich - klar doch! - und ich kann heute nicht mit Sicherheit sagen, ob dieser Teil sich nicht doch noch durchsetzt, wenn ein trüber Moment an einem trüben Tag mal plötzlich Sinn und Schönheit braucht. Jedoch bedient Flotholt wie geschildert eine sehr spezielle Nische - rauchig und herb und fremd und doch vertraut - und diese Nische ist in meinem Portfolio durch Aēsops Hwyl - ein anderer Duft, doch hinsichtlich seiner Wesensart für mich verwandt - bereits besetzt. Daher sagt die Stimme der Vernunft (noch) Nein zu mir, doch jede(n), die/der sich für Flotholt entscheidet, beglückwünsche ich sehr.
2 Antworten



Luft-Akkord
Moschus
Rauch
Salz
Seetang
Leder
Ambra
zitrische Noten
Zypresse



ElAttarine
FrauKirsche
Danny264
Gandix
Marieposa
























