The Dark Side Francesca Bianchi 2016 Extrait de Parfum
30
Top Rezension
Warum liegt hier eigentlich Stroh rum?
Dienstag Nachmittag, schlechte Laune, Langeweile: das Setting meines heutigen Dufttests ist schnell beschrieben. Doch welche Probe soll dafür herhalten? Klar, es muss zur Stimmung passen, und so stoße ich schließlich auf "The Dark Side" - ohne zu melodramatisch werden zu wollen.
Tatsächlich merke ich schon beim Aufsprühen: Fehler! Vielleicht kennt es der ein oder andere, man ringt sich nach einer gefühlten halben Stunde endlich eine Entscheidung für den Duft des Tages ab, merkt aber schon direkt nach dem Sprühen, dass man nach reichlichem Nachdenken gezielt den falschen Duft gegriffen hat. Aber wieder abwaschen ist nicht drin, und schon hat die unerwünschte Reise begonnen.
Der erste Atemzug schaltet sofort das Kopfkino an und beschert mir ein überraschend klares Bild: Heu! Kein völlig trockenes, altes Heu, sondern die etwas jüngere Variante, wenn die Halme noch einen Hauch Grün in sich tragen.
Darauf mit Honig benetzte Haut, an der das Heu kleben bleibt, pieksig und warm. Aufgestaute Sommerhitze und Wollust auf dem Heuboden.
Eine leichte Stallfetisch-Animalik schwinkt mit und verdunkelt den Duft wie bei einer Sonnenfinsternis den Tage. Denn wirklich düster erscheint der Duft nicht, eher dämmrig, spannungsgeladen.
Die gelisteten Duftnoten erklären diesen Gesamteindruck auf den ersten Blick nicht unbedingt, sodass ich von dem komplexen Zusammenspiel durchaus fasziniert bin.
Nach einiger Zeit bestäuben Iris und Veilchen Heu und Haut mit einem feinen Puderhauch, stickig und lüstern. Ja, "The Dark Side" erzählt eine Geschichte von Lust, Geheimnissen und Abgründen, und spätestens jetzt wird mir bewusst, dass ich mich auf keine leichte Reise eingelassen habe. Dieser Duft ist anstrengend, anspruchsvoll und außergewöhnlich.
Im weiteren Verlauf kommen warme, süße Harze, Hölzer und ein Hauch Amber hinzu. Auch die Vanille tut sich stärker hervor und macht alles etwas runder, kuschliger und wohlwollender. Kurzum: im Abgang wird die dunkle Seite doch ein wenig gezähmt und sanfter, bleibt dabei jedoch weiterhin ungewöhnlich und irgendwie schräg.
Als der Duft schließlich verglüht ist, bin ich einerseits erleichtert, andererseits auch bereichert von seiner mitreißenden Art.
Nachdem ich mittlerweile beinahe alle Bianchi-Parfüms testen durfte, ist "The Dark Side" für mich der schönste und auch tragbarste aller Düfte, Animalik und Schwülstigkeit halten sich in Grenzen. Wobei "tragbar" hier eher relativ gemeint ist, auch dies ist mitnichten ein Duft für die Arbeit oder fürs Kaffeetrinken mit den Großeltern - eher für ein Schäferstündchen auf dem Heuboden.
P.S.: Sorry für den Titel... Ich konnte nicht anders und es passte so gut, bitte seht es mir nach! :D
Tatsächlich merke ich schon beim Aufsprühen: Fehler! Vielleicht kennt es der ein oder andere, man ringt sich nach einer gefühlten halben Stunde endlich eine Entscheidung für den Duft des Tages ab, merkt aber schon direkt nach dem Sprühen, dass man nach reichlichem Nachdenken gezielt den falschen Duft gegriffen hat. Aber wieder abwaschen ist nicht drin, und schon hat die unerwünschte Reise begonnen.
Der erste Atemzug schaltet sofort das Kopfkino an und beschert mir ein überraschend klares Bild: Heu! Kein völlig trockenes, altes Heu, sondern die etwas jüngere Variante, wenn die Halme noch einen Hauch Grün in sich tragen.
Darauf mit Honig benetzte Haut, an der das Heu kleben bleibt, pieksig und warm. Aufgestaute Sommerhitze und Wollust auf dem Heuboden.
Eine leichte Stallfetisch-Animalik schwinkt mit und verdunkelt den Duft wie bei einer Sonnenfinsternis den Tage. Denn wirklich düster erscheint der Duft nicht, eher dämmrig, spannungsgeladen.
Die gelisteten Duftnoten erklären diesen Gesamteindruck auf den ersten Blick nicht unbedingt, sodass ich von dem komplexen Zusammenspiel durchaus fasziniert bin.
Nach einiger Zeit bestäuben Iris und Veilchen Heu und Haut mit einem feinen Puderhauch, stickig und lüstern. Ja, "The Dark Side" erzählt eine Geschichte von Lust, Geheimnissen und Abgründen, und spätestens jetzt wird mir bewusst, dass ich mich auf keine leichte Reise eingelassen habe. Dieser Duft ist anstrengend, anspruchsvoll und außergewöhnlich.
Im weiteren Verlauf kommen warme, süße Harze, Hölzer und ein Hauch Amber hinzu. Auch die Vanille tut sich stärker hervor und macht alles etwas runder, kuschliger und wohlwollender. Kurzum: im Abgang wird die dunkle Seite doch ein wenig gezähmt und sanfter, bleibt dabei jedoch weiterhin ungewöhnlich und irgendwie schräg.
Als der Duft schließlich verglüht ist, bin ich einerseits erleichtert, andererseits auch bereichert von seiner mitreißenden Art.
Nachdem ich mittlerweile beinahe alle Bianchi-Parfüms testen durfte, ist "The Dark Side" für mich der schönste und auch tragbarste aller Düfte, Animalik und Schwülstigkeit halten sich in Grenzen. Wobei "tragbar" hier eher relativ gemeint ist, auch dies ist mitnichten ein Duft für die Arbeit oder fürs Kaffeetrinken mit den Großeltern - eher für ein Schäferstündchen auf dem Heuboden.
P.S.: Sorry für den Titel... Ich konnte nicht anders und es passte so gut, bitte seht es mir nach! :D
10 Antworten


Der Duft ist wirklich ein Traum. Zumindest für Bianchi-Verehrer :-)
Toller Kommentar, der....neugierig macht.