
ElAttarine
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ElAttarine
Top Rezension
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… a drug of dreams
Den orange-blauen Lichtschein konnte sie mit geschlossenen Augen sehen. Dann einen Schwall schillernder Dunkelheit. Dann ein grünes, sumpfiges, aufgewühltes Grün. Ein Kaleidoskop der Bilder, ohne anzuhalten. Tief hatte Jac den Duft eingeatmet. Es war mehr als ein Aroma oder ein Geruch. Viel mehr. Der Duft war eine Droge der Träume. Die Bilder kamen jetzt schneller, brachen über ihr zusammen und fielen ihr wie ein Mosaik zu Füßen. Türkis und Lapislazuli. Gold. Silber. Und Gerüche. Manche vertraut, manche so fremd wie die Sprache, die der Mann und die Frau sprachen. Er war dunkelhäutig und trug einen Lendenwickel. Zuerst konnte sie die Frau nicht sehen. Dann wurde ihr klar: Es war sie selbst. Ihre Oberschenkel waren mit einem dünnen Leinengewand bedeckt, ihre Füße in juwelenbesetzten Sandalen. Der Mann war ihr irgendwie bekannt. Nicht sein Gesicht, aber sein Geruch. Es war ein würziger, exotischer Duft, der sie umhüllte und anlockte. Nah. Warm. Begehrt. Ganz. Endlich. Sie gehörte hierher. Zu ihm.
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Im Roman “The Book of Lost Fragrances” von M. J. Rose geht es um ein zerbrochenes ägyptisches Tongefäß aus ptolemäischer Zeit, datiert zwischen 323 und 30 v.Chr., das Reste eines Duftes aus der Zeit Kleopatras enthält sowie eine Aufschrift, die von zwei Liebenden erzählt, die mit einem Gefäß mit Parfüm begraben wurden, um es mit ins Jenseits zu nehmen. Sobald die Seelenpartner in ihr nächstes Leben zurückkehrten, würde der Duft ihnen helfen, einander wiederzufinden und so durch alle Zeiten hindurch wieder miteinander verbunden zu sein: „Und so konnten seine und ihre Seele durch alle Zeiten hindurch immer wieder zueinander finden, wenn der Lotus blühte.“ Der Protagonistin Jac L'Etoile, Erbin eines französischen Parfümherstellers, gelingt es nach und nach, die Vergangenheit des Hauses sowie die Herkunft ihrer Visionen aus der Vergangenheit zu erhellen.
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„Nefertums’s Flower“ kann solche archaischen Visionen erzeugen. Für mich ein extrem kraftvoller, wenn auch nie erschlagender Duft, der mir genau solche Farben malt wie in der Szene aus dem Roman. Bittersüßer Safran im Auftakt erzeugt Dunkelorange, zusammen mit den blauviolett-türkis schillernden Lotusblüten. Für mich öffnet er Tore zu Vorstellungen von altägyptischen Gottheiten wie der katzenköpfigen Bastet, die manchmal als Mutter von Nefer-Tem genannt wird. Denn sehr schön deutliches säuerliches Zibet kommt dazu und kontert zusammen mit dem Safran die klar vorhandene Süße. Eingebettet ist das Ganze in pudrigweichen wunderschönen klassischen Moschus. Transparent finde ich ihn und doch schwer zugleich. Alles schwingt und schillert. Sehr intensiv und präsent, und doch zugleich nie erschlagend (keine neumodische Moschuskeule) oder laut, sowas kann Marcus McCoy richtig gut!
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Blauer Lotus, die heiligste Pflanze (nicht nur) der alten Ägypter als Symbol von Tod und Wiedergeburt wurde unter anderem wegen seiner psychoaktiven Wirkung als Auszug in Wein zubereitet. Manche etwas obskure Anbieter geben heute noch als medizinische Verwendung an, Lotus sei ein Tonikum, Schmerzmittel und Stimulans, das stärker als Viagra sei...
Der Lotus, der nachts seine Blüten schließt und ins Wasser abtaucht, um am nächsten Morgen wieder aus dem Wasser aufzusteigen und neu zu erblühen, war auch ein Bild des Sonnenzyklus. In einem Schöpfungsmythos war die Welt dunkel und Chaos herrschte, bis am Morgen der Gott Nefertem als Blauer Lotus aus den Tiefen des Flusses aufstieg. Als sich die Blume öffnete, saß der junge Gott in ihrer goldenen Mitte. Das göttliche Licht, das er ausstrahlte, erleuchtete die Welt, und der süße Duft, den er verströmte, erfüllte die Luft und vertrieb die allgemeine Dunkelheit. Im Roman wird eine – fiktionale, aber schöne - Passage aus dem ägyptischen Totenbuch genannt: „Ich bin die kosmische Seerose, die leuchtend aus den schwarzen Urwassern Nuns aufstieg, und meine Mutter ist Nut, der Nachthimmel. O ihr, die ihr mich erschaffen habt, ich bin angekommen, ich bin der große Herrscher von Gestern.“
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Szenen aus dem Roman übersetzt und gekürzt aus: “The Book of Lost Fragrances” von M. J. Rose.
www.bristolbotanicals.co.uk/pr-2378 für die Verwendung von Lotusauszügen.
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Im Roman “The Book of Lost Fragrances” von M. J. Rose geht es um ein zerbrochenes ägyptisches Tongefäß aus ptolemäischer Zeit, datiert zwischen 323 und 30 v.Chr., das Reste eines Duftes aus der Zeit Kleopatras enthält sowie eine Aufschrift, die von zwei Liebenden erzählt, die mit einem Gefäß mit Parfüm begraben wurden, um es mit ins Jenseits zu nehmen. Sobald die Seelenpartner in ihr nächstes Leben zurückkehrten, würde der Duft ihnen helfen, einander wiederzufinden und so durch alle Zeiten hindurch wieder miteinander verbunden zu sein: „Und so konnten seine und ihre Seele durch alle Zeiten hindurch immer wieder zueinander finden, wenn der Lotus blühte.“ Der Protagonistin Jac L'Etoile, Erbin eines französischen Parfümherstellers, gelingt es nach und nach, die Vergangenheit des Hauses sowie die Herkunft ihrer Visionen aus der Vergangenheit zu erhellen.
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„Nefertums’s Flower“ kann solche archaischen Visionen erzeugen. Für mich ein extrem kraftvoller, wenn auch nie erschlagender Duft, der mir genau solche Farben malt wie in der Szene aus dem Roman. Bittersüßer Safran im Auftakt erzeugt Dunkelorange, zusammen mit den blauviolett-türkis schillernden Lotusblüten. Für mich öffnet er Tore zu Vorstellungen von altägyptischen Gottheiten wie der katzenköpfigen Bastet, die manchmal als Mutter von Nefer-Tem genannt wird. Denn sehr schön deutliches säuerliches Zibet kommt dazu und kontert zusammen mit dem Safran die klar vorhandene Süße. Eingebettet ist das Ganze in pudrigweichen wunderschönen klassischen Moschus. Transparent finde ich ihn und doch schwer zugleich. Alles schwingt und schillert. Sehr intensiv und präsent, und doch zugleich nie erschlagend (keine neumodische Moschuskeule) oder laut, sowas kann Marcus McCoy richtig gut!
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Blauer Lotus, die heiligste Pflanze (nicht nur) der alten Ägypter als Symbol von Tod und Wiedergeburt wurde unter anderem wegen seiner psychoaktiven Wirkung als Auszug in Wein zubereitet. Manche etwas obskure Anbieter geben heute noch als medizinische Verwendung an, Lotus sei ein Tonikum, Schmerzmittel und Stimulans, das stärker als Viagra sei...
Der Lotus, der nachts seine Blüten schließt und ins Wasser abtaucht, um am nächsten Morgen wieder aus dem Wasser aufzusteigen und neu zu erblühen, war auch ein Bild des Sonnenzyklus. In einem Schöpfungsmythos war die Welt dunkel und Chaos herrschte, bis am Morgen der Gott Nefertem als Blauer Lotus aus den Tiefen des Flusses aufstieg. Als sich die Blume öffnete, saß der junge Gott in ihrer goldenen Mitte. Das göttliche Licht, das er ausstrahlte, erleuchtete die Welt, und der süße Duft, den er verströmte, erfüllte die Luft und vertrieb die allgemeine Dunkelheit. Im Roman wird eine – fiktionale, aber schöne - Passage aus dem ägyptischen Totenbuch genannt: „Ich bin die kosmische Seerose, die leuchtend aus den schwarzen Urwassern Nuns aufstieg, und meine Mutter ist Nut, der Nachthimmel. O ihr, die ihr mich erschaffen habt, ich bin angekommen, ich bin der große Herrscher von Gestern.“
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Szenen aus dem Roman übersetzt und gekürzt aus: “The Book of Lost Fragrances” von M. J. Rose.
www.bristolbotanicals.co.uk/pr-2378 für die Verwendung von Lotusauszügen.
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Blauer Lotus
ägyptischer Moschus
Safran
Zibet

Marieposa
ElAttarine
Eggi37
Seejungfrau
Can777
























