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Top Rezension
Wenn meine Oma mich noch ein Mal umarmen würde
...und ich dabei einen dieser billigen kleinen Kirschlollies im Mund hätte...
Dann würde „Le Bain“ ebenso wie meine Oma lebendig werden.
Zum Hintergrund:
Meine Oma ist vor einigen Jahren gestorben. Ich kann sie nicht fragen, ob sie wirklich diesen Duft getragen hatte.
Aber ich trage ihn aktuell an meinem Handgelenk und sehe und rieche sie deutlich vor mir. Sie, wie sie in meiner frühen Kindheit, Ende der Neunziger und Anfang der 2000er aussah.
Sie, die immer roch wie eine Blumenwiese. Aussah wie eine Blume und deren Umarmung mich noch glücklicher gemacht hat als es ein zuckriger Kirschlolli je könnte.
Sie, deren Lächeln so lieb und rein und im Nachhinein betrachtet auch immer kindlich und unschuldig strahlte.
Wie ich zu diesem Duft kam:
Mein Statementparfum, sündhaft teure Vanille von Guerlain (Cuir Beluga), neigte sich mal wieder, SCHON wieder, dem Ende zu. Ich, Studentin, notorisch pleite. Da muss etwas Günstigeres her, für den Übergang. Ich suche in Kleinanzeigen nach Pröbchen.
Meine Nase ist empfindlich, heißt bei mir: ich kann vieles nicht riechen.
So kam ich zu etwa 30 Parfumpröbchen, manche umgekippt, einige grauenhaft, einige... überraschend.
Was ich zu diesem Duft sagen kann:
Beim ersten Test auf meiner Haut kam mir ein pudrig-klebrig süßer Hauch entgegen.
„Ohje, was wird das, wenn’s fertig ist? Riecht ziemlich künstlich.“
Nach wenigen Sekunden vernehme ich einen künstlich, chemisch?, anmutenden Hauch von Blumen. Veilchen?
Ein Blick in die Duftpyramide: „Oh, bestimmt die Aldehyde? Und Orangenblüte, jaaa, das kommt hin.“
Ich räume den Wäscheberg von gestern weg. In meinem Zimmer herrscht wie so oft Chaos.
Ich verlasse den Raum, komme zurück. Und auf einmal trifft mich diese seltsame Traurigkeit, ich glaube, ich bekomme meine (emotionalen) fünf Minuten. Ich bin verwirrt.
Was soll das?! Ich rieche meine „Oma“.
Jeden Tag trage ich am Handgelenk ein goldenes Armband, das sie mir geschenkt hat, als ich etwa 15 war. Ich nehme es nicht ab, obwohl es mir heute wie damals viel zu groß ist. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an meine Oma denke.
Aber wie kommt sie jetzt in meine NASE, verdammt?
Rosen... Ich mag den Geruch von Rosen in Pflegeprodukten nicht, in Parfum bin ich auch nicht sonderlich überzeugt. In Bulgarien zum Beispiel wird man davon erschlagen, in jedem Souvenirladen und zwanzig Meter davor. Aber echte Rosen riechen so angenehm.
Noch mehr Blumen. Veilchen? Vielleicht. Ich rieche vieles, kann es aber nicht immer benennen.
Den Geruch von Sandelholz allerdings schon, was den Räucherstäbchen, die „Omas“ Tochter so gerne und (viel zu) oft benutzt hat, zu verdanken ist.
Hier sind so viele Gerüche, an denen ich mich satt gerochen habe, vereint, aber in einer Dosis, die sie nicht nur erträglich, sondern wunderbar angenehm macht.
Ich, prokrastinierend wie eh und je, setze mich hin, schalte die Musik ab, rieche an meinem Handgelenk, in der Luft, lasse die Gerüche auf mich wirken.
Und ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie meine Oma mir, die mal wieder mit blutigen Knien ins Haus kommt, einen dieser pappigen kleinen Kirschlollis in die Hand und einen Kuss auf die Stirn drückt.
(Ich rieche Kirsche, auch wenn davon nirgends etwas steht, viel davon!)
Wie sie mich umarmt, aber nicht hochhebt, denn ich bin ihr mittlerweile zu schwer. Und sie hat „Rücken“.
Oma hat gebadet. Vielleicht in „Le Bain“.
Vielleicht hat meine Oma aber auch wirklich gebadet und sich danach in einer Blumenwiese gewälzt, wobei die Kirschlollis, die sie für mich gekauft hatte, irgendwie an ihr kleben geblieben sind.
Genau so riecht „Le Bain“ für mich.
Tröstlich, kuschlig, nach sehr viel Geborgenheit mit einem kleinen bisschen Vanille - oder eher dem Vanillin im Zucker. Ganz leicht, chemisch, aber nicht unangenehm, sondern nach Weihnachtsbäckerei.
Das ist gut so, denn dadurch komme ich nicht auf die Idee, diese Vanille mit der von Guerlain zu vergleichen und kann sie getrost toll finden.
Deshalb wird dieser Duft für mich auch einer für die kalten Tage.
Vielleicht bin ich für diesen Duft zu jung, ich muss mir dazu die Meinung meiner Freundinnen und Freunde anhören.
Ich möchte schließlich nicht wie irgendeine Oma riechen. Wenn ich das tue, werde ich mit diesem Parfum zuhause bleiben und ihn für mich genießen.
Immer dann, wenn ich meine Oma vermisse - und die Geborgenheit ihrer Umarmungen zumindest riechen möchte.
Dann würde „Le Bain“ ebenso wie meine Oma lebendig werden.
Zum Hintergrund:
Meine Oma ist vor einigen Jahren gestorben. Ich kann sie nicht fragen, ob sie wirklich diesen Duft getragen hatte.
Aber ich trage ihn aktuell an meinem Handgelenk und sehe und rieche sie deutlich vor mir. Sie, wie sie in meiner frühen Kindheit, Ende der Neunziger und Anfang der 2000er aussah.
Sie, die immer roch wie eine Blumenwiese. Aussah wie eine Blume und deren Umarmung mich noch glücklicher gemacht hat als es ein zuckriger Kirschlolli je könnte.
Sie, deren Lächeln so lieb und rein und im Nachhinein betrachtet auch immer kindlich und unschuldig strahlte.
Wie ich zu diesem Duft kam:
Mein Statementparfum, sündhaft teure Vanille von Guerlain (Cuir Beluga), neigte sich mal wieder, SCHON wieder, dem Ende zu. Ich, Studentin, notorisch pleite. Da muss etwas Günstigeres her, für den Übergang. Ich suche in Kleinanzeigen nach Pröbchen.
Meine Nase ist empfindlich, heißt bei mir: ich kann vieles nicht riechen.
So kam ich zu etwa 30 Parfumpröbchen, manche umgekippt, einige grauenhaft, einige... überraschend.
Was ich zu diesem Duft sagen kann:
Beim ersten Test auf meiner Haut kam mir ein pudrig-klebrig süßer Hauch entgegen.
„Ohje, was wird das, wenn’s fertig ist? Riecht ziemlich künstlich.“
Nach wenigen Sekunden vernehme ich einen künstlich, chemisch?, anmutenden Hauch von Blumen. Veilchen?
Ein Blick in die Duftpyramide: „Oh, bestimmt die Aldehyde? Und Orangenblüte, jaaa, das kommt hin.“
Ich räume den Wäscheberg von gestern weg. In meinem Zimmer herrscht wie so oft Chaos.
Ich verlasse den Raum, komme zurück. Und auf einmal trifft mich diese seltsame Traurigkeit, ich glaube, ich bekomme meine (emotionalen) fünf Minuten. Ich bin verwirrt.
Was soll das?! Ich rieche meine „Oma“.
Jeden Tag trage ich am Handgelenk ein goldenes Armband, das sie mir geschenkt hat, als ich etwa 15 war. Ich nehme es nicht ab, obwohl es mir heute wie damals viel zu groß ist. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an meine Oma denke.
Aber wie kommt sie jetzt in meine NASE, verdammt?
Rosen... Ich mag den Geruch von Rosen in Pflegeprodukten nicht, in Parfum bin ich auch nicht sonderlich überzeugt. In Bulgarien zum Beispiel wird man davon erschlagen, in jedem Souvenirladen und zwanzig Meter davor. Aber echte Rosen riechen so angenehm.
Noch mehr Blumen. Veilchen? Vielleicht. Ich rieche vieles, kann es aber nicht immer benennen.
Den Geruch von Sandelholz allerdings schon, was den Räucherstäbchen, die „Omas“ Tochter so gerne und (viel zu) oft benutzt hat, zu verdanken ist.
Hier sind so viele Gerüche, an denen ich mich satt gerochen habe, vereint, aber in einer Dosis, die sie nicht nur erträglich, sondern wunderbar angenehm macht.
Ich, prokrastinierend wie eh und je, setze mich hin, schalte die Musik ab, rieche an meinem Handgelenk, in der Luft, lasse die Gerüche auf mich wirken.
Und ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie meine Oma mir, die mal wieder mit blutigen Knien ins Haus kommt, einen dieser pappigen kleinen Kirschlollis in die Hand und einen Kuss auf die Stirn drückt.
(Ich rieche Kirsche, auch wenn davon nirgends etwas steht, viel davon!)
Wie sie mich umarmt, aber nicht hochhebt, denn ich bin ihr mittlerweile zu schwer. Und sie hat „Rücken“.
Oma hat gebadet. Vielleicht in „Le Bain“.
Vielleicht hat meine Oma aber auch wirklich gebadet und sich danach in einer Blumenwiese gewälzt, wobei die Kirschlollis, die sie für mich gekauft hatte, irgendwie an ihr kleben geblieben sind.
Genau so riecht „Le Bain“ für mich.
Tröstlich, kuschlig, nach sehr viel Geborgenheit mit einem kleinen bisschen Vanille - oder eher dem Vanillin im Zucker. Ganz leicht, chemisch, aber nicht unangenehm, sondern nach Weihnachtsbäckerei.
Das ist gut so, denn dadurch komme ich nicht auf die Idee, diese Vanille mit der von Guerlain zu vergleichen und kann sie getrost toll finden.
Deshalb wird dieser Duft für mich auch einer für die kalten Tage.
Vielleicht bin ich für diesen Duft zu jung, ich muss mir dazu die Meinung meiner Freundinnen und Freunde anhören.
Ich möchte schließlich nicht wie irgendeine Oma riechen. Wenn ich das tue, werde ich mit diesem Parfum zuhause bleiben und ihn für mich genießen.
Immer dann, wenn ich meine Oma vermisse - und die Geborgenheit ihrer Umarmungen zumindest riechen möchte.
13 Antworten


Ich habe den Duft mit 20 getragen, als Studentin! Und ich finde man kreiert selbst den Eindruck, den andere von einem Duft haben... ich meine damit: Menschen, die den Duft an mir gerochen haben, werden den Duft in Zukunft nicht mit einer „Omi“ verbinden, sondern mit einer jungen Frau.
Was alte oder alt wirkende Düfte angeht, muss ich mich erst einmal umsehen oder „umriechen“. Oft hört man ja, die Formulierung wurde geändert und die Düfte sind nur noch ein Abklatsch dessen, was sie mal verkörpert haben wollen. ^^
Die schönste, unvergleichlich(!) schönste Umarmung ist für mich bisher immer „Cuir Beluga“ gewesen. Aber „Le Bain“ hat mich zu Tränen gerührt und das hat vor ihm noch keiner geschafft.