21.12.2025 - 11:57 Uhr

Mairuwa
72 Rezensionen

Mairuwa
Hilfreiche Rezension
8
Das rätselhafte Lächeln der Raubkatze
Der Titel meiner Rezension ist natürlich etwas unpräzise. Eigentlich müsste es „Schleichkatze“ heißen, oder besser gleich „Zibetkatze“. „Raubkatze“ habe ich nur des Wortklangs wegen gewählt. Und das rätselhafte Lächeln sagt man natürlich der Gioconda nach, die hier, zumindest zur Hälfte, namensgebend war. Zur anderen Hälfte namensgebend war die Auftraggeberin dieses Bespoke-Parfums – eine gewisse Mona Long aus Aspen, Colorado. Auf den Seiten von La Via del Profumo beschreibt Laura Donna, wie sie zur Geburtshelferin des Duftes wurde: Gemeinsam mit Long habe sie zunächst deren Duftvorlieben analysiert, um sie dann, nach der Identifizierung von Mandarine, Tuberose und vor allem Zibet als ihre favorisierten Noten, an Abdessalaam Attar weiterzuverweisen, den Gründer und Parfümeur von La Via del Profumo, der schließlich ihren Signaturduft schuf und später auch ins hauseigene Sortiment übernahm. Abdessalaam Attar ist ein „nom de nez“, hinter dem sich der aus Frankreich stammende und in Italien lebende olfaktorische Autodidakt Dominique Dubrana verbirgt. Abdessalaam – Diener des Friedens. Zum Hintergrund des Künstlernamens gehört auch, dass Dubrana 10 Jahre lang durch Afrika und die arabische Welt reiste und im Zuge dieser kulturellen Erfahrung irgendwann zum sufistischen Islam konvertierte.
Es ist interessant, was Dubrana über das Kreieren von Düften als Auftragsarbeit sagt: „Making perfumes is easy; you need only two things, good ingredients and a clear idea. This is why making perfumes for real people is so important. In custom blending, the other person is the clear idea you need.“ Natürlich steckt in einem solchen Satz eine Menge Understatement, doch im Fall von „Mona Lisa“ scheint Dubrana die Kreation tatsächlich leicht von der Hand gegangen zu sein. Schon der erste Entwurf, den er Mona Long schickte, entsprach offenbar nicht nur auf Anhieb deren Erwartungen, sondern entwickelte sich auch über nunmehr über 15 Jahre zu einer immer wieder nachproduzierten, festen Größe im Sortiment von La Via del Profumo.
Zibet, Tuberose und Mandarine. Nur diese drei Hauptnoten werden angegeben, ansonsten zieht es der Hersteller vor, das Grübeln um das Rätsel von Mona Lisa dem Kunden zu überlassen. Und das fällt gar nicht so leicht, denn der Duft ist dicht verwoben und wirkt mit seiner samtweichen Aura eher wie aus einem Guss, als dass man, wie man vielleicht denken könnte, eine Sukzession von Mandarine als Auftakt, Tuberose im Herzen und Zibet an der Basis ausmachen könnte. Bemerkenswert finde ich, dass insbesondere Zibet und Tuberose, die beide sehr dominant sein können, einander hier gegenseitig zu zähmen scheinen. Ich selbst nehme zwar deutliche Animalik wahr, doch einen dezidiert urinösen Charakter kann ich (im Gegensatz zu meinem kritisch dreinblickenden Sohn) nicht ausmachen - vermutlich habe ich dafür aber auch einfach eine ausgeprägtere Toleranz. Umgekehrt spürt man das florale Element deutlich, ohne dass der sonst oft geradezu narkotisch schwere Charakter der Tuberose hier alles dominieren würde. Im Gegenteil, die leicht dramatisch und damit gerne etwas divenhaft unnahbar wirkende Blume erscheint hier im Licht des Zibet geradezu intim und vertraut. Diese intime Qualität der Zibetanimalik ist es auch, die Mona Long in dem Duft scheinbar besonders wichtig war. Einer von Laura Donna geteilten Anekdote zufolge habe Long sich nach ihrem Auszug aus dem Elternhaus als junge Frau am Flughafen sehr einsam gefühlt, habe dann aber im Zibetduft ihres Reisegepäcks Trost gefunden, weil sie hier unverhofft ihren vertrauten Eigengeruch wahrgenommen habe.
In diesem Zusammenhang sei ein anderes Zitat von Dominique Dubrana erwähnt, das im Zusammenhang mit seiner Verwendung pflanzlicher in Verbindung mit animalischen Duftstoffen aufschlussreich erscheint: „A fragrance made entirely of ingredients from plants meets only a part of our soul’s needs. We need the presence of plants so much that we bring them into our houses when they are absent in our streets. We do exactly the same with animals, we take pets. We need the company of both of them for our psychological and emotional equilibrium. Together they ARE nature.“
Die Hauptdarsteller in dem Duft „Mona Lisa“ bilden eine Einheit, die von den Nebendarstellern (Ambrettesamen? Moschus?) allenfalls noch unterstützend abgerundet wird, so dass ein beinahe traumwandlerisches Gleichgewicht entsteht. Und genau dieses Gleichgewicht, der Zustand des sich gegenseitig Ergänzens und Zähmens, in dem starke Charaktere einerseits erkennbar bleiben, sich aber zugleich doch zurücknehmen und dem Ganzen unterordnen, ist es vielleicht, was das Geheimnis dieser „Mona Lisa“ ausmacht. Die besondere Wirkung des Lächelns auf dem Gesicht in Leonardos Meisterporträt wird auf die Sfumato-Technik zurückgeführt, bei der durch weiche Schatten und Übergänge je nach Blickwinkel Unschärfen entstehen, die das Lächeln maskieren und verschwimmen lassen, dann aber auch wieder klar hervortreten lassen und einen verführerischen, leidenschaftlichen Ausdruck entstehen lassen. Auch bei dem Duft „Mona Lisa“ verschwimmen die Konturen, wenn man sich auf einzelne Noten konzentriert und sie zu isolieren versucht. Sobald man sich wieder auf den Duft als Ganzen einlässt, findet man sie unversehens wieder, jedoch nicht isoliert, sondern als Teil einer Einheit, die ebenso in den Bann zu ziehen und zu betören vermag, wie die berühmte Namensgeberin.
Mein Dank für die Probe geht an Sapho.
Es ist interessant, was Dubrana über das Kreieren von Düften als Auftragsarbeit sagt: „Making perfumes is easy; you need only two things, good ingredients and a clear idea. This is why making perfumes for real people is so important. In custom blending, the other person is the clear idea you need.“ Natürlich steckt in einem solchen Satz eine Menge Understatement, doch im Fall von „Mona Lisa“ scheint Dubrana die Kreation tatsächlich leicht von der Hand gegangen zu sein. Schon der erste Entwurf, den er Mona Long schickte, entsprach offenbar nicht nur auf Anhieb deren Erwartungen, sondern entwickelte sich auch über nunmehr über 15 Jahre zu einer immer wieder nachproduzierten, festen Größe im Sortiment von La Via del Profumo.
Zibet, Tuberose und Mandarine. Nur diese drei Hauptnoten werden angegeben, ansonsten zieht es der Hersteller vor, das Grübeln um das Rätsel von Mona Lisa dem Kunden zu überlassen. Und das fällt gar nicht so leicht, denn der Duft ist dicht verwoben und wirkt mit seiner samtweichen Aura eher wie aus einem Guss, als dass man, wie man vielleicht denken könnte, eine Sukzession von Mandarine als Auftakt, Tuberose im Herzen und Zibet an der Basis ausmachen könnte. Bemerkenswert finde ich, dass insbesondere Zibet und Tuberose, die beide sehr dominant sein können, einander hier gegenseitig zu zähmen scheinen. Ich selbst nehme zwar deutliche Animalik wahr, doch einen dezidiert urinösen Charakter kann ich (im Gegensatz zu meinem kritisch dreinblickenden Sohn) nicht ausmachen - vermutlich habe ich dafür aber auch einfach eine ausgeprägtere Toleranz. Umgekehrt spürt man das florale Element deutlich, ohne dass der sonst oft geradezu narkotisch schwere Charakter der Tuberose hier alles dominieren würde. Im Gegenteil, die leicht dramatisch und damit gerne etwas divenhaft unnahbar wirkende Blume erscheint hier im Licht des Zibet geradezu intim und vertraut. Diese intime Qualität der Zibetanimalik ist es auch, die Mona Long in dem Duft scheinbar besonders wichtig war. Einer von Laura Donna geteilten Anekdote zufolge habe Long sich nach ihrem Auszug aus dem Elternhaus als junge Frau am Flughafen sehr einsam gefühlt, habe dann aber im Zibetduft ihres Reisegepäcks Trost gefunden, weil sie hier unverhofft ihren vertrauten Eigengeruch wahrgenommen habe.
In diesem Zusammenhang sei ein anderes Zitat von Dominique Dubrana erwähnt, das im Zusammenhang mit seiner Verwendung pflanzlicher in Verbindung mit animalischen Duftstoffen aufschlussreich erscheint: „A fragrance made entirely of ingredients from plants meets only a part of our soul’s needs. We need the presence of plants so much that we bring them into our houses when they are absent in our streets. We do exactly the same with animals, we take pets. We need the company of both of them for our psychological and emotional equilibrium. Together they ARE nature.“
Die Hauptdarsteller in dem Duft „Mona Lisa“ bilden eine Einheit, die von den Nebendarstellern (Ambrettesamen? Moschus?) allenfalls noch unterstützend abgerundet wird, so dass ein beinahe traumwandlerisches Gleichgewicht entsteht. Und genau dieses Gleichgewicht, der Zustand des sich gegenseitig Ergänzens und Zähmens, in dem starke Charaktere einerseits erkennbar bleiben, sich aber zugleich doch zurücknehmen und dem Ganzen unterordnen, ist es vielleicht, was das Geheimnis dieser „Mona Lisa“ ausmacht. Die besondere Wirkung des Lächelns auf dem Gesicht in Leonardos Meisterporträt wird auf die Sfumato-Technik zurückgeführt, bei der durch weiche Schatten und Übergänge je nach Blickwinkel Unschärfen entstehen, die das Lächeln maskieren und verschwimmen lassen, dann aber auch wieder klar hervortreten lassen und einen verführerischen, leidenschaftlichen Ausdruck entstehen lassen. Auch bei dem Duft „Mona Lisa“ verschwimmen die Konturen, wenn man sich auf einzelne Noten konzentriert und sie zu isolieren versucht. Sobald man sich wieder auf den Duft als Ganzen einlässt, findet man sie unversehens wieder, jedoch nicht isoliert, sondern als Teil einer Einheit, die ebenso in den Bann zu ziehen und zu betören vermag, wie die berühmte Namensgeberin.
Mein Dank für die Probe geht an Sapho.
8 Antworten



Sapho


























