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Top Rezension
Es muss der Kardamom sein...
Ja, ich liebe Kardamom im Essen. Im Kaffee habe ich ihn zum ersten Mal in Israel genossen – es schmeckte großartig!
Aber als Duft? Kardamom war für mich eigentlich immer eher Geschmack, als Geruch. Wenn ich aber an meiner Dose mit den Kardamom-Kapseln rieche, stelle ich fest: oh ja, Kardamom schmeckt nicht nur wunderbar, er duftet auch fantastisch! Und wenn ich dann schaue, welche Düfte ich liebe, dann sind da doch überproportional viele dabei, die Kardamom enthalten: ‚Pour Monsieur’ von Chanel, ‚Déclaration’, ‚Chypre Shot’, ‚Timbuktu’, ‚Dzongkha’ und, und, und....
Ja, und auch dieser: ‚Galaad’.
Delphine Thierry hat hier für mein Empfinden einen schönen, trocken-würzigen Orientalen mit Chypre-Tendenz geschaffen, der glücklicherweise ohne die so häufig schwere Tonka/Vanille-Süße auskommt, kein überbordendes Blumenbouquet im Arm trägt und auch die üblichen Hesperiden am Baum hängen lässt.
‚Akkad’, ebenfalls von Delphine Thierry, wartet da schon eher mit den typisch orientalischen Beigaben auf: mit viel Vanille und vor allem viel Amber, und findet vermutlich aus diesem Grund auch mehr Bewunderer.
So schön ‚Akkad’ aber ist, ‚Galaad’ gefällt mir besser. Vermutlich liegt´s am Kardamom, bestimmt aber nicht nur.
Interessanterweise erinnert mich ‚Galaad’ immer wieder an Chanels ‚Pour Monsieur’, jenen frisch-zitrischen Chypre-Duft, der bis heute, neben ‚Mitsouko’, das Chypre-Genre definiert. Frische, zitrische Anklänge finden sich in ‚Galaad’ zwar nun gar nicht, aber es ist das würzige Herz (der Kardamom!) und die latent bitter-moosige Chypre-Basis, die mich an den Chanel-Duft denken lassen. Dabei ist die Chypre-Facette von ‚Galaad’ eher zurückhaltend, akzentuiert lediglich den orientalischen Charakter. Die Würze hingegen schlägt voll durch – variiert das Herz von ‚Pour Monsieur’, quasi in EdP-Stärke. Diverse Balsame schleifen die scharfkantigen Ecken der krautigen Aromen, runden den Duft und lassen ihn weicher erscheinen. Das Wechselspiel der trocken-würzigen Akkorde und der dezenten Süße der Balsame, ist, finde ich, sehr schön austariert und charakterisiert den gesamten Duftverlauf.
Im Fond gesellen sich leicht harzig-rauchige Facetten und etwas tintenartiges Eichenmoos, neben einem Hauch Oud dazu. Zum Glück aber wirklich nur ein Hauch, denn ich muss gestehen, ich bin ein wenig Oud-müde....
Ein Kunde von mir bemerkte kürzlich, dass ihn mein Duft an eine edle würzige Seife erinnern würde, und ja, seither teile ich diese Assoziation. Eine Cremeseife allerdings, denn ‚Galaad’ hat eher etwas Cremiges, als etwas beißend Laugiges. Was mich aber wunderte, war, dass der Kunde meinen Duft offenbar noch ausreichend deutlich wahrnahm, während ich ihn schon seit Stunden verflogen dachte. ‚Galaad’ gehört nämlich zu jenen Düften, die man fälschlicherweise für flüchtig halten könnte. Der Duft hat jedoch eine gute Ausdauer, bei moderater Projektion. Die Reiz-Adaption setzt im Gegensatz zu ‚Akkad’ aber offenbar früher ein: während ‚Akkad’ die Nase noch länger beschäftigt, scheint ‚Galaad’ ziemlich schnell verschwunden. Das täuscht, wie gesagt, wie es auch bei Chanels ‚Pour Monsieur’ täuscht.
‚Galaad’ hat eine angenehm zurückhaltende, keine Sekunde laute Präsenz, die Menschen mit Vorliebe für raumgreifende Düfte sicher enttäuschen dürfte. Mich nicht, ich mag das.
In einem Interview wurde Gilles Thévenin, der Inhaber der Firma Lubin, einmal nach seinen Favoriten gefragt: „I wore Guerlain perfumes from the age of 15, and then Armani pour Homme until I joined Guerlain. I have been wearing Lubin Vetiver since 2007 and these days I often wear Galaad, which I like very much.“
Ich kann diese Wahl gut nachvollziehen. So sehr ich auch ‚Korrigan’, ‚Idole’ und ‚Akkad’ mag, aus der ‚Talismania’-Reihe ist ‚Galaad’ der mit Abstand benutzerfreundlichste, will sagen: am wenigsten exponierte und somit tragbarste Duft – ein stilvoller Begleiter im Stile alter Gentleman-Klassiker wie ‚Eau Sauvage’, ‚Habit Rouge’ oder das nun schon mehrfach genannte ‚Pour Monsieur’ von Chanel.
Wer einen schweren orientalischen Kracher à la ‚Opium’ sucht, der lasse allerdings die Finger von ‚Galaad’. Einen fein gewobenen, distinguierten, eher maskulinen Orientalen gibt er aber allemal ab.
Und dann noch dieser tolle Flakon!
Aber als Duft? Kardamom war für mich eigentlich immer eher Geschmack, als Geruch. Wenn ich aber an meiner Dose mit den Kardamom-Kapseln rieche, stelle ich fest: oh ja, Kardamom schmeckt nicht nur wunderbar, er duftet auch fantastisch! Und wenn ich dann schaue, welche Düfte ich liebe, dann sind da doch überproportional viele dabei, die Kardamom enthalten: ‚Pour Monsieur’ von Chanel, ‚Déclaration’, ‚Chypre Shot’, ‚Timbuktu’, ‚Dzongkha’ und, und, und....
Ja, und auch dieser: ‚Galaad’.
Delphine Thierry hat hier für mein Empfinden einen schönen, trocken-würzigen Orientalen mit Chypre-Tendenz geschaffen, der glücklicherweise ohne die so häufig schwere Tonka/Vanille-Süße auskommt, kein überbordendes Blumenbouquet im Arm trägt und auch die üblichen Hesperiden am Baum hängen lässt.
‚Akkad’, ebenfalls von Delphine Thierry, wartet da schon eher mit den typisch orientalischen Beigaben auf: mit viel Vanille und vor allem viel Amber, und findet vermutlich aus diesem Grund auch mehr Bewunderer.
So schön ‚Akkad’ aber ist, ‚Galaad’ gefällt mir besser. Vermutlich liegt´s am Kardamom, bestimmt aber nicht nur.
Interessanterweise erinnert mich ‚Galaad’ immer wieder an Chanels ‚Pour Monsieur’, jenen frisch-zitrischen Chypre-Duft, der bis heute, neben ‚Mitsouko’, das Chypre-Genre definiert. Frische, zitrische Anklänge finden sich in ‚Galaad’ zwar nun gar nicht, aber es ist das würzige Herz (der Kardamom!) und die latent bitter-moosige Chypre-Basis, die mich an den Chanel-Duft denken lassen. Dabei ist die Chypre-Facette von ‚Galaad’ eher zurückhaltend, akzentuiert lediglich den orientalischen Charakter. Die Würze hingegen schlägt voll durch – variiert das Herz von ‚Pour Monsieur’, quasi in EdP-Stärke. Diverse Balsame schleifen die scharfkantigen Ecken der krautigen Aromen, runden den Duft und lassen ihn weicher erscheinen. Das Wechselspiel der trocken-würzigen Akkorde und der dezenten Süße der Balsame, ist, finde ich, sehr schön austariert und charakterisiert den gesamten Duftverlauf.
Im Fond gesellen sich leicht harzig-rauchige Facetten und etwas tintenartiges Eichenmoos, neben einem Hauch Oud dazu. Zum Glück aber wirklich nur ein Hauch, denn ich muss gestehen, ich bin ein wenig Oud-müde....
Ein Kunde von mir bemerkte kürzlich, dass ihn mein Duft an eine edle würzige Seife erinnern würde, und ja, seither teile ich diese Assoziation. Eine Cremeseife allerdings, denn ‚Galaad’ hat eher etwas Cremiges, als etwas beißend Laugiges. Was mich aber wunderte, war, dass der Kunde meinen Duft offenbar noch ausreichend deutlich wahrnahm, während ich ihn schon seit Stunden verflogen dachte. ‚Galaad’ gehört nämlich zu jenen Düften, die man fälschlicherweise für flüchtig halten könnte. Der Duft hat jedoch eine gute Ausdauer, bei moderater Projektion. Die Reiz-Adaption setzt im Gegensatz zu ‚Akkad’ aber offenbar früher ein: während ‚Akkad’ die Nase noch länger beschäftigt, scheint ‚Galaad’ ziemlich schnell verschwunden. Das täuscht, wie gesagt, wie es auch bei Chanels ‚Pour Monsieur’ täuscht.
‚Galaad’ hat eine angenehm zurückhaltende, keine Sekunde laute Präsenz, die Menschen mit Vorliebe für raumgreifende Düfte sicher enttäuschen dürfte. Mich nicht, ich mag das.
In einem Interview wurde Gilles Thévenin, der Inhaber der Firma Lubin, einmal nach seinen Favoriten gefragt: „I wore Guerlain perfumes from the age of 15, and then Armani pour Homme until I joined Guerlain. I have been wearing Lubin Vetiver since 2007 and these days I often wear Galaad, which I like very much.“
Ich kann diese Wahl gut nachvollziehen. So sehr ich auch ‚Korrigan’, ‚Idole’ und ‚Akkad’ mag, aus der ‚Talismania’-Reihe ist ‚Galaad’ der mit Abstand benutzerfreundlichste, will sagen: am wenigsten exponierte und somit tragbarste Duft – ein stilvoller Begleiter im Stile alter Gentleman-Klassiker wie ‚Eau Sauvage’, ‚Habit Rouge’ oder das nun schon mehrfach genannte ‚Pour Monsieur’ von Chanel.
Wer einen schweren orientalischen Kracher à la ‚Opium’ sucht, der lasse allerdings die Finger von ‚Galaad’. Einen fein gewobenen, distinguierten, eher maskulinen Orientalen gibt er aber allemal ab.
Und dann noch dieser tolle Flakon!
8 Antworten


Ich finde auch, dass ein leicht seifiger Hauch eines Chypre in der Komposition vorhanden ist.
Timbuktu und Dzongkha standen ihm auch hervorragend. Danke für den Tipp!