"Mon Parfum" - warum später die Umbenennung erfolgte, ist mir unklar. Bei mir war es umgekehrt. Erst war es in den 90ern für mich der schöne "Paloma Picasso", erst später wurde es "Mon Parfum". Ich habe mal im Forum definiert: Chypres sind ernste Düfte. Und mehr. Dazu später - mehr. Meine Favoriten sind ja Orientalen und pudrige Düfte - und einige klassische Chypres. An diese Duftfamilie musste ich mich erst annähern, seit etwa anderthalb Jahrzehnt. Es sind so Tage, schwer definierbar, da geht der Griff zu den distanzierten, anfangs etwas schwermütigen Düften.Und das sind gar keine Depritage! Nein, vielleicht eher besondere "Mut-Tage", an denen ich mir viel zutraue, tough bin. Orientalen sind ja eher offenherzig, überschwänglich - man trägt Dekollete. Das tun Chypres auch, aber mit einer Tüll-oder Spitzenschicht. Dunkel fängt er an, mit dunkler, aber ungarstiger Angelika, Korianderperlen haben sich darin verfangen, die nun elegant-trotzig aufplatzen, zitrisch befilmt und kontrastiv dazu blumenzärtlich gesüßt. Wobei "Süße" hier wirklich minimalistisch definiert ist, eher ist es eine Weichheit, die sich fast "evolutionär "auftut. Eine gewisse "Strenge" bleibt bis zum Schluss erhalten - aber es ist her eine sehr disziplinierte Art des Kennenlernens: Eine Distanz, die geringer wird, zu freundlicher Zuwendung - aber es bleibt eine, sagen wir mal, professionelle Distanz. Was an Blüten enthalten ist: Jasmin sicher, vielleicht auch ein Hauch Rose. Patchouly soll da enthalten sein? - Wenn ja, dann als unsichtbares Dämmmaterial, nichts ist hier erdig - es kann aber gut sein, dass das Zusammenspiel zwar inszeniert, jedoch nicht selbst auftritt. Von Beginn an ist alles unterlegt mit Eichenmos, kühles Bett für die wärmeren Blumenakzente. Ich mag einfach diese klassische Schönheit, die mir nie langweilig wird, weil sie etwas Ungesagtes hat, sich nie ganz in fremde Hand begibt. Mit den meisten modernen Chypreparfums oder denen , die sich als solche ausgeben, kann ich nichts anfangen. Das fast schrullige"Irisia" ist meine strengste Gouvernante, meine geliebtes "Eau du soir" ist ebenfalls herber, der "Chypre rouge" von Serge Lutens ist schon - ist aber keiner! "Miss Dior" ist frischer - Picassos Meisterwerk ist der eleganteste in meinem Besitz. Ernst - ja. Aber trotz der Distinguiertheit offenbart sich eben auch Charme, Wärme und eine gewisse Gewitztheit. Loewenherz hat bereits auf den etwas seltsamen, skulpturalen Flakon aufmerksam gemacht. Zugzwang der Picasso-Tochter? Mein Flakon ist oval und völlig schwarz. Die Variante, die die Flüssigkeit durchscheinen lässt, wirkt natürlich interessanter - und die Idee wurde auch später nachgeahmt. Er hat eine deutliche, aber keine aufdringliche Silage, die wäre auch unwürdig. Ich sortiere den ein unter "Schwarze Seelen" - wenigstens ein bisschen. Nicht nur der Schwärze des Flakons wegen.
Wie gut ich Dich verstehe! "Paloma Picasso" bekam ich 1992 geschenkt, da war ich gerade 24 und fühlte mich lang noch nicht reif genug für den Duft, doch in den Augen des Schenkenden war ich es wohl. Heute sind Chypres eine große Liebe - spät zwar, dafür umso größer.
Ich kann mich gar nicht mehr so recht an ihn erinnern, weiß aber, dass ich ihn Anfang der Neunziger einer ganz lieben Kantinendame geschenkt habe, die mochte ihn sehr. Er muss mir auch gefallen haben, ich werde mal in der Stadt ein Näschen nehmen, obschon er nun bestimmt entschärft wurde.
Guter Kommentar.Ich finde auch die neuere Variante recht gelungen,zum kaufen reichte es nie.Irgendwie finde ich den überladen .Vielleicht bin ich noch nicht soweit.
Dank, hilfreich sehr, deine analise, und bin einverstanden mit Lutens vollig !