Esprit du Roi von Penhaligon's

Esprit du Roi 2011

Meggi
23.05.2014 - 14:29 Uhr
12
Top Rezension
6Duft 7.5Haltbarkeit 5Sillage 7.5Flakon

Der herzlose Tomatenkönig

Nach dem Auftakt zeigt sich rasch eine unverkennbare Gemüsenote. War mir nicht klar, dass Tomatenblatt derart wie Tomate riecht. Nun gut, das ließ sich prüfen: Wir haben nämlich – vor allem zur Bespaßung der Kinder – jüngst drei Pflanztöpfe entsprechend bestückt und bei Tomaten muss man ohnehin regelmäßig die unfruchtbaren Nebentriebe entfernen („ausgeizen“), damit die Wuchskraft für die Haupttriebe und letztlich die Früchte bleibt. Den ersten solchen Geiztrieb habe ich direkt abgezupft und zerrieben. Ich rieche – Überraschung! – Blatt. Na ja. Vielleicht verwendet Penhaligon’s eine andere Tomaten-Sorte. Oder die meinen die just von der Frucht abgezupften Stängel. Oder man muss die kostbaren Blätter der Haupttriebe nehmen. Oder die Herrschaften haben einfach mit ein paar Früchtchen nachgeholfen. Beim nächsten Zupfen opfere ich (mit wenig Hoffnung auf Änderung) womöglich mal ein Stück Edel-Blatt und werde noch einmal schnuppern.

Frisch und minzig, durchaus british-cologne-mäßig, ist der Start ansonsten und gefällt mir gut. Originelle Idee, dem Ganzen diesen kaum anders als eben mit „tomatig“ beschreibbaren Anstrich zu verpassen. In meiner Kindheit gab es ein Buch „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“. Habe ich nie gelesen - es war preisgekrönt und galt mithin als pädagogisch wertvoll. Nun, heute bekomme ich es dafür stattdessen mit dem Tomatenkönig bzw. mit seinem Geist zu tun.

Eine Herznote findet bei mir - pointiert formuliert - nicht statt.

Wir gehen vielmehr sofort über zur Basis. Vetiver und Holz mischen sich recht edel, ein trockener, dezent-animalischer Beiklang ist zugegen, der mir ganz ordentlich gefällt, obwohl ich soeben gelernt habe, dass es sich dabei unter anderem (Hyrax; Penhaligon’s spricht von „africa stone“) um versteinerte Exkremente von Klippschliefern handelt, kleinen Säugetieren aus Afrika und West-Asien.

In der sechsten Stunde hat sich EdR zu einem herb-distinguierten Duft nahe an der Haut entwickelt, grundsätzlich vernünftig austariert, allerdings nehme ich einen gewissen Schwerpunkt auf dem Fremd-Animalischen wahr. Wenngleich die petrifizierte Schlieferscheiße (jedenfalls hier) keineswegs üblich-fäkal riecht, sagt mir das jetzt weniger zu.

Fazit: Einigermaßen ordentlich, aber der Duftverlauf ändert sich (dieser bereits geäußerten Meinung schließe ich mich an) doch etwas zu sehr und zudem nicht gerade in meine bevorzugte Richtung. Da gibt’s Besseres, zumal für den Preis und allemal von Herrn Duchaufour.
8 Antworten
KovexKovex vor 6 Jahren
Neugierig hat’s mich jetzt aber doch gemacht.
FittleworthFittleworth vor 11 Jahren
Interessanter Kommentar! Ich laß mal ein Körbchen Tomaten da ...
MisterEMisterE vor 11 Jahren
.... der klingt jetzt so, als ob Man(n) den nicht haben müsste....! Das Tomatige hat mir bei Hermes schon nicht gefallen. Das ist nicht so meine bevorzugte Note in Parfüms.
ErgoproxyErgoproxy vor 11 Jahren
In der Tat gibt es Besseres.
DobbsDobbs vor 11 Jahren
Ob das auch mit versteinerten Kaninchenkötteln funktioniert? Schließlich sind die auch klein und pelzig ... oh Mann, da tun sich ja vielleicht ungeahnte Einkommensquellen auf ;o)
PaloneraPalonera vor 11 Jahren
Doch, doch, Tomatenblatt riecht definitiv und eindeutig tomatig-würzig-krautig - vielleicht sind Deine Jungpflanzen dafür einfach noch zu klein?! Schnupper mal an "Claudiae" von Sigilli, da ist das genial umgesetzt. Schlieferscheiße??? Ogottogott...
NaaaseNaaase vor 11 Jahren
Der Tomatenkönig mag herzlos sein. Dein Kommentar ist es keinesfalls. Kein Pokal für den Tomatenkönig. Dafür aber für Dich.
YataganYatagan vor 11 Jahren
Trotzdem klingt das interessant. Düfte mit Tomatenblatt gefallen mir meist sehr gut.