Private Blend

Soleil Brûlant 2021

FrauLocke
06.01.2022 - 10:32 Uhr
14
Sehr hilfreiche Rezension
8
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft

Von Wärme an dunklen Tagen

Ich wundere mich über die bisherigen teils miserablen Bewertungen, vor allem in den Statements? - die diesem Duft nicht gerecht werden.
Er scheint ja extrem von der Hautchemie abzuhängen und die Entfaltung bei vielen nicht zu funktionieren? (Ich rieche z.B. nirgends etwas medizinisches, synthetisches oder angekokelte Altreifen)

Vermutlich polarisiert er auch vor allem wegen zu hoher Erwartungen aufgrund des hohen Preises. Mag der Preis auch überzogen sein,- mag es auch bessere oder markantere „Burner“ des Designers geben - mir egal- für mich war es ein (schönes) Geschenk an Weihnachten.

In der silbernen Box, die den weiß-gold umverpackten goldenen Flakon beherbergte, lag noch etwas Parfumpapier, welches wohl von der Verkäuferin des KaDeWe mit dem Duft besprüht wurde. Sofort fiel mir die entströmende angenehm aromatisch-warmwürzige Basis des Duftes auf.
Ich hatte nämlich ein bischen Bammel, als ich beim Öffnen des Geschenks erwartungsvoll angeschaut wurde, ob mir doch die Gesichtszüge irgendwie enttäuscht entgleiten - verwechselte ich die Sache doch zunächst mit Tom Fords „Soleil blanc“, welcher mir beim Testen vor ca. 1 Jahr nicht wirklich gut gefallen hatte.
Zum Glück erlebte ich eine positive Überraschung.

Es gibt durchaus ein paar ähnliche Soleil-Themen-Akkorde zum „Soleil blanc“, aber das Soleil brulant entwickelt sich wahrlich wärmer, strahlender, geborgener und hellwürzig.
Ich sehe den Duft irgendwie eher an Frauen und er gefällt mir nach dem ersten Herantasten, seit dem 2.-3. Sprühen/ Tag von Mal zu Mal besser. Zuerst dachte ich „ein Duft für den Sommer“, nun weiß ich, dass er auch prima im Winter funktioniert.

Zu Beginn ist der rosa Pfeffer frisch und geht bald in das weiß-und orangenblütige Honigherz über.
Ich hatte immer Schwierigkeiten, wenn ich auf parfumo bei Duftbeschreibungen „cremig“ las. Aber bei diesem hier bemerke ich das deutlich. Fernab aller trockenen Pudrigkeit entfaltet sich neben dem Honig eine süße (aber nicht zu süße-) gourmandige Tonka-Cremigkeit, welche sich lange Zeit als „lecker“ beschreiben lässt.
Die angegebenen Harze, Hölzer, Rauch, Vetiver, Leder der Basis nehme ich nicht einzeln wahr.
Grob beschrieben erscheint mir ein geschmeidiger Sonnencreme-Vibe und der Geruch von Haut, an dem ich immer wieder schnuppern muss. (Ich liebe im Sommer den Geruch von leicht verschmorter Haut durch die Sonne. Genau dies wird hier illusorisch wiedergegeben. Sowas war mir neu :-)

Ich weiß noch nicht, wie ich dieses Parfum im Sommer finden werde, vielleicht ist es dann zu würzig, denn transparent oder leicht ist es nicht.
Aber gerade im dunklen Winter als umhüllende, warm-geborgene, stimmungsaufhellende Sommer-Illusion = wunderbar. Für einen Wellness-Tag in der Sauna hat es sich bisher ebenso bewährt als kuschelige Bademantel-Sprüher.

Ich finde diese Soleil-Interpretation auch gelungener als den „Soleil blanc“, weswegen ich die hiesige niedrige Einstufung doppelt nicht verstehe.

#würzig #luxuriös #stimmungsaufhellend
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