So Elixir Purple von Yves Rocher

So Elixir Purple 2012

Mandelmaus
09.02.2015 - 14:36 Uhr
27
Top Rezension
8Duft 7.5Haltbarkeit 7.5Sillage 7.5Flakon

Strange, I have seen this face before oder bitterdunkles Fruchtgummi für Erwachsene

An diesen Duft kam ich durch die liebe Veri, ein herzliches Dankeschön an dich.
Einige Kommentare sind hier sehr interessant zu lesen. Allen voran die beerige Fruchnote gepaart mit Hölzern, klingt ungemein verlockend. Ob der jetzt sinnlicher, verführerischer oder was auch immer ist als die Urversion ist mir ziemlich egal; kann man meines Erachtens sowieso nicht pauschal sehen.
Manchmal finde ich persönlich quitschsauberes total anziehend und dann wieder was total würziges und latent animalisches. Je nach Gusto, und das macht es letztendlich auch immer wieder so spannend.

Etwa anderthalb Jahre befindet sich der schöne Flakon in meiner Sammlung und erinnert mich an eine gute Veränderung in meinem Leben. Ich trage ihn gerne abends für mich, immer wieder bin ich fasziniert von dieser ultradunkelvioletten, triefenden, harzigen Beerennote. Woher kommt die nur?

Der Einstieg bizzelt, zischt und prickelt. Quitscht sogar etwas, so glatt und sauber wie er ist. Mutet leicht synthetisch-seifig an, aber das stört mich nicht.
Frische Bergamotte also im surrenden Intro, aber bereits hier kündigt sich ein dunkler, floraler Schleier an. Changierende, satte Lilatöne von flieder bis schwarzviolett in einem sanften und samtigen Verlauf. Trotzdem knallt der Duft ordentlich rein und steigt zu Kopf wie köstlicher Champagner, der eigentlich erfrischen soll, im Endeffekt den Gemütszustand rigoros auf den Kopf stellt.

Die saftige und sündige Beerennote lässt nicht lange auf sich warten. Wie dicker, dunkler und berauschender Sirup ergießt sie sich gnadenlos in den sprudelnden Auftakt des Parfums, nimmt ihm die anfängliche Frische und Unbeschwertheit. Wie feinster Portwein, tintenschwarz und gehaltvoll dringt die säuselnde Süße in die Gehirnwindungen bis die Synapsen klatschen.
Anfangs erinnern mich die herbfruchtigen und süßfrischen Beerenaromen stark an Gucci Eau de Parfum II, aber wirklich nur kurz, denn bei Gucci bleibt es ätherisch-köstlich und fragil.
Ganz anders das purpurne Elixier. Das muss die Tuberose sein die den Duft so gewaltig zusammenballt und auftürmt ähnlich wie die imposanten Ambosswolken kurz vor einem schweren Sommergewitter.
Gut möglich, dass diese gehaltvolle und dichte Note Kopfschmerzen auslösen kann. Mir gefällt das, ich mag es aber auch gerne mal narkotisierend.
Diese dunkle und "abendliche" Beere im schweren Blütengewand erinnert mich zudem an dunkles Weingummi, riecht ein bisschen essbar und synthetisch, aber irgendwie auch total interessant und anziehend. Wie eine Fährte die immer wieder zu wittern ist und man muss unbedingt die Quelle des Wohlgeruchs finden.

Im weiteren Verlauf scheint sich der Duft immer harmonischer zu bewegen. Atmung und Herzschlag haben sich einigermaßen wieder normalisiert, die Pupillen sind trotzdem noch geweitet, denn nun verspricht der Duft eine schmelzende und anschmiegsamge Weichheit die ein ernstes Suchtpotenzial birgt.
Immer noch dunkelviolett und beerig-saftig, gleichzeitig geschmeidig-pudrig und süß, von einer zähen und femininen Sorte, immer wieder bricht dunkles Patchouli und würziges Vetiver durch die schillernde, lila Wasseroberfläche, vergleichbar mit schattenhaften Wesen, biegsam und kraftvoll.
Diese überraschenden Unterbrechung bringen eine leicht unheilvolle Spannung ins Geschehen und sorgen dafür dass der Duft vorangetrieben wird und nicht langweilig stagniert.
So oszilliert der Duft mal träge, dann wieder mitreißend verführerische zwischen herbfruchtig, voluminös-süß, spröde hölzern, geschmeidig pudrig, verwirrend rauchig, lärmend harzig, gurrend geschmeidig und betörend orientalisch.
Nicht ganz leicht zu fassen, aber genau das finde ich so reizvoll.

Am meisten trage ich den Duft im Herbst und Winter, eher abends zum kuscheln auf dem Sofa oder zum Weggehen. Ähnlichkeiten zum Alien oder Saab finde ich eher weniger. Alle drei besitzen einen herrischen und dominanten Charakter, der Yves Rocher agiert für meinen Geschmack allerdings subtiler.

Die Haltbarkeit ist mit mindestens acht Stunden sehr gut. Anfangs empfinde ich die Sillage als recht stark, nur langsam geht ihr die Puste aus, der bezirzenden Monsterbeere.
Für junge Mädchen vielleicht nicht die erste Wahl, er bringt eine gewisse Schwere und Opulenz mit sich, auf zu schmalen Schultern eventuell fehl am Platz.

Mit gefällt die purpurne Variante besser, da sie diesen schön verwirrenden Fruchttwist mit sich bringt und in Vetiver und Patchouli einen starken und interessanten Gegenpol findet. Es ist kein nervtötendes Tauziehen, eher ein dunkler Tanz voller Dynamik. So wie der Song von Grace Jones aus meiner Überschrift.
Hypnotisieren wiegt sie sich voran, die ungewöhnliche und charismatische Stimme, der einlullende und gleichzeitig treibende Rhythmus. Kam mir irgendwie sofort in den Sinn.

Ein olfaktorischer Tango, gekrönt von dunklen, knatschigen Weingummi getränkt mit illegalen Substanzen. Klingt komisch, sollte man aber unbedingt mal versuchen ; -)
12 Antworten
PolyanthaPolyantha vor 5 Jahren
Toller Text und so nah am Duft. Bitterdunkles Fruchtgummi trifft es ziemlich genau!
BlaumilchBlaumilch vor 9 Jahren
Guter Kommentar. Hab mir So Elixir Purple auch gerade eben gekauft, weil ich ihn ganz nett fand. Fruchtig, süss und veilchenartig. Ziemlich synthetisch, aber das stört tatsächlich nicht.
TearsTears vor 11 Jahren
Ouh yes, den hat meine Mama jetzt von mir bekommen, passt in ein studenten-Budget und ist trotzdem klasse!
Jetzt duftet sie verführerischer denn je, da dürfte sich mein Stiefvater freuen! :P
IngerInger vor 11 Jahren
Da bin ich schon ein paar Mal daran vorbeigelaufen und habe den noch nie getestet. Wird aber bei nächster Gelegenheit nachgeholt! Purpurpokal!
PaloneraPalonera vor 11 Jahren
Da scheint Monsieur Rocher ja wieder ein Kandidat gelungen zu sein, der es in sich hat! Während die YRs in den Achtzigern und Neunzigern noch eher "naja" waren, hat die Marke in den letzten Jahren deutlich an Fahrt gewonnen. Spannend, spannend!
GaukeleyaGaukeleya vor 11 Jahren
Tuberose hält sich zum Glück genauso wie der Opulenzeindruck bei mir zurück: ich finde ihn elegant, holzig und eher frischbeerig an mir. Aber da sind wir uns einig: ein wirklich schöner Duft für relativ kleines Geld :-)
ParfumAholicParfumAholic vor 11 Jahren
Yves Rocher ist auch so eine Marke, die gerne mal unterschätzt wird. Dabei ist gerade YR ein gutes Beispiel dafür, dass Gutes nicht zwangsläufig teuer sein muss. Wieder einmal ein klasse Kommi, der einem schon beim Lesen wärmt. Vielen Dank!
Naima84Naima84 vor 11 Jahren
Es war mir eine Freude, diesen Text zu lesen.
KleopatraKleopatra vor 11 Jahren
Cooler Song von Grace! Danke fürs Erinnern. Mit Beeren in Düften habe ich es nicht so, deshalb mag ich auch diesen nicht. Aber schön, dass er Dir so gut gefällt!
SwanschSwansch vor 11 Jahren
Wow, du beschwörst mit deinen Kommentaren immer ganz wundervolle Bilder herauf... ganz toll!
MeggiMeggi vor 11 Jahren
Grace Jones habe ich nicht erkannt. Macht nix...
TaurusTaurus vor 11 Jahren
Grace Jones zitieren und dann noch was in Purple testen ... dafür gibt´s von mir einen Pokal :-)