Camel von Zoologist

Camel 2017

NikEy
22.07.2018 - 07:54 Uhr
23
Top Rezension
8Duft 8Haltbarkeit 8Sillage

Von Oasenschätzen und Wüstenweihrauch

Wie Kamele riechen, kann ich aufgrund mangelnder Erfahrung nur schwerlich beurteilen. Ohne zuviel vorwegzunehmen kann aber ohne Zweifel der Duft von trockenem, warmem Tierfell assoziiert werden. Dabei weniger animalisch als bei anderen Düften der Fall, sondern eher wärmend interpretiert, nehme ich zugunsten der Marke und des tollen Designs wegen gerne an, dass es sich um Kamele handelt.

Camel präsentiert seinen Beginn mit zarter, hellfruchtiger Frische, die zwar schnell nicht mehr im Vordergrund steht, aber doch lange Zeit wahrnehmbar bleibt. Oud und dreckige Ambratöne zeichnen einen deutlich holzig-würzigen Unterbau der weich bleibt. Animalik – durchaus auch eine vorhandene Spur Zibet – ist so fruchtig-leicht verbaut, dass sie genau so wirkt, wie man es sich von einem guten Parfum vorstellt. Attraktiv und versteckt anziehend. Deutliches aber feines Oud, ein seidenfadener Geruch verräuchernder, gewürzter Harze und cremiges Sandelholz stehen auf der einen Seite. Dagegen würzig-helle Früchte, indolisch-süßes Blütenwabern von Jasmin und einem Hauch Orangenblüte und weich-ambrierte Noten die sich perfekt vereinen. Die eine orientalische Wüstenlandschaft zeichnen, ohne die man sich namensgebendes Tier nur schwer vorstellen kann.

Die Einordnung Unisex passt hier sehr genau, da er gekonnt mit seiner feminen blumig-fruchtigen und seiner maskulinen holzig-würzigen Art spielt. Zusammengehalten werden die beiden Seiten durch die wundervolle animalische Note, die sich durch die schmutzigen Seiten der Noten selbst und aus einer langanhaltendend zartdreckigen, trotzdem auffluffenden Moschusbasis und Zibetanklängen ergibt. Und diese Animalik ist es, die für mich den trocken-staubigen Weihrauch – der hier eher hell als rauchig daherkommt – so erträglich macht. Ihm eine Basis gibt die ihn nicht herausstechen, sondern nur den Wüstencharakter verstärken lässt.

Camel erinnert mich an einige Düfte aus der Orientalen- und Wüstenkategorie die ich kenne. So chanciert er für mich irgendwo zwischen dem entspannt-meditativen 'Oud Stars – Fars', dem blumig-fruchtigen 'Oud Stars - Malesia (2017)', dem weihrauchgeladenen 'Sahara Noir' und dem würzig-goldenen 'Oud Shamash'. Eine Kombination, welche Eigenheiten dieser Düfte vereint und mit eine zarten Oud-Zibet Animalik verbindet. Die so sanft glitzert, als gehöre sie einfach zur Haut. Er fällt nicht mit der Tür ins Haus, ist kein Duft an den man sich gewöhnen muss um ihn zu mögen, kein animalischer Breitschläger den nur "echte Männer" tragen können, sondern weiß von Beginn an zu gefallen.

Sillage und Haltbarkeit sind stark, beruhigen sich aber schnell auf ein gut tragbares Maß, weswegen ich den Duft bei zarter Dosierung als zu jeder Gelegenheit tragbar empfinde. Und betrachtet man den Preis in Bezug zu den genannten Düften die bspw. aus der XerJoff'schen Feder kommen, bewegt sich Camel mit rund 145€/60ml noch im vertretbaren Nischenbereich.
7 Antworten
Zauber600Zauber600 vor 7 Jahren
Guter Kommi .. die ganze Reihe scheint interessant zu sein .. in Stuttgart nirgendwo erhältlich :-( Pokälsche!!
Can777Can777 vor 7 Jahren
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Den fand ich richtig gut! Schön beschrieben!
DieLoraDieLora vor 7 Jahren
Das klingt fantastisch! Auf der Merkliste ist er bereits, jetzt rutscht er noch ein Stückerl weiter hoch.
ElmarElmar vor 7 Jahren
Schöner und sehr treffender Kommentar!
MeggiMeggi vor 7 Jahren
Diesen Stinker wollte ich auch immer nochmal versuchen.
TerraTerra vor 7 Jahren
Das klingt richtig gut! Merkliste!
AzaharAzahar vor 7 Jahren
Jetzt kann ich mir den sehr gut vorstellen, danke für die lesenswerte Beschreibung!