
Ropanski2020
31 Rezensionen

Ropanski2020
Top Rezension
22
Von olfaktorischen Kipppunkten und drohendem "sell out"…
Als Marke ist man stets darum bemüht, einerseits den Erwartungen zu entsprechen, andererseits sich von diesen Bestrebungen zu distanzieren, um seine Integrität zu bewahren.
Bei Jinkoh Store verfolgte man von jeher einen intuitiven, durch akkuraten Minimalismus gekennzeichneten Ansatz, ließ eher Rohstoffe (allen voran Oud) denn sorgfältig ausgelotete Mischverhältnisse sprechen, man könnte auch sagen: der Inhaber (Marius Pana) ging bislang kompromisslos und ohne klare Linienführung vor, so ganz ohne Ausbildung, mit all den damit verbundenen Vor- wie auch Nachteilen.
Marius Umsetzungen waren so wundervoll archaisch, die Rohstoffe von erstaunlicher Qualität, selbst wenn unter dem Strich einfach "nur" Attars mit Alkohol aufgefüllt worden sind, das Blending nur wenig zielgerichtet, vermutlich nicht einmal groß durchdacht gewesen ist; sein Verständnis für das Zusammenspiel von Rohstoffen verdichtete sich stets auf den Einsatz von Oud-Destillaten, umspielt von etwas Beifang (floral/ animalisch). Aber es war im Kern immer eins: authentisch!
Mit dem neuesten "Sunset-Ableger" hat er sich definitiv keinen Gefallen getan, dieser ist so weit entfernt von dem, für was die Reihe ursprünglich stand, dass ich nicht verstehen kann, wieso das in der Konsequenz nicht konkret adressiert wird!?
Ja, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten: mit Sunset in Capri wurde die Tür zum Mainstream weit geöffnet! Was prinzipiell nicht verwerflich, wenn auch schade ist, hat Marius hierfür doch extra eine entsprechende Linie Ende 2023 aus dem Boden gestampft (Niche Collection), wo man so etwas viel eher verorten würde.
Was bekommste? Eine leicht würzig-schwülstig-schmutzige Zitrik-Mische, mit grünem Chlorophyll-Anstrich und ambriert-hellholzigem Einschlag. That's it! Die kaltgepresste Mixtur wirkt zunächst linear frisch, flankiert von etwas säuerlichem Chassis, wird aber rasch von einem viel zu derben Lorbeerblatt überfrachtet (zu hoch aufgelöst), der schweißig-pfeffrige Ambrettesamen-Einsatz ist zu profan eingebunden, der holzige Fond dagegen so nichtssagend platt dimensioniert.
Was vor allem stört, ist die kittende Ambra, welche verdächtig stark in der Basis lodert. So leid es mir tut, aber es riecht im Fond nach Synthetik, das gleißende Ambra-Gerüst ist mir im Herzen zu reaktiv (von der Ausstrahlung her), das kenne ich so von keinem Naturparfüm! Und auch die Verteilung der Duftmoleküle im Sprühnebel wirkt auf mich irgendwie synthetisch induziert. Marius hat nie behauptet, frei von synthetischen Zusätzen zu arbeiten, auch wenn seine Produktbeschreibungen sich dahingehend zumeist mit Aussparungen begnügen und allenfalls die allgemeine Kategorisierung auf der Homepage anderes vermuten lässt - Transparenz sieht anders aus.
Man gewinnt den Eindruck, als würde Marius sich seit einem halben Jahr zusehends der Frage widmen, wie wohl eine gewöhnliche Nischen-DNA mit besseren Riechstoffen duften könnte. Oder es wird ihm von seiner Community zusehends als Umsetzungswunsch herangetragen. Anders kann ich mir die letzten Ausflüge in der Sunset-Reihe nicht mehr erklären. Die Ergebnisse sprechen für sich, und die Antwort sei ihm permanent zugerufen: "nicht zwangsläufig besser!" Vielleicht haben die vereinzelten Bespoken-Anfragen ihrerseits dafür gesorgt, dass sein Koordinatensystem ins Wanken geriet, wer weiß das schon.
Ob man jetzt einen dreistelligen Betrag für einen knapp 30ml umfassenden, ambrierten Zitrusduft ausgeben sollte oder nicht gleich bei Marken wie Acqua di Parma vorspricht, wo man für deutlich weniger Kohle Zitrusdüfte in divers erhält, sei einer möglichen Kaufüberlegung, als kritische Grundsatzfrage zumindest vorangestellt.
Als ausgesprochener Fan der Marke kann ich diese Entwicklung nicht mehr gutheißen, mit welchem Tempo hier die Spur gewechselt wurde, ist erstaunlich wie traurig zugleich. Das Artisan-Gen ist dem vorliegenden Duft weitestgehend fremd. Damit teilt Marius das Schicksal anderer Vertreter seiner Zunft wie etwa Antonio Lasheras (Mallo) oder Alp Veliogulliari (Katana). Für die einen bedeutet dies eine konsequente Weiterentwicklung, für die anderen den idiosynkratischen Zerfall.
Manch einer möge jetzt anfügen, dass die Reise zu den goldenen Horizonten einfach eine weitere Bruchlandung erfahren habe, und in der Tat würde es mich nicht überraschen, wenn als nächstes Reiseziel irgendeine westliche Großstadtmetropole als Inspirationsquelle herhielte, als Mitteleuropäer fiele dann die Wahl hoffentlich nicht auf Berlin, ich könnte schon jetzt den Lindenschlonz an der Hacke nebst aromatisiertem Tabak und dysfunktionaler Abfallbewirtschaftung riechen.
Im Ergebnis ein lupenreiner Irrläufer mit weggewischtem "Noir" Schriftzug. Der geniale Sunset in Hainan wird wohl Marius Peak bleiben, ein Abschluss, seit 2025 weht ein anderer Wind und das in mehrfacher Hinsicht. Es geht harsch bergab. Schade - wohl die nächste Artisan-Marke, die man so langsam abhaken sollte und die nächste herbe Enttäuschung nach Sunset in KSA Extrait de Parfum und Sunset in Jumeirah die bereits mein Artisanherz zutiefst erschütterten. Ich verzichte!
Bei Jinkoh Store verfolgte man von jeher einen intuitiven, durch akkuraten Minimalismus gekennzeichneten Ansatz, ließ eher Rohstoffe (allen voran Oud) denn sorgfältig ausgelotete Mischverhältnisse sprechen, man könnte auch sagen: der Inhaber (Marius Pana) ging bislang kompromisslos und ohne klare Linienführung vor, so ganz ohne Ausbildung, mit all den damit verbundenen Vor- wie auch Nachteilen.
Marius Umsetzungen waren so wundervoll archaisch, die Rohstoffe von erstaunlicher Qualität, selbst wenn unter dem Strich einfach "nur" Attars mit Alkohol aufgefüllt worden sind, das Blending nur wenig zielgerichtet, vermutlich nicht einmal groß durchdacht gewesen ist; sein Verständnis für das Zusammenspiel von Rohstoffen verdichtete sich stets auf den Einsatz von Oud-Destillaten, umspielt von etwas Beifang (floral/ animalisch). Aber es war im Kern immer eins: authentisch!
Mit dem neuesten "Sunset-Ableger" hat er sich definitiv keinen Gefallen getan, dieser ist so weit entfernt von dem, für was die Reihe ursprünglich stand, dass ich nicht verstehen kann, wieso das in der Konsequenz nicht konkret adressiert wird!?
Ja, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten: mit Sunset in Capri wurde die Tür zum Mainstream weit geöffnet! Was prinzipiell nicht verwerflich, wenn auch schade ist, hat Marius hierfür doch extra eine entsprechende Linie Ende 2023 aus dem Boden gestampft (Niche Collection), wo man so etwas viel eher verorten würde.
Was bekommste? Eine leicht würzig-schwülstig-schmutzige Zitrik-Mische, mit grünem Chlorophyll-Anstrich und ambriert-hellholzigem Einschlag. That's it! Die kaltgepresste Mixtur wirkt zunächst linear frisch, flankiert von etwas säuerlichem Chassis, wird aber rasch von einem viel zu derben Lorbeerblatt überfrachtet (zu hoch aufgelöst), der schweißig-pfeffrige Ambrettesamen-Einsatz ist zu profan eingebunden, der holzige Fond dagegen so nichtssagend platt dimensioniert.
Was vor allem stört, ist die kittende Ambra, welche verdächtig stark in der Basis lodert. So leid es mir tut, aber es riecht im Fond nach Synthetik, das gleißende Ambra-Gerüst ist mir im Herzen zu reaktiv (von der Ausstrahlung her), das kenne ich so von keinem Naturparfüm! Und auch die Verteilung der Duftmoleküle im Sprühnebel wirkt auf mich irgendwie synthetisch induziert. Marius hat nie behauptet, frei von synthetischen Zusätzen zu arbeiten, auch wenn seine Produktbeschreibungen sich dahingehend zumeist mit Aussparungen begnügen und allenfalls die allgemeine Kategorisierung auf der Homepage anderes vermuten lässt - Transparenz sieht anders aus.
Man gewinnt den Eindruck, als würde Marius sich seit einem halben Jahr zusehends der Frage widmen, wie wohl eine gewöhnliche Nischen-DNA mit besseren Riechstoffen duften könnte. Oder es wird ihm von seiner Community zusehends als Umsetzungswunsch herangetragen. Anders kann ich mir die letzten Ausflüge in der Sunset-Reihe nicht mehr erklären. Die Ergebnisse sprechen für sich, und die Antwort sei ihm permanent zugerufen: "nicht zwangsläufig besser!" Vielleicht haben die vereinzelten Bespoken-Anfragen ihrerseits dafür gesorgt, dass sein Koordinatensystem ins Wanken geriet, wer weiß das schon.
Ob man jetzt einen dreistelligen Betrag für einen knapp 30ml umfassenden, ambrierten Zitrusduft ausgeben sollte oder nicht gleich bei Marken wie Acqua di Parma vorspricht, wo man für deutlich weniger Kohle Zitrusdüfte in divers erhält, sei einer möglichen Kaufüberlegung, als kritische Grundsatzfrage zumindest vorangestellt.
Als ausgesprochener Fan der Marke kann ich diese Entwicklung nicht mehr gutheißen, mit welchem Tempo hier die Spur gewechselt wurde, ist erstaunlich wie traurig zugleich. Das Artisan-Gen ist dem vorliegenden Duft weitestgehend fremd. Damit teilt Marius das Schicksal anderer Vertreter seiner Zunft wie etwa Antonio Lasheras (Mallo) oder Alp Veliogulliari (Katana). Für die einen bedeutet dies eine konsequente Weiterentwicklung, für die anderen den idiosynkratischen Zerfall.
Manch einer möge jetzt anfügen, dass die Reise zu den goldenen Horizonten einfach eine weitere Bruchlandung erfahren habe, und in der Tat würde es mich nicht überraschen, wenn als nächstes Reiseziel irgendeine westliche Großstadtmetropole als Inspirationsquelle herhielte, als Mitteleuropäer fiele dann die Wahl hoffentlich nicht auf Berlin, ich könnte schon jetzt den Lindenschlonz an der Hacke nebst aromatisiertem Tabak und dysfunktionaler Abfallbewirtschaftung riechen.
Im Ergebnis ein lupenreiner Irrläufer mit weggewischtem "Noir" Schriftzug. Der geniale Sunset in Hainan wird wohl Marius Peak bleiben, ein Abschluss, seit 2025 weht ein anderer Wind und das in mehrfacher Hinsicht. Es geht harsch bergab. Schade - wohl die nächste Artisan-Marke, die man so langsam abhaken sollte und die nächste herbe Enttäuschung nach Sunset in KSA Extrait de Parfum und Sunset in Jumeirah die bereits mein Artisanherz zutiefst erschütterten. Ich verzichte!
Aktualisiert am 09.11.2025 - 11:25 Uhr
36 Antworten



Kopfnote
Bergamotte
grüne Mandarine
italienische Zitrone
Quitte
Herznote
Lorbeerblatt
Basilikum Absolue
Bleiche Schwertlilie
Blutorange
Lindenblüte
Myrte
Neroli
Schwarze Johannisbeere Absolue
Basisnote
Ambra
Ambrettesamen CO2
holzige Noten
Seetang Absolue
toskanische Zypresse
Smellspezial




































