Chizza
21.06.2024 - 17:29 Uhr
20
Top Rezension
7Duft 8Haltbarkeit 7Sillage 8Flakon

Lavendelkaffee

Frei. Ein gigantisches Wort obgleich es nur eine Silbe besetzt. Doch natürlich lässt sich die Bedeutung unterschiedlich definieren und wohl auch abstufen. Die Parfumeurin von OM meint damit laut Marketingtext Berlin, genauer gesagt Tempelhof, denn sie war vom freien Platz dort beeindruckt und dem, was die Menschen daraus gemacht haben. Zum Beispiel das Pflanzen von Bäumen. Dass ein Duft mit diesem Titel einen Cannabis-Akkord im Repertoire hat, muss ich nicht extra erwähnen, oder?

Der Duft startet mit sehr lavendellastigem Kaffee, die typisch markante Note beeinflusst den mitteldunklen Kaffee deutlich. Hinzu kommt der Salbei, welcher sich harsch und frisch zugleich darstellt. Der Nukleus, die geröstete Bohne, bleibt erhalten. Jedoch können die anderen Facetten, welche den Duft stark transformieren, irritierend sein. Interessant ist dass das Cannabis zunächst keine Rolle spielt. Ganz im Gegenteil, Salbei und Lavendel werden moderater, Kaffee durchdringender, unveränderlich, maximal noch durch einen Hauch Karamell nuanciert.

Im weiteren Verlauf erscheinen harzige Momente, sehr zurückhaltend, denn die zeitgleich auftretenden aber deutlich lauteren erdigen Töne überstrahlen jene um ein Vielfaches. Diese Mixtur aus vergehenden harschen Noten, grüner Erde sowie dem Geruch von gerösteten Kaffeebohnen, die ist sehr gelungen. Dennoch: hier vermisse ich partiell den Fokus auf die eine dominierende Facette, dadurch fehlt es mir für manche Momente an Richtungsgebung. Nicht falsch verstehen, dies ist nicht immer notwendig, auch hier mag der ein oder andere mir widersprechen, denn Frei ist als Gesamtwerk gut und das ordnende Chaos vorhanden. So treibt dann sukzessive ein sehr sanfter und sublimer Cannabis-Akkord den Duft in eine sehr grüne, nun auch krautige Richtung, welche dem Kaffee gut steht. Leider wird dies mit der Zeit blass und so endet Frei nicht so stark und herausragend, wenngleich immer noch leicht extraordinär, bevor der Duft dann in ein süßliches Lavendelbad zerfällt.

Auch hier muss man Aichi von OM ein hohes Maß an Kreativität attestieren respektive dass sie es schafft, bestehendes unkonventionell zu kombinieren und damit in der Regel Düfte kreiert, die zumindest bemerkenswert sind. Das alleine hebt sie von der Masse ab.
So auch hier geschehen. Ja, man muss Kaffee mögen, zugleich auch offen für ungewöhnliche Ideen sein. Für mich selbst ist Frei kein zwingender Kauf, aber einmal mehr bin ich sehr angetan von den Ideen und der Umsetzung der Künstlerin. Lediglich die finalen Züge, die sind mir - mit Verlaub - zu generisch.
28 Antworten
DodosfragzDodosfragz vor 1 Jahr
Habe mir gerade die letzte Flasche blind gekauft, basierend auf deiner Beschreibung. Hat mich ganz schön was gekostet, aber naja!
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Danny264Danny264 vor 1 Jahr
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lavendel Kaffee...ob ich für sowas bereit bin? :D
ChizzaChizza vor 1 Jahr
Finde es heraus ;) .
FloydFloyd vor 1 Jahr
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Auch dieser hier wieder, absolut spannend, was die unkonventionelle Kombination angeht.
ChizzaChizza vor 1 Jahr
So sehe ich das auch :)
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 1 Jahr
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Frei passt natürlich gut zu Berlin Tempelhof, auch so rein geschichtlich. So gesehen auch zu Taiwan. Bei dem Duft bin ich aber so frei und lehne ab...
CfrCfr vor 1 Jahr
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So viel Cannabis Düfte zur Zeit 😅
Klingt auch schön
PS: bei Jimmy gibt's guten Stoff ☺️
ChizzaChizza vor 1 Jahr
Joa, ist nicht ganz meins aber testen immer gerne
NeonNoirNeonNoir vor 1 Jahr
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Kaffee mit Lavendel-Salbeikraut und Gras vermengt. Schmeckt sicher nicht jeden, finde die Story aber durchaus apettitlich. ;-)
ChizzaChizza vor 1 Jahr
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Ist allerdings wahr ;)
SchoeibksrSchoeibksr vor 1 Jahr
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Kaffee & Gras… Beides Dinge, die eher weniger meins sind, doch den Lavendel nehme ich immer mit :D Aber du hast recht, definitiv kreative Idee !
SchoeibksrSchoeibksr vor 1 Jahr
Geil ich hatte dir zufällig auch einen mit angeblich Cannabis dazu getan haha :D
ChizzaChizza vor 1 Jahr
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Muss ja nicht durchgehend gefallen; packe ich dir mal mit rein
MarieposaMarieposa vor 1 Jahr
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Vielleicht würde zu viel Richtungsgebung einem Duft, der "Frei" heißt gar nicht gut tun ;-)
Ich mag deine differenzierte Herangehensweise an Düfte sehr!
ChizzaChizza vor 1 Jahr
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Interessanter Gedanke!
ViolettViolett vor 1 Jahr
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Sehr interessant. Kann mir nach deiner Beschreibung sehr gut die Idee hinter dem Duft vorstellen. Sie malt hier wohl ein Bild von ihren Tempelhof-Eindrücken. Dass Lavendelschaumbad nach dem Ausflug- nun ja....;-) Tragen würde ich das Parfum vermutlich eher nicht, dran riechen schon.
ChizzaChizza vor 1 Jahr
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Ja, das ist sicher so, finde ich als Idee auch sehr sympathisch.
GandixGandix vor 1 Jahr
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Ich bin ja immer noch so, dass ich den Kaffee lieber trinke. Kreativität schätze ich aber sehr. Und die Marke bringst du uns hier, wie auch in den Statements toll näher.
ChizzaChizza vor 1 Jahr
Den Duft nicht trinken bitte ;)
YataganYatagan vor 1 Jahr
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Sehr starke Rezension wieder! Mir gefällt vor allem, dass Du trotz der Begeisterung für die Marke auch kritische Distanz wahrst. Erde, Lavendel, Salbei: gut; Kaffee: käme drauf an, Cannabis: schwierig, auch wenn sanft. Konzept von Frei: toll!
ChizzaChizza vor 1 Jahr
Bin kein Freund davon, alles hochzujubeln ;) auch nicht, hier ist es sowieso nicht der Fall - wenn 10ml 500 Dollar kosten und es nur sieben Flakons gibt ;)
ElAttarineElAttarine vor 1 Jahr
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Danke für die tolle Beschreibung! Klingt ziemlich gut, obwohl ich bei Kaffee meist vorsichtig bin.
ChizzaChizza vor 1 Jahr
Ja, hier muss Lavendel und Salbei gefallen.
PollitaPollita vor 1 Jahr
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Auf jeden Fall spannend.
ChizzaChizza vor 1 Jahr
So sehe ich das auch ;)
SeejungfrauSeejungfrau vor 1 Jahr
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"Berlin Map Series." Spannend! Aichi Liu scheint ein kreatives Händchen zu haben.
Nicht schlimm,wenn die Umsetzung noch nicht ganz rund daherkommt.
SeejungfrauSeejungfrau vor 1 Jahr
Ach,weißt du : 7/10 ist für mich schon sehr gut @Chizza
Auch wenn der Großteil hierzu eine andere Sichtweise hat.
ChizzaChizza vor 1 Jahr
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Ja, finde ich auch. Kann nicht immer alles gefallen.