
Mairuwa
72 Rezensionen

Mairuwa
Sehr hilfreiche Rezension
7
Die Urwälder des Nordens
Primal Forest - Urwald. Fast unweigerlich denkt man da an tropischen Dschungel, schwere, schwül-feuchte Hitze, nasse Erde. Oud. Vielleicht Patchouli. Ganz anders „Primal Forest“ von Organic Perfume Girl. Man muss schon zweimal hinriechen, stutzt zuerst, so ein hell-harziger, nadelig kühler Duft wallt einem da entgegen. Das hätte man nicht unbedingt erwartet, aber dann denkt man nach und muss zugeben, dass man einem Klischee aufgesessen ist. Warum eigentlich? Weil es echte Urwälder bei uns schon lange nicht mehr gibt. Aber natürlich gibt es sie auch nicht nur in den Tropen, sondern durchaus auch noch in gemäßigten Breiten. Vom kalifornischen Huntington Beach, dem Sitz von Organic Perfume Girl, ist das sogar viel näherliegend. Man muss nur der Küstenlinie nach Norden folgen bis zu den nördlich angrenzenden Bundesstaaten Oregon oder Washington, da findet man solche Wälder. Gemäßigte Regenwälder mit Douglasien, Küsten-Tannen und den berühmten Sequoias. Und noch weiter nördlich die borealen Wälder.
Es ist schön, wie hier mit Erwartungshaltungen und Stereotypen gespielt wird, ohne letztendlich Erwartungen zu enttäuschen. Denn einen urtümlichen Wald hat man hier allemal. Nur eben einen nördlich kühlen. Nach den ätherischen, herb-nadelig harzigen Kiefern- und frisch-holzigen Eichennoten des Auftakts wird es etwas dunkler, balsamischer, würziger. Moos, tatsächlich auch Oud lassen einen gleichsam von den Wipfeln langsam zum Waldboden sinken, bis zu einer leicht ambrierten Basis, in der die Moschusanwandlungen der Ambrettesamen auch die Fauna dieses Waldes mehr andeuten, als wirklich vernehmen lassen. Der herb-kühle Gesamteindruck bleibt dominant. Das ist vermutlich der Grund, warum „Primal Forest“ als Herrenduft verkauft wird. Etwas stutzig macht das dennoch beinahe, werden doch die Mehrzahl der vergleichbaren Artisan-Düfte in diesem Segment heute zurecht als unisex deklariert. Was dahinter steckt ist vielleicht, dass „Primal Forest“, obwohl zweifellos auch Konzeptduft, zugleich ein durchaus tragbares Parfum ist – oder besser: ein „botanical cologne“ wie die selbstgewählte Genredeklaration es ausdrückt. Und da spielen Geschlechterzuweisungen vielleicht doch noch eine größere Rolle. Wie dem auch sei, aus meiner Sicht spricht überhaupt nichts dagegen, dass „Primal Forest“ Frauen ebenso gefallen sollte, und nicht nur an einem Mann.
Der Begriff des „botanical cologne“ weist auf zweierlei hin: Einerseits auf die leider eher begrenzte Ausdauer des Duftes, was schade ist, denn man könnte sich schon an ihn gewöhnen. Andererseits auf die organische Herkunft der Rohstoffe. Dawn Stewart, die Begründerin und Parfümeurin des Hauses Organic Perfume Girl, schreibt, dass jeder ihrer Düfte auf einer selbsthergestellten Tinktur aus Kräutern, Blumen oder Wildpflanzen aufbaut, die mit weiteren ätherischen Ölen, Auszügen und Harzen versetzt wird.
Stewart schreibt weiter, eine ihrer wichtigsten Inspirationen neben der Natur selbst sei die Musik. Natürlich ist es vermessen, Mutmaßungen darüber anzustellen, welche Melodien ihr im Zusammenhang mit „Primal Forest“ durch den Kopf gegangen sein könnten. Dennoch ist diese Hintergrundinformation willkommen, denn sie inspiriert dazu, sich selbst eine Musik zu dem Duft zu denken. Weil mich die Bilder von nordamerikanischen Wäldern schnell an Jim Jarmuschs „Dead Man“ denken lassen, wo die Birken einen aus schwarzen Augen beobachten und die Stämme der Mammutbäume zum Teil den ganzen Breitwandbildschirm ausfüllen, kommt mir hier Neil Youngs Gitarre in den Sinn. Aber das ist natürlich schon sehr idiosynkratisch und das soll ja hier kein Tagebuch sein…
Es ist schön, wie hier mit Erwartungshaltungen und Stereotypen gespielt wird, ohne letztendlich Erwartungen zu enttäuschen. Denn einen urtümlichen Wald hat man hier allemal. Nur eben einen nördlich kühlen. Nach den ätherischen, herb-nadelig harzigen Kiefern- und frisch-holzigen Eichennoten des Auftakts wird es etwas dunkler, balsamischer, würziger. Moos, tatsächlich auch Oud lassen einen gleichsam von den Wipfeln langsam zum Waldboden sinken, bis zu einer leicht ambrierten Basis, in der die Moschusanwandlungen der Ambrettesamen auch die Fauna dieses Waldes mehr andeuten, als wirklich vernehmen lassen. Der herb-kühle Gesamteindruck bleibt dominant. Das ist vermutlich der Grund, warum „Primal Forest“ als Herrenduft verkauft wird. Etwas stutzig macht das dennoch beinahe, werden doch die Mehrzahl der vergleichbaren Artisan-Düfte in diesem Segment heute zurecht als unisex deklariert. Was dahinter steckt ist vielleicht, dass „Primal Forest“, obwohl zweifellos auch Konzeptduft, zugleich ein durchaus tragbares Parfum ist – oder besser: ein „botanical cologne“ wie die selbstgewählte Genredeklaration es ausdrückt. Und da spielen Geschlechterzuweisungen vielleicht doch noch eine größere Rolle. Wie dem auch sei, aus meiner Sicht spricht überhaupt nichts dagegen, dass „Primal Forest“ Frauen ebenso gefallen sollte, und nicht nur an einem Mann.
Der Begriff des „botanical cologne“ weist auf zweierlei hin: Einerseits auf die leider eher begrenzte Ausdauer des Duftes, was schade ist, denn man könnte sich schon an ihn gewöhnen. Andererseits auf die organische Herkunft der Rohstoffe. Dawn Stewart, die Begründerin und Parfümeurin des Hauses Organic Perfume Girl, schreibt, dass jeder ihrer Düfte auf einer selbsthergestellten Tinktur aus Kräutern, Blumen oder Wildpflanzen aufbaut, die mit weiteren ätherischen Ölen, Auszügen und Harzen versetzt wird.
Stewart schreibt weiter, eine ihrer wichtigsten Inspirationen neben der Natur selbst sei die Musik. Natürlich ist es vermessen, Mutmaßungen darüber anzustellen, welche Melodien ihr im Zusammenhang mit „Primal Forest“ durch den Kopf gegangen sein könnten. Dennoch ist diese Hintergrundinformation willkommen, denn sie inspiriert dazu, sich selbst eine Musik zu dem Duft zu denken. Weil mich die Bilder von nordamerikanischen Wäldern schnell an Jim Jarmuschs „Dead Man“ denken lassen, wo die Birken einen aus schwarzen Augen beobachten und die Stämme der Mammutbäume zum Teil den ganzen Breitwandbildschirm ausfüllen, kommt mir hier Neil Youngs Gitarre in den Sinn. Aber das ist natürlich schon sehr idiosynkratisch und das soll ja hier kein Tagebuch sein…
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Tony1106


























