Alle Wesen in diesen Dörfern entstammen langen Linien von Schiffsbauern und Fischern. Ihre Seelen leben in morschen Hölzern der schwarzen salzverkrusteten Hütten. Im kalten Rauch der verbrannten Muscheln. Im Raunen der halb versteinerten Algen an den Pfählen in den verlassenen Stränden. Dem Knistern der winzigen platzenden Bläschen, die im Untergang des Meeres verbleiben, ihrem grün-ätherischen Atem im Schlamm. In den Strohblumen, die zitternd in den Böen verdorren, zerrieben zu Sepiagewürzen in Dünen. Im Sand aus bitteren Myrrhekörnern. Den Harzkristall-Spuren, den Salzpheromonen, von Walen verloren vor Ewigkeiten.
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Filippo Zanini und sein Freund Giacomo betreiben seit 2023 ihr kleines Artisan Label Zanini im italienischen Prato. Sie verwenden 100% natürliche Rohstoffe, die sie größtenteils selbst ernten und traditionell verarbeiten. Den Rohstoffen wird dabei in ihrer Reifung viel Zeit gegeben. Die dabei entstehenden Duftlandschaften sind außergewöhnlich. "Madly in love with untamed nature. Following materials from source to extraction. Staying with the process—even when it is slow, complex, inefficient." heißt es in ihrem Manifest auf Instagram.
"Fermo Pesca" ist dabei eine besonders evokative und intensive Landschaft, die auf verschiedenen Sorten von indonesischem Oud basiert, einem incensy Merauke Oud, einem erdig-grünen Natuna Oud sowie einem salzigen Pontianak Oud, die gemeinsam mit salzig-grünen Seegrasnoten, ätherisch-eukalyptischer Kaper, der aromatisch-krautig-würzigen Myrte sowie den rauchigen Onycha-Muscheln ein schwelend-nebliges Bild dunkler morscher Hölzer am Meer entstehen lässt, mineralisch, scharf und geräuchert. Immortelle und Strohblume streuen sepiafarbene, curryartig-würzige Noten darüber. Die verschiedenen Myrrhesorten verleihen eine bitterharzige Tiefe unter einer Ambra, welche an der Küste Siziliens geerntet und über vier Jahre mazeriert wurde und ihrerseits salzig-harziger, dezent moschusartiger Natur zu sein scheint. Das ergibt einen bitter-würzigen, holzig-erdigen, harzig-rauchigen Duft mit subtil aquatisch-mineralischer Animalik. Natürlich, Terpen-ölig, vielschichtig. Ein Meisterstück.
Diese mit tiefer Seele verfasste Hommage an einen unglaublich tiefsinnigen Duft fasziniert mich doch sehr! Und- dieser Rarität würde ich gern einen schnuppernden Besuch abstatten! ;-))
Was für ein Ausflug...und was Du für eine schöne Reise Du beschreibst. Man hat gleich genau diese Gerüche gedanklich in der Nase bei diesem Rundgang von den salzverkrusteten Hütten, im Sand aus bitteren Myrrhekörnern durch die Dünen bis zum Strand.... Fantastisch! @carrioncrow: an H.P. Lovecraft musste ich auch gleich denken.
Lange Linien und Ewigkeiten, in denen verkrustet, verbrennt, versteinert, zerrieben wird und dennoch atmet. Was für ein starkes Bild für einen vielschichtigen Duft!
Sehr einladend beschrieben.
Zanini klingt definiv lohnend.Deine Beschreibung gefällt mir gut.
Das gute Schwarze...
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Spannend!