CafenoirCafenoirs Parfumkommentare

1 - 5 von 13
Cafenoir vor 104 Tagen 10
8
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage

Wächst Stechginster auf den Jungferninseln? oder: Die Geschichte mit dem Elefanten
Keine Sorge, dieser Kommentar wird weder sonderlich lang noch überhaupt so sonderlich wie die Überschrift vielleicht suggeriert.

Vermutlich kennen die meisten von Euch die Geschichte mit dem rosa Elefanten. Die mit der Aufforderung “Bitte denken Sie nicht an einen rosa Elefanten”, um aufzuzeigen, dass dann natürlich genau das passiert. Dass man unwillkürlich an einen rosa Elefanten denken muss.

Ein bisschen geht es mir so, wenn ich Gorse aufsprühe und daran schnuppere. Und erst recht, wenn ich ihn beschreiben soll. Nachdem ich in fast allen Aussagen Vergleiche zu Virgin Island Water lese, bekomme ich das nicht aus dem Kopf, und eine Duftbeschreibung ohne Vergleich erscheint schier unmöglich. Dabei finde ich, Gorse hat einen eigenen Kommentar verdient.

Ich fange also an mir Notizen zu machen, und sogleich macht ein Elefant es sich in meinem Kopf breit und gemütlich. In diesem Fall ist der Elefant natürlich nicht rosa, sondern hell-türkis-blau! Er flüstert mir mit einem süffisanten Lächeln zu: “Na, liebe Cafenoir, dann versuche doch mal, den Interessierten dieser Community Gorse zu beschreiben, ohne an mich zu denken. Aber wundere dich dabei nicht, wenn ich immer wieder versuche, meine ja nicht gerade kleine Nase in Deine Angelegenheiten, oder besser Deinen Kommentar, zu stecken. ”

Beim Aufsprühen rieche ich Zitrusnoten. Sie fügen sich rasch ein in eine vorwiegend süß-pudrig-cremige Komponente, welche für mich den Charakter des Duftes bestimmt. Ist das Stechginster = Gorse? Ich weiß es nicht, denn Stechginster habe ich noch nie bewußt gerochen. Die Süße erinnert mich durchaus ein wenig an Kokos, ist aber doch recht eigen. Für mich hat sie auch etwas Vanilliges sowie Blumig-Fruchtiges. Weiterhin ist eine winzige Würzigkeit mit im Spiel, ob diese dem Kardamom zuzuschreiben ist, kann ich nicht beurteilen.

Zu meiner Überraschung bzw. entgegen meiner Erwartung, empfinde ich den Duft als recht dicht. Hier mischt sich allerdings wohl der hell-türkisfarbene Elefant ein ;), denn ohne den Vergleich zu Virgin Island Water, den ich transparenter finde, wäre mir das Attribut dicht vielleicht nicht in den Sinn gekommen. So ist Gorse für mich ein primär cremig-süßer Duft mit Zitrussprenkeln. Er hat etwas Sonniges, auch im Sinne von stimmungsaufhellend, doch als reinen Sommerduft empfinde ich ihn nicht. Vermutlich würde ich ihn lieber im Frühjahr oder Herbst tragen, bei höheren Temperaturen könnte er mir zu süßlich-dicht sein. Ich empfinde den Duft als hautnah doch gleichzeitig für meine Nase beständig präsent. Komplett linear im Verlauf, hält er an mir gleichbleibend circa 6 Stunden, bevor er sich ganz langsam verflüchtigt.

“Na, was denkst Du, türkisfarbener Elefant? Bisher hielten sich die Vergleiche ja noch in Grenzen, wollen wir doch noch ein paar anfügen?” Also für die, die Virgin Island kennen und das vielleicht nützlich finden könnten:

Für mich haben die Düfte durchaus Ähnlichkeit, meine Eindrücke sind aber leicht anders als erwartet. Die Ähnlichkeit ist für mich nicht so groß, als dass der eine ein Ersatz für den anderen darstellte. Man könnte also, je nach Vorliebe und Stimmung, nur einen der beiden oder auch beide Düfte in der Sammlung haben. Virgin Island Waters finde ich spritziger und kokoslastiger als Gorse, lauter und tropischer, einfach mehr ‘Caipiriña’. Er hat etwas mehr Spiel im Verlauf, was ihn für manche vermutlich spannender macht. Gorse finde ich weicher und runder, hautnäher, cremiger und etwas dichter. Und wenn ich außerdem schreibe, dass ich Gorse femininer finde, meine ich damit nur eine Nuance, die unisex Einordnung passt für mich ganz klar für beide Düfte.

Jetzt ist es an der Zeit, dass der Elefant sich verzieht, denn ich hatte ja einen nicht allzu langen Kommentar versprochen, und mit ihm verabschiedet sich eine Kokos-Ginster-beduftete
Cafenoir

P. S. Meines Wissens kommt Stechginster übrigens nicht auf den Jungferninseln vor, wer Gegenteiliges zu berichten hat oder einen Anbau dort versucht, ob erfolgreich oder nicht, möge es bitte mitteilen, ich würde mich jedenfalls freuen :)
8 Antworten

Cafenoir vor 151 Tagen 13
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

An der Nase herum verwirrt
Der Duft verwirrt mich, scheint mich an der Nase herumzuführen, ich nehme Facetten von anderen bekannten Düften wahr, von denen ich Nuée Bleue (noch?) nicht lösen kann, und das fordert meine Wahrnehmung heraus.

Es war ein Blindkauf, aufmerksam gemacht durch eine so liebenswerte wie von mir geschätzte Parfuma, die meinte, es handele sich um einen ausgesprochen schönen Iris-Duft, in dem sie zudem irgendetwas leicht an Sicily erinnere, meinen Signatur-Duft. Soviel vorweg genommen: das kann ich bestätigen! Als ein Flakon im Souk auftauchte, wich anfänglicher Blindkauf-Widerstand schnell der (Neu-) Gier.

Nuée Bleue habe ich heute zum dritten Mal getragen. Ich schreibe diese Info in meinen Kommentaren oft dazu, damit meine Aussagen einzuordnen sind. Diejenigen, die diese Art Kommentare unzulänglich oder schlimmer finden, können sich dann spätestens jetzt ausklinken ;).

Die bisher geringe Wiederholung meines Dufterlebnisses kann in diesem Fall durchaus eine bedeutende Rolle spielen. Denn mein Gehirn spielt mir Streiche, es signalisiert, ich hätte Infusion Iris aufgesprüht, oder doch Calaluna? Dann wieder Sicily, nein, Sicily riecht doch ganz anders, und doch ist es etwas Bekanntes. So geht das Hin- und Her, ist es meine Nase, oder changiert der Duft wirklich so? Auf jeden Fall macht es mir deutlich, wie sehr das Gehirn im Unbekannten bekannte Muster sucht. Evtl. gibt sich das ja mit mehrmaligem Tragen.

Als Erstes nehme ich beim Aufsprühen Frische wahr. Verhaltene Zitrik, die sich mit Aldehyden vermengt und unmerklich später eine wunderbar klare Iris heraufbeschwört. Auch wenn ich keine Freundin von Aldehyden bin, hier stören sie mich nicht, zusammen mit Zitrusnoten scheine ich sie sogar zu mögen, wie eben auch in Sicily. In meinem Kopf entsteht das Bild von frischer, weißer, an der Leine wehender Wäsche, inmitten von Zitrushainen irgendwo im Süden Europas.

Eine Duftkomponente entwickelt sich, vielleicht die Hauptkomponente, die mich sehr an Iris - Düfte wie Prada’s Infusion d’Iris oder auch Bvlgari’s Calaluna erinnert, ein wenig auch an Quelques Fleurs Jardin Secret. Sie ist klar, frisch, hell, pudrig und kühl. Fast von Beginn an vorhanden, bleibt sie über den ganzen Duftverlauf präsent.

Daneben gibt es diese andere Komponente, die tatsächlich ein wenig an Sicily erinnert, aber nicht nur. Sie duftet sonnig und warm und steht für mich im Kontrast zu der hell-frischen Iris. Da sind Zitrusnoten, die eher orange als gelb, geschweige denn grün, riechen. Dazu Aldehyde, die nicht hervorstechen und die Zitrik besänftigen. Und alsbald eine holzige, benzoe-würzig-balsamische Basis. Moschus nehme ich nicht separat wahr, aber etwas Fluffiges, das von Moschus herrühren mag.

Ich habe das Gefühl, dass die zweite Komponente die erste erden möchte, dies aber nicht ganz gelingt. Die Iris-Komponente scheint immer wieder davon zu fliegen, sich zu verselbstständigen und aus der warm-würzigen Sonnenkompenente zu lösen, so als hätte ich 2 Düfte aufgetragen. Aber das mag wie gesagt nur eine Kapriole meines Gehirns bzw. meiner Riechzellen sein.

Das Spektakel hält an die 6-7 Stunden an, die Haltbarkeit bewegt sich also im Mittelfeld.

Interessant fand ich noch, dass die Parfumeurin des hier beschriebenen Duftes laut Herstellerseite Nathalie Lorson ist. So weit hergeholt mag es also nicht sein, dass man Spuren von Sicily zu erkennen glaubt, der ebenfalls von ihr kreiert wurde. So ist es zumindest zum ursprünglichen Sicily vermerkt.

Der Flakon ist funktionell und gut. Die aufgedruckte Biene gefällt mir persönlich nicht so gut, sie sieht aus wie irgendein Insekt, für die ich einfach keine Vorliebe habe. Der historische Kontext relativiert diesen Eindruck jedoch, denn das Symbol der kaiserlichen Biene als Markenzeichen durften Parfumhäuser verwenden, die zu den Hoflieferanten der Kaiserin Eugenie, Ehefrau Napoleons III., zählten. Die vermutlich bekannteste Marke mit diesem Zeichen dürfte hier wohl Guerlain sein, aber wie man sieht nicht die einzige.

Sollte sich an meinem “changierenden” Eindruck etwas ändern, werde ich es hier nachtragen. Auch meine Bewertung könnte sich dann noch mal geringfügig ändern. In der Zwischenzeit bin ich gespannt auf weitere Eindrücke zu dieser "Blauen Wolke", zur "Ruhe vor dem Sturm", wie der Hersteller es beschreibt. Vielleicht ist es ja auch genau das, was meine Wahrnehmung irritiert, die Ruhe vor dem Sturm, nur dass mir diese Formulierung zu dem Duft sicher nicht eingefallen wäre.

Edit am 28.06. nach mehrmaligen Tragen, also wie angekündigt und versprochen ;): grundsätzlich hat sich nicht viel verändert in meiner Wahrnehmung, die Irritation ist nicht mehr so groß, was nicht überraschen dürfte. Und nach mehrmaligen Tragen ist der Duft aus meiner Sammlung nicht mehr weg zu denken, er gefällt mir ausgesprochen gut und ich greife oft zu ihm
10 Antworten

Cafenoir vor 8 Monaten 20
8.5
Duft
8
Haltbarkeit

Aus der Sicht Einer Frau
Vorausschicken möchte ich: wer es noch nicht getan hat, lese bitte unbedingt den vorhergehenden, sehr anschaulichen Kommentar von Profumo. Dort finden sich, neben einer wunderbar nuancierten Duftbeschreibung, viele interessante Infos. Profumo’s Kommentar war ausschlaggebend für meine Probenbestellung. Fast hätte ich den Flakon blind gekauft, so verführerisch fand ich die Schilderung, aber ich wollte vernünftig sein.

Das was folgt stellt eher eine Aneinanderreihung meiner Gedanken zu dem Duft dar. Sie wollten nicht in ein statement passen und doch ausgedrückt werden, also blieb nur ein Kommentar ;). Vielleicht sind sie für manche von euch ergänzend hilfreich.

Es geht also los: ich sprühe, nein, vielmehr hülle ich mich am Morgen in den Duft. Gefällt mir! Später lese ich die angegeben Duftnoten nach und denke, ja, das passt! Alles ist da, doch nichts dominiert. Ebenfalls passt, dass keine Pyramide angegeben ist, sondern die Duftnoten nebeneinander stehen. Einen Verlauf kann ich nämlich nicht feststellen, eher so ein minimales Changieren. Ist vielleicht ein Hauch Wacholder drin? Vermutlich ist es die Zeder, die diesen Gedanken in mir auslöst.

Ja, denke ich, "[email protected]" ist ein Talkduft. Noch mehr aber ist es für mich ein Moschus-Duft. Richtiger muss es natürlich heißen: ein Ambrettesamen-Duft ;). Also ein Ambrettesamenduft mit feinen Reispuder- und Iris-Noten, durchzogen von einer Prise Zedernwürze. Bitte verzeiht die Duftnoten-Aufzählung! Durch die Art und Reihung versuche ich wiederzugeben, wie ich das Zusammenspiel der Komponenten empfinde, ich hoffe es gelingt.

Wenn ich an Talkdüfte denke, kommen mir als erstes relativ süße Düfte in den Sinn, so wie etwa "Puro Talco (Eau de Parfum)@Officina delle Essenze" oder "[email protected] Voiles Dépliées". "[email protected]" hat mit jenen für mich jedoch nichts gemeinsam. Während erstere fast erstickend wirken können und sehr süß sind, bleibt "[email protected]" immer dezent und frisch. Auch Baby-pudrig finde ich den Duft nicht, zum Glück. Aufgrund der Beschreibungen sowie des Colognoisseur reviews hatte ich damit gerechnet, doch für meine Nase ist da nichts was an Baby oder Kindheit erinnert. Ich nehme nur eine ganz dezente Pudrigkeit wahr, dazu eine fast metallisch anmutende Frische.

Weiter zu Ambrettesamen: wenn ich dieses Wort lese oder höre, denke ich stets als Erstes an "Les Exceptions - Over the [email protected] / Thierry Mugler". Der mir übrigens ausgesprochen gut gefällt. Aber auch zu diesem finde ich wenig Ähnlichkeit.

Doch erinnert der Duft mich an irgend etwas Bekanntes, aber an was denn nun eigentlich? Ich komme einfach nicht darauf. Ist es Easy for Ecstasy? Ich habe noch einen kleinen Rest und sprühe den auf. Hm, der Philly & Phill ist zunächst pudriger und süßer, also Fehlanzeige. Im Verlauf, ok, da gibt es dann doch eine ganz leichte Ähnlichkeit, ist aber nicht das, was ich suche . Kann es Acca Kappa’s "Muschio Bianco / White Moss (Eau de Parfum)@Acca Kappa" sein? Leider habe ich keine Möglichkeit, das zu checken, und meine Dufterinnerung ist zu lange her. Mehr fällt mir ad hoc nicht ein, so schnell werde ich des Rätsels Lösung also wohl nicht finden.

Das Ist aber ja auch ok bzw. sogar gut, denn "[email protected]" darf und soll für sich alleine stehen. Ich finde ihn nur schwer zu beschreiben, ohne dabei auf Vergleiche zurückzugreifen. Vermutlich erinnert er mich an mehrere bereits gerochene Düfte, von denen mich offenbar aber keiner so überzeugen konnte, dass er sich in meiner Sammlung befindet. Talc dagegen wäre durchaus ein Kandidat. Ich teste ihn noch ein paar Mal, dann wird man sehen.

Und bevor ich es vergesse, eventuell fragt sich jemand, was der Titel soll? Ist ein Teaser ;).
Einen Bezug gibt es aber natürlich, denn bisher gibt es ja nur wenige Beschreibungen zu dem Duft, und die sind von Männern verfasst. Diesen Herren gefällt "[email protected]" offensichtlich ausgesprochen gut. Was mich nicht überrascht, denn der Duft ist nicht feminin und dürfte Männern sehr gut stehen. Frauen aber auch! Aktuell haben aktuell 20 Parfumos den Duft vorgemerkt, 19 davon sind Frauen. Lasst euch weder verführen noch abschrecken von Worten wie Talc, Iris und Pudrigkeit, es handelt sich um keinen Feenduft. "[email protected]" ist definitiv unisex!

Edit am 8.03., also 4 Tage nach Erstellung des Kommentars: nach mehrmaligem Tragen bleibt es bei meiner 8,5 Bewertung, und (@smellie13) der Duft schafft es nicht auf meine Wunschliste. Ich habe ja 'definitiv unisex' geschrieben, inzwischen kommt mir auch 'androgyn' in den Sinn, im Sinne von androgyner Ästhetik, leicht kühl. Das macht den Duft interessant, aber es wird für mich keine Liebe ;)
12 Antworten

Cafenoir vor 21 Monaten 27
8
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage

Ida und wie man die Welt sieht
Hier geht es um Parfum und somit ist die Überschrift vielleicht etwas theatralisch und die Begriffe “Die Welt” und “sieht” zu ersetzen durch “Parfum” und “riecht”. Vielleicht bin ich aktuell ein wenig zu “philosophisch” drauf, ich hoffe ihr seht es mir nach ;).

Violet Ida ist für mich ein Paradebeispiel dafür, dass wir Menschen nicht nur unterschiedliche Vorlieben haben, sondern auch die Dinge verschieden wahrnehmen, im konkreten Fall die Nasen irgendwie unterschiedlich ‘ticken’. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis, aber in diesem Beispiel für mich so frappierend, dass ich es mal zum Anlass für einen Kommentar nehme. Meine eigene Wahrnehmung unterscheidet sich bei diesem Duft von den bisher überwiegenden Feststellungen hier, und zwar auch von den Eindrücken der Parfumas, bei denen ich sonst tendenziell Ähnlichkeiten wähne. Das zeigt mir, dass wir uns immer wieder überraschen lassen dürfen.

Gestern kommt also meine Abfüllung an. Mein geruchssensibler Liebster riecht am Sprüher und sagt: das duftet irgendwie nach Gemüse. Zwischen erschrocken und ungläubig öffne ich den PC um nach der Pyramide zu sehen, und siehe da : Karotte. Ich sprühe den Duft auf, jeweils 1 Sprühstoß an den Hals, einen weiteren verteilt auf beide Handgelenke und nehme sofort etwas Zitrisch-Herbes wahr, weniger die Karotte, bin aber irritiert, weil ich einen Iris-Duft erwarte. Schon Sekunden darauf zeigt sie sich aber doch, und der irritierende Eindruck ist verflogen. Zur Iris gesellt sich eine feine Süße (Heliotrop) und ich denke “ vielversprechend ”, obwohl der Mann an meiner Seite immer noch nicht begeistert ist. Im weiteren Verlauf dominiert für mich eine pudrige Süße (Heliotrop und Vanille) den Duft , die feine und zu Beginn für mich schöne Iris kann sich bei mir leider nicht durchsetzen, sie blitzt nur ganz gelegentlich auf und steuert etwas Butteriges bei. Der Duft ist ausgesprochen lange haltbar, was seine Liebhaberinnen sicher erfreut. Mir persönlich hätten ca. 6 Stunden Haltbarkeit gereicht, denn während dieser Zeit finde ich ihn recht schön und ausgewogen und er bekommt von mir die ‘8’, danach wird es mir zu süß.
Der " Gemüsemann " findet ihn übrigens im Verlauf an mir ebenfalls hauptsächlich pudrig-süß. Wir haben gelegentlich gleiche Meinungen zu Düften, längst nicht immer.

Es wird nicht überraschen, dass Violet Ida für mich kein Duftzwilling von Sable Or ist. Ich glaube aber natürlich, dass andere hier ihn so empfinden, und darum beneide ich diese Nasen.

So wie ich die Welt nur mit meinen Augen sehen kann, so kann ich eben auch nur mit meiner Nase riechen. Und ich kann offen sein für und neugierig sein auf die Wahrnehmung anderer, das macht meine Welt ein wenig facettenreicher. Ich bleibe also gespannt auf weitere Eindrücke zu diesem und anderen Düften.
16 Antworten

Cafenoir vor 2 Jahren 17
9
Duft
9
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Seelenduft und die Sache mit dem halben Glas im Stehen
Seit dem ersten Test-Sprüher stand Rubinia auf meiner Wunschliste und seit vorgestern in meiner Sammlung. Das ist der Anlass für meinen Kommentar, obwohl ich keine gänzlich neuen oder von meiner Vor-Kommentatorin abweichenden Eindrücke schildern kann.

Der Duft berührt etwas in meiner Seele, daher habe ich das Bedürfnis über ihn zu schreiben. Ich habe ihn mit 9,0 bewertet, obwohl ich nicht mal sagen kann, dass er mir uneingeschränkt und ausschließlich gut gefällt. Das klingt sicher seltsam für euch Leser und wird durch die weiteren Ausführungen hoffentlich etwas verständlicher.

Neben der Duft-Wahrnehmung gehen mir Attribute durch den Kopf wie speziell und besonders und anders, ja zuweilen sogar eigentümlich. Dafür ist eine fremdartige Note verantwortlich, die sich in den ansonsten überwiegend balsamisch-mandeligen Duft mischt. Nach wie vor weiss ich nicht, ob es in erster Linie dem Kopaivabalsam zuzuschreiben ist, denn dieser ist mir in seiner Reinform noch nicht begegnet. Vermutlich ist es einfach das Zusammenspiel von Vielem. Dieses Viele ist für mich:

- Tonka-mandelig
in gleichem Maße
- Sandelholz-cremig
etwas weniger
- Jasmin-blumig und Mandarin-fruchtig
und zwischendrin auch
- cremig- pudrig

Einen wesentlichen Verlauf stelle ich nicht fest, der Duft ist an mir recht gleichbleibend, abgesehen von der Puderigkeit, die für mich nur temporär auftritt und die ich bei wärmeren Temperaturen sehr viel stärker wahrnehme als bei kühlen. Für mich ist es ein Duft für die kommende Jahreszeit, den Herbst, evtl. auch den Winter. Dazu 100% feminin, an einem Mann kann ich ihn mir absolut nicht vorstellen. Die Haltbarkeit ist im Gegensatz zu den anderen Le Gemme Düften die ich kennengelernt habe außerordentlich gut. Die Sillage zu bewerten finde ich immer schwierig, was ich jedoch beitragen kann ist, dass ich selbst den Duft über einen Zeitraum von bis zu 10 Stunden gut wahrnehme. Dafür reichen 2-3 feine Sprühstöße.

Rubinia für mich mehr ein Duft der Wohlbefinden hervorruft als ein Parfum. So weiss ich nicht einmal, ob ich ihn im Alltag, bei Aktivität, in Gesellschaft tragen mag. Jedenfalls ganz sicher nicht, um für andere gut zu duften. Nein, ich trage ihn, wenn mir nach Entschleunigung, Geborgenheit und Ruhe ist. Dann spendet Rubinia ein wohliges Gefühl, so wie Gandix es in ihrem treffenden Kommentar bereits mit ‘Vertrautheit’ und ‘ausgleichend-harmonisierend’ beschrieben hat.

Allerdings ist sie für mich kein Sofa-Kuschel-Duft, nichts zum Lümmeln in der Jogginghose, ein Stück Fertigpizza in der Hand. Ganz und gar nicht, denn die weiteren Eigenschaften die ich ihr zuschreibe sind eine Art erhabene Schönheit und Eleganz. Rubinia will nicht gefallen, sie “ist”. Sie zu tragen bringe ich in Verbindung mit einem gepflegten Abend begleitet von entspannender Musik, an dem man sich, auch für sich alleine, vielleicht lässig aber doch sorgfältig kleidet. Oder mit dem Besuch einer Kunstausstellung zu einer Tageszeit, an der sich nur wenige Besucher dort tummeln und man in Stille genießen kann.

Als ich den Kommentar zu schreiben begann, hatte ich das Gefühl, nicht viel, insbesondere nicht viel Neues, zu dem Duft sagen zu können. Da kam mir diese Textzeile aus einem Song von Reinhard Mey on den Sinn “Was ich noch zu sagen hätte dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehen”. Seltsam, dass man sich an manche Lieder aus früheren Zeiten erinnert, die man nie mehr hört. Den Text habe ich dann mal nachgeschlagen und finde, viele Zeilen aus ihm passen recht gut zu diesem Forum. Verabschieden möchte ich mich aus dem Kommentar dann mal mit diesen:

“… Habt Dank für die Zeit, die ich mit euch verplaudert hab'
Und für Eure Geduld, wenn's mehr als eine Meinung gab’
Dafür, dass ihr nie fragt, wann ich komm' oder geh'
Für die stets offene Tür, in der ich jetzt steh' ….”
11 Antworten

1 - 5 von 13