CafenoirCafenoirs Parfumkommentare

10.02.2019 11:08 Uhr
29 Auszeichnungen
Hier geht es um Parfum und somit ist die Überschrift vielleicht etwas theatralisch und die Begriffe “Die Welt” und “sieht” zu ersetzen durch “Parfum” und “riecht”. Vielleicht bin ich aktuell ein wenig zu “philosophisch” drauf, ich hoffe ihr seht es mir nach ;).

Violet Ida ist für mich ein Paradebeispiel dafür, dass wir Menschen nicht nur unterschiedliche Vorlieben haben, sondern auch die Dinge verschieden wahrnehmen, im konkreten Fall die Nasen irgendwie unterschiedlich ‘ticken’. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis, aber in diesem Beispiel für mich so frappierend, dass ich es mal zum Anlass für einen Kommentar nehme. Meine eigene Wahrnehmung unterscheidet sich bei diesem Duft von den bisher überwiegenden Feststellungen hier, und zwar auch von den Eindrücken der Parfumas, bei denen ich sonst tendenziell Ähnlichkeiten wähne. Das zeigt mir, dass wir uns immer wieder überraschen lassen dürfen.

Gestern kommt also meine Abfüllung an. Mein geruchssensibler Liebster riecht am Sprüher und sagt: das duftet irgendwie nach Gemüse. Zwischen erschrocken und ungläubig öffne ich den PC um nach der Pyramide zu sehen, und siehe da : Karotte. Ich sprühe den Duft auf, jeweils 1 Sprühstoß an den Hals, einen weiteren verteilt auf beide Handgelenke und nehme sofort etwas Zitrisch-Herbes wahr, weniger die Karotte, bin aber irritiert, weil ich einen Iris-Duft erwarte. Schon Sekunden darauf zeigt sie sich aber doch, und der irritierende Eindruck ist verflogen. Zur Iris gesellt sich eine feine Süße (Heliotrop) und ich denke “ vielversprechend ”, obwohl der Mann an meiner Seite immer noch nicht begeistert ist. Im weiteren Verlauf dominiert für mich eine pudrige Süße (Heliotrop und Vanille) den Duft , die feine und zu Beginn für mich schöne Iris kann sich bei mir leider nicht durchsetzen, sie blitzt nur ganz gelegentlich auf und steuert etwas Butteriges bei. Der Duft ist ausgesprochen lange haltbar, was seine Liebhaberinnen sicher erfreut. Mir persönlich hätten ca. 6 Stunden Haltbarkeit gereicht, denn während dieser Zeit finde ich ihn recht schön und ausgewogen und er bekommt von mir die ‘8’, danach wird es mir zu süß.
Der " Gemüsemann " findet ihn übrigens im Verlauf an mir ebenfalls hauptsächlich pudrig-süß. Wir haben gelegentlich gleiche Meinungen zu Düften, längst nicht immer.

Es wird nicht überraschen, dass Violet Ida für mich kein Duftzwilling von Sable Or ist. Ich glaube aber natürlich, dass andere hier ihn so empfinden, und darum beneide ich diese Nasen.

So wie ich die Welt nur mit meinen Augen sehen kann, so kann ich eben auch nur mit meiner Nase riechen. Und ich kann offen sein für und neugierig sein auf die Wahrnehmung anderer, das macht meine Welt ein wenig facettenreicher. Ich bleibe also gespannt auf weitere Eindrücke zu diesem und anderen Düften.


21.09.2018 11:15 Uhr
18 Auszeichnungen
Seit dem ersten Test-Sprüher stand Rubinia auf meiner Wunschliste und seit vorgestern in meiner Sammlung. Das ist der Anlass für meinen Kommentar, obwohl ich keine gänzlich neuen oder von meiner Vor-Kommentatorin abweichenden Eindrücke schildern kann.

Der Duft berührt etwas in meiner Seele, daher habe ich das Bedürfnis über ihn zu schreiben. Ich habe ihn mit 9,0 bewertet, obwohl ich nicht mal sagen kann, dass er mir uneingeschränkt und ausschließlich gut gefällt. Das klingt sicher seltsam für euch Leser und wird durch die weiteren Ausführungen hoffentlich etwas verständlicher.

Neben der Duft-Wahrnehmung gehen mir Attribute durch den Kopf wie speziell und besonders und anders, ja zuweilen sogar eigentümlich. Dafür ist eine fremdartige Note verantwortlich, die sich in den ansonsten überwiegend balsamisch-mandeligen Duft mischt. Nach wie vor weiss ich nicht, ob es in erster Linie dem Kopaivabalsam zuzuschreiben ist, denn dieser ist mir in seiner Reinform noch nicht begegnet. Vermutlich ist es einfach das Zusammenspiel von Vielem. Dieses Viele ist für mich:

- Tonka-mandelig
in gleichem Maße
- Sandelholz-cremig
etwas weniger
- Jasmin-blumig und Mandarin-fruchtig
und zwischendrin auch
- cremig- pudrig

Einen wesentlichen Verlauf stelle ich nicht fest, der Duft ist an mir recht gleichbleibend, abgesehen von der Puderigkeit, die für mich nur temporär auftritt und die ich bei wärmeren Temperaturen sehr viel stärker wahrnehme als bei kühlen. Für mich ist es ein Duft für die kommende Jahreszeit, den Herbst, evtl. auch den Winter. Dazu 100% feminin, an einem Mann kann ich ihn mir absolut nicht vorstellen. Die Haltbarkeit ist im Gegensatz zu den anderen Le Gemme Düften die ich kennengelernt habe außerordentlich gut. Die Sillage zu bewerten finde ich immer schwierig, was ich jedoch beitragen kann ist, dass ich selbst den Duft über einen Zeitraum von bis zu 10 Stunden gut wahrnehme. Dafür reichen 2-3 feine Sprühstöße.

Rubinia für mich mehr ein Duft der Wohlbefinden hervorruft als ein Parfum. So weiss ich nicht einmal, ob ich ihn im Alltag, bei Aktivität, in Gesellschaft tragen mag. Jedenfalls ganz sicher nicht, um für andere gut zu duften. Nein, ich trage ihn, wenn mir nach Entschleunigung, Geborgenheit und Ruhe ist. Dann spendet Rubinia ein wohliges Gefühl, so wie Gandix es in ihrem treffenden Kommentar bereits mit ‘Vertrautheit’ und ‘ausgleichend-harmonisierend’ beschrieben hat.

Allerdings ist sie für mich kein Sofa-Kuschel-Duft, nichts zum Lümmeln in der Jogginghose, ein Stück Fertigpizza in der Hand. Ganz und gar nicht, denn die weiteren Eigenschaften die ich ihr zuschreibe sind eine Art erhabene Schönheit und Eleganz. Rubinia will nicht gefallen, sie “ist”. Sie zu tragen bringe ich in Verbindung mit einem gepflegten Abend begleitet von entspannender Musik, an dem man sich, auch für sich alleine, vielleicht lässig aber doch sorgfältig kleidet. Oder mit dem Besuch einer Kunstausstellung zu einer Tageszeit, an der sich nur wenige Besucher dort tummeln und man in Stille genießen kann.

Als ich den Kommentar zu schreiben begann, hatte ich das Gefühl, nicht viel, insbesondere nicht viel Neues, zu dem Duft sagen zu können. Da kam mir diese Textzeile aus einem Song von Reinhard Mey on den Sinn “Was ich noch zu sagen hätte dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Stehen”. Seltsam, dass man sich an manche Lieder aus früheren Zeiten erinnert, die man nie mehr hört. Den Text habe ich dann mal nachgeschlagen und finde, viele Zeilen aus ihm passen recht gut zu diesem Forum. Verabschieden möchte ich mich aus dem Kommentar dann mal mit diesen:

“… Habt Dank für die Zeit, die ich mit euch verplaudert hab'
Und für Eure Geduld, wenn's mehr als eine Meinung gab’
Dafür, dass ihr nie fragt, wann ich komm' oder geh'
Für die stets offene Tür, in der ich jetzt steh' ….”


09.08.2018 21:21 Uhr
19 Auszeichnungen
…. mehr nicht, die habe ich heute bei Bvlgari aus dem frisch eingetroffenen Testflakon sprühen können. Und da ein paar Parfumas schon gespannt sind auf den Duft, berichte ich mal meine ersten verhaltenen Eindrücke.

Es startet mit einer Wucht Iris. Nun, eben wieder so ein Iris-Duft, denke ich, zum Glück nichts, was man haben muss. Sehr trocken ist diese Iris, und absolut unsüß.

Sehr bald jedoch, nach 30-45 Minuten, gesellt sich eine warme Note hinzu. Ambra? Mit Iris? Habe ich so noch nie gerochen, passt aber irgendwie und macht den Duft direkt außergewöhnlicher und interessanter für mich.Und auch schöner. Er wird zudem einen Hauch süßer, nicht wirklich süß, aber da ich vorhin 'absolut unsüß' geschrieben habe, möchte ich das erwähnen. Tatsächlich bilde ich mir plötzlich ein, alle angegeben Duftnoten wahrzunehmen, obwohl ich das üblicherweise, oder zumindest meistens, nicht zu meinen Talenten zähle. Moschus jedenfalls nehme ich ganz kurze Zeit später ebenfalls wahr. Nur Jasmin zeigt sich mir nicht direkt. Nach 1 Stunde entwickelt der Duft dann eine wunderschöne Wärme. Alle Noten perfekt miteinander verwoben, so dürfte er für mich bleiben.

Tut er aber nicht. Nach und nach setzt sich der Moschusanteil immer stärker durch. Nach inzwischen 2 Stunden empfinde ich Nylaia als Moschusduft mit Iris. Dazu minimal Ambergris, und ja, etwas Jasmin-artiges könnte auch drin sein, jedenfalls ein Tüpfelchen Blumiges. Da ich den Eindruck habe, dass sich jetzt nicht mehr viel entwicklen wird, stelle ich den Kommentar einfach mal ein.

Wie alle von mir bisher getesteten Düfte aus der Le Gemme Reihe ist auch dieser eher hautnah und dezent, abgesehen mal von den ersten paar Minuten. Mich persönlich stört das absolut nicht. Ob er seinen Preis wert ist? Vermutlich nur, wenn man den Flakon mit einrechnet, der für sich alleine bereits eine Art Schmuckstück darstellt, welches bezahlt sein will.

Zusatzinfo am 17.08. nach 2. und 3. Test:
Nach wie vor finde ich die Basis am schönsten, die zeigt sich mir glücklicherweise schon sehr früh, nach spätestens 1 Stunde. Die Iris in dem Duft ist mir zu trocken-herb, sie nehme ich besonders zu Beginn wahr, oder wenn ich den Duft auf Kleidung sprühe. Auf der Haut ist sie bei mir zum Glück, sobald der Duft "sich setzt" , nicht mehr dominant. Auch den Moschus, den ich beim ersten Test zu stark fand, finde ich jetzt dezenter und angenehm verwoben. Für die von mir empfunden Wärme ist Benzoe mit verantwortlich, das hatte ich auch noch nicht erwähnt.


14.12.2017 19:23 Uhr
20 Auszeichnungen
Hiermit möchte ich einen Kommentar testen. Oder vielleicht eher noch die Reaktionen darauf.

Den Duft habe ich natürlich auch getestet. Ich fühle mich aber ehrlich gesagt überfordert, einen wirklich differenzierten Kommentar zu ihm zu schreiben. So viele Duftnoten, puh, wie soll ich die nur alle rausriechen oder dem Leser einen Eindruck davon vermitteln. Über ein solch analytisches Riechvermögen verfüge ich nicht. Da es hier einige Nasen gibt, die dazu vortrefflich in der Lage sind und dies auch noch in Kommentare umzusetzen vermögen, möchte ich anbieten, meine Probe weiterzusenden an jemanden, der es kann. Also möchte ich testen, ob dies hier jemand liest, der es kann ;).

Da es zu dem Duft noch keinerlei Kommentar oder Statement gibt, dachte ich, ich schreibe zumindest mal meine Eindrücke auf. Es will mir nicht gelingen, dies in ein statement zu packen. Also ein Kommentar-Versuch, ein Test, ich kann ihn ja wieder löschen.

Außerdem fand ich es einen guten Zeitpunkt etwas zu veröffentlichen kurz vor dem Kommentarhagel , der uns vermutlich alle ab übermorgen treffen wird, wenn das Gewinnspiel losgeht. Da werden wir Parfumos uns wohl warm anziehen müssen. Und ob Diesen hier dann überhaupt noch jemand liest ?

Endlich zum Duft, es geht für mich sehr holzig los, Oud kann ich also durchaus herausriechen. Oder es mir jedenfalls einbilden, denn der steht ja ganz oben bereits im Namen, also wird das Holzige wohl Oud sein. Jetzt aber endlich mal die (Selbst-) Ironie aus, ja, es ist sehr intensives Oud, kein Stallgeruch, aber intensiv holzig und für meine Nase etwas herb aber auch weich. Kommt das Herbe vom Pfeffer? Kreuzkümmel? Vermutlich macht es die Kombination. Also, ich würde mich freuen, wenn diese Analyse jemand übernähme. In den ersten 2-3 Stunden bleibt das so, und ich stufe den Duft als eher maskulin ein. Danach wird es vielschichtiger, eine stark balsamische, süßliche Note kommt hinzu. Balsamisch-süßlich klingt erstmal so, als würde der Duft ab diesem Zeitpunkt besser zu mir passen, er geht dann auch eher in eine Unisex Richtung, aber gefallen tut mir die holzige Anfangsphase besser. Ich habe die schwarze Johannisbeere in Verdacht, die liebe ich nicht so arg, es riecht ein bisschen wie Balsamico aus tiefschwarzer Johannisbeere, versetzt mit leicht kandiertem Amber, gereift im Oudfass. Ein Reserva natürlich. Das mit dem Amber habe ich wieder aus dem Titel des Duftes geklaut. Das “kandiert”, das ist von mir selbst, so empfinde ich die leichte Süße, aber Amber? Ich muss sagen, so richtig ambermäßig finde ich den Duft gar nicht. Gut, Styrax, und Labdanum und Co. geben eine golden-warme amberähnliche Note, ein wenig fruchtig wird es auch, so dass ich fast versucht bin zu denken, es handele sich hierbei um die angegebene Tangerine und Orange, aber die sind ja eigentlich in der Kopfnote aufgeführt, hm…..

So bleibt der Duft jetzt für mehrere Stunden, markant-holziges Oud umspielt die balsamisch-süße-johannisbeerige Ambernote und drängt sich gelegentlich in den Vordergrund, ich empfinde also im Verlauf leichte Schwankungen in der Gewichtung der Noten, nicht jedoch im eigentlichen Duft. Ich trage den Duft jetzt seit 10 Stunden und nehme ihn immer noch gut wahr, wenngleich er hautnäher geworden ist. Überhaupt ist seine Sillage recht dezent, was mir gut gefällt.

Da ich wie gesagt den Kommentar unbedingt vor dem Start des Gewinnspiels veröffentlichen möchte, stelle ich ihn jetzt schon ein. Ich vermute, die Haltbarkeit wird gigantisch sein, meine Haut noch morgen nach ihm duften.

Jetzt bin ich mal gespannt, ob und wie schnell sich jemand findet, der eine echte Analyse zu diesem feinen Stöffchen verfassen möchte und mir damit zur Erweiterung meines Horizontes verhilft. Ich freue mich drauf :)!


P. S. Nachtrag am 18.12.
Da mittlerweile heiße Diskussionen zu dem Gewinnspiel entbrannt sind, möchte ich hier noch mal festhalten, dass meine diesbezüglichen Anmerkungen nur mit kleinem Augenzwinkern gemeint waren, und ich einfach hoffte, vorher mehr Leser und dadurch ggf. einen testwilligen Mitstreiter für den Duft zu finden. Ich finde es durchaus gut, wenn Spaß am Gewinnspiel zu vielfältigen Kommentaren motiviert, solange sie etwas über die Düfte erzählen und mit Freude und Gewissenhaftigkeit verfasst werden.


12.12.2017 23:01 Uhr
23 Auszeichnungen
Warum gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Duft, obwohl er bereits seit 3 Jahren auf dem Markt und hier gelistet ist und die an Ambernoten Interessierten hier ja nicht gerade rar gesät sind? Liegt es daran, dass er einer von vielen Amberdüften ist und sich eine Sättigung breit gemacht hat? Weil es einige, zu viele, Düfte ähnlicher Art gibt? Oder weil er zu simpel ist, zu wenig hergibt für einen Kommentar? Vielleicht ist es einer der genannten Gründe, vielleicht gefällt er einfach nicht, vielleicht ist es auch unsinnig danach zu fragen. Dann möchte ich es mal versuchen, denn ich habe bereits die zweite Abfüllung von dem Duft fast verbraucht, und ein Flakon ist auf dem Weg zu mir, da sollte ein Kommentar doch drin sein.

Ambre Tigré ist tatsächlich kein “Aufsehen-Erreger” auf dem Duftmarkt. Er erinnert teilweise an Vettern und Cousinen aus der gleichen Familie, mich persönlich aus der Dufterinnerung heraus vielleicht am meisten an "Les Classiques de L'Occitane - Ambre", welchem gegenüber ich den Givenchy jedoch tiefer, gehaltvoller empfinde.

Der Duft startet mit einer kräftigen und eher herben Ambernote, wird aber schon nach wenigen Minuten lieblicher. Dass hier auf Parfumo keine Duftpyramide angegeben ist, sondern die Hauptnoten nebeneinander aufgereiht sind, finde ich ausgesprochen passend. Es ist kein großartiger Verlauf oder eine spannende Entwicklung zu erwarten. Allerdings nehme ich neben den genannten Noten (Amber, Labdanum und Vanille) zusätzlich etwas fast Blumiges sowie sanft Holziges wahr. Weiterhin macht eine karamellige Süße diesen Amber schließlich für mich zu einem doch eher femininen Duft, daher auch die “Tigresse” im Titel des Kommentars.

Givenchy hat die Tigerin, hat Amber und Labdanum hier domestiziert, hat sie durch die Beigabe von Vanille, und sicher noch ein paar weiterer Zutaten, gefügig gemacht. Das Animalische, welches Labdanum manchmal zu eigen ist, nehme ich hier jedenfalls nicht wahr. Zugegebenermaßen bewegt sich diese Katze nicht mehr wild und ungebändigt und nur noch gerade so eben in der Nische …. ;).

Bei aller kritischer Betrachtung:
Ich finde diesen Duft wunderschön und im positiven Sinne geschmeidig. Er mag simpel sein und ohne Ecken und Kanten, driftet aber für mich nicht ins allzu Seichte ab. Er ist warm und wärmend, dabei aber nicht übermäßig kuschelig. Es handelt sich also um kein Kuschelkätzchen! Vielmehr haben wir es mit einer erwachsenen Tigerin zu tun, die kultiviert und elegant ist und Manieren hat und eine leidenschaftliche Seele. Deren wohliges Schnurren begleitet ist von laszivem Blick aus geheimnisvollen Augen. Diese goldene Amberkatze hat sich mit ihrem samtenen Pfoten nach und nach in mein Herz geschlichen. Weshalb ich ihr auch jetzt diesen Kommentar widme.

Ambre Tigré hat nach kurz heftigem Auftakt eine verhaltene Sillage. Bei sorgfältiger Dosierung (2 bis maximal 3 Sprüher) nimmt das Umfeld den Duft wahr, wenn man sich näher kommt, sich z. B. zur Begrüßung umarmt, und ich rieche ihn selbst. Er bildet keine Duftwolke, was man so oder so werten kann, ich persönlich finde das sehr angenehm. Es handelt sich um keinen schwergewichtigen, erdrückenden Amber, er ist gut tagsüber tragbar. Nachdem der Duft eine schöne Verbindung mit meiner Haut, meine Haaren und meiner Kleidung eingegangen ist, hält er sich dort zwischen 6 (Haut) und 12 und mehr (Kleidung) Stunden.

So wie es aussieht, habe ich meinen alltagstauglichen Amber Duft gefunden :-).


08.12.2017 18:11 Uhr
10 Auszeichnungen
White Christmas, was ist das denn bitte für eine Überschrift zu einem Duft-Kommentar? Nein, weder bin ich das Christkind, noch tue ich gute Kunde zu diesem White Whatever Duft.

White Christmas ging mir einfach spontan durch den Kopf, als ich dieses Wässerchen testete. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich dieses Jahr im Süden Frankreichs, wo ich die Weihnachtstage verbringen werde, weisse Weinachten erlebe schätze ich ähnlich gering ein wie diejenige, dass irgendjemand etwas auch nur entfernt Amberähnliches aus diesem Duft herausriecht.

Dabei hatte ich bis zuletzt gehofft. Nun, dass es sich um keinen echten Amber Duft handelt war nach den vorhergehenden Statements absehbar. Aber vielleicht ein Jasminduft (ich mag Jasmin) mit einer wenigstens annähernd ambrierten oder zumindest warmen Basis. Doch weit gefehlt. Nicht einmal Jasmin nehme ich so wahr wie ich ihn mir erhofft hatte. Vielleicht liegt es auch an meiner nach wie vor nicht ausreichend geschulten Nase, aber das Blumige, welches den Duft zu Beginn dominiert, riecht für mich nur zum Teil nach Jasmin, ich nehme zusätzlich auch etwas leicht Kratziges wahr, manche Orangenblüte habe ich schon so empfunden. Dazu fiel mir sofort beim Aufsprühen ein bzw. fragte ich mich: wie heisst noch mal dieses berühmte Duftmolekül, das nach Jasmin riechen und die menschliche Zuwendung stärken soll? Ja, genau, Hedion. Ich muss gestehen, ich weiss nicht genau, wie Hedion riecht, muss mich da noch mal mehr mit auseinandersetzen.

Nach dem blumig-frischen Auftakte wird der Duft für mich zum Glück relativ bald, nach ca. einer halben Stunde, holziger.

Habe ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich Dank eines ausgesprochen netten Parfumo-Kontaktes für kleines Geld eine Abfüllung Ambroxan beziehen konnte? Oh, wie komme ich jetzt nur darauf? Tzzz, tzzz, ich schweife ab, oder vielleicht doch nicht?

Apropos kleines Geld, dafür ist der White Whatever leider nicht zu haben, aber das wissen hier ohnehin alle und muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden. Vielleicht rechtfertigt der Flakon den Preis, er gefällt mir wirklich gut und wirkt sehr hochwertig. Allerdings gehört meine Zuneigung dann doch eher schönen Parfums als schönen Flakons.

Nochmal zurück zum Inhalt: dieser wird recht schnell zu einem in der Gesamtwirkung blumig-holzigen und leicht zitrischen, durchaus angenehmen Frischeduft mit linearem Verlauf. Die Farbe, die ich mit ihm assoziiere ist nicht weiss, sondern strahlend-hell-gelb. Ich würde ihn wohl eher, wenn überhaupt, im Frühjahr tragen.
Doch auch mit dieser Wahrscheinlichkeit verhält es sich ähnlich wie der mit dem weissen Weihnachtsfest.......


15.11.2017 21:11 Uhr
12 Auszeichnungen
A temberaubend schön
M arkant holzig
B alsamisch vanillig
E xquisit strahlend
R adikal haltbar

S innlich warm
T euer (sehr)
A ber, für mich,
R estlos begeisternd!


25.10.2017 08:51 Uhr
23 Auszeichnungen
Voranstellen möchte ich, dass ich den Duft erst einmal getragen habe. Zuvor auf den Teststreifen gesprüht, dann auf die Handgelenke. Da ich nicht weiss, ob und wann ich erneut Gelegenheit dazu habe, und besonders, ob ich dann Zeit und Muße für einen Kommentar finde, habe ich mich entschlossen, meine Eindrücke hier zu teilen.

Sofort beim ersten Sprüher bemerke ich diese wunderschön samtig-holzige Note , die für mich das Schönste ist an dem Duft. Sandelholz und etwas Oud, samtig gemacht mit Iris, zu einem Gespinst verwoben durch leicht klebrig-süße Tonka, die, obwohl ich hier schon klebrig-süß schreibe, anfangs nicht stört, sondern dem ansonsten eher holzig schmeichelnden Ganzen eine angenehme Süße verleiht.

Ich denke sofort , dass mir diese Art Holznote schon mal begegnet ist, kann das aber absolut nicht einordnen.

Dann beginnt die Tonkabohne es mir schwer zu machen. Sie schlägt nicht unmittelbar zu, sonst hätte es der Duft nach dem ersten Teststreifen-Sprüh vermutlich gar nicht auf meine Haut geschafft. Doch nach ca. einer oder sogar schon einer halben Minute trifft mich ihr Schwall mit voller Wucht.

Es ist ein wenig so, als hätte man mir in einem Sterne-Restaurant gerade eine fein abgestimmte, exquisite Speise serviert. Die Servierglocke ist gelüftet, ich sauge den herrlichen Duft tief über die Nase auf und bin im Begriff den ersten Bissen zum Mund zu führen, als sich der Gast am Nebentisch eine Zigarre anzündet. Deren fein-süßer Schwaden zeugt von vermutlich hoher Qualität und ebensolchem Preis, trotzdem ist mein Genuss am Essen empfindlich gestört. Ja, ich weiß, das ist nicht mehr erlaubt und daher nicht möglich und war immer schon wider die Etikette, aber es dient ja hier nur der Illustration meines Empfindens.

So geht es mir über Stunden mit dem Duft, das Schöne an ihm nehme ich wahr, doch immer wieder, mal weniger, mal äußerst heftig, verklebt mir Tonka die Nase und verdirbt mir den Genuss. Erst nach ca. 3-4 Stunden zieht sich die Süße zurück und der Duft wird harmonischer. Nun nehme ich auch etwas Harziges wahr. Es beginnt die Phase, in der L’Insomnuit mir richtig gut gefällt und ich immer wieder an meinem Handgelenk schnuppere. Ich habe, vorsichtig, nur wenig aufgesprüht, zur Sillage kann ich mich deshalb nicht äußern.

Die Haltbarkeit hingegen kann ich als extrem ausdauernd beschreiben. Selbst bei meiner Mini-Dosierung ist der Duft mindestens 12 Stunden lang wahrnehmbar. Nach 8 Stunden rieche ich allerdings fast nur noch Oud, und dann fällt mir auch ein, woran mich die Holznote schon zu Beginn erinnerte, ich finde es hat ein ganz klein wenig was von der “Amber Sky “ (Ex Nihilo) Basis, ja, sogar etwas minimal Dreckiges, das aber hier erst in der Basis zum Vorschein kommt und viel, viel !, leiser ist.

Alles in allem also ein faszinierender Duft. Ich habe überlegt, ob er es mir wert wäre, mir dafür den Wecker auf 4h früh zu stellen, damit ich die ersten Stunden überspringen und ab 8h seine Schönheit genießen kann. Nein, das ist natürlich nicht erst gemeint, das wäre mir selbst als Parfum-Verrückte zu anstrengend. Ein Flakon wird bei mir also nicht einziehen. Einem erneuten Test wäre ich jedoch nicht abgeneigt. Und bin selbst gespannt, ob sich mein Urteil dann festigt oder verändert.

Zum Schluss noch zu dem mehrfach angesprochenen "Grand Soir" (MFK) Vergleich. Ich empfinde keine große Ähnlichkeit beider Düfte. Nur das Duftkonzept ist für mich dahingehend ähnlich, dass es sich bei beiden um eine Kombination aus extremer Süße gepaart mit harziger Holzigkeit handelt. Auch Grand Soir kann ich nicht oft tragen. Aber gelegentlich ist mir danach, und dann finde ich ihn wunderbar. Ob es mir mit L’Insomnuit auch mal so gehen wird? Wer weiß. So wie es in meinen Vorlieben steht: Nichts ist beständiger als der Wandel ;).


04.12.2016 09:51 Uhr
23 Auszeichnungen
Den Titel habe ich gewählt, weil mich der erste Test von Buddha-Wood an Feminité du Bois von Serge Lutens erinnerte, nicht an den aktuellen Duft, sondern an den ursprünglichen von Shiseido. Was nicht heißt, dass er starke Ähnlichkeit mit ihm hat, das kann und möchte ich nicht behaupten, denn meine Dufterinnerung ist zu lange her, als dass sie präzise sein könnte. Das Holzige, Tiefe und Außergewöhnliche, das war es wohl.

Durch die vorherigen Aussagen zu dem Parfum neugierig geworden, habe ich Buddha-Wood vor ein paar Tagen blind bestellt. Besonders angezogen haben mich die genannten Substantive Stille und Authentizität, das musste ein besonderer Duft sein, der diese Assoziationen hervorbringt. Außerdem mag ich holzige Parfums, und das sollte man auch, wenn man diesen Duft tragen möchte.

Zwecks Bestellung habe ich dann Buddha-Wood gegoogelt und herausgefunden, dass es sich hier nicht um eine neue Wortschöpfung handelt, sondern das ätherische Öl gleichen Namens z. B. auch in der Aromatherapie verwendet wird. Dort werden ihm beruhigende, entspannende Eigenschaften zugeschrieben. Interessant fand ich auch eine Erläuterung zu dem ersten Teil des botanischen Namen des Emustrauches, um dessen Holz es sich hier handelt: Eremophila Mitchelli. Eremophila leitet sich ab aus den griechischen Wörtern eremos (Wüste, stiller Ort) und philia (lieben, in freundschaftlichem Sinne). Das schien irgendwie zu den Äußerungen hier im Forum zu passen und war für mich jedenfalls ausrechend Erklärung und Auslöser für den Wunsch das Parfum zu bestellen. Natürlich handelt es sich hier um viel mehr als äthersiches Öl. Seren gereift in Fässern, verfeinert und intensiviert durch hinzugefügte Kopf-und Herz- Note und Moleküle, spannend las sich das.

Nun zurück zu meinem Dufteindruck. Ich nehme intensives, weiches Holz wahr, das ein wenig an Sandelholz erinnert. Dazu etwas Rauchiges. Der Duft ist absolut unsüß, fast ein wenig herb, weshalb ich ihn beim ersten Tragen auch als eher maskulin empfand. Nach dem jetzt erfolgten dritten Test habe ich Maskulinité in Androgynité geändert, weil ich ihn durchaus für beide Geschlechter passend finde und dieses Wort für die Vereinigung männlicher und weiblicher Eigenschaften sowie Ganzheitlichkeit steht. Das Parfum ist ein Serum, d. h. es ist extrem intensiv, sparsame Dosierung ist angeraten. Beim ersten Mal habe ich es mit 3 Tropfen übertrieben und daher wohl auch etwas Herbes wahrgenommen. Insofern hat das Auftragen per Pipette bzw. durch Tupfen seinen Grund, sprühen dürfte schnell zu Überdosierung führen. Der Duft hält an mir 8 – 10 Stunden und ist während dieser Zeit konstant sanft wahrnehmbar, für mich selbst allerdings stärker als für mein Umfeld. Das leicht Rauchige erinnert mich auch an etwas Bekanntes, und so entstand in meinem Kopf ganz spontan der untenstehende Satz. Über diesen musste ich allerdings erst noch mal schlafen bzw. einen weiteren „Trage-Tag“ vergehen lassen, könnte ja vielleicht auch an zu viel Glühwein oder so liegen, aber nein, ich bleibe dabei:

Dieser hölzerne Buddha atmet, wie es sich für einen Buddha gehört, tief und ruhig und lang, und die Luft die er atmet ist durchsetzt von marokkanischer Wüstenluft.


28.07.2016 22:53 Uhr
10 Auszeichnungen
Dieser Duft wehte mir einfach so ins Haus. Genauer gesagt, der Flakon wurde mir aufgrund eines Versehens gesendet, und da die Rückabwicklung sich arg kompliziert zu gestalten drohte, hab ich ihn schließlich gekauft, denn vielleicht sollte es ja so sein.

So war ich bei den ersten beiden Testversuchen äußerst vorsichtig, jeweils nur ein kleiner Sprüher ans Handgelenk sollte für den ersten Eindruck reichen. Hm, das sollte ein süßer Gourmand sein? Ich nahm in erster Linie etwas kräuterartig Holziges wahr, was mich etwas irritierte, gourmandige Süße spielte eine eher untergeordnete Rolle. Dann erinnerte ich mich, irgendwo hier eine Aussage gelesen zu haben, dass die Wahrnehmung eines Duftes je nach Sprüh-Menge sehr unterschiedlich sein kann. Also folgte heute endlich der mutigere Test, kräftige Sprüher auf Haut, Haar und Kleidung und auf ins Büro.

Für mich startet der Duft mit warmen Zitrusnoten und irgendetwas, was meine Nase dem Kräutergarten zuordnen möchte, ich komme nur einfach nicht darauf, was es sein könnte. Vermutlich ist es wohl das Rosenholz, so wie Angua das so schön beschrieben hat, nur dass ich das noch nicht so einordnen kann. Diese Note ist es auch, die den Duft für mich ‚british’ macht, etwas schräg und eben anders als die einfach nur schmeichelnden französischen oder italienischen Vanille-Zitronenkuchen-Düfte (die ich übrigens sehr schätze). In der Entwicklung geht diese Note etwas zurück und der Duft wird lieblicher und süßer und immer wärmer, und auch wenn das für einen Leser vielleicht wenig aussagekräftig ist, ist für mich sonnige, tiefe Wärme eine der vorherrschenden Assoziationen, keine schwüle oder flirrende Hitze, auch keine frühlingshafte Wärme, nein, angenehme sommerliche etwa 25 Grad mit Sonnenstrahlen, welche die Haut wunderschön wohlig wärmen und ihr einen goldenen Schimmer verleihen. Und auch wenn mir ganz sicher kein Vergleich des Parfums mit pancakes in den Sinn gekommen wäre, so finde ich die Vorstellung eines dazu gereichten Sirup aus leicht angewärmtem Honig, Vanillezucker und Zitronensaft zunehmend passend.

Nach ungefähr 8 Stunden verabschiedet der Duft sich allmählich, und ich denke plötzlich an Berliner Ballen, die frisch aus der Backstube kommen. Und da haben wir ihn dann endlich, den Vergleich, nennt man die Dinger nicht auch Berliner Pfannkuchen?