DasguteLeben

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1 - 5 von 132
DasguteLeben vor 10 Monaten 9 7
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9
Haltbarkeit
7
Duft
Kein Bentley, aber solide Mittelklasse
Niche mal nicht über Preis sondern Outlets - eigentlich scheint dieser Duft fast nur online beziehbar, ich habe ihn jedenfalls noch nie in einer Parfümerie gesehen.

Bentley ist zwar eine Luxusautomarke, aber im Fall von Parfüm kann das ja eher ein böses Omen sein. Dieser hier ist aber für einen Autoduft viel zu gut. Eine ambitionierte Komposition mit leider zu kleinem Budget - aber Chapeau was Mme. Lorson hier herausholt - verglichen etwa mit dem zehn Mal teureren, aber wesentlich simpler konstruierten (und von den Herstellungskosten vermutlich noch unter dem Bentley liegenden) Sir George von (zumindest nominell) Alberto Morrillas.

Mir ist es als Parfüm-Konservativen natürlich alles ein bisserl viel hier, es geht schon a weng Richtung Goldkette und Brusthaar unter offenem Hemd: boozy, spicy, Lorbeer-Pfeffer, süss-resinoid-ledrig. Entfernte Ähnlichkeiten zu Idole de Lubin, der aber transparenter und in der Konstruktion klarer und edler wirkt. Der Synthetik-Schleier liegt leider über allem - ich würde die Formel gerne mal mit doppeltem Budget riechen. Trotzdem ist Bentley for Men nicht schlechter als viele Masstige Produkte von Tom Ford, Amouage, Creed etc. und immer noch um ein Drittel günstiger als unzählige Massenmarktdüfte, die nicht besser und oftmals wesentlich schlimmer reuchen. Allein schon für den Beweis, dass man einen Duft dieser Art noch für €25 mit Gewinnmarge verkaufen kann, verdient Bentley einen Preis und wer den Stil mag wird auf jeden Fall glücklich. Ich trage ihn gerne mal sehr sehr sparsam dosiert, ziehe aber prinzipiell den Gucci-Wiedergänger Bentley Absolute klar vor.
7 Antworten
DasguteLeben vor 10 Monaten 9 5
7
Flakon
5
Sillage
3
Haltbarkeit
6.5
Duft
Kandiert und weg...
Auf der Basis der Duftnoten hätte ich ein Parfüm im Stil von Goutals Eau du Sud oder Aeroplane von Detaille erwartet, aber in meiner Wahrnehmung ist Citron Citron hauptsächlich kandierte Zitrone - vermutlich ein Effekt der süsslichen Limette in Verbindung mit den anderen Zitrusnoten. Es fehlt hier die spritzige Frische von Trumper's Limes oder die saftige Intensität der genialen M. Balmain Iteration der 90er Jahre und statt des charmant schmutzigen Basilikum-Zitrus Duetts des unübertrefflichen Goutal-Klassikers, der für einen Zitrusduift wirklich lange haftet und zudem wunderschön französisch daherkommt wird Lyn Harris Kreation schnell belanglos um nach kurzer Zeit in der Versenkung zu verschwinden. Nicht schlecht, aber auch nicht gerade die "bells of St. Clemens." Schon gar nicht zu dem im Verhältnis zur Qualität und Kürze absurden Preis. Großes "Meh".
5 Antworten
DasguteLeben vor 1 Jahr 10 5
7
Flakon
5
Sillage
7
Haltbarkeit
9
Duft
Bourdon macht einen Duchaufour
Route des Épices ist ein klassisches holzig-würziges Eau de Toilette mit einem Hauch Oriental, sagenhaft geschmeidig und kantenlos integriert es seine zig Komponenten im traditionellen französischen Stil. Es ist so rund und perfekt, dass man es auf den ersten Riecher fast für langweilig halten könnte, ehe man merkt wie gut es gemacht ist. Wie ein guter Massanzug, der auch hervorragend dazu passt. Dezente, tendenziell maskuline Eleganz. Es ist weder laut noch innovativ, sondern vom Ansatz her eher eine "tut-was-sie-soll" Komposition, nämlich einfach herrlich duften. Die hohe Qualität der Rohstoffe tut ihr Übriges und wer klassische Düfte mag wird Route des Épices so manchen Möchtegern Marlys, Creeds, Ouds und Schmouds jederzeit vorziehen.

Ganz ohne Augenzwinkern geht es aber dann doch nicht. Wenn man nämlich nochmal ganz genau nachschnüffelt, könnte man denken, Bourdon habe hier eine typische Bertrand Duchaufour Komposition (floral-würzig-oriental mit moderner Papyrus-Weihrauch Basis) "bourdonisiert," d.h. die Synthetikeffekte runtergeschraubt und den Stravinsky zum Debussy reengineered. Mir gefällt das. Bei aller Liebe zu den neuen Autodidakten, die mit ihren Mini-Parfümhäusern die Duftwelt aufgemischt haben ist es doch auch mal wieder schön etwas richtig Gutes aus der Hand eines durchtrainierten Profis zu riechen. Schade, dass Bourdons Parfumhaus eine Totgeburt war, für deren hochwertige Klassikdüfte im 2015er Markt wohl kein Platz war, bzw. das Marketing nicht schrill genug. Route des Épices war nämlich wirklich zu gut für die TK Maxx Grabbelkiste, wo man von mir aus heuer gerne diverse Fake Niche Linien abladen dürfte.
5 Antworten
DasguteLeben vor 1 Jahr 12 8
8
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
7
Duft
Hippie Camp
Zunächst mal scheint mir dies ein Parfüm, bei dem es genetisch bedingte Wahrnehmungsdifferenzen gibt, obwohl die Inhaltsstoffe das erstmal nicht herzugeben scheinen. Aber es ist zu auffällig, dass viele Leute in Serge Noire einen abstossenden käsigen-schweissigen und zwiebeligen Geruch beschreiben und andere nichts davon wahrnehmen. Für mich ist Cumin hier nur im Hintergrund, im Gegensatz etwa zu Eau d'Hermès, ebenso habe ich keine Ambrox-Zwiebeligkeit. Aber solche Fälle gibt es nunmal - bekannt ist z.B. dass der Stoff Karanal (z.B. in Flechiers Une Rose / Rose Tonerre für F. Malle) für eine kleine Gruppe von Menschen extrem urinös riecht. Ergo - nicht wundern, wenn man spontan von Umgebenden gemieden/gesteinigt wird und gar nicht versteht was gerade passiert ;-).

Was ich hier definitiv habe ist "verbrannter Amber" und ich meine mich zu erinnern, dass Luca Turin, durchaus ein Freund vieler Düfte des Haues, diesen abscheulich fand. Das ist nachvollziehbar. Serge noir riecht nämlich wie eine Hippiebude in den frühen Siebzigern in der Pachtouli wabert und jemand sich die Haare ankokelt, während er billige Amberräucherstäbchen abbrennt und Zimt-Nelken Chai trinkt. Daneben dreht ein Bekiffter endlos an einer gut gefüllten Pfeffermühle. Wer das aufsprüht dem wachsen Rüschen auf dem Hemd/der Bluse und Fransen an der Hose. Schön ist dieser Duft nicht, aber sehr "camp" und amüsant. Ab und zu mag ich ihn.
8 Antworten
DasguteLeben vor 1 Jahr 13 5
6
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
I'd like to be under the sea...
"Full fathom five thy father lies;
Of his bones are coral made;
Those are pearls that were his eyes;
Nothing of him that doth fade,
But doth suffer a sea-change
Into something rich and strange"

"Ariel's Song" aus Shakespeare, The Tempest

Ich hasse die meisten aquatischen Parfüms, die mit ihren zynischen Duschgel- und Weichspülerreferenzen die "haute parfumerie" in die Abgründe der funktionalen Massenbeduftung herabziehen, statt die Konsumentennase einzuladen sich der Herausforderung des Besseren zu stellen. Ich alter Bildungsbürger.

Wie erfrischend also einen Aquatiker zu riechen, der sich an Shakespeare orientiert. Ariels Lied beschreibt den vermeintlichen Seetod von Ferdinands Vater als wunderbare Transformation in ozeanische Schönheit, Knochen werden Koralle, Augen zu Perlen, nichts vergeht, sondern wird "reich und von seltsamer Schönheit."

Gleichsam gelingt es Beaufort in ihrem Duft die meist schnöde aquatische Synthetik in eine ozeanisch-grüne Blumenlandschaft zu verwandeln, den "Octopusses Garden" aus Ringos Song, einen Blumenladen oder ein Treibhaus voller Blüten 20,000 Meilen unter dem Meer. Schönste grüne Stengeligkeit, wässrige Blüten, ein Hauch warme Würze und Erde, hier finden die Elemente zueinander, aber das Wasser bleibt Königin. Das funktioniert als Kunst wie als Gebrauchsparfüm hervorragend. Verily, I am wondrously impressed by this olfactory wizardry.
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