Emu

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Rezensionen
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Wie man die Wahrnehmung der Zeit aufbricht
Es ist verrückt, wie sehr ein Duft die konventionelle Wahrnehmung von Zeit und Vergangenheit aufbrechen kann. Wenn ich den Duft auflege, lebt ein Teil von mir eine Zeit lang in meiner eigenen Kindheit. Aber das allein kann nicht die Erklärung sein, warum dieser Duft gerade so durch die Decke geht. Da andere hier den Duft bereits tausend Mal besser beschrieben haben, als ich es je könnte, kommt hier mein Erklärungsversuch für unsere Begeisterung:

Wir leben in einer immer komplexer werden den Welt, alles wird kleinteiliger, ambivalenter und unkontrollierbarer. Nun wäre es einfach zu behaupten, dass dieser Duft uns in eine simplere Zeit zurück versetzt, in der alles scheinbar noch gut war. Das tut der Duft auch. Aber es gibt noch eine Komponente, die Pour Homme so unbeschreiblich hypnotisch macht.

Für mich hat der Duft eine moderne, die Vergangenheit transzendierende Komplexität. Altes, Neues, Luft, Erde, Reinheit, Tiefe, Hoffnung und Zielstrebigkeit…

Unsere Welt IST nun mal komplex und ambivalent, die Frage ist nur, ob wir uns selbst zutrauen, mit dieser Komplexität und Ambivalenz umzugehen. Und Pour Homme ist ein lautes, sicheres, entschiedenes „JA!“ auf diese Frage, gerufen aus der Vergangenheit, aber gehört im Jetzt.

Aus linearer Zeit macht dieser Duft einen Kreis - und stellt uns in die Mitte. Statt mich einfach nur in eine kindlich-naive Zeit zurückzuversetzen gibt mir der Duft vielmehr die Sicherheit, dass ich die Probleme meiner Zeit meistern werde - so, wie es die Generationen vor mir auch geschafft haben. Ich glaube es ist die Bewunderung für unsere Mentoren, die aus uns spricht, wenn wir sagen, dass dieser Duft uns an unsere Väter und Großväter erinnert. Aber es ist die saubere, klare, eindeutige Kraft, die der Duft im Jetzt entfesselt, die ihn so besonders macht. Er weckt in mir das Selbstbewusstsein und die Sicherheit auf den Schultern dieser Riesen zu stehen, mich der Welt zu stellen, und die Zukunft zu formen.

Pour Homme ist markant, besonders und optimistisch. Die Hoffnung, die er gibt, ist begründet in der Vergangenheit. Und das macht den Duft so unglaublich kraftvoll.
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Der große Brückenbauer
Ja, ganz ohne Frage ein großer, komplexer, fast schon legendärer Duft, aber was Tobacco Vanille für mich so einzigartig macht, ist seine massentaugliche Zugänglichkeit. Ein Duft, der es einem leicht macht, ihn zu lieben. Er vereint das Volk hinter sich, ohne populistisch zu sein. Er bewahrt immer seine Würde und er kennt seinen Wert. Er vereint die Welten aber nicht nur zwischen Mainstream-Begeisterung und raffinierter Nische, sondern auch zwischen Wohlfühlduft und großer Showtreppe. Es ist ein warmer, angenehmer und doch auffälliger grandioser Duft. Er ist auf Anhieb schön, und auf ewig tief. Er ist edel, wertvoll und luxuriös und trotzdem niemals arrogant. Ich kenne keinen zweiten Duft, der so meisterlich ist, und trotzdem so uneingeschränkt „einfach schön“ ist. Man trägt ihn auf einer großen Preisverleihung aber immer fühlt man sich sicher beschützt und gut in seine flauschige Duft-Decke eingewickelt. Der Duft ist zuverlässig. Und die Haltbarkeit und Sillage sind enorm. Ich liebe es, am nächsten Morgen den zarten Vanilleschleier des Duftes auf meiner Haut zu haben. Ein Zeichen dafür, dass es ein schöner Abend war.
Andere kommen und gehen, aber Tobacco Vanille bleibt. Eine meiner ersten großen Duftlieben, und bis heute einer meiner Favoriten.
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Ein Duft aus der Unterwelt - da darf er auch bleiben
Erster Eindruck: Tief dunkle, nasse Erde, mystisch und fesselnd. Vermutlich würde in der griechischen Mythologie Hades so riechen, wenn er in seinem düsteren Schloss herumgeistert. Auffällig, in den Bann ziehend.

Nach ca. 20 Minuten geht für mich aber die magische Komponente verloren, der Duft wird würziger, gewöhnlicher, aber auch etwas penetranter, die nasse Erde wird eher ein feuchter Keller, mit alter, unbrauchbarer Ledercouch darin. Zunehmend bitterer. Ich kann gut verstehen, wenn viele Menschen diesen Duft als unangenehm empfinden. Ich erkenne schon das Interessante in ihm, will aber so gut wie nie so riechen.

Der Duft ist ein Statement und schafft Atmosphäre, aber nach einem Tag in den Untiefen von Encre Noire habe ich mich nach einem heilenden Bad in Baccarat Rouge gesehnt.

Haltbarkeit war gut, leider. Einfach zu viel, zu extrem, zu besonders und das alles ohne auch nur eine schöne, gefällige Facette zu haben. Kann man als Statement machen, aber ich rate dringend von einem Blindbuy ab. Mit dem Duft wird man viel Zeit alleine verbringen, aber immerhin kann man dann in sich gehen und sich fragen, warum man sich so etwas antut.
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REM-Schlaf-Phase für die Haut
Cremig-Würzig, ein luftiger Schleier zwischen Himmel und Erde. Warmes Licht. Sauber, aber mit einer krautigen Komponente, die das Ganze spannend macht, ohne zu sehr anzuecken. Gute Balance aus Wohlfühlduft und stilvollem Statement. Später kommt dann das Sanfte, Blumige hoch, auch ein wunderbarer Moment im Duftverlauf - ein weiches, einladendes Puder-Bett. Ein Duft wie die REM-Schlaf-Phase, kurz bevor man aufwacht. Man ist noch nicht ganz da, man entkommt dem Leben noch für ein paar Momente und bleibt in seiner eigenen Welt. Einzige Kritik: Riecht etwas aus der Zeit gefallen, der Duft kommt aus den 90ern und gibt mir auch extreme 90er-Vibes. H/S voll ok.
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Man kann sich das Leben auch leicht machen.
In meiner Nase ist das ein wahnsinnig einfacher, eindimensionaler Duft. Volle Zitrusfrucht und eine weiche Ambroxan-Basis. Bei Hitze eine unkomplizierte Erfrischung, aber als Parfum war mir das anfangs zu wenig, zu einfach, zu uninspiriert. Ich war also ein bisschen enttäuscht von meinem Blindbuy und die Flasche stand unbenutzt rum, und kippte ein paar mal um, weil sie so schlecht ausbalanciert ist und einen viel zu schmalen Boden hat.

Irgendwann habe ich mich mehr mit dem Thema layern beschäftigt und habe mich gefragt, wie ich meine grünen, erdigen Düfte ein wenig sommertauglicher machen kann. Und plötzlich war TB der am häufigsten genutzte Duft während des Sommers! Was für ein Comeback!

Seine Schlüsselqualifikation aus wuchtiger Zitruspower und einer Basis, die eine saubere Haut simuliert, ist der perfekte Extra-Kick für ein paar gute Allrounder. Ich layere den Duft am liebsten mit grünen Düften wie Rasasi Fattan pour Homme um etwas herber zu werden, Terre d'Hermes für Seriosität und Un Jardin sur le Nil um in die blumige, seifige, lebensfrohe Richtung zu gehen. Trotzdem ist durch die Turathi-Power die Mischung immer eine frische, sommerliche, starke Präsenz. Und inzwischen weiß ich die klar entschiedene Kraft von Turathi alleine auch zu schätzen. Manchmal ist weniger wirklich mehr. Morgens als erstes aufgelegt macht der Duft mich wach und glücklich. Bevor ich ich die Arbeit losfahre, überlege ich dann, ob ich einen Layer drüber legen will, oder heute einfach und minimalistisch unterwegs bin. TB hat mich gelehrt, dass ich mit mein Leben nicht unnötig kompliziert machen muss. Manchmal sind die einfachen Sachen die besten.

P/L und H/S sind so gut, dass man sich den tatsächlich als Blindbuy dazubestellen kann, wenn man auf seine Versandkosten kommen will, denn wenn im Sommer nichts passt, dann passt Turathi Blue immer.
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