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Rezensionen
1 - 5 von 9
Schwesterherz, das passte jetzt mal...
​Man kennt das ja: Geburtstag oder Weihnachten steht an, und deine Schwester erscheint mit diesem ganz speziellen „Ich hab da was für dich, das ist total dein Typ“-Blick. Was folgt, ist meistens eine chemische Kriegserklärung in Flakon-Form.
Nie so wirklich meins, aber lieb gemeint.

Ich habe inzwischen eine beachtliche Sammlung an Düften, die wahlweise nach eingeschlafenem Seniorenheim oder Zuckerwatte-Fabrik riechen. Schwesterherz – ich weiß die Geste zu schätzen, aber meine Nase hat jedes Mal kapituliert.

​Aber diesmal? Diesmal hat sie tatsächlich ins Schwarze getroffen.
​Mit Abercrombie & Fitch Fierce Reserve ist die jahrelange Pechsträhne offiziell beendet. Ich weiß nicht, welcher Schutzengel sie diesmal beraten hat, aber dieser Duft ist ein Volltreffer.
Er nimmt die legendäre DNA des klassischen Fierce – dieses von „ich bin sportlich und habe mein Leben im Griff“ – und gibt ihm ein Upgrade für Erwachsene.

Es riecht nach edlem Leder, warmem Bernstein und einem Schuss Salbei und Whiskey.Bisschen Brennerei einfach. Es ist maskulin, aber nicht aufdringlich. Es ist der Duft eines Mannes, der weiß, wie man einen Grill bedient, ohne das Haus abzufackeln.

Es ist der erste Duft, bei dem ich nicht nach zehn Minuten das Bedürfnis habe, mich unter die Dusche zu werfen, um die „Liebe“ meiner Schwester abzuwaschen.

Fierce Reserve ist warm, tiefgründig und verdammt sexy. Lecker! Liebe Schwester, falls du das liest: Behalt diesen Kurs bei! Die Ära der Duft-Unfälle ist hiermit offiziell beendet.
Danke für dieses Eau de Cologne!
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Kraftpaket mit eigenem Charakter
​Wer auf der Suche nach einer bloßen 1:1-Kopie von Creed Aventus ist, wird bei Supremacy Not Only Intense überrascht werden – im positivem Sinne!
Bei dem Preis war es eine echte Überraschung...

Während viele Klone versuchen, die luftige, Ananas-Leichtigkeit des Originals zu imitieren, schlägt SNOI einen deutlich dunkleren, potenteren und maskulineren Weg ein.
​Der Duftcharakter, schon beim ersten Sprüher, merkt man das.

Anstelle der spritzigen Ananas setzt Afnan auf eine extrem saftige, fast schon schwere, schwarze Johannisbeere, gepaart mit Bergamotte. Das gibt dem Opening eine enorme Fruchtigkeit, die aber sofort von einer würzigen Basis abgefangen wird.

​SNOI ist kein "Aventus-Klon" im klassischen Sinne, sondern eher eine Interpretation die in eine eigene Richtung geht.
​Moos statt Rauch irgendwie. Während Aventus oft für seine rauchige Birke bekannt ist, dominiert hier eine massive Dosis Eichenmoos. Das macht den Duft erdiger, dichter und "grüner". Tiefer einfach.

​Performancemäßig zieht SNOI gnadenlos an Aventus vorbei. Zumindest an deb letzten, mir bekannten, Batches.
Während das "Original" hier oft mit nun (war mal anders) Haltbarkeitsproblemen kämpft, ist SNOI ein echtes Biest. Zwei bis drei Sprüher reichen locker für den ganzen Tag.
Tipp - Nicht überdosieren.

Aventus ist der elegante Gentleman im hellen Leinenanzug. SNOI ist der Chef im dunklen Sakko – selbstbewusster, lauter und präsenter, smoky.

​Für mich ist Supremacy Not Only Intense die bessere Wahl für alle, denen Aventus zu flüchtig oder zu brav geworden ist. Er ist dunkler, fruchtiger durch die Johannisbeere und unglaublich performant. Ein moderner Klassiker, der für den Bruchteil des Preises eine Qualität liefert, die viele Designer-Häuser alt aussehen lässt.
Passt mit der netten Verpackung noch gut unter den Weihnachtsbaum für einen netten Kollegen oder den Neffen.
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Die Nacht in der letzten Kneipe
Dies ist kein Duft für den ersten Kaffee am Morgen, das muss man gleich vorwegnehmen. Rammstein Kokain Black Intense ist der Inbegriff der Nacht. Für mich ist dieser Duft wie der Moment, in dem man die Tür einer richtig alten, dunklen Kneipe aufstößt – nicht hip, sondern ehrlich und voller Geschichten.

​Der Auftakt ist ein Paukenschlag: Dunkel, rauchig und harzig. Man riecht förmlich die Mischung aus altem, abgewetztem Leder der Barhocker, den Resten von gutem, starkem Tabak (obwohl er offiziell nicht gelistet ist, schwingt eine trockene Würze mit, Pfeife...) und dem schweren, süßlich-würzigen Aroma von altem Holz, das über die Jahrzehnte Bier und Schnaps aufgesogen hat. Es ist ein Duft, der sofort erdet und eine gewisse schwermütige Eleganz ausstrahlt.
​Rauchig, aber kein billiger Kaltrauch, sondern die warme, balsamische Schwere von tiefem Weihrauch und vielleicht ein Hauch von verbranntem Zucker.

Im Herzen wird es wärmer, fast likörartig. Man spürt eine intensive, dunkle Würze – wie ein sehr guter, alter Rum, den man im Halbdunkel genießt.

Die Haltbarkeit ist absolut beeindruckend. Er hält die ganze Nacht durch, oft noch bis zum nächsten Morgen. Er ist kein Schreihals, aber seine Präsenz ist unverkennbar und tief.

​Warum ist er so positiv? Weil er authentisch ist. Er ist kompromisslos und strahlt eine unglaubliche Selbstsicherheit aus. Er zwingt einen, innezuhalten und die Dunkelheit zu akzeptieren – nicht als etwas Bedrohliches, sondern als einen Ort der Ruhe und des starken Charakters. Man fühlt sich mit ihm unantastbar und mysteriös. Er ist perfekt für kühle Abende, tiefe Gespräche und eben diese Nächte, in denen man etwas Besonderes sein möchte.

Wer einen Duft sucht, der die Opulenz und das leicht Verruchte einer schummrigen Spelunke mit der Qualität eines Nischenduftes vereint, der muss Kokain Black Intense probieren. Er ist intensiv, dunkel, aber auf eine wunderbare Weise warm und einladend.

Wer übrigens noch an das passende Duschgel zu einem adäquaten Preis kommen kann, schlagt zu und kombiniert das mal...
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Ein Duft wie ein Simple Minds-Hit
Gainsboro G-Man ist mehr als nur ein Duft – er ist eine olfaktorische Hymne an klares Design und zeitlose Eleganz. Wenn du die Simple Minds liebst, weißt du, wie ein schottisches Meisterwerk klingt: kraftvoll, melancholisch und doch voller Optimismus. Genau dieses Gefühl fängt G-Man ein.

​Er startet mit einer frischen, markanten Note, die an einen Spaziergang entlang der stürmischen schottischen Küste erinnert, belebt durch Gischt und klare Luft. Es ist ein sofortiges Statement, einfach unverkennbar.

​Im Herzen des Duftes entfaltet sich eine harmonische Komposition aus Hölzern und vielleicht einen Hauch von Gewürzen, die Tiefe und Textur verleihen. Es hat einfach die perfekte Balance zwischen Kühnheit und Raffinesse, die in G-Man so herrlich reinpasst in das Bild Schottlands: rau und schön zugleich. Er hat diese 80er-Jahre-Coolness der Simple Minds – niemals überladen, immer stilvoll.

Ein Highlander einfach.
"There can be only one"...

​Das ist der Duft, der dich auch an einen strahlenden Tag erinnert, genau wie die Zeilen aus "Someone somewhere in summertime". Er passt ganzjährig und überall.
Er vermittelt dieses Gefühl von goldener Stunde, von "Moments burn, slow burning golden nights". Es ist die pure Nostalgie und das Versprechen auch des Sommers, eingefangen in einem Flakon. Man fühlt sich sofort entspannt und doch voller angenehmer Momente.

​Die Haltbarkeit ist beeindruckend (gerade für ein EdC) und die Sillage ist präsent, aber niemals aufdringlich.
Es ist der Duft des Mannes, der weiß, was er will, ohne es herausschreien zu müssen. Er ist wie ein Riff aus "Don't you forget about me" – unvergesslich und ikonisch. Ein absolutes Muss für alle, die klassische, aber moderne Düfte schätzen.

Zeitlos. Einfach, dennoch auch komplex . Aber gut verständlich. Stilvoll.

Wunderbar!
Wie meine Lieblingsband...
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Wenn die Melancholie beginnt, der schwarze Tintenstein, und die Seele endlich atmen darf!
​Die Kapitulation vor dem Duft (oder wie man doch vielleicht gewinnt)

​Hör zu: Endlich habe ich mich überwunden. Du weißt, wie das ist: Manche Düfte sind so persönlich, so monolithisch, dass man sich sträubt, sie in Worte zu fassen. Sie sind ein Gefühl, kein Produkt. Encre Noire ist so ein Fall.

Ich habe mich lange davor gedrückt, ihm eine Rezension zu widmen, weil es sich anfühlt, als würde man versuchen, den Nebel festzuhalten. Er ist mystisch!

​Aber jetzt, da die Welt wieder diese Farbe annimmt – grau, nass, tief – ist es so weit. Das ist die Zeit, in der du wieder darfst.
​Den ganzen Sommer über musste dieser Duft im Schrank auf seinen Einsatz warten.
Er ist einfach zu ehrlich, zu unerbittlich für warme, fröhliche Tage. Aber jetzt, da die Welt grau und nass wird, hat dieser Duft seine Existenzberechtigung zurück. Jetzt ist die perfekte Zeit, um dir diesen dunklen Mantel umzulegen.

Die Architektur des "Grauens":
​Für mich ist dieser Duft immer die olfaktorische Brücke zu den dunklen Geschichten. Er riecht nach der stillen, unheilvollen Atmosphäre eines H. P. Lovecraft-Romans – nach Orten, wo die Welt alt ist und das Wissen zu groß. Shoggothen, die "großen Alten"...

Wie er startet:
​Ein kaltschneidendes Zypressen-Aroma. Es ist scharf, grün und riecht nach der kühlen Feuchtigkeit, die sich in uralten Krypten sammelt. Es ist der Geruch der unvermeidlichen Vergänglichkeit der Jahreszeiten, aber auch der jahrtausendealten Stille in einem unkartierten Wald.

​Das Herz (Der Zyklopen-Monolith):
Dann kommt der Kern. Tintenschwarzes, erdiges Vetiver. Es ist die Seele dieses Duftes. Das Vetiver ist der Zyklopen-Monolith selbst – eine archaische, schwere Form, die direkt aus dem Boden ragt. Es riecht nach feuchtem Waldboden, nach Tinte, die auf alten Folianten verläuft, und nach der dunklen Kruste von Holz, das lange unberührt war. Hier verstect sich das Moos: die Note, die die nasse, grüne Patina der Baumstämme einfängt, das samtig-herbe Gefühl eines tiefen, stillen Waldes, in dem etwas unerklärliches wartet. Diese Note erdet dich und verleiht dir gleichzeitig eine unheimliche Eleganz.

Der Drydown:
Die Basis ist Moschus und Kaschmirholz. Sie bleibt kühl, dunkel und trocken. Es ist die isolierende Kälte des Moments, in dem du verborgenes Wissen gefunden hast – ganz ruhig, aber mit der unausweichlichen Last einer anderen Realität. Mystik pur!!! Es gibt dir eine unaufgeregte, ruhige Stärke, die perfekt zur stillen Jahreszeit passt.

Wo sind wir also?
​Du nutzt Encre Noire nicht, um Komplimente zu fangen – obwohl die richtigen Leute es sehr bemerken werden.
Machst dir aber keine Gedanken um Komplimente.

Du nutzt es, um dich abzugrenzen, um deinen eigenen Raum zu definieren, wenn die Außenwelt hektisch und "überzuckert", beißend, synthetisch wird.

Es ist der Duft für die kalte, intellektuelle Konzentration und Zeit. Ruhe. Eine Pfeife mit dunklem, Tabak in einer RICHTIGEN Pfeife vor'm Kamin. Keine Shisha!
​Es ist dein persönlicher Anker in den grauen Monaten, gerne in Nordengland, im Moor.
Es braucht die Kälte, um seine rauchige, erdige Komplexität voll zu entfalten. Auf warmer Haut im Sommer wird er zu stickig. Auf kalter Haut, eingehüllt in einen dicken Mantel, ist er perfekt für die Lektüre am Kamin, mit eben o.g. Pfeife.

​Hol ihn raus. Trag ihn. Du hast nun die Erlaubnis. Es ist die Zeit der dunklen Düfte. Dunkle, dunkle Welt - ist das schön!
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