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Gandix

Gandix

Rezensionen
6 - 10 von 181
Strangers in the Night
So wie Kennenlernen der Fremde das Befremdliche nimmt...
Die Erkenntnis aus dem Schatten ins Licht tritt...
Aus Distanz Wärme und Geborgenheit wird...

So geht es mir mit diesem Duft.

Aldehydisch
Lavendel aufblitzend
Körperlich animalisch
Ledrige Anwandlungen
Ein Hauch Moos
Diffus bepuderte Blumen,
aber auch Grün
Balsamisch

Wortfetzen, die sich in 5 Tests sammelten.

Unergründlich, schreibt unsere liebe IrisNobile...
Und ich?
Ich bin sehr verwirrt beim Testen.
So sehr, dass ich ihr meine Notizen schickte, und fragte, ob sie das irgendwie dem Duft zuordnen könne.
Es war nämlich nicht so, dass sich mir der Duft nach und nach einfach mehr öffnete,
nein, es stand immer eine andere Note im Vordergrund,
die beim nächsten Test keine Rolle mehr zu spielen schien.

Beim ersten Test (gesprüht) überfiel mich eine fast derbe Animalik,
mehr Biber und fast Pferd,
die ich so bei keinem weiteren Test mehr feststellen konnte, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen ist, denn es ist ein minimaler Lederhauch wahrnehmbar, der von den Bibernoten kommen könnte.
Ich würde auch Opoponax, oder etwas Mousse de Saxe-Ähnliches für möglich halten,
und gewiss ist Amber mit dabei.
Da ist eine balsamische Wärme, die ich schon beim ersten Test hatte,
und das ist das, was sich beständig zeigte und das Wesen des Duftes trägt.
Hingegen fehlten mir beim ersten Test Kopf-und Herznoten fast komplett.

Also beim zweiten Test getupft...
Jetzt zeigten sich deutlich Aldehyde, eine Ahnung von Blumen, aber sehr hintergründig,
so, als wäre nur noch die Erinnerung da, dass mal welche in dem Duft waren.
Mit jedem weiteren Test kristallisierten sie sich jedoch mehr heraus,
wirkten leuchtender, ohne dass ich aber einzelne Blumennoten erkennen würde.
Animalik ist nach wie vor vorhanden, aber jetzt körperlicher und sie macht den Duft sehr weich. Deshalb tippe ich auf Zibet.
Auch etwas Grünes ist vorhanden und etwas Pudriges...
Da ich auch einen Hauch Moos zu erkennen glaube, wird das Pudrige daher kommen,
weil seifig riecht dieses Moos nicht.

Zu guter Letzt blitzte bei einem weiteren Test Lavendel auf, der zuvor noch nicht da war...
Und das mit dem Opoponax, bzw Mousse de Saxe - Ähnlichem kam mir eben beim Schreiben in den Sinn. (Den Duft auf der Hand und immer wieder schnuppernd).

Insgesamt ist das ein ganz wunderbarer, dunkler Verführer mit Licht und Schatten, vielen Facetten, die sehr harmonisch miteinander verwoben sind.
Aus meiner anfänglichen Distanz entwickelte sich über 'miteinander warm werden', eine unglückliche Liebesbeziehung, weil man den Duft wohl nicht mehr auftreiben können wird.
Er stammt aus der Zeit zwischen 1920 und 30, was fast ein Garant für Qualität ist.
Eine Zeit in der Parfumeure ihre Kunst noch lebten.

Die erwähnten Duftnoten sind nur Eindrücke von mir, Möglichkeiten, und ohne jede Garantie. Es können Treffer dabei sein, und ich kann weit daneben liegen. Im Internet fand ich zu diesem Duft leider nichts. Es soll nur etwas aufzeigen, in welche Richtung der Duft geht.

Molinard konnte nicht nur Habanita.
Schade, dass so Vieles für immer verloren ist.
67 Antworten
She's dancing with flowers
She's dancing with flowers

Diane's fantastische Reise durch Raum und Zeit
Ein Sommerduft wie ein Kolibri
Blütenschwindelgefühle
Honigtau-küssende Lippen
Singende Steinkreise vermischen sich mit dem Surren der Bienen

Ich will jetzt nicht behaupten, dass man etwas ähnliches noch nie gerochen hat, und doch ist Lisbon so etwas wie der Blumenduftgral der Neuzeit für mich.
So üppige Blumen derart filigran umzusetzen erfordert sehr viel Einfühlungsvermögen. Unmittelbar an der Hand zunächst minimal seifig,
mit einem äußerst dezentem Ansatz Indolik.
Aus der Ferne überwältigend blumig.
Eher Weiß-und Gelbblüher.
Zu Beginn dachte ich... Was? Sooo blumig....
Aber es ist diese sorgsame und liebevolle Umsetzung sehr schnell erkennbar.
Es wird unterschwellig ganz leicht pudrig...
Helle Honigtautropfen überziehen das Ganze,
und spätestens ab hier bin ich verliebt und hoffnungslos verloren.
Ich befinde mich mitten im Sommer.
Begleitend fügen sich leise, sanft fruchtige Noten ein.
Mit etwas Phantasie tatsächlich ähnlich dem amerikanischen Grape-Soda.
Der Nektar des Kolibri.
Ganz leicht cremig.
Das Gefieder des Kolibri schillert leicht grün.
Manchmal nascht er Tautropfen von Gräsern.
An Holz ist eventuell sehr diffus Zeder wahrzunehmen.
Wacholder, von dem sie schreibt, kenne ich zu wenig, um ihn auszumachen.
Wenn der Duft ausklingt, nehme ich wieder etwas mehr Seife wahr, aber niemals zu viel.
Auf Distanz ist es von Anfang bis Ende ein wunderschöner, von hellem Honig und Pollen durchzogener Blumenduft.

Diane's Handschrift ist deutlich erkennbar, dieser unkomplizierte Mix aus Klassik und Moderne.
Wieder einmal merkt man, wie viel sie sich mit Vintage-Düften beschäftigt hat, und ihre Zusammenarbeit mit erfahrenen Parfumeuren.
Auch Dave's Einfluss ist immer erfreulich.
Oft kommen die Ideen, was etwas werden könnte, von ihm, bei diesen Limited AP-Düften.
Hier entstand die Idee bei einem gemeinsamen Spaziergang in Lissabon während der Jacaranda Blüte.
Für mich schon jetzt ein absolutes Highlight in 2025.
Ich freue mich sehr, ihn im Sommer zu tragen und noch mehr in ihm zu entdecken.

Bitte sparsam dosieren, sonst könnte es eventuell doch zu viel werden.
56 Antworten
Ein Kurztrip ins Paradies
Das Meer trägt den Geruch des Paradieses in seiner dunstigen Gischt.
Saftige Mango und Passionsfrucht
vermischen sich mit Blumenkränzen.
Weißer Strand.
Türkisblaues Meer.
Mit Delfinen schwimmen.
Über mir Ozon.
*
Augen schließen...
Atmen...
Mitten im Paradies sein...
Zu Beginn hört man fast die Wellen rauschen...
Ozon (an der Hand ein klein wenig Plastik) bereitet den Übergang von Schwimmbadflair zu realistischen Bildern türkisblauen Wassers und schneeweißen Stränden.
Ein sanfter Hauch Frangipaniblüten.
Aus der Ferne Sonnencreme. Direkt an der Haut übernehmen zeitweise immer wieder Passionsfrucht und Mango die Oberhand.
Ich mag selten Früchte in Düften, aber das ist so herrlich saftig und authentisch.
Und immer wieder schwimmst du hinaus auf das Meer, von Delfinen begleitet. Über dir nur die Weite des Himmels, sanfte Brisen Paradiesluft und vor dir die endlose See.
Zum Träumen schön.
*
Erst in der Basis ein Hauch Kokos zur Frucht, nicht viel, aber auch nicht ganz zu ignorieren, sowie mehr Süße, nimmt diesem wunderbaren Duft etwas die Krone vom Haupt.
Toll ist er trotzdem.
Und vielleicht ist es auch nur die Kühle des Abends. Dieser Duft braucht Sonne und Wärme.
**
Yosh Han ist unmittelbar zuvor 2,5 Monate und 8000NM im Pazifik gesegelt und hat die Polynesischen Inseln erkundet.
Es gibt zahlreiche Bilder davon auf ihrem Insta-Account.
Seht sie euch an, und ihr könnt euch vorstellen, wie dieser Duft riecht.
Und dann...
Noch einmal vom Sommer träumen.
62 Antworten
Spröde Zärtlichkeit
Spröde Zärtlichkeit.
Safran-Minuten verstreichen in ledernener Langsamkeit.
Zeit rinnt tic tac
wie goldener Honig
aus bernsteinfarbenen Adern.
Die Welt hält ihren Weih/Myrrheatem an.
Ewigkeit steht still.
Die Blume des Lebens ringelt sich um deinen Körper,
wie die Fesseln der Liebe.
**
Safran ohne Rose. Dass ich das noch erleben darf. Und zwar ein Guter. Matt. Trocken.
In meinem Kopf evoziiert er eine leichte Ledrigkeit. Wie die feinen Fäden der Zeit gesellen sich die anderen Noten dazu. Zunächst Honig, dunkelgolden, aber nicht viel. Spätestens mit dem Weih/Myrrhehauch hat mich der Duft um den Finger gewickelt. Ganz zart. Die Myrrhe webt eine unterschwellige, minimale Süße mit rein. Der Duft fängt an zu leben. Die Uhr tickt wieder. Es wird weicher, balsamischer, Amber lässt den Puls pochen.
Die Ringelbume...
Ehrlich gesagt rieche ich nicht unbedingt Blumiges, aber Maurice Roucel könnte sie mit dem Duft gezeichnet haben, ist sie doch ein Pflänzchen, das in spröder Umgebung wächst, und ihre Weichheit in der heilenden Wirkung ans Licht kommt.

Ihr werdet euch fragen... Sie schwärmt so, aber 'nur' ne 9.
Dies ist ein Duft, der keine 10 sein will.
Manchen wird der spröde Auftakt nicht zusagen, beim Lesen der Duftnoten sich an Safran stören, an Honig, oder der Süße am Ende, und ganz sicher am Preis. Gewiss ist der Duft auch nichts komplett Neues, und doch hat Maurice Roucel ihn so auf den Punkt komponiert, dass aus dem Unscheinbaren die heilende Salbe wird.
Ein Tropfen hielt abends aufgesprüht noch den ganzen nächsten Tag auf meiner Haut, dezent und wunderschön.
82 Antworten
A letter to someone
Es macht keinen Sinn, dir Briefe zu schreiben.
Du willst meine Liebe nicht.
Nicht jetzt...
Und dann ist es eh zu spät...
Eine goldene Träne sucht sich den Weg die Wange entlang.

Der Laubwald wiegt sich sanft
im goldenen Spätherbstlicht,
flüstert mir voll Melancholie
sein Indian-Summer-Lied...
Das Licht der Orangensonne
es bricht...

Es bricht...
in Scherben aus Bernstein,
malt funkelnde Zimtsterne,
wie ein Kaleidoscop
aus braunrotgoldorangenen Farben.
Sie glänzen und summen
Chrystal lullabies...

Weißt du noch, als wir sie unseren Kindern sangen?
Du hattest Schokoflecken auf deinen Lippen.
Wie sehr ich dich liebe...
Es ist so still...

Es ist so still...
Nur das Rauschen der Blätter,
und die Luft erfüllt von würziger Balsamik.
Ab und zu summt noch eine Biene.
Ein Specht klopft und
hämmert...
Kleine Holzbrösel fallen zu Boden,
wie das Schwinden des Herbstes...
Wie ein letzter Atemhauch...

Die Sonne steht tief, taucht den Wald
in ihr goldenes Licht...

Ein Freund ist gegangen...
Das wollte ich dir eigentlich erzählen...
Aber vielleicht muss das nicht ich tun...
Irgendwer wird es dir schon sagen ...
Der Herbst umschließt uns...
So fern ist der Winter nicht...
Und seine Kälte...

Die Sonne steht tief,
taucht den Wald in ihr goldenes Licht...

Und das letzte Blatt fällt...
wiegt sich im Wind...
Schmiegt sich ein letztes Mal ans Leben...
Und dann ist es still....
61 Antworten
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