So wie Kennenlernen der Fremde das Befremdliche nimmt...
Die Erkenntnis aus dem Schatten ins Licht tritt...
Aus Distanz Wärme und Geborgenheit wird...
So geht es mir mit diesem Duft.
Aldehydisch
Lavendel aufblitzend
Körperlich animalisch
Ledrige Anwandlungen
Ein Hauch Moos
Diffus bepuderte Blumen,
aber auch Grün
Balsamisch
Wortfetzen, die sich in 5 Tests sammelten.
Unergründlich, schreibt unsere liebe IrisNobile...
Und ich?
Ich bin sehr verwirrt beim Testen.
So sehr, dass ich ihr meine Notizen schickte, und fragte, ob sie das irgendwie dem Duft zuordnen könne.
Es war nämlich nicht so, dass sich mir der Duft nach und nach einfach mehr öffnete,
nein, es stand immer eine andere Note im Vordergrund,
die beim nächsten Test keine Rolle mehr zu spielen schien.
Beim ersten Test (gesprüht) überfiel mich eine fast derbe Animalik,
mehr Biber und fast Pferd,
die ich so bei keinem weiteren Test mehr feststellen konnte, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen ist, denn es ist ein minimaler Lederhauch wahrnehmbar, der von den Bibernoten kommen könnte.
Ich würde auch Opoponax, oder etwas Mousse de Saxe-Ähnliches für möglich halten,
und gewiss ist Amber mit dabei.
Da ist eine balsamische Wärme, die ich schon beim ersten Test hatte,
und das ist das, was sich beständig zeigte und das Wesen des Duftes trägt.
Hingegen fehlten mir beim ersten Test Kopf-und Herznoten fast komplett.
Also beim zweiten Test getupft...
Jetzt zeigten sich deutlich Aldehyde, eine Ahnung von Blumen, aber sehr hintergründig,
so, als wäre nur noch die Erinnerung da, dass mal welche in dem Duft waren.
Mit jedem weiteren Test kristallisierten sie sich jedoch mehr heraus,
wirkten leuchtender, ohne dass ich aber einzelne Blumennoten erkennen würde.
Animalik ist nach wie vor vorhanden, aber jetzt körperlicher und sie macht den Duft sehr weich. Deshalb tippe ich auf Zibet.
Auch etwas Grünes ist vorhanden und etwas Pudriges...
Da ich auch einen Hauch Moos zu erkennen glaube, wird das Pudrige daher kommen,
weil seifig riecht dieses Moos nicht.
Zu guter Letzt blitzte bei einem weiteren Test Lavendel auf, der zuvor noch nicht da war...
Und das mit dem Opoponax, bzw Mousse de Saxe - Ähnlichem kam mir eben beim Schreiben in den Sinn. (Den Duft auf der Hand und immer wieder schnuppernd).
Insgesamt ist das ein ganz wunderbarer, dunkler Verführer mit Licht und Schatten, vielen Facetten, die sehr harmonisch miteinander verwoben sind.
Aus meiner anfänglichen Distanz entwickelte sich über 'miteinander warm werden', eine unglückliche Liebesbeziehung, weil man den Duft wohl nicht mehr auftreiben können wird.
Er stammt aus der Zeit zwischen 1920 und 30, was fast ein Garant für Qualität ist.
Eine Zeit in der Parfumeure ihre Kunst noch lebten.
Die erwähnten Duftnoten sind nur Eindrücke von mir, Möglichkeiten, und ohne jede Garantie. Es können Treffer dabei sein, und ich kann weit daneben liegen. Im Internet fand ich zu diesem Duft leider nichts. Es soll nur etwas aufzeigen, in welche Richtung der Duft geht.
Molinard konnte nicht nur Habanita.
Schade, dass so Vieles für immer verloren ist.
Das hatte ich auch schon einmal, dass ein Duft bei 4 Tests unterschiedlich roch, gar nicht einzusortieren. Besitze den jetzt und jetzt riecht er zwar nicht immer gleich, aber doch sehr ähnlich - ich glaube, mein Gehirn hat sich jetzt eingeschwungen :)
Schöne Testreise :)
Mit dieser spannenden Duftreise und dem tiefen Bedauern um viele wundervolle Düfte „von damals“ holst Du mich gerade total ab. Einerseits mag ich mich nicht auf die Suche (oder Jagd) nach Vintages begeben, andererseits treibt es mich immer mehr dort hin. Die Qualität und die Hingabe, mit der früher Duftkunst geschaffen wurde macht sehnsüchtig.
Toll. 1. Freut mich dass Du so ein Schätzchen gefunden hast. 2. 'Wortfetzen' - ich mag so fragmentarische Texte, und wenn noch dazu keine 'offiziellen Noten' vorhanden sind, gleich nochmal mehr. 3. Liebe Gruesse!
Danke für diese faszinierende Besprechung eines offensichtlich faszinierenden Duftes. Und zu Deinem letzten Satz: das ist das Wesen der Welt, wir müssen loslassen lernen. Denn nichts ist wirklich verloren, es bleibt als Erinnerung oder Sehnsucht oder als etwas, das uns zu dem gebracht (und gemacht) hat, was heute ist.
Und jetzt: raus in den eiskalten und sonnigen Morgen 😄☀️
Molinard hatte großartige und recht erschwingliche Düfte.
Man sollte vielleicht eine Petition starten, diese Kostbarkeiten wieder aufzulegen.
Sehr schöne Komposition!
Was auch immer drin sein mag, es klingt schon toll! Da sollte man halt jetzt ganz viel davon haben, damit man ihn immer wieder ergründen kann - leider schwierig bei solchen Preziosen...
Das klingt nach einem vielschichtigen, großartigen Vintage... Ja, schade, dass so Vieles verloren geht... Umso schöner, dass man ab und an noch einen Schatz findet.
Mich hast du jetzt auch ganz wunderbar mit deinen Worten in die Dunkelheit entführt und ich rätsele noch ganz fasziniert und gebannt über diesen erstaunlichen Molinard.
Danke dir für diese spannende Entdeckungsreise ☺️🙏
…. liebe Gabi -, ich bewundere Deine fantastischen Texte und das besondere Talent, Duftnoten über das Allgemeine hinaus so relativ exakt zu bestimmen. Wie ich Dir schon schrieb …. beim Beispiel animalisch könnte ich Biber, Hirsch oder Katze nicht unterscheiden … bei mir wäre es lediglich animalisch ;) -, obgleich es ja auch Pflanzen gibt, die z.B. die Animalik verursachen können :)) … von Mousse de Saxe habe ich auch noch nie was gehört 😅 ….. Dein Engagement hier ist fantastisch! - und wir profitieren alle davon ….. Wenn es auch jetzt nicht ganz so lief, ist Deine wunderbare Befassung mit Soir d‘Italie war mir eine Freude, zu lesen😊
@IrisNobile :Herzlichen Dank liebe Iris, so einfach tu ich mich da nicht ☺️. Und, es lief ganz wunderbar mit dem Soir... Und die Liebe könnte noch größer werden. Er fesselt mich sehr...
Dieser Mousse de Saxe Accord wurde zum Beispiel von Caron gern verwendet, und ich mag ihn wohl sehr... Die Parfümeurin von DSH bringt schön auf den Punkt, wie es riecht: Zitat "Ein klassischer Basisakkord, der in vielen frühen Meisterwerkparfums zu finden ist, mit einem reichhaltigen, süßen, balsamischen, leicht würzigen Gefühl und subtilen grünen Nuancen."
Er ist rund um echtes Eichenmoos gebaut, weshalb ich zögerte, mir moderne Nachbauten anzusehen.
Was für eine wundervolle Annäherung an einen offenbar nur schwer zu greifenden Duft! Ist das nicht irre, mit wie viel Liebe zum Detail vor ungefähr 100 Jahren Düfte kreiert, durchdacht (durchfühlt?) und zelebriert wurden? Davon ist leider heutzutage nicht mehr viel übrig. Alles muss schnell gehen und möglichst viel Profit abwerfen. Zum Glück gibt es aber auch positive „Abweichler“. Danke für diese schöne Reise mit Dir!
Ein sehr sorgfältiges, bedachtes Kennenlernen. Echt schön, wie du das zelebrierst! Und nun eine sehr vertraute und sehensüchtige Freundschaft... Seufz!
Trotz der Animalik würde ich so ein historisches Highlight niemals von mir weisen und danke für dessen Vorstellung! Toll gemacht! Ich begnüge mich aber weiterhin mit Habanita von Molinard, denn ich liebe es!
https://molinardperfumes.
blogspot.com/2020/01/parfum-1811-by-molinard-c1936.html?m=1
📍 Viel findet man wirklich nicht mehr.
Hier zu "Napoleon" ein Auszug aus dem Artikel.
Molinard brachte seinen von Napoleon inspirierten Duft 1811 in einer Flasche auf den Markt, deren Verschluss an den berühmten Zweispitz des Kaisers erinnerte und mit einer kleinen dreifarbigen Kokarde versehen war. Die Flasche war in drei Größen erhältlich:
Die Größe lag zwischen 1/3 und 1/4 oz (ursprünglicher Verkaufspreis 1939: 4,50 $)
1 oz (ursprünglicher Verkaufspreis 1939: 12,50 $)
Nr. 2804 – 2 oz Flacon Cristal GM Coffret Luxe (ursprünglich im Jahr 1939 für 20,00 $ im Einzelhandel erhältlich)
Du sprichst mir so aus dem Herzen! Mir geht es oft genauso, die alten Kunstwerke geben nicht sofort jedes Geheimnis preis.. jeden Tag eins-zwei andere Details.
Ich habe Deine wunderbaren Eindrücke sehr gerne gelesen und freue mich, dass Ihr Euch doch so gut verstanden habt 🎩
Oh, der könnte wirklich sehr schwer beschaffbar sein. Aber da ich bisher alle bekommen habe, die ich wollte, drück ich Dir jetzt einfach ganz doll die Daumen, dass Du einen Flakon findest.
Dankeschön für diesen tollen Testbericht! Ich höre bei Dir so viel Schönes von diesem frendartigen Napoleon, dem wunderbaren, dunkler Verführen, und gleichzeitig Trauer, dass das verloren ist. Sehr berührend.
Nochmal danke!
Schöne Testreise :)
Und jetzt: raus in den eiskalten und sonnigen Morgen 😄☀️
Man sollte vielleicht eine Petition starten, diese Kostbarkeiten wieder aufzulegen.
Sehr schöne Komposition!
Und den letzten Satz unterschreibe ich mit, ganz dick!
Danke dir für diese spannende Entdeckungsreise ☺️🙏
Dieser Mousse de Saxe Accord wurde zum Beispiel von Caron gern verwendet, und ich mag ihn wohl sehr... Die Parfümeurin von DSH bringt schön auf den Punkt, wie es riecht: Zitat "Ein klassischer Basisakkord, der in vielen frühen Meisterwerkparfums zu finden ist, mit einem reichhaltigen, süßen, balsamischen, leicht würzigen Gefühl und subtilen grünen Nuancen."
Er ist rund um echtes Eichenmoos gebaut, weshalb ich zögerte, mir moderne Nachbauten anzusehen.
Sehr spannend.
Vielen Dank dafür.🙏
blogspot.com/2020/01/parfum-1811-by-molinard-c1936.html?m=1
📍 Viel findet man wirklich nicht mehr.
Hier zu "Napoleon" ein Auszug aus dem Artikel.
Molinard brachte seinen von Napoleon inspirierten Duft 1811 in einer Flasche auf den Markt, deren Verschluss an den berühmten Zweispitz des Kaisers erinnerte und mit einer kleinen dreifarbigen Kokarde versehen war. Die Flasche war in drei Größen erhältlich:
Die Größe lag zwischen 1/3 und 1/4 oz (ursprünglicher Verkaufspreis 1939: 4,50 $)
1 oz (ursprünglicher Verkaufspreis 1939: 12,50 $)
Nr. 2804 – 2 oz Flacon Cristal GM Coffret Luxe (ursprünglich im Jahr 1939 für 20,00 $ im Einzelhandel erhältlich)
Ich habe Deine wunderbaren Eindrücke sehr gerne gelesen und freue mich, dass Ihr Euch doch so gut verstanden habt 🎩
Nochmal danke!