Verborgene Harmonie
Oud Rose Intense ist für mich einer dieser Düfte, die man nicht einfach so tragen kann er trägt dich. Beim ersten Sprühen kommt einem sofort diese dichte, leicht süßliche Rose entgegen, aber sie ist nicht kitschig oder seifig, sondern richtig erwachsen. Dazu kommt so ein leicht fruchtiger Touch, der das ganze auflockert, aber trotzdem bleibt der Duft ziemlich opulent. Das Oud ist ehrlich gesagt eher im Hintergrund, man merkt es erst nach einer Weile, wenn sich der Duft gesetzt hat. Es ist nicht dieses medizinische, laute Oud, sondern eher weich, cremig fast – was mir sehr gefällt. Ich finde die Haltbarkeit ganz gut, aber für den Preis hätte ich vielleicht noch ein bisschen mehr erwartet. Nach so 5–6 Stunden ist er bei mir schon eher hautnah. Die Sillage am Anfang ist allerdings stark, man hinterlässt schon eine kleine Duftwolke. Der Duft wirkt sehr luxuriös, wie etwas, das man zu einem besonderen Anlass trägt – ein Dinner oder ein Abend, an dem man auffallen möchte, aber mit Stil. Ich würde sagen, Oud Rose Intense ist perfekt für alle, die eine elegante Rose mit Charakter wollen, ohne dass sie zu orientalisch oder zu überladen wird. Für mich persönlich kein Alltagsduft, eher was für Momente, wo man sich selbst ein bisschen zelebrieren will. Insgesamt ein sehr gelungener Duft, nur der Preis ist etwas happig – aber das ist wohl bei Fragrance Du Bois fast immer so.
Wenn Frucht die Flamme küsst !
Jubilation XXV ist für mich die royale Interpretation des klassischen „fruity incense“. Gleich zu Beginn schimmert eine dunkle, saftige Fruchtnote (für mich irgendwo zwischen Brombeere und getrockneter Pflaume), die sofort von warmen Harzen umfangen wird. Kein klebriger Gourmand, sondern eine noble Süße, die an poliertes Holz und goldenen Honig erinnert. Im Herzen zieht Weihrauch feine Rauchfäden, nie kirchig kalt, sondern geschmeidig und balsamisch. Gewürze und Harze legen sich wie ein Brokatmantel darüber – gediegen, nie laut.
Die Entwicklung ist mustergültig: Die Früchte verblassen, die Harze werden runder, und im Fond bleibt ein weiches, leicht ledriges Amber-Harz-Gemisch mit dezenter Trockenheit. Das Ganze wirkt aristokratisch, reif und souverän – ein Duft, der nicht gefallen will, sondern Präsenz hat.
Performance: Sehr gut. An mir 10–12 Stunden Halt mit einer anfangs spürbaren, später zurückgelehnten Sillage . Beste Bühne: kühle Tage, formelle Anlässe, besondere Abende. Im Hochsommer wäre mir das zu opulent.
Wenn Nacht zu Musik wird
Overture Man riecht, als hätte jemand den Moment eingefangen, in dem ein Gentleman das letzte Glas Cognac leert, die Bühne verlässt und der Applaus langsam verklingt. Schon der Auftakt ist ein Feuer aus Cognac, Safran und Kardamom – warm, golden, berauschend. Kein Duft für schüchterne Gesten, sondern für Präsenz.
Dann, plötzlich, Stille. Weihrauch und Myrrhe übernehmen, schwer und geheimnisvoll wie Orgelklänge in einer leeren Kathedrale. Man spürt Geschichte, Tiefe, etwas Sakrales. Doch nie wirkt es alt – eher wie ein alter Film, der auf unerklärliche Weise modern geblieben ist.Die Basis aus Leder, Oud und Sandelholz gleitet wie dunkler Samt über die Haut. Stunden später ist er noch da – leiser, intimer, wie ein Echo.
Overture Man ist kein Duft, den man trägt. Er trägt dich – durch die Nacht, durch Gedanken durch Geschichten, die du nicht erzählen musst.
Das blaue Mysterium animalisch, edel, unverkennbar King Blue
Duftreisen beginnen manchmal nicht mit einem sanften Windhauch, sondern mit einem Aufprall – wie eine himmelblaue Welle, die unerwartet alles Alte fortspült. OKing Blue ist genau so: Kein höfliches Klopfen an der Tür, sondern ein markantes Statement. Kaum gesprüht, entfaltet er ein Spektrum zwischen schwarzer Johannisbeere, Mandarine und animalischer Provokation, das neugierig macht und die Sinne herausfordert. King Blue verlangt Aufmerksamkeit. Er zögert nicht, sondern fordert dich mit seiner ungewöhnlichen, fast rauchig-ledernen Präsenz zum Duell. Amber und Weihrauch verschmelzen zu einer dichten Wolke, die – wie ein geheimer Raum in einer mondänen Bibliothek – Mysterien und dunkle Geschichten verspricht. Holz, Leder und Oud erinnern an edle Sessel und alte Bücher, Patchouli und Sandelholz runden den königlichen Charakter ab.
So bleibt der Duft für Abenteuerlustige, für Grenzgänger zwischen Komfort und Expedition. Wer durch das wilde Opening taucht, wird belohnt mit Tiefe, Charakter und einer Sillage, die Geschichten statt Mainstream erzählt.
Old Money in Duftform
Bois du Portugal von Creed ist mehr als nur ein Duft – es ist eine olfaktorische Zeitreise. Schon beim ersten Sprühen öffnen sich wie in einem alten Literaturclub die Seiten eines ledergebundenen Buches, aus dem Lavendel und frische Zitrusnoten herausflirren. Der Duft entwickelt eine tiefe, kultivierte Wärme, getragen von edlem Sandelholz und subtilen Kräutern, als hätte ein Gentleman nach einem Spaziergang durch portugiesische Pinienwälder in einem alten Café Platz genommen. Bois du Portugal strahlt einen diskreten Luxus aus, den man eher fühlt als sieht „Old Money“ in Flakonform, souverän und zurückhaltend zugleich. Seine Wirkung ist zeitlos – perfekt für Kenner, die Klasse und Charakter über bloßen Perfektionismus stellen. Wer dieses Parfum trägt, kleidet sich in Eleganz, Historie und Persönlichkeit