lässiges blütentheatervergnügen
ich sitze auf einem dieser ungemütlichen caféhausstühle an dem tisch, den du für uns reserviert hast, hier mitten auf dem marktplatz, und bekomme gerade die karte gereicht, als ich dich auf mich zu eilen sehe.
*wird auch zeit, schätzelchen!*
in einer schwarzen hose aus weichem ziegenleder (dass es weich ist, darf ich später noch feststellen), dazu ein cremefarbenes leinenhemd, barfuß, und mit einem bunten pork pie auf dem kopf.
*nice, ich mag einfach seinen style, ich glaub, ich verzeih ihm sein michwartenlassen.*
dann bist du bei mir, baust du dich vor mir auf, nimmst meine hand und machst mich aufstehen.
*huch? was kommt denn jetzt?*
eine erste duftimpression von dir wird durch den luftzug, den du mit deinem schwung mitbringst, zu mir hergeweht.
*echt jetzt? der kommt mit nem süßen frucht-rum-kaugummi zum date? ganz schön mutig!*
dann vollführst du eine theaterreife verbeugung vor mir, immer noch meine hand haltend. „meine liebe, was für ein vergnügen, dich zu sehen! ich bin trunken vor freude auf den nachmittag mit dir! verzeihst du mir meine kleine verspätung?”
*süß, oldschool kann er auch. und galant. like.*
mein innerstes winkt dir vergnügt grinsend zu und die psychodramatikerin in mir steigt sofort auf deinen szenenentwurf ein: ich nicke und hoffe, es wirkt irgendwas zwischen huldvoll, selbstsicher und amüsiert.
du greifst mit der freien hand – du hast meine immer noch nicht losgelassen! – an deinen hut und nimmst das kleine sträußchen, das du dort ins hutband gesteckt hattest. du machst einen schritt auf mich zu und stehst jetzt ganz schön dicht vor mir. und reichst mir die blumen: „darf ich dir als zeichen meiner zuneigung diesen kleinen blütengruß überreichen?”. ein feiner, cremiger jasminduft erreicht mich, dahinter meine ich, den geruch deiner leicht verschwitzten haut zu riechen.
mein neurodivergentes gehirn läuft zur hochform auf:
*huch, wie kann denn dieses schöne kleine jasminsträußchen an seinem hut so gut halten? voll schön! hey, es stört mich gar nicht, dass er so lang meine hand hält, wow! mhm, was ist denn das noch, was da meine nase umweht? rau irgendwie, vielleicht das leder seiner hose? hey, die ist ja gar nicht schwarz sondern ein superschönes espressodunkles braun. wie die sich wohl anfühlt? auja, ich hab lust auf diesen leckeren espresso, den sie hier haben, decolonized zum glück. ich darf nicht vergessen, ihn nach der kaugummi-marke zu fragen, der riecht echt auch ganz schön lecker! er legt sich ja ganz schön ins zeug, der liebe. aber woher weiß er, dass ich auf ein bisschen oldschool stehe? hab ich ihm das schonmal erzählt, oder wie? ach, ich muss ihm auf jeden fall sagen, dass er mir keine schnittblumen mehr schenken soll, ich hasse das, ihnen zuzugucken, wie sie in der vase langsam vor sich hin sterben. aber egal, ich freu mich eh, und allein die geste ist ja schön.*
ich nehme mit einem gelächelten „dankeschön” und der andeutung eines knickses das sträußchen entgegen.
*hilfe, was machst du denn da??! einen knicks??! und auch noch den kopf schräggelegt dabei!! meine güte, die verhaltensbiologie lässt grüßen.*
„setzen wir uns?” ich nicke, setze mich und freue mich auf einen unterhaltsamen und lässigen nachmittag mit dir.
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nunja, wenn ein duft sich bei mir stehenden fußes in eine szenerie ergießt, dann muss ich das eben aufschreiben.
lawrence eröffnet bei mir tatsächlich mit einer leckeren note von süßfruchtigem, rumgetränktem kaugummi. letzterer bekommt alsbald schöne jasminblüten als gesellschaft, cremig-weich, leicht süß und doch frisch. irgendwann wird das alles auch noch angenehm spicy, und auch oud lässt sich mal blicken. bis dahin finde ich den duft wirklich sehr nett, amüsant irgendwie, trotz seiner synthetik, die in meiner nase alle noten eher ein bisschen zermatscht als verbindet. doch dann kommt jene art moschus hinzu, die mir einen duft uninteressant macht, indem sie alles irgendwie cremig (bis hin zu schmierig, auf meiner haut) und beliebig werden lässt.
anyway.
danke für diese wirklich vergnüglichen, entdeckungsreichen und erquicklichen stunden mit dir, lieber lawrence!