MaKr

MaKr

Rezensionen
1 - 5 von 12
Rot-Grün-Farbsehschwäche
Es wird Frühling, und ich habe Lust auf grüne Düfte. Die mag ich sowieso, aber im Frühling ganz besonders. Da kommt mir diese kleine Abfüllung gerade recht, die seit Tagen auf ihren Test wartet. Die Flüssigkeit leuchtend grün, vom Namen her soll es sich um einen geheimnisvollen Garten handeln, das müsste doch passen! Also gleich auf die Haut gesprüht, gewedelt, gerochen: süß, sehr süß sogar.
Hm. Es gibt ja auch süße grüne Düfte, aber ich kann schnuppern so viel ich will, ich finde nichts Grünes. Im Gegenteil, es handelt sich eher um die Komplementärfarbe Rot.
Eine Melange aus warmen Rottönen: orangeroter Safran, die rote orientalische Standardrose und ein warmes Zimtrotbraun.
Sind der virtuelle Parfumeur und sein Marketing farbenblind, oder soll das ein Gag sein: Grün anbieten, aber Rot liefern?
Das ganze wird umwabert von einer süßen, undefinierbar fruchtigen Wolke. Also definitiv leider nicht meine Richtung. Eher was für Fans der fruchtigsüßen orientalischen Richtung. Allerdings verblasst dieses Rot erstaunlich schnell, nach circa zwei Stunden ist nur noch die Basis vorhanden. Die riecht irgendwie nach verbranntem Zucker, das aber ausdauernd.
Wer mir diese Abfüllung beigelegt hat, tat dies nicht aus Gedankenlosigkeit, sondern weil dieser Duft auf meiner Merkliste stand. Aber warum stand er da?
Vor etwa zwei Jahren habe ich an einem Wanderbrief der Marke Jean Poivre teilgenommen. Einen Duft fand ich ganz gut, den Rest nicht so besonders. Der Garten war nicht dabei, deshalb kam er auf die Merkliste. Es hätte ja sein können, dass……
Garten abgehakt, Firma abgehakt.
Next please.

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All Beauty Must Die
Diesen Duft hat der Parfümeur einer sagenhaft schönen und unwiderstehlich erotischen Frau gewidmet: Kakee, in den thailändischen Mythen die Frau eines Königs. Von einem anderen König entführt und zur Frau genommen. Wieder zurück geraubt, dabei von ihrem „Retter“ vergewaltigt, darauf vom König der Untreue angeklagt und verstoßen.
Schönheit kann auch ein Fluch sein.
Mich führt der Duft auf den Friedhof zu einem Grab, überhäuft von noch frischen Tuberosen. Leider erst kürzlich von Tieren kräftig markiert. Dieser heftig animalische Start schreckt mich erstmal ab! Doch Geduld, die Animalik schwächt sich erfreulicherweise ab, und zum Vorschein kommt der betörende Duft der Tuberose. Kein penetranter Kaugummi, keine ordinäre Fake-Tuberose aus Laborbausteinen. Diese hier ist echt!
Dazu noch ein feiner Hauch Weihrauch aus einer benachbarten Kapelle, jetzt hat er mich!
Die Tuberosen auf dem Grab sind zum Sterben verurteilt. Doch ihre Seelen, die der Parfümeur eingefangen hat, umschweben mich noch sehr lange als transparenter, blumig-grüner Schleier.
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Schrecklich und Großartig
Kürzlich habe ich -mit viel Respekt- die schreckliche Echse getestet. Im Kopfkino lief natürlich sofort der entsprechende Katastrophenfilm zum Meteoriteneinschlag ab, aber rückwärts.

Start mit Rauch, viel Rauch! Nun ist Rauch nicht gleich Rauch: Mancher Rauchduft hier erinnert an gemütliches Lagerfeuer, schönes Kaminfeuer, Räucherstäbchen. Weihrauch lässt an Kirche denken, der Rauch in Tonnerre an Ruß oder Räucherspeck usw.
Dieser Rauch hier ist böse und bissig, er riecht nach Gefahr und kann Angst, Panik und Fluchtreflex erzeugen. (Fast jeder kennt den üblen Geruch, wenn beim Grillen Fleisch in die Glut fällt)

Der Film läuft weiter zurück in der Zeit, und wir befinden uns in einem waldigen Dschungel mit den ersten Blüten. Die Wahl von Champaka und Ylang finde ich genial, schon deren Form hat für mich so etwas Urzeitliches an sich. Auf meiner Haut entfaltet sich auch eine Ahnung von Rose -ob es die damals schon gab?
Trotz der schönen Blüten macht der Duft immer noch einen brutalen und gefährlichen Eindruck. Im Film die ungewöhnliche Erscheinung am Himmel, im Parfum das derbe Leder und die animalischen Noten. T-Rex und andere Fleischfresser lauern in der Nähe. Unsere Position in der Nahrungskette nicht wie heute, Jurassic Park lässt grüßen.

Ab dem Zeitpunkt, wo sich die Blüten zeigen, könnte ich mir sogar vorstellen, den Duft zu tragen. In homöopathischer Dosierung, also vorsichtig getupft, keinesfalls gesprüht! Aber der Start ist echt grausam!

Gardoni kann Schrecklich, siehe Douleur! . Aber auch Großartig, hier in Kombination.
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Unschöne Chimäre
Als Zitrusfan mache ich mich voller Vorfreude an den Test, denn diese Duftnoten stehen bei mir für Frische, Energie und gute Laune.
Hier jedoch macht sich gleich Enttäuschung breit, denn es handelt sich um die ungeliebte Synthetik-Variante. Da sehe ich vor mir immer ungenießbares Deko-Obst aus Plastik.
Daher bin ich richtig froh, dass diese Kopfnote sehr schnell verfliegt und die 2. (und letzte) Ebene freigibt: Der Dreiklang Patch-Sandel-Amber gehört definitiv zu meinen Favoriten und sollte mich mit dem Duft wieder versöhnen.
Leider auch hier keine ungetrübte Freude, dieser Part wird ebenfalls von einer undefinierbaren Synthetiknote „umwabert“, die nicht verschwinden will.
Entweder das von anderen erwähnte Kristallmoschus, oder synthetisches Patchouli.
Sandelholz rieche ich keines.
Auf der Homepage wird der Duft als zitrisch-orientalisch beschrieben, eigentlich eine schöne Idee, deren Umsetzung mir hier nicht gefallen will: Beide Anteile stehen einfach nebeneinander, durch nichts verbunden, unpassend, einander fremd.
Wenn ich einen Zitrusduft möchte, dann einen der frisch bleibt, den ich auch gerne nachsprühe.
Bei einem orientalischen Duft möchte ich nicht erst 1-2 Stunden eine ungeliebte Kopfnote ertragen müssen.
Hier habe ich weder noch, somit kommt Mulholland für mich nicht in Frage.
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Mögliche Nebenwirkung: Melancholie
Letzten Herbst habe ich in einem Karton mit Vintageparfums einen kleinen Flakon Kyoto EdP wiedergefunden. Natürlich wollte ich sofort wissen, wie der Inhalt die Jahre überstanden hat.

Was ich fand, war -für mich- sehr berührend:
In Gedanken war ich dabei, eine alte Truhe aus wohlriechendem Sandelholz zu öffnen, in der sich ein wertvoller, antiker Komono befindet:
Die Seide ist, wie die Kopfnote des Parfums, schon sehr brüchig.
Die Farben des wunderschönen, aufgedruckten und handbestickten Blumenmusters sind teilweise verblasst, aber noch zu ahnen.
Deutlich wahrnehmbar ist der dezente Weihrauchduft, was mich vermuten lässt, dass dieser Kimono an Festtagen zu Tempelzeremonien getragen wurde.
So ein teures Kleidungsstück wurde sicher von Generation zu Generation weitergegeben. Von den Frauen, die ihn getragen haben, findet sich keine Spur, keine Erinnerung mehr. Sie sind Schemen im Reich der Schatten, ein Flüstern im Wind.

In meiner Sammlung befinden sich Parfums für unterschiedliche Gelegenheiten und Stimmungen: Einige sind aufmunternd und vitalisierend, andere eher beruhigend, wärmend und entspannend.
Dieses Parfum ist nicht gekippt, es verblasst immer mehr, und lässt eine Erinnerung an seine Schönheit zurück,
Kyoto ist für mich ein Memento Mori, eine Konfrontation mit der Vergänglichkeit.
Kein anderes meiner Parfums hat diese Nebenwirkung, nicht nur Melancholie, sondern manchmal sogar tiefe Traurigkeit hervorzurufen.
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