NordiqueNordiques Parfumkommentare

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Nordique vor 7 Tagen 10
9
Duft
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9
Sillage
9
Flakon

Kommt gut Ding will Zeit Rat haben, oder: Warum Vorsicht der Elefant auf der Mutter im Porzellanladen ist
Redewendungen und Sprichwörter zählten noch nie zu meinen generell als überschaubar einzuschätzenden Stärken.
In der achten Klasse wurde mein – subjektiv mit viel Fleiß und Hingabe erarbeiteter – Deutschaufsatz zum bekannten Proverb „Es ist nicht alles Gold was glänzt“ mit einer glatten 4 quittiert, da ich zwar die seitenlange, wunderbar selbstausgedachte Odyssee eines am Ende enttäuschten Goldgräbers detailreich darlegte (er folgte tagelang und mühevoll einem Schimmern in der Dunkelheit, welches sich als reflektierendes Brillenglas herausstellte – potzblitz!), den eigentlich übertragend zu erfassenden Sinn dieses Sprichwortes damit jedoch leider nur allzu wörtlich genommen hatte.

Ähnlich erging es mir – und jetzt wird letztendlich mal vernünftig übertragen, liebe Frau Arnold! – mit Amouages Communitydurchschnitts-Strandhüttenklopper.
Nach der sich quälend lange hinziehenden, und dennoch neuerlich erfolgten Entdeckung meines eindeutigen Lieblingsvertreter dieses Dufthauses (siehe Kommentar zu „Honour Man“ – like, subscribe, lasst ein Abo da, Däumchen wär’n Träumchen, ab 20.000 Likes verschenke ich iPads und Hundewelpen*), gelang es mir, sämtliche Erwartungen für auch diesen, vergleichsweise mau bewerteten Kollegen vor dem olfaktorischen Testlauf in gesunder Mitte zu halten.

Vor allein auf den Namen zurückzuführenden evozierten Bildern konnte ich mich jedoch, wie so häufig schon, im Vorfeld nicht freimachen: Strand, Meer, Karibik, Südostasien, „Sommer, Sonne, Kaktus – playing featherball on the beach – blauer Himmel, gute Laune and a beautiful girl auf’m Schoß“ (H. Schneider, 2013).
Was nach dem Aufsprühen folgte, erfüllte jedoch nicht eine dieser Vorstellungen auch nur im Entferntesten. Nun gut, blauer Himmel und gute Laune geht hier definitiv trotzdem. Das beautiful girl sicherlich auch, nur war meine Herzdame zu dem Zeitpunkt gerade leider auf der Arbeit.
Aber: keine Aquatik, kein Salz, keine (Sonnen-)Creme, kein pazifischer Blütenkranz. Stattdessen saß ich frisch rasiert mitten in Europa, im flachen, grünen Norddeutschland – und der Duft passte absolut perfekt hierhin! Ich war ein wenig – vielleicht auch ein wenig sehr – verblüfft. Grünlich, gar leicht chlorophyllartig, dezent skandinavienholzig (lies: minimalst saunaharzig) mit einer wundervollen, markanten Würze. Dabei niemals zu schwer, niemals erschlagend – und dennoch dauerhaft präsent.
Zugegebenermaßen: Der Auftakt ist amouagesque harsch und gewöhnungsbedürftig – was nach rund zehn Minuten jedoch für Stunden (ja, vielleicht sogar Tage!) folgt, ist ein olfaktorischer Herrenfrisör oberster Güte. Und, im Vergleich zu seinen – zweifelsohne ebenso sehr gelungenen – zwei Schwesterdüften Bracken „Nelkenbomber“ Man und Sunshine Man durchaus das tragbarste und schönste Duftkunstwerk dieser Klasse.

Beach Hut Man ist ein wundervoller Duft mit wirrem Auftakt – und absolut katastrophal irreführender Namensgebung. Ein Misnomer in Reinform. Ich möchte den kreativen Köpfen dahinter keinesfalls zu nahe treten, werden sich schon etwas dabei gedacht haben, aber wie wäre es denn zum Beispiel gewesen mit … hm, ja … wie denn nun?!
Gar nicht mal so leicht, einen passenden Namen zu finden. Ich eröffne hiermit den Beach Hut-Ersatznamensfindungswettbewerb! Der Sieger bekommt ein Herz von mir auf die Pinnwand ;)

Feststehen tut für mich nach all den Jahren nun Folgendes:
Es ist nicht alles Strandhütte, was Beach Hut heißt – sondern vielmehr wunderbarster Schönwetterfougère mit Duschüberlebenspotenzial (beides in diesem Falle bitte so positiv auszulegen, wie nur möglich – danke)!
Gebt ihm Zeit – steht den harschen Auftakt durch … und ihr werdet (guten) Rat erhalten ;)

Vielen Dank für`s Lesen und für eure Zeit!

P.S.: Warum der Elefant Vorsicht heißt und warum er auf der netten Porzellandame steht, weiß ich leider auch nicht.

*Clickbait
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Nordique vor 65 Tagen 11
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
9
Flakon

Amouagegate, oder: Was stimmt denn nicht mit mir?!
Ich hatte sie bereits alle ...

... getestet.
Sämtliche Community- und Kritikerhomeruns der Herrenabteilung des Hauses Amouage durften bereits bei mir vorsprechen - zum Teil gar mehrfach, da sie alle zweifelsohne olfaktorische Topleute sind.

[Pathos an]
Dennoch konnte sich bisher keiner - ich wiederhole: KEINER - dieser Tausendsassa diesen einen Platz in meinem Duftherzen erkämpfen und zu dem einen werden ... dem EINEN Amouage, der mich vollkommen überzeugt und meine Nase und mich in den siebten Geruchshimmel katapultieren würde.
[Pathos aus]

Zugegebenermaßen - die Erwartungen waren zu jedem Male enorm, wenn über die Jahre verteilt vereinzelt Proben eben dieser Duftschwergewichte in meinem Postkarten landeten.

Jubilation – der Umjubelte, der Hochgelobte!

Reflection – der stilvolle Schönling!

Journey – wahrlich meisterhaft komponiert!

Interlude – oh, Herr, ich bin zu schwach!

Epic, Beloved, Dia, Sunshine, Bracken … ja, aber …

Aber. Immer – dieses – aber …

Don’t get me wrong - wie ich sagte: Jeder dieser Kandidaten durchaus ein kleines, mittelgroßes oder gar großes Meisterwerk für sich - aber keiner erschien mir geeignet für den Job, Nordiques Next Top Amouage (NNTA – demnächst im Privatfernsehen Ihrer Wahl) zu werden. Es war zum Mäusemelken.
Nun gut, Memoir und auch Lyric hatten ihre Termine bisher stets abgesagt - vielleicht machen wir aber ja demnächst auch noch Bekanntschaft.

Zu guter Letzt schlurfte dann vor ein paar Wochen jedoch ein verschüchterter, leicht geknickter Honour über die Türschwelle. Ein absolut durchschnittlicher Lebenslauf, Körperhaltung wie ein Oger - na klasse, das kann ja was werden, dachte ich mir.

Doch was der Gute dann auf’s geruchstechnische Parkett zauberte, hatte sich gewaschen. Im wahrsten Sinne des Wortes - ist er doch ein äußerst cleaner, leicht seifig-pudriger Geselle mit ordentlich gepfeffertem Auftakt. Letzterer ist sicherlich nicht allzu leicht zu verdauen, legt sich aber alsbald und verflüchtigt sich in einer Art Semi-Fougère, welcher sich für mich im Mittelteil insbesondere durch eine schöne Rosengeranie auszeichnet. Reminiszent in Richtung eines Brut oder weiteren fougèreartigen Saubermännern längst vergangen geglaubter Zeiten. Abgerundet durch eine prominente, demzufolge für mich hybrid klassisch-modern anmutende Moschus-Tonkabasis.
Ich war schlagartig und dann dauerhaft begeistert und konnte nicht aufhören, am Testarm zu schnüffeln.
Was solche “Duftflashes” angeht, so sind wir alle sicherlich stets auf der Jagd nach genau diesen Düften, die dies in uns auszulösen vermögen.
Das war mir schon sehr lange nicht passiert. Vielleicht kenne ich einfach schon zu viel, um die Frequenz eben solcher Sofortbegeisterungen konstant hoch halten zu können.

Doch was war passiert? Waren meine Erwartungen in diesem Falle einfach viel zu niedrig? Was stimmt nicht mit mir? Hat meine Nase einen Schaden? Kann es denn sein, dass dieser nominelle Duftschluffi mir wirklich so dermaßen gut gefällt? Oder - bin ich einfach langweilig? Nicht auszudenken, aber bei den hier und anderswo zu lesenden gängigen Meinungen zum Kandidaten leider auch wohl nicht völlig abwegig … oder?

„Bürotauglich“ - ja!
„Easy to wear“ - ja!
„Massentauglich“ - sicherlich!
„Eines Amouages nicht würdig“ - whops, einen Moment mal!
„Uninspiriert“ - hey, easy, Partner!
„Langweilig“ - HALT, STOP!!

Okay, okay, war nicht so gemeint, mag ja alles bis zu einem gewissen Grade zutreffen.
Für mich ist er dennoch eine der schönsten und absolut unverhofften Duftentdeckungen der jüngeren Zeit.

Und wenn mich meine neu gewonnene Affinität zu diesem Gesellen zu all dem macht, was ihm nachgesagt wird ... dann bin ich das gerne. Der wohl langweiligste Amouageträger dieses Universums - aber das steht mir verdammt gut, wie ich finde ;)
Vielleicht ist es mit Düften ja ein wenig, wie mit Hunden – an Herrchen und Frauchen erkennt man’s Wauwauchen [sic!] … oder sowas in die Richtung.

Ich bedanke mich für’s Lesen!
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Nordique vor 11 Monaten 13
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
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7
Flakon

Vom Vintage verweht
So betitelte Diggi-Dendemüller schon 2010 die musikalische Ausgestaltung seines zweiten Studioalbums. Und so oder so ähnlich findet sich dieser Titel unter Garantie bereits über zahlreichen Parfumkommentaren, -blogs und –statements dieser wunderbaren Community, diesem Spielplatz für diejenigen Menschen, bei denen der zweite Sinn in jungen Jahren beim imaginären Wurstwarenfachverkäufer eine ganz besonders große Scheibe extra auf die Nasenhand bekommen hat (an alle jungen Muttis und Vatis da draußen: Wird sowas heute noch gemacht? Scheibe extra an der Theke für die Kleinen? Oder ist das auch schon Vintage? Oh, to be young(er) again …)

Was die obige, unterstellte Tatsache (ich habe im Zuge meiner Recherche bisher lediglich einen Bruchteil aller hier verfügbaren Kommentare, Blogs und Statements auswerten können – und dann irgendwann einfach aufgegeben) über die Popularität des Wortakrobaten mit der Reibeisenstimme und seines musikalischen Schaffens bei überdurchschnittlich aktiven Duftaficionados aussagt, das weiß ich leider nicht. Vielmehr attribuiere ich einfach mal die Beliebtheit dieses Titels auf seinen Witz und Eingänglichkeit … und natürlich auf seine intertextuelle Hommage an Clark Gable und Co. – ist doch klar, ist doch Vintage!

Eine Sache, die mich meine bisherige Zeit bei Parfumo nämlich gelehrt hat, ist die Unterscheidung von Vintage und Retro. Glaubt man einem bestimmten Minnesangsquintett aus Karl-Marx-Stadt, eine essenzielle Fähigkeit, wenn man im kontemporären urbanen Dschungel aus Hipstern und Digitalnomaden bestehen möchte. Kurzes, reißerisches PR-Statement für die Klicks: Ich mag Berlin. Hamburg aber noch viel, viel (viel!) lieber.

Bis vor ein paar Monaten, das gebe ich zu, habe ich sowohl Batch-Diskussionen (in ihren absurdesten Auswucherungen, wohlgemerkt!), als auch Vintage-Talk (nicht den Puder – und erst recht nicht das Fett) auf dieser Plattform ein wenig belächelt. Bei ersterem ist das zum Teil noch immer der Fall – während letzterer mich unerwartet eindrucksvoll eines Besseren belehrte.

So kam es, wie so oft, zu einem Probentausch zwischen einem weiteren Parfumo-Mitglied und meiner Wenigkeit. Unverhofft, und so ist es doch eigentlich immer bei den RICHTIG tollen Duftentdeckungen, haute mich die Probe eines Duftes so dermaßen aus den olfaktorischen Socken, dass ich meine Begeisterung dem edlen Tauscher umgehend mitteilen musste – in der Hoffnung, er könne mir die Bedenken ob der allgemeinen Verfügbarkeit dieser Kreation nehmen. Denn es handelte sich – na, erraten? – um eine VINTAGE-Probe. Von Davidoffs „Zino“, um genau zu sein.
Ein Duft, den es im untersten Drogerieregal mittlerweile für den viel zitierten Appel un‘ Ei gibt. Ein Duft, den ich stets mit Herren väterlichen, gar großväterlichen Stereotypes assoziierte.

Und nun das. Ich bin nicht (mehr) leicht zu beeindrucken, was neue (!) Dufterfahrungen angeht. Und ich muss zugeben, dass mir viele Herrenkreationen der Achtziger und Siebziger nicht sonderlich zusagen (grün-wald-frisch-puder links, rechts und mit’m Stock auch noch mal!) Aber dieser hier? Von 1986? Da war ich noch nicht einmal geboren, der HSV gewann noch Titel und Chemnitz hieß noch Karl-Marx-Stadt. Und war auch damals sicherlich nicht ganz so hip wie Berlin (kontrovers once again, ich weiß).

So kam es nun, dass der edle Parfumo-Tauscher und noch dazu, ein Glück, ausgewiesener Zino-Kenner mir dringend davon abriet, der in der Drogerie ganz unten zu findenden Version des Wässerchens auch nur einen einzigen Funken meiner Begeisterung zukommen zu lassen. Ich solle es einfach mal parallel testen – Zino gegen Vintage-Zino. Immer noch von einer gewissen Vintage-Skepsis getragen, hoffte ich beinahe darauf, dass mir die im Drogeriegeschäft verfügbare Version ebenso zusagen würde, wie die ertauschte Probe.

Relativ siegessicher schritt ich zum Test.

Pustekuchen. Ohne Talk. Aber mit ordentlich Zucker.
Die aktuelle Version könnte man höchstens als retro bezeichnen. Aber Vintage – das … ja, das ist noch einmal etwas ganz anderes. Vollmundiger, ausdauernder, feiner. Von Blässe keine Spur.

Das Sparschwein verlor in Windeseile sämtliche Kontur – und ich kann mich, auch wieder Dank eines weiteren Parfumos, mittlerweile als stolzer Besitzer eines VINTAGE-Flakons identifizieren.

Tja. Und spätestens jetzt ist es höchste Zeit, sich einzugestehen, was eingestanden werden muss: Einer der für mich absolut schönsten und, wer hätte das gedacht, zeitlosesten (!) Düfte, die ich kenne – seit über dreißig Jahren auf der Flucht vor mir. Endlich habe ich ihn eingeholt.
Und ich bin zurzeit weder Vater, noch Großvater. Kann ja alles noch kommen – mit Davidoffs Achtzigerjahrezugpferd fühle ich mich, zumindest olfaktorisch, bestens vorbereitet ;)

Aber – versteht sich – NUR in der Vintage-Version! Bleib mir wech mit retro, Davidoff!

Ich bedanke mich für’s Lesen, liebe Community!
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Nordique vor 2 Jahren 31
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Manni
Manni ist unser Schornsteinfeger. Was sage ich da - nicht nur unser Schornsteinfeger! Er kümmert sich um die Kamine und Heizungen unseres gesamten Ortsteils.

Es ist Mitte der 90er-Jahre und ich habe in meiner kindlichen Naivität noch nicht die blasseste Vorahnung, dass Manni und seinen, zumindest in meiner romantisierten Vorstellung schwarz gekleideten, zylindertragenden und mit Ruß verschmierten Kollegen rund zwanzig Jahre später ihre berufliche Monopolstellung streitig gemacht werden wird. Geschweige denn wusste ich, was das Wort Monopolstellung überhaupt bedeutete. Ich muss noch weiter gehen – ich hatte es vermutlich noch nicht einmal je gehört.

Schwarz gekleidet, zylindertragend und mit Ruß verschmiert war Manni eigentlich auch nie. Aber der freundlich lächelnde Comicschornsteinfeger auf Mannis weißem Fiat Ducato – der war es!
Manni ist ein recht kleiner Mann. Leicht untersetzt, beginnende Tonsur auf dem Kopf und einen ordentlichen Schnauzer unter der Nase. Bei uns in der Nachbarschaft kennt ihn natürlich jeder – und jeder ruft ihn bei seinem Spitznamen „Schorni“.
Der ordentliche Schnauzer lässt ihn oft grimmig erscheinen, aber er ist ein unheimlich freundlicher, abgeklärter Kerl, der niemals auch nur eine Spur Hektik aufkommen lässt. Nach jedem Besuch in seiner Funktion als Heizfachmann lässt er eine kleine, schwarze Schornsteinfegerplastikfigur da – sie sieht lustig aus und, viel wichtiger, sie bringt Glück!

Manni hat für mich persönlich noch eine weitere ganz wichtige Rolle: Er ist der Vater meines besten Freundes. Jeden Nachmittag nach der Schule bin ich bei „Schornis“ und sehe mit meinem Freund fern. Manni läuft ab und an durchs Wohnzimmer – und zieht stets einen Duftschweif mit sich.

Die Jahre gingen ins Land, doch der Duftschweif hat sich in der hintersten Ecke meines olfaktorischen Gedächtnisses festgebrannt.

Mittlerweile haben wir es 2018. Manni hat vor ein paar Jahren gerade rechtzeitig vor der Monopolkippung seines Berufes den wohlverdienten Ruhestand antreten können. Mehrere Dekaden im Dienste unserer Nachbarschaft – damit wir es im Winter auch immer gut warm haben.

Vor einigen Wochen stand ich links neben Mannis Sohn, meinem besten Kindheitsfreund. Rechts neben ihm eine wunderschöne, ganz in weiß gekleidete Frau mit Tränen in den Augen – sie halten sich an den Händen. Vor ihnen der Traualtar.
Ich war wesentlich weniger nervös als die Beiden. Meinen einzigen Job als Trauzeuge hielt ich in Form der Ringschachtel in den Händen – ganz abgeklärt und ohne jedwede Hektik.

Ich drehte mich um, und erblickte einen recht kleinen, leicht untersetzten Mann mit recht wenigen grauen Haaren und einem dünnen Schnauzer unter der Nase in der ersten Kirchenbank stehend. Er schaute freundlich drein, gar etwas gerührt.

Vor der Kirche, untermalt vom Glockenläuten umarmte ich den Bräutigamsvater beim gratulierenden Händedruck. Mir schoss ein nur allzu vertrauter Duft in die Nasenhöhlen.

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Epilog: Ich bezweifle stark, dass es sich Mitte der Neunziger bereits um einen Duro-Prototypen gehandelt hat. Sollte jemand eine Idee haben, um welchen, in den 90er-Jahren beliebten Duro-Duftzwilling es sich handeln könnte, lasst es mich gerne wissen. Die Ähnlichkeit zum Nasomatto ist jedenfalls – so konnte ich es erst vor wenigen Wochen wieder wahrnehmen und momentan durch einen Test des Duro bestätigen – frappierend.

Ich kann mir beim besten Willen keinen besseren Träger für diesen Duft denken, als den Manni der 90er-Jahre – und den Manni der Gegenwart.
Knarzig-holzig, dennoch hell, gepflegt und zeitweise gar an Urlaub in der Schwedenhütte erinnernd. Schlussendlich doch eine kleine Spur Ruß dabei? Ja, doch, irgendwie schon.
Ein sehr erwachsener, sehr männlicher Duft – und dennoch bedeutet er für mich persönlich vor allem eines: Kindheit – und das, was daraus erwachsen ist.
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Nordique vor 2 Jahren 11
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Saltimbocca alla Fordana, oder: Der Mückenfänger von Los Angeles, CA
Dafür, dass ich IMMER NOCH (!) nicht einen einzigen Tom Ford-Flakon in meiner Sammlung wissen darf, beschäftige ich mich doch überdurchschnittlich oft mit seinen größtenteils mir ganz hervorragend gefallenden Duftkreationen.

Nun stand, dank der lieben Parfuma Pepper81, also ein kleines Röhrchen mit ein paar Tropfen vom hitzig diskutierten „Fucking Fabulous“ vor mir. Eine Kreation, die im Vorfeld des Releases bei der einen Hälfte der Weltbevölkerung für Schnappatmung und schwitzige Hände, bei der anderen, ob der Limitierung, des frechen Preises und der Dämlichkeit des Namens, Gefühle des Hasses und der Vergeltung anschwellen lies.

Gut, schaunmermal. So langweilig sich die Duftnoten lasen, so sehr, und da möchte ich mich nicht verstecken, sprachen sie mich aber auch an. Ich bin ein äußerst einfach gestrickter Mensch – und das überträgt sich, oftmals nicht nur zum Leidwesen meinerseits, sondern auch zu dem meines näheren Umfeldes, auch auf viele Lebensbereiche.

So saß ich vor ein paar Monaten mal wieder bei einem meiner Lieblingsitaliener. An den Tisch serviert bekam ich – wie schon viel zu oft zuvor – einen einfach gestrickten Klassiker der italienischen Küche: Saltimbocca alla romana. So einfach, so genial – und an diesem Abend begleitet von einem, so gefühlt, kompletten Berghang Salbei. Das grenzte schon fast an rosafarbenen Schweizer Kräuterzucker. Zuviel des Guten – ich vermutete eine Erkältung des Küchenchefs dahinter und tröstete mich mit dem Gedanken, dass es ihm nach dieser Würzung jetzt bestimmt schon viel besser ging.

Vor etlichen Jahren schon, ich war so um die 16 Jahre alt, saß ich auf einem Einzelbett in einer von Nonnen geführten Hotelanlage in der Toskana. Abschlussfahrt 10. Klasse. Die Sonne war bereits untergegangen, die allabendliche Ausgangssperre verhängt. Im Nebenzimmer bölkten Daddy Yankee und Craig David aus den Boxen und das allemal vorzügliche Abendessen der Klosterfrauen wurde durch Wodka katalysiert unter die Betten gespeit. Das klang nach Spaß, das war bestimmt echt cool. Aber ich war da einfacher gestrickt. Mein Zimmerkollege und ich berieten darüber, wie wir es schaffen könnten, gleichzeitig das Licht im Zimmer eingeschaltet zu lassen und die Mücken durch das gekippte Fenster draußen zu halten. Ihn überkam die geniale Idee, die gesamte Sprühflasche eines beliebten gelb-rot verpackten Anti-Mückensprays auf den Fensterrahmen und die Jalousien zu sprühen. Mir wurde schwummrig – es stank. Aber irgendwie war das auch trotzdem ganz ... geil?!

Was haben diese beiden Episoden nun mit dem neuesten Ford’schen Kontroversitätsoutput zu tun? Ganz „einfach“ – ich finde beide beschriebenen Geschmacks- bzw. Geruchseindrücke sowas von wieder, wenn ich mit der Nase über meinen verdammt fabulös eingeseiften Unterarm fahre. Dass das ziemlich daneben und auch nicht besonders reizvoll klingt, ist mir bewusst – sind es doch keine besonders schönen olfaktorischen Erlebnisse gewesen.

Und dennoch – diese jetzt vorliegende Duftkomposition übt eine ganz besondere Anziehungskraft auf mich aus.
Klar, das Saltimbocca aus Los Angeles kommt selbstverständlich vegan daher. Da ist nichts fleischiges, nichts animalisches, nichts verbranntes dran – alles aus eiweißhaltigem Ersatzprodukt gewonnen. Soja. Soja-Mandel. Mandel-Seitan-Milch-Creme-Mousse. Okay, Seitan muss da raus, das stimmt nicht.
Und auch das, meiner Meinung nach eher helle, Leder hat einen leicht künstlichen Einschlag.
Was aber auf meiner Haut wirklich sehr lange wahrnehmbar ist, ist der Salbei. Würde mir jemand einen Duft mit einer dominanten Salbeinote andrehen wollen, ich würde wahrscheinlich dankend ablehnen, so gerne ich ihn auch esse/rieche.

Jetzt haben wir allerdings den (Salbei-)Salat!
Denn: „Fucking Fabulous“ gefällt mir ausgesprochen gut. Ich habe beim Testen meine Nase nicht mehr vom Arm wegbekommen, musste immer wieder nachschnüffeln. Das helle Leder ist zu Anfang dominant, später kommt dann der Salbei – und der bleibt bei mir. Wirklich prominent und lange. Das Ganze wird durchweg eingehüllt von Tonka – zu Anfang etwas schwächer, später dann etwas intensiver.
Im Gesamteindruck empfinde ich den Duft als warm, glatt, süßlich, weich – schmeichelnd und irgendwie so einfach, aber genial gestrickt. Ich könnte ihn mir gut in den kühleren Jahreszeiten vorstellen. Aber auch einen lauen Sommerabend traue ich ihm zu – im toskanischen Mückenzimmer sitzend.
Wie gesagt – er entwickelt eine für mich merkwürdige Anziehungskraft, die ich nur schwerlich zu erklären vermag. Er löste bei mir das ein oder andere Mal ein Augenrollen aus – eines, welches bei mir sonst nur vorkommt, wenn mich ein Duft absolut aus den Socken haut. Und das passiert wirklich selten.

Abschließend ärgere ich mich fast ein bisschen, ihn getestet zu haben. Ich hatte irgendwie dann doch nicht damit gerechnet, dass er mir so gut gefällt und somit eine beträchtliche Gefahr für meinen Geldbeutel darstellt. Der ist nämlich, bedauerlicherweise, analog zu seinem Träger: Recht einfach gestrickt.
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