PBregovichPBregovichs Parfumkommentare

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PBregovich vor 84 Tagen 11
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Osterfest in Quarantäne
In diesen Tagen der Selbstisolation verbringe ich viel Zeit mit Sachen, für die ich sonst durch meine Arbeit oder mein Sozialleben keine Zeit hätte. Unter anderem auch das Verfassen von Statements und Kommentaren.

Zu diesem Duft wollte ich eigentlich nur ein kleines Statement verfassen, aber der Duft hat meine Gedanken angesprochen und Erinnerungen geweckt.

Das wichtigste vorweg: Duft riecht nach trockenem Weihrauch, etwas rauchig und wird im Drydown eher ledrig. Haltbarkeit ist bei mir sehr gut, Sillage mittel bis gut.

Wie manche von euch vielleicht wissen, bin ich zur Hälfte mazedonisch. Die Familie meiner Mutter lebt in der Hauptstadt Skopje und normalerweise verbringe ich jedes Jahr die Osterferien dort. Obwohl das Osterfest zwar sehr oft nicht auf denselben Tag fällt, ist es für mich die beste Zeit meine Familie dort zu besuchen. Meine Mutter kommt auch immer, da sie im April Geburtstag hat und an früher an die Schulferien meines Bruders gebunden war. Im Sommer ist es ihr dort zu heiß und im Winter verbringen meine Eltern Zeit mit der Familie meines Vaters.
Für mich war im Studium Ostern auch die beste Zeit für Skopje. Im Sommer muss ich immer ans Meer, sonst werde ich verrückt. Im Winter besuche ich dann auch oft meine Familie väterlicherseits.

Meine Familie in Skopje ist groß, gastfreundlich und lustig drauf. Immer wenn ich sie besuche, versuchen sie uns so sehr wie möglich zu verwöhnen, obwohl sie eigentlich begrenzte Mittel haben. Wer Familie vom Balkan hat weiß genau wie das ist: Die Oma kocht viel zu viel, du isst so viel wie möglich, da das Essen auch sehr gut ist, aber im Endeffekt wirft sie dir immer vor, nicht genug gegessen zu haben. Sie nimmt es dann immer so persönlich. "Mein Essen hat dir nicht geschmeckt, wieso sonst würdest du nicht noch mehr essen!". Aber genug davon.

Was auch immer auf dem Plan steht, sofern wir die Möglichkeit haben das orthodoxe Osterfest zu erwischen, ist ein Besuch in meiner Lieblingskirche. Neben Skopje steht ein Berg, namens Vodno. Wenn man von der Stadt aus hinauffährt, kann man irgendwann recht weit oben abbiegen und eine kleine Kirche finden, die eher abseits liegt. Die große Stadtkirche meiden wir eher, da sie zum Osterfest viel zu überfüllt ist. Die Messe zu Ostern findet um Mitternacht statt und dauert recht lange. Dieser Duft verkörpert für mich diese Messe. Der trockene Weihrauch, der fast den Raum erstickt, viel zu wenig Sauerstoff, da hunderte Kerzen angezündet sind. Die Messe dauert stundenlang, ältere Frauen fallen in Ohnmacht und werden vor die Kirche gebracht, um Luft zu holen und dann wieder die Messe zu betreten. Eigentlich alles ein bisschen verrückt, aber dennoch Tradition und ich würde es nicht anders haben wollen.

Der Weihrauch in diesem Duft ist sehr authentisch. Er erinnert mich eins zu eins an den Kirchenweihrauch in orthodoxen Kirchen, ganz besonders bei der Ostermesse. Das leicht rauchige passt auch hervorragend. Ich weiß, für viele Leute ist dies ein abstoßender Geruch, aber für mich ist es eine Erinnerung.

Umso mehr bedrückt es mich, dass ich dieses Jahr nicht bei meiner Familie sein kann. Der Duft bringt mich ihnen ein wenig näher. Und trotzdem ist ein Osterfest mit nur zwei Personen für mich sehr traurig, da ich sonst große Feste mit der ganzen Familie gewohnt bin.

Ich weiß, dass ich in diesem Kommentar zu 10% den Duft beschrieben habe und zu 90% meinem Herzen freien Lauf gelassen habe, aber das werdet ihr mir verzeihen.

Ich wünsche euch allen viel Gesundheit und alles Gute in diesen merkwürdigen Zeiten. Solltet ihr christlichen Glaubens sein, wünsche ich euch überdies noch ein schönes Osterfest!
5 Antworten

PBregovich vor 87 Tagen 20
6
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage

L'Homme Oubliable
2006 kam das originale L'Homme von Yves Saint Laurent auf den Markt und ist neben La Nuit de l'Homme sicher einer der Verkaufsschlager aus dem Hause. Ob er reformuliert worden ist oder nicht kann ich nicht nachvollziehen, jedoch trägt ihn ein sehr guter Freund von mir seit Jahren und ich kann den Duft immer erkennen. Er ist zurückhaltend, aber sehr angenehm und doch mit Erkennungswert.

Über die Jahre hinweg hat YSL sich durch ein fast absurdes Ausmaß an Flankern zu beiden oben genannten Düften ausgezeichnet. Überschlagen haben sie sich damit. So kommt nach dem Le Parfum zu La Nuit de l'Homme nun auch ein Le Parfum zum Klassiker L'Homme.

Ich habe ca. 2010 La Nuit EdT und EdP in meiner Kollektion gehabt und muss sagen, dass es zu der Zeit die besten und komplexesten Düfte aus meiner Sammlung waren. Ich war natürlich noch ganz am Anfang, hatte sonst nur noch Boss Bottled Night und ein paar Cheapies in der Sammlung, aber diese beiden Düfte waren für mich himmlisch. YSL war für mich die Spitze.

Inzwischen muss ich mit bedauern feststellen, dass YSL nicht mehr meinen Geschmack trifft. Vielleicht liegt es daran, dass ich allmählich aus ihrer Zielgruppe herauswachse, enttäuschen tut es mich dennoch. Genau wie dieser Flanker hier, der meine Behauptung noch mehr unterstreicht.

Der erste Sprüher dieses Flankers beginnt mit was hier als Ozon genannt wird und für mich einfach die klassische Frische eines Aquaten verkörpert. Jedoch ist L'Homme Le Parfum definitiv kein Aquat. Er geht vielmehr in die Richtung von Düften wie Y aus dem selben Hause oder Acqua di Giò Absolu von Armani und ist somit eine der zahlreichen Weiterentwicklungen des berühmt berüchtigten Invictus von Paco Rabanne. Mir ist bewusst, dass die Duft-DNA derzeit recht beliebt ist, jedoch trifft sie nicht meinen Geschmack. Die Kopfnote ist insgesamt ein wenig überfordernd. Beim ersten Riechen habe ich sogar leichte Kopfschmerzen bekommen. Er startet sehr frisch und hat dennoch auch eine überwältigende Süße. Kardamom kann ich herausriechen (hier in eher süßlicher Ausführung), die Zitrone jedoch ist im Handumdrehen wieder verschwunden.

Dieser süß-frische Mix driftet dann recht schnell in die Rosengeranie ab, die mehr oder weniger den Mittelpunkt dieses Duftes ausmacht. Die Geranie hier hat keine Pfeffrigkeit, die man manchmal herausriechen kann, sondern geht eher in die rosige Richtung. Das vermischt sich mit dem süß-frischen Duftgemisch, was weiterhin bestehen bleibt und verleiht ihm einen zusätzlich blumigen Charakter. Die Sillage ist hier bereits etwas am absterben.

Gegen Ende hin wird alles recht unspektakulär, da der Duft nur noch ein wenig holziger wird und somit in einem holzig-frischen Mix mit ein wenig Süße ausklingt. Die Haltbarkeit ist ganz in Ordnung, jedoch finde ich die Sillage wirklich sehr schwach.

Der Duft ist wahrscheinlich ein Immergeher, jedoch sehe ich ihn eher während der Freizeit im sonnigen Park (ich muss raus aus diesem Haus), als in der Arbeit. Den Wiedererkennungswert auf einer Skala von 0 bis 10 bewerte ich mit 0, da ich ihn nicht von anderen Freshies, wie denen die ich oben angeführt habe, unterscheiden könnte. Besonders das finde ich sehr schade, da damals gegen 2010 die La Nuit Düfte besonders durch ihren Wiedererkennungswert gekennzeichnet waren. Der normale L'Homme, den mein Kumpel trägt, übrigens auch.

Das ist wahrscheinlich das perfekte Geschenk für euren jungen Neffen, dessen Interessen und Vorlieben ihr null kennt und der sich sicher darüber freuen wird. Für die Parfumohasen, die bereits mehrere Düfte unter die Nase gekriegt haben, wird dieser Duft entweder eine Enttäuschung sein oder schlicht wieder vergessen werden.

Um es in den Worten der Poetin Ariana Grande auszudrücken: Thank U, Next.
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PBregovich vor 91 Tagen 5
7
Duft
5
Haltbarkeit
4
Sillage

Caspar David Friedrich
Der erste Sprüher. Eine Welle, die in mein Gesicht klatscht erweckt mich aus meiner morgendlichen Trance, die sonst eher nach Kaffee riecht. Puha, Salz, viel Salz. Wach bin ich jetzt auf jeden Fall.

Nach dem anfänglichen Schock gewöhne ich mich allmählich an den Geruch. Der Name passt vorzüglich, da der Albatross ein Seevogel ist, der entweder durch die stürmischen Winde der See fliegt oder sich von den Wellen wiegen lässt. Die Diät dieses Vogels besteht hauptsächlich aus Meerestieren, unter anderem Tintenfischen, Sardinen, Quallen und anderen glitschigen Seebewohnern.

Da passt der Duft natürlich vortrefflich. Man hat das Gefühl, dass man selber auf einer Klippe über dem Meer Ausschau nach Beute hält. Der Duft ist nicht laut, ein echter Jäger ist dies ja auch nicht. Der Duft ist sehr ruhig, er bringt keine der einzelnen Noten so richtig hervor. Umso mehr das, was hier als 'maritimer Akkord' beschrieben wird. Wie in einem Gemälde von Caspar David Friedrich steht der Albatross auf diesem Felsen, Blick Richtung See. Er ist Eins mit ihr geworden und meditiert nun, zum Teil Sturm, zum Teil See und zum Teil... Vogel. Ja, der Duft hat auch etwas dreckiges. Dieses dreckige, wahrscheinlich eher das 'Treibholz' als die Ausscheidungen des Vogels, verstärkt sich im Verlauf des Duftes und löst den salzigen Start recht schnell ab. Außerdem hat er einen insgesamt sehr mineralischen Geruch, ähnlich wie Tom Fords "Oud Minérale". Ich kann insgesamt viele Parallelen zwischen Beiden Düften feststellen.

Der Duft ist insgesamt sehr künstlerisch. Ich sage nicht, dass ich ihn nie tragen würde, jedoch gibt es auch nicht so viele Anlässe, die mir auf Anhieb einfallen. Ich bin nicht gegen die Duftrichtung, da ich letzten Sommer das oben bereits genannte "Oud Minérale" sehr gerne getragen habe. Aber dieser Duft ist auch von der Performance her etwas schwach unterwegs. Schnell wird aus der aufbrausenden Welle, die mir die Kaffeetasse aus der Hand geschlagen hat ein immer leiser werdendes Wellenrauschen, als würde ich mit Rücken gen See gedreht geradeaus laufen und versuchen diese Erinnerungen hinter mir zu lassen.

Ein interessanter Duft, ein Kunstwerk, ja, jedoch werde ich nach diesem Test auch andere Ufer aufsuchen.
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PBregovich vor 101 Tagen 12
10
Duft

Abschluss
Sehr lange habe ich eine Abfüllung dieses Duftes in meiner Sammlung. Seit des ersten Auftragens fand ich diesen Duft außerordentlich. Er riecht für mich wie kein anderer. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich so etwas noch nie gerochen.

Ich gebe zu, dass ich mich inzwischen ein wenig mehr in die Nische hereingetestet habe und auch etwas forderndere Kreationen gerochen habe. Jedoch bedeutet die Tatsache, dass ein Duft außerordentlich tragbar und massentauglich ist nicht, dass er nicht außergewöhnlich ist.

Der Duft an sich ist nicht sehr leicht zu beschreiben. Insgesamt würde ich sagen ist der Dufttyp hauptsächlich floral mit einem stark wahrnehmbaren orientalen Touch. Was für mich besonder hervorsticht sind das Sandelholz, welches den Duft leicht cremig herüberkommen lässt. Was ich auch meine wahrzunehmen ist das "Bitterorangenblatt". Ich weiß zwar nicht wie diese Blätter riechen sollen und ob sie überhaupt etwas mit der Orangenblüte zu tun haben, jedoch meine ich hier gewisse Parallelen zu der dominanten Duftnote in Maison Francis Kurkdjians APOM herausriechen zu können. Neroli empfinde ich auch, das gibt dem Duft einen sehr leichten zitrischen Twist. Die Iris schwingt eher im Hintergrund mit und unterstreicht das cremige Duftprofil mit einer leichten Pudrigkeit.

Die Vergleiche zu Le Mâle von Jean Paul Gaultier kann ich auch irgendwo nachvollziehen. Das liegt wahrscheinlich an der Sandelholzbasis in Kombination mit einer gewissen Süße. Genau kann ich es jedoch nicht sagen, dafür ist meine Nase nicht geschult genug. Was ich sagen kann, ist dass es sich hier nicht um Duftzwillinge handelt. Auch sonstige Geschwister sind die Düfte nicht. Sie sind miteinander verwandt, aber etwas entfernter.

Und dennoch ist der Duft einzigartig. Er hat eine Aura, die ich so noch nie gerochen habe. Er ist elegant, er ist ruhig und sehr tief. Er gibt mir Selbstbewusstsein und er macht einen extrem sauberen Eindruck. Dieser Duft ist nichts für den Sonntag auf der Couch im Hoodie. Das ist ein Duft für das gebügelte Hemd, strahlend weiß wie das Lächeln beim Betreten des Raumes. Der Duft für den Anzug, für die Krawatte, für die Outfits die ein wenig besonderer oder formeller sind als die Freizeitkleidung.

Ich habe den Duft zuletzt zu meiner Studienabschlussprüfung getragen. Ich war extrem nervös, weil ich unendlich viel Material vorzubereiten hatte, obwohl ich ja eigentlich bereits eine Diplomarbeit verfasst hatte. Ich war total verunsichert, wusste nicht wie sehr ins Detail die Prüfenden prüfen werden. Außerdem war die Prüfung aufgrund meiner Fächerkombination in zwei Sprachen, keine davon meine Muttersprache - das verunsicherte mich noch mehr. Reflection Man jedoch fungierte als Anker und gab mir das Selbstbewusstsein und die Sicherheit das Ding durchzuziehen. Der Erfolg meiner Prüfung lag sicher nicht nur und auch nicht hauptsächlich am Duft, sondern eher an meinen Vorkenntnissen und meiner Vorbereitung. Dennoch bin ich froh diesen Duft gewählt zu haben, da er mir rein psychologisch die Kraft zur Selbstkontrolle gegeben hat und zu meiner gesamten Ruhe beigetragen hat.

Es handelt sich hierbei um einen einzigartigen Duft, der mit Sicherheit innerhalb der nächsten paar Monate in meine Sammlung einziehen darf. Ein Meisterstück.

Danke fürs Lesen und bleibt weiterhin gesund,
euer Mag. PBregovich
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PBregovich vor 178 Tagen 15
6
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage

Aventuspolizei
Halt, stehenbleiben! Darf ich mal kurz ihre Papiere sehen? Aha, schau mal einer an. Warten sie mal kurz. *ruft in der Landescreeddirektion an* Ja, genau wie ich mir schon gedacht habe. Das hat mit Aventus nichts zu tun!
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Inzwischen bin ich seit Juni 2017 auf Parfumo unterwegs. Einer der ersten Parfumnamen, der einem über den Weg kommt ist natürlich Aventus. Der edle und umstrittene Reiter aus dem Hause Creed, der je nach Batch seine Gestalt wandelt, aber unverkennbar nach Frucht (etwa Richtung Ananas), Rauch und einer Prise Leder riecht. Wie es bei wahrscheinlich vielen hier gelaufen ist, wollte ich Anfangs nicht zu viel Geld für Düfte ausgeben. Abfüllungen wurden gekauft, an Sharings teilgenommen, in den Parfümerien Wiens Probe geschnüffelt. Begonnen habe ich mit den angeblichen Klonen des Reiters, unter anderem CNDIM, Vibrant Leather und hier nicht gelisteten Ripoffs.

Letzten Endes habe ich mir auch eine Abfüllung von Aventus bestellt. Ich habe gesehen inwiefern die Duftzwillinge das Original großteils treffend nachahmen und habe auch gesehen, wo die großen Unterschiede liegen. CDNIM ist rauchiger, der von Vebellé ist fruchtiger, alles recht ähnlich aber nie genau so wie das Original. Ich habe es aufgegeben die perfekte Kopie zu finden und werde in Zukunft nur noch zum Original greifen.

Dennoch ist die Suche nach dem perfekten Zwilling eine sehr spannende Reise. Man lernt viele Düfte kennen, manche von ihnen haben sogar einen eigenen Charakter und daher Daseinsberechtigung, wie z.B. der Explorer von Montblanc. Deswegen juckte es mir unter den Fingern, als ein netter Parfumo hier ein Sharing zu Cedrat Boise veranstaltete. Da musste ich doch mitmachen, einfach mal um zu schauen wie der riecht, da er ja wirklich oft als Alternative genannt wird.

Angekommen, aufgesprüht... was? Da muss die Aventuspolizei doch erstmal was klarstellen - Frucht, ja, Rauch, ja. Aber nicht wie Aventus. Und zwar ganz und gar nicht. Die Frucht geht wenn dann eher in die Richtung Johannisbeere, wie man sie auch bei Pierre Guillaumes Aqaysos riechen kann. Rauch ist da auch, aber nicht wie bei Aventus. Schwächer, zumindest schwächer als bei CDNIM auf jeden Fall. Und Leder ist da auch. Und zwar ganz, ganz viel davon. Der Duft riecht sehr eigen, nicht schlecht, aber sicher nicht wie Aventus. Ein fruchtiger, ledriger Duft, der sicher gut in den Alltag passt, dadurch dass er auch nicht zu überwältigend in seiner Performance ist.

Aber Aventus? Eher nicht.
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