PBregovichPBregovichs Parfumkommentare

11 - 15 von 32
PBregovich vor 1 Jahr 14

Indiana Jones und der Unterschied zwischen "vintage" und "retro"
vintage (adj.) - (von Alltagsgegenständen, Kleidung u. Ä.) älter [und gebraucht], aber wieder in Mode
retro (adj.) - Elemente früherer Stilrichtungen in Musik, Design o. Ä. nachahmend

Wie einige hier auf Parfumo vielleicht bereits wissen gehöre ich zu den Glücklichen, die das originale EdT La Nuit de l'Homme besitzen durften und in dessen Bann gezogen worden sind. Es handelte sich hier um eine Kardamom-lastigere und dunklere Version des heutigen EdT, die durchaus mehr Potenz aufweisen konnte.

Nach den ersten paar Meldungen, dass es sich bei dem neuen Eau de Parfum (weder das Le Parfum, noch das L'Intense) um eine erneute Lancierung des magischen Ur-Elixirs handeln solle, nahm ich sofort an einem Sharing teil (danke Bajki) und erwartete die Duftpost voller Vorfreude.

Ihr wisst ja inzwischen vielleicht schon wie es mit dem Dufthype ist. Mit den angeblichen Duftzwillingen und der besseren Power des neuen Batch. Seien wir mal ganz ehrlich: Nur selten wird dies auch stimmen. Oder seien wir etwas konkreter: Nur selten werden diese Übereinstimmungen bei 100% liegen. Denn für manch Parfumo ist auch bereits eine geringe Ähnlichkeit eine Ähnlichkeit. Sind die Duftzwillinge hier eineiig oder zweieiig? Das ist eine Frage der subjektiven Definition.

Nun zum Eau de Parfum aus der La Nuit de l'Homme Reihe selber. Wie viele bereits erwähnt haben, geschieht da innerhalb kurzer Zeit sehr viel, was den Duft anfangs ein wenig anstrengend macht. Ja, er startet sehr fruchtig. Jedoch ist diese Kombination aus Frucht und Leder so potent, dass es sich hier eher um überreife Früchte handelt. Eine recht starke Süße ist ja bei YSL Parfüms nichts neues. Lavendel ist natürlich immer noch im Spiel, sonst wäre es ja schon kein La Nuit mehr (die Ironie, ich weiß). Was nun aber ganz stark mitspielt und für meine Nase nicht zu ignorieren ist, ist das Leder. Steht hier nicht bei den Ingredienzen, bei Fragrantica schon, manche haben es angesprochen, für mich ist es präsent.

Am Anfang meiner "Parfumokarriere" konnte ich mit Lederdüften nichts anfangen. Vielleicht wäre es sogar ehrlicher zu sagen, dass sie mich regelrecht angewidert haben. Im Laufe der Zeit bin ich jedoch ein großer Fan geworden und konnte mich mit Tuscan Leather, Ombré Leather, Gucci Guilty Absolute und noch vielen mehr anfreunden. Das Leder hier ist ziemlich stark, ziemlich dunkel. Vielleicht kennt ihr das ja, wenn das Leder in einem Duft eine fast schon rauchige Eigenschaft hat? Das empfinde ich in diesem Duft.

Das klingt ja eigentlich nun alles ganz toll. Ich mag Leder, ich mag fruchtig, auch Lavendel mag ich in moderneren Düften. Wo ist denn nun das Problem? Ganz einfach: Das ist wie wenn man Schokolade, Döner und Wassermelone mag. Einzeln genießt man diese drei Leckereien, man würde sie aber wahrscheinlich nicht gleichzeitig zu sich nehmen. Diesen Effekt haben wir leider im neuen Eau de Parfum. Ich finde, dass die Kombination dieser drei sehr im Vordergrund stehenden Noten nicht sehr harmonisch ist. Auch Düfte die anecken, haben meist eine Harmonie, die den Duft für uns so besonders macht. Hier jedoch fühlt es sich so an, als wäre es auf eine sehr unbeholfene Art und Weise kombiniert worden. Der Duft wirkt schwerfällig, plump, auf keinen Fall elegant wie der unersetzbare OG La Nuit de l'Homme. Haltbarkeit und Sillage sind besser als beim derzeitigen EdT, aber mir persönlich bringt das nur wenig.

Daher rede ich hier auch von vintage und retro. Das neue Eau de Parfum ist nicht vintage. Der alte Saft wäre vintage gewesen, jedoch ist er verschollen und wird nur von einigen mutigen Abenteurern zu ähnlich abenteuerlichen Preisen verkauft. Ein Schatz, dem sogar Indiana Jones an Lianen herumschwingend hinterherjagen würde. Dieser neue Duft jedoch ist retro, er versucht es die alte Ästhetik wiederauferstehen zu lassen, kennt aber selber die alte Schule nicht.

Diese neue Schule braucht viel Süße, braucht viel Frucht. Versuche mit dem Leder zu spielen scheitern meiner Meinung nach. Im Drydown beruhigen sich die Sachen wieder ein wenig, jedoch klingt es immer noch nicht so ganz. Man muss anmerken, dass die Temperaturen hier recht hoch sind und mir der Duft im Winter besser gefallen könnte. Aber bis jetzt bin ich etwas enttäuscht und muss mich wohl damit abfinden, dass man nicht in der Vergangenheit schwelgen sollte. The one that got away. It's time to let go.
4 Antworten

PBregovich vor 2 Jahren 11
8
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Kuschelwetter
Die Tobacco Collection von Zara gehörte vor etwa einem Jahr noch zu den gehypetesten ihrer Düfte. Ich werde zwar mit dem Intense/Dark/Exclusive nicht wirklich warm, mag aber Rich/Warm/Addictive um so mehr.

Um es sofort vorweg zu nehmen, nein er riecht nicht wie Herod. Es ist vielleicht ein ähnlicher Dufttyp, aber ein Zwilling nicht annähernd. Insurrection II Wild und somit Pure Havane sind auch keine Zwillinge.

Der Duft ist vielleicht auch durch seine Namensgebung ein wenig irreführend. Er ist Teil der Tobacco Collection, obwohl ich persönlich keinen Tabak wahrnehme. Der Duft hat bei mir einen recht linearen Verlauf (so wie viele Zara Düfte) und riecht hauptsächlich nach Kokosnuss, untermalt durch Honig. Das einzige wonach es riechen könnte ist vielleicht Shishatabak, da dort oft der Tabakgeruch an sich inmitten all der anderen Aromen untergeht.

Was ist nun RWA im Endeffekt? RWA ist sehr süßer Gourmandduft, der sehr angenehm in der Luft liegt. Meiner Meinung nach ist er als Unisex einzustufen und erinnert mich an das Ziaja Cupuacu Duschgel mit Sheabutter & Macadamia-Öl meiner Freundin. Der Duft passt natürlich am besten in die kälteren Tage, ich trage ihn heute beim Sauwetter im Krankenstand, weil er so gemütlich ist.

Gemütlich ist hier auch das Stichwort, was die Anlässe angeht. Für mich ist dieser Duft sehr anschmiegsam und zart, er ist nicht sonderlich laut und die Sillage füllt keine Räume. Die Haltbarkeit stellt keine Weltrekorde auf, aber reicht für einen gemütlichen Abend. Und da ist es wieder, dieses Wort. "Gemütlich". RWA ist in meinen Augen definitiv kein Ausgeh-Duft. Er passt sicher nicht in den Club, kommt mir im Restaurant merkwürdig vor und wäre für die Bar oder sonstige Etablissements meines Erachtens unpassend. Diesen Duft trage ich am liebsten an kalten Tagen nach einem heißen Bad. Wenn man aus dem eisigen Schnee direkt unter die Dusche hüpft und Gänsehaut bekommt, weil man schon so verkühlt war. Danach zieht man sich den gemütlichsten Pullover an, trägt diesen Duft auf und genießt wahlweise eine heiße Schokolade, einen Tee oder ein Glas Rotwein. Kaminfeuer wäre auch super, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Dann noch ein gutes Buch und eine Fleecedecke und die Welt ist perfekt. Und auch wenn es ein Freitag Abend sein mag, du stellst das Handy auf lautlos, weil du von hier sicher nicht weg willst.
1 Antwort

PBregovich vor 2 Jahren 8
7.5
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
7
Flakon

8.0

8.0 - Zara

Frühling
Ein Zara Duft, der bereits lange in ihrem Sortiment ist. Ich erinnere mich nicht gut genug an Lacoste Blanc, um die beiden Düfte zu vergleichen, traue aber den Bewertungen hier auf Parfumo.

8.0 ist ein Gute-Laune-Duft. Der erste Spritzer ist minzig und erfrischend, perfekt nach dem Aufstehen. Die Frische bleibt durch den Duftverlauf erhalten und sorgt bei mir für eine ausgesprochen gute Laune. Überdies ist der Duft ziemlich fruchtig (ich nehme mal an Melone), aber auch ein wenig blumig. Nie wird er zu süß und hat immer das notwendige Level an Frische, um ihn perfekt für einen bewegten Frühlingstag zu machen. Im Drydown wird der Duft immer hölzerner, obwohl der aquatische Charakter niemals wirklich verloren geht.

Der Duft ist sicher keine Offenbarung. Aber manchmal braucht man eben einen umkomplizierten Duft. Da wird nicht lange nachgedacht: Gesicht gewaschen, weißes T-Shirt angezogen, 8.0 drauf und raus in die Sonne. Haltbarkeit und Sillage sind für so einen Duft völlig okay, ein paar Sprüher mehr und es haben auch andere etwas davon. Aber wie immer bei Zara: Für den Preis kann man sich wirklich nicht beklagen.

Von mir eine Empfehlung für diesen "Blind reach" Duft, der besonders während der wärmeren Jahreszeit seinen Charme spielen lässt.

Die Ironie: Das schreibe ich von daheim während der Blick aus dem Fenster nur Schnee und klirrende Kälte zeigt. Ich brauche Vitamin D.
1 Antwort

PBregovich vor 2 Jahren 11
9
Duft
6
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Unisex
Dieser Duft ist einer der ersten, die ich durch Parfumo motiviert getestet habe. Ich habe viel über ihn gelesen und als ich ihn dann das erste mal gerochen habe, war ich sehr überrascht. Weder positiv, noch negativ. Ich hatte einfach etwas komplett anderes erwartet.

Was man bekommt ist ein Duft, der meiner Meinung nach komplett Unisex ist. Diese Positionierung scheint allen bewusst zu werden, die hier auf Parfumo die Einstufung als "männlich" sehen, dann aber die Kommentare lesen, die ihn als eher "feminin" bezeichnen. Er ist weder noch. Ich denke es hängt mehr oder weniger vom Träger selbst ab. Eine Frau könnte ihn problemlos tragen. Auch ich trage ihn sehr gerne und meine, dass er mir gut steht.

Es ist ein sehr süßer Duft, der ein sehr interessantes Lederaroma mitschwingen lässt. Das ist jedoch kein Leder, wie bei Tuscan Leather, Ombré Leather 18 oder Colonia Leather. Hier ist das Leder sehr sanft, weich. Ich denke bei dem Duft immer an braune Wildlederstiefeletten. Zu denen trage ich ihn auch am liebsten. Dieser Duft birgt eine leichte Eleganz in sich, fast schon Zierlichkeit könnte man sagen, die meiner Meinung nach auch vom Träger wiedergespiegelt werden sollte. Ich stelle mir Midnight in Paris nicht an meinen Hoodies vor, eher doch an meinen sauberen Hemden und weichen Rollkragenpullovern. Weniger an breit gebauten Jogginghosenträgern, als an jenen mit langen, schlanken Beinen und etwas engeren Hosen (ich meine jetzt nicht unbedingt Skinny Jeans!). Es ist ein wenig schwer in Worte zu fassen, was ich ausdrücken will. Der Duft ist nicht laut, er ist nicht "in your face" und der Träger sollte es auch nicht sein. Bedeutet natürlich auch nicht, dass er nur von sehr femininen Männern getragen werden kann. Ganz im Gegenteil: Ein Mann, der diesen Duft selbstbewusst trägt wird umso männlicher wirken. Liegt aber eher an der Selbstsicherheit als am Duft.

Das ist kein Duft für die klirrende Kälte. Es ist kein Duft für die brütende Hitze. Es ist irgendwo dazwischen. Genau wie bei der Gender-Einordnung.
Dieser Duft passt am besten in die Nachmittage und Abende der wärmeren Jahreszeit. Wenn ich an Paris denke, denke ich an Weißwein, an Zigaretten vor dem Lokal, an Temperaturen die weder kalt, noch heiß sind - einfach nur angenehm. Ich denke an leicht angeschwipste Gespräche, die keine allzu ernsten Themen behandeln. Ich denke an eine Tasse Kaffee bei sonnigen Wetter.

Der Duft ist auf seine eigene Art und Weise etwas sehr besonderes. Er ist nicht revolutionär und die Haltbarkeit und SIllage sind auch ziemlich schwach. Aber er gibt dem Träger ein angenehmes und legeres Feeling. Und dafür mag ich ihn.

PS: Der Flakon ist auch fantastisch und einmalig.

PBregovich vor 2 Jahren 31
10
Duft
9
Haltbarkeit
9
Sillage
9
Flakon

"Leidenschaft" oder "Wieso es nicht Dior geworden ist"
Ich habe seit mehr als einem Jahr ein ganz merkwürdiges Verhältnis zu all diesen Iris-Düften, die Dior Homme ähneln. Am meisten hatte mir bis dato Dior Homme Intense gefallen und oft war ich kurz davor ihn zu kaufen. Jedoch hat mich immer etwas gestört. Was ich nicht mochte, ist dass der Beginn immer irgendwie sehr kratzig war und das allgemeine Gefühl des Duftes damit ein wenig gestört hat.

Was für ein Gefühl? Es ist ein Duft, der süß und dennoch maskulin ist. Stark an der Grenze, ein Duft der binäre Geschlechtertrennung hinterfragt. Der Duft, der zu einem Mann passt, der offen mit Gefühlen umgeht, der bis spät in die Nacht Gespräche führen kann. Jemand, der dich gerne am Morgen noch ein wenig beobachtet, fasziniert, wie du ruhig da liegst und atmest.

Es ist ein Duft, der zum Abend passt. Er ist dunkel, mysteriös, erotisch. Es ist dieser Atem, den man kurz vor dem Kuss auf seinem Hals spürt. Dieser unerwartete und anfangs scheue Kuss, der lang und innig ist, der Kleidungsstücke auszieht und sie zu Boden wirft, der Kuss, der Lichter hinter sich abdreht und den Weg ins Schlafzimmer sucht.
Nun war die oben genannte Kratzigkeit von Dior Homme Intense immer ein störendes Detail für mich. Nasen, die aufeinanderstoßen, Schnürsenkel, die nicht aufgehen wollen, Fernsehgeräusche der Nachbarn, die die Stille durchbrechen. Valentino Uomo Intense hingegen beginnt eleganter. Es ist dennoch ein recht lauter Duft mit ordentlicher Haltbarkeit und Sillage. Jedoch würde ich Dior Homme Intense und Valentino Uomo Intense auf folgende Art und Weise vergleichen: Der Erste redet laut und überzeugt, ein Orator der die Menge fesseln kann. Nur reißt es ihn manchmal so sehr mit, dass seine Stimme unter der Energie bricht und manchmal in eine Tonhöhe springt, die nicht vorgesehen war. Valentino Uomo Intense redet auch so, bewahrt jedoch die Fassung. Er redet laut, aber ruhig. Überzeugend und sicher.

Die verschiedenen Duftnoten eines im Jahre 2016 erschienen Duftes braucht man glaube ich nicht mehr großartig kommentieren. Iris sorgt für Pudrigkeit, Tonka und Vanille geben ihm die Süße und der Ledertouch bietet die dunkle Tiefe. Ich bin generell ein Liebhaber süßer Düfte und finde, dass Valentino Uomo Intense die beste Interpretation des süßen Iris-Duftes ist. Ich war fasziniert von Dior Homme Intense, da ich durch ihn zum ersten Mal diese Duftrichtung kennenlernen durfte, aber mit Valentino Uomo Intense habe ich eine Facette davon entdeckt, die ich nicht hinterfrage.
4 Antworten

11 - 15 von 32