RivegaucheRivegauches Parfumkommentare

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Rivegauche vor 1 Jahr 35
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
10
Flakon

Un Jardin pour Frédéric?
Gleich vorneweg, Rose & Cuir ist weder wirklich rosenlastig, noch wirklich auf Ledernoten konzentriert.
Die Kopfnote eröffnet prickelnd sauer, fruchtig & frisch mit Grapefruit & schwarzer Johannisbeere, so dass man sofort den Stil Jean-Claude Ellenas erkennen kann, um mit einer ziemlich zurückhaltenden Herznote von rosigem Geranium fortzufahren, die von strunkig & krautig grünen Facetten begleitet wird, wo Pfeffer eine feine und etwas zurückhaltende Würzigkeit beizusteuern scheint. Rau, aber elegant! An dieser Stelle fühle ich mich zum ersten Mal versucht, den Duft "Un Jardin pour Frédéric" nennen zu wollen, denn alles aus dem bekannten Universum Ellenas von Hermès scheint präsent: Naturalistik, Luftigkeit & Reduziertheit mit fruchtig, frischen und holzig, würzig & grünen Facetten...und nicht nur das schwarze doppelt geschlungene Lederarmband in dem Video auf der Frédéric Malle Website vermittelte mir insgesamt sofort das Gefühl "Hermès reloaded."

Die Basis offenbart nur langsam die typisch ledrigen Facetten von Isobutyl Quinoline, dem synthetischen Ersatzstoff für einst natürliches Birkenteer, um den Geruch von Leder in Parfums zu erreichen. Isobutyl Quinoline nehme ich hier als herrlich bitter braun und rauchig holzig wahr. Tatsächlich fühle ich mich hier jetzt etwas an Aramis, Bandit & Cabochard erinnert...aber eher nur wie eine vage Erinnerung an die vergangenen Zeiten des Jazz Age, wie auf der Frédéric Malle Website zu lesen ist...hier offenbar noch in der Basis etwas flankiert von grün erdig holzigem Vetiver und sicherlich etwas Moschus, um die Haltbarkeit zu verstärken. Oft habe ich ein Problem mit den für mich rauen Ledernoten von Aramis und seinen Kumpanen, bin ich doch eher den weicheren Ledernoten à la Cuir de Russie, Cuir Cannage oder auch dem wunderbaren Mont de Narcisse zugeneigt. Die durchgehend präsente Luftigkeit des Duftes und der insgesamt sparsame Einsatz der Ledernote "wie ein Pinselstrich" hilft, diese Abneigung in bejahende Zustimmung wandeln zu lassen.

Und auch jetzt denke ich, ist das ein "Jardin pour Frédéric?" Der Duft trägt mit seiner kurzen und präzisen Formel eindeutig die Handschrift Ellenas, aber die Ausführung ist eindeutig Frédéric Malle. Fréderic Malle scheint seine Parfums wie Vetiver Extraordinaire, Bigarade, Geranium pour Monsieur, Monsieur. und nicht zuletzt vor allem auch French Lover für sich selbst geschaffen zu haben, denn er trägt sie selbst wie er sagte. Rose & Cuir zeigt eine durchgehend klare und kühle Frische mit naturalistisch grün ledrigen (herb, bitter & kantig) und floralen Konturen, ist haltbar & präsent (nicht sehr Ellena), ist erwachsen und absolut unisex, ziemlich cool, er vereint Moderne mit zeitloser Klassik (klingt nach Bauhaus, wenn ich weiter darüber nachdenke) und ist fernab jeder cosy Kuscheligkeit, die zu Monsieur Malle selbst auch gar nicht passen würde...und Düfte dieses Charakters sucht man zudem glücklicherweise nahezu vergebens im Mallschen Duftportfolio.

Da Rose & Cuir weder wirklich dominante Rosenfacetten offenbart, noch einen wirklich starken Ledercharakter hat, scheint er eigentlich fast falsch etikettiert. Auch wer einen zart rosigen Duft mit warmen Ledernoten erwartet hat, wird enttäuscht. Wer aber umgängliche Markanz sucht, wird hier vielleicht fündig.







17 Antworten

Rivegauche vor 5 Jahren 39
10
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Nobel durch Tag & Nacht
Freund Yatagan hat in seinem Kommentar zu dem in 2014 relaunchten Duft "Whip" ganz wunderbar die Historie von Le Galion beleuchtet und ich führe diese hier fort.

Aufgewachsen in einer Familie mit langer Tradition in der Parfumherstellung, hat Nicolas Chabot, der derzeitige Inhaber der Marke Le Galion wohl vor einigen Jahren in einem Trödelgeschäft einen Flakon dieser Marke entdeckt und begann mit brennender Neugier zu recherchieren, fahndete auf Flohmärkten nach weiteren Flakons um später den Entschluss zu fassen, die Marke relaunchen zu wollen. Die Tochter Paul Vacher's - dem damaligen Inhaber - sollte noch im Süden Frankreichs unter einem anderen Familiennamen leben. Sie hatte mit ihrem Vater das Unternehmen geleitet und schuf als Hommage an ihren in 1975 verstorbenen Vater 1978 das Parfum "Megara." Nach dem Tod übernahm sie die Marke, die später ein amerikanischer Konzern aufkaufte, was aufgrund schlechter Geschäftsführung zum Untergang der Marke führte. Als Nicolas Chabot dann endlich Dominique de Urresti, eben der Tochter Paul Vacher's gegenübersaß, händigte sie ihm wohl voller Freude alle vorhandenen Formeln aus, die sie auf ihrem Computer gesichert hatte. Das Archiv Le Galions weist wohl 44 alte Duftformeln aus, die wieder auf den Markt gebracht werden könnten. Es wurde zwar seinerzeit die Marke verkauft, aber nicht das Recht an den Formeln abgegeben. Bei einem ersten Presselaunch in Paris im Sommer 2014 war sie natürlich mit dabei. Soweit die Geschichte.

Als ich vom Relaunch der Marke erfuhr, war ich sofort begeistert, obwohl ich nur sehr wenig kannte. Ich erinnere mich an eine kleine Flasche "Sortilège" im Schlafzimmer meiner Großmutter. Die Düfte dieser Marke aus der wichtigsten Zeit der Entwicklung der französischen Parfumindustrie des 20. Jahrhunderts mit dem Hintergrund dieser Geschichte - wenn auch reformuliert - wieder entdecken zu können fand ich unheimlich spannend. Der stilvolle Markenauftritt im Internet, die Flakons im Vintagelook und die schlicht eleganten weißen Schachteln sprangen mich sofort an. Denn auch ich bin nur ein Opfer von Werbebotschaften...so sie meinen Geschmack treffen.

Nach einem ersten Test hielt sich die Begeisterung zunächst etwas im Rahmen, wenn mir auch sofort die liebevolle handwerkliche Ausführung und der eindeutige Retrocharme der Düfte positiv aufgefallen war. Vor der Marke ging etwas ehrliches und grundsympatisches aus, das ich irgendwie "unterstützen" wollte. In Zeiten, wo permanent eine Nischenmarke nach der anderen mit immer moderneren Düften, die mich häufig enttäuschen, lanciert werden, habe ich Mut bewundert alte Düfte wieder auf den Markt zu bringen. Und auch wenn es eine kleine Schar von Liebhabern von alten Düften gibt, so ist sie in Deutschland in jedem Fall geringer als im Mutterland der Parfumkunst: Frankreich.

Allen voran jedoch begeisterte mich sofort "Eau Noble," dessen sehr natürlicher Frischecharakter mit saftig kühlen Zitrusnoten und krautig holzig grünem Herzen, begleitet von etwas sanft warmen Moss und diesem hervorragend leicht ledrigen Rauch in der Basis an eine Art reichhaltiges "vintage Eau Sauvage" bis hin zu einer luftigen Interpretation von Bernard Chant's Lederdüften à la "Azurée" denken lässt. In der akkuraten Reduziertheit der Duftformel komme ich über "Eau Sauvage" auch wieder auf Edmond Roudnitska, von dessen Gedankenklarheit dieses "Eau Noble" zu inspiriert sein scheint...wobei Bernard Chant für Lauder und Aramis aber auch nicht weit weg ist. Aber auch Paul Vacher's einstige Düfte waren wohl häufig keine zu großen Opern, wenn man sich mit den weiteren relaunchten femininen Soliflordüften von Le Galion beschäftigt. "Essence Noble" sei nun eine auch als Eau de Parfum deklarierte konzentriertere Variante des Duftes "Eau Noble." Mit ihm wurde "Sortilège Elixir" und ein komplett neuer Duft unter dem Namen "Sovereign" lanciert.

Der zitrisch frische Start von "Essence Noble" ist zwar belebend und hell, aber auch wunderbar rund, sanft, voll und weich - begleitet von einer minimalen Mandarinensüße - und wird von einer kräftig animalischen Facette begleitet, die einen herrlichen und nicht zu dezenten Vintagecharakter zum Vorschein bringt. Gott, ist das toll, das hat Klasse. Zum Vergleich ist der Start von "Eau Noble" robuster und kantiger. Das Herz des Duftes wird durch krautig holzig tiefgrünes Salbei und bitter warmes Moos geprägt, obwohl offenbar kein einziger Tropfen echtes Eichenmoos den Weg in die Formel fand. Ab hier verströmt eine elegant dunkelolivgrüne Aura, aufgehellt mit kräftigen Sprenkeln in saftig leuchtendem goldgelb und warm umrundet von sanftem braun. Die Herznote erscheint mir nahezu identisch mit dem regulären "Eau Noble." Die Basis hingegen offeriert das ganze Vergnügen und ergänzt sich durch balsamisch warmes Styraxharz, Zeder mag eine trockene Holznote beisteuern, Patchouli setzt den erdigen Geruch seiner Natur frei und wahrscheinlich wird Isobutyl Quinoline (ein gern verwendeter Rohstoff für Lederdüfte) für diesen göttlich dunkel heimelig und körperlichen noblen Lederrauch verantwortlich sein, der sich über das gesamte Ensemble legt. Die Basis in "Essence Noble" erscheint mir im Kontrast zu "Eau Noble" weniger kantig und ruppig - wirkt dabei noch stilvoller - und setzt in ihrer ganzen sonnenwarmen und reichhaltigen Fülle eher Abendqualitäten frei.

Es bleibt die Aura eines stilvoll runden und anschmiegsam warmen Zitrusduftes - was ich mit leuchtend warmen goldgelb hervorragend beschrieben finde - und einem eher zurückhaltend krautig grünem Herzen, gefolgt von einer dominanten sanft rauchig und elegant animalischen Lederbasis, mit leichter Anleihe an das klassische Aramis. Die Qualität der verwendeten Rohstoffe erscheint mir sehr hochwertig und natürlich. Im Laufe des Tages steigt der Duft immer wieder durch meinen Hemdkragen hervor, die Haltbarkeit scheint hervorragend. Die Silage hingegen ist eher privat und nicht laut, strahlt lässig elegante Ruhe aus, was mir zu dem Anspruch eines "Extrait" besser passend erscheint. Ich finde sie perfekt. Im Gegensatz erscheint die Projektion von "Eau Noble" im ersten Moment lauter...so weit man das von diesem Duft sagen kann...denn seine kühler grüne und nahezu "kantigere" Ausstrahlung scheint (auch durch den Preis) für das laufende Tagesgeschäft besser geeignet, gibt dafür aber auch etwas schneller auf.

"Essence Noble" und auch "Eau Noble" werden eher Menschen begeistern können, die eine eindeutige Vorliebe für alte Düfte haben und - auch wenn mir längst nicht alle Düfte dieser Marke gefallen - möchte ich zumindest gerne allen einen Test dieser charmanten Marke ans Herz legen. Ich finde es lohnt sich. Mit Prophezeiungen sollte man ja vorsichtig sein, aber bei diesen beiden noblen Wasser "je vais rester fidèle."
13 Antworten

Rivegauche vor 5 Jahren 16
8
Duft
7.5
Haltbarkeit
7.5
Sillage
10
Flakon

artisanal
Geranium Odorata führt mich gedanklich ins spätsommerliche England, in ein altes Gewächshaus in ländlicher Umgebung mit Backsteinfundament, dessen schwarze Stahlrahmen mit halbdurchsichtigem Industrieglas schon vor langer Zeit verglast worden waren. Dem Duft hängt etwas handgemachtes - artisanales - an, als würde man in weißem Apothekerkittel selbst mit Hand anlegen wollen. Mit Laborgläsern und Mörsern ausgestattet soll der Extrakt des Geraniums mitsamt seiner Blüten, den Blättern, den Ästen und einem Rest Erde zur eigenen Verwendung extrahiert werden. Das Ergebnis ist eine selbstbewusst rustikale Blumigkeit, die nie elegant blütig erscheint, was sich auch noch mit leicht seifig, etwas altmodisch, ätherisch belebend und energetisierend beschreiben ließe. Wir addieren vor Freude aus dem Garten etwas Minze zur Stärkung der krautigen Frische nachdem wir schon für einen Hauch Zitrusfrische etwas Bergamotte aus Frankreich hinzugefügt hatten, holen etwas schwarzen Pfeffer für Würze aus der Küche und stärken die holzig rauen und rustikal grünen Facetten mit einem kleinen Bund Vetiverwurzeln mitsamt seines Grases und stellen fest, dass wir doch noch eine Prise trockene Zeder zum Sättigen benötigen.

Geranium Odorata ist somit ein origineller luftig blumig frischer und lebendig holzig grüner Duft mit leichtem Vintagecharme. Die rosigen Facetten des Geraniums, die hier in ihrer leicht ätherisch krautigen und altmodisch blumigen Seifigkeit auch etwas sperriges haben, sollten grundsätzlich gemocht werden, um hier Interesse zu wecken. Der pfeffrige Dufteindruck scheint sich mir eher durch eine Überdosis Moschus zu ergeben, was mich analog an das grundsätzlich anders duftende "Bvlgari pour Homme" erinnert, welches seinen Dufteindruck auch aus dieser Idee zieht. In Verbindung mit etwas trockenem Zedernholz wird der Dufteindruck eher in eine für mich synthetisch wirkende Höhe gebracht. Wiederum holt das den Duft in die "Moderne," was dem Zeitgeist entspricht. Vetiver versucht mit seiner grasig grünen Holzigkeit, dieses zu glätten und zu verbinden. Auch erkenne ich hier die Signatur Diptyques, die ich häufig als eine fast sirenenartig "grüne" Schärfe wahrnehme und mir "übertrieben natürlich" erscheint. Geranium Odorata bewahrt sich dadurch eine unkompliziert krautig raue Rustikalität, die mir gefällt und ich deshalb als handwerklich gefertigtes britisches Landschaftsparfum wahrnehme, lässt mich aber durch den chemischen wirkenden Anteil auch an Laborchic denken. Creeds cremig weiches "Vetiver Geranium" und Malles elegantes "Géranium Pour Monsieur" wirken mit mehr Raffinesse und hochwertiger gefertigt als diese schlicht rustikale Erfrischung. Einzig Maître Parfumeurs "Jardin du Nil" kommt diesem Duft recht nah, wirkt aber doch komplexer und virtuoser in seiner pikanteren Ausführung. Obwohl ich diesen charmant rosig schlichten Duft mit seinem kautzigen Retrocharme sehr mag, frage ich mich auch wie das Resultat mit etwas mehr Budgeteinsatz für die Formel geworden wäre...und wo ist bloß mein Tweedsakko?

Nachdem ich die Silage nur in der ersten Stunde als recht raumgreifend empfinde, zieht der Duft recht schnell auf die Haut zurück und lässt sich gut an wärmeren Tagen im Jahr von jedermann tragen. Die Haltbarkeit ist ausreichend. Die Flakons mit den wunderbaren ovalen Etiketten und ihren tanzenden Buchstaben, die ein Medaillon aus dem 18. Jahrhundert widerspiegeln sollen, wurden 1963 von dem Maler Desmond Knox-Leet, einem der drei Firmengründer entworfen. Leider sind die aufgedruckten Etiketten dieser "Les Eaux Parfumées" Serie inzwischen so schlecht haltbar gedruckt, das man die einzelnen Buchstaben und Dekore nahezu mühelos mit dem Finger abkratzen kann. Gleichzeitig verstärkt das wiederum den "Vintage" Charakter und lässt einen selbst die Flaschen individualisieren...und das ist ja auch schon mal was.
4 Antworten

Rivegauche vor 5 Jahren 28
8
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon

Schwein gehabt
Denn wenn ich die vorhergehenden Kommentare lese, bin ich offenbar ein guter Duftträger. Kollegen haben mich noch am Nachmittag positiv auf "Monsieur Li" angesprochen, nachdem ich den Duft am Morgen aufgetragen habe. Auch ein Freund, der den Duft ebenfalls besitzt, findet nicht nur die Haltbarkeit ausgesprochen gut. Man könnte sich vielleicht auch fragen, welche Erwartungen ich an einen Duft habe, der nicht nur in der sommerlich angelegten Gartenserie von Hermès erscheint, sondern der Parfumeur auch Jean-Claude Ellena heisst, dessen Düfte seit gut zwanzig Jahren für seine luftige Transparenz berühmt sind. In seinem Buch "Der geträumte Duft" bemängelt er, dass häufig die Eleganz eines Duftes für die "Performance" - also Intensität und Diffusion - von der Industrie geopfert wird, die einzig allein das Ziel habe, die Zugänglichkeit des Duftes zu erleichtern um eine internationale Klientel zu umschmeicheln (Original-Ton). Dem könnte man entgegensetzen und kritisieren, dass er seine Produkte für Hermès ja schließlich auch verkaufen will...nicht umsonst werden seine Bücher deshalb in einem Einband im berühmten Hermès-Orange erscheinen. Aber auch schon Edmond Roudnitska schrieb in seinem Buch "Le Parfum" wie entsetzt er vom Trend der in den Achtziger Jahre aufkommenden "Extreme" Welle war...er scheint aber auch kein einfacher Geselle gewesen zu sein.

Ich selbst sehe das gerne im Zusammenhang mit den verwendeten Rohstoffen und der gewünschte Verwendung. Während mir bei den Gartendüften oder anderen Colognes jeglicher Hersteller die Haltbarkeit und Silage in der Regel egal sind, empfinde ich Sie bei beispielsweise bei "Poivre Samarcande," dessen Grundcharakter durch die angegebenen Noten Eiche, Moos, Pfeffer und Zeder eigentlich ein stärkerer sein sollte, manchmal als zu wenig...auch wenn ich den Duft selbst ganz wunderbar finde.

"Le Jardin de Monsieur Li" startet durch die angegebene Kumquat zitrisch fruchtig und belebend frisch und addiert recht schnell die floralen Noten des Jasmins. Der Jasmin lässt hier jede indolische Note vermissen und spielt lediglich mit seiner sommerlich sonnigen Blumigkeit. Eine versteckt bitter-grasig-grüne Note, die ich als teeartig wahrnehme oder sich vielleicht auch als "grüner Bambus" Holzigkeit beschrieben ließe, nehme ich mit einer schwebenden Leichtigkeit wahr, die dem Jasmin den nötigen Kante verleiht um nicht zu rund zu werden. Das macht den Duft auch für Männer möglich. Durch Ellenas wandlungsfähigen Lieblingsstoff Iso-E Super, so scheint es mir, bettet sich eine undefiniert aber alles verbindende dunstig mineralische "warmes Wasser auf Steinen" Atmosphäre mit ein, das gefällt mir sehr gut. In der Basis wird noch etwas Moschus für den leicht cremig sauberen und leicht seifig eleganten Charakter verantwortlich sein. "Le Jardin de Monsieur Li" erscheint mir als ein typischer Jean-Claude Ellena Duft, dessen Duftcharakter sich zwar durch den kurzen und unkomplizierten Duftverlauf schnell durchschauen lässt...dessen Unkompliziertheit vielleicht als erstes Alterwerk erkennbar ist...aber beim Tragen trotzdem mir nicht langweilig wird. Vielmehr erscheint mir die Qualität der verwendeten Rohstoffe trotz synthetischer Herkunft fernab vom Wort "Synthetik" und auch die Verblendung der einzelnen recht sparsam verwendeten Duftstoffe ganz wunderbar miteinander verwoben. Das lässt sich einen ganzen Tag lang wunderbar sublim er-/tragen...womit dem Anspruch Ellenas nach Eleganz Rechnung getragen wäre.

Das Ergebnis ist ein zeitgemäßer und dennoch zeitlos elegant zurückhaltender blumig frischer Duft mit leicht seifig holzig grünen Facetten, der im Frühling und Sommer hervorragend tragbar ist. Insofern finde ich Werbekampagne mit dem Flakon inmitten eines zurückhaltend farbigen Gartens und einem Wasserteich mit Steinen recht treffend gewählt, auch wenn ich zugeben muss, dass das Duftergebnis für mich durch die blumig grüne Klarheit eher mediterran als tatsächlich asiatisch wirkt. Ganz klar ist aber auch immer einfach Geschmackssache, welche Duftgeschmack man persönlich besitzt. Roudnitska und Ellena liegen mir mit Ihrer fast philosopisch intellektuellen Idee von Düften einfach mehr, als die direkten "Hau drauf" Keulen.
13 Antworten

Rivegauche vor 6 Jahren 30
8
Duft
7.5
Haltbarkeit
5
Sillage
10
Flakon

Modern elegante Klarheit
Der Parfumeur Thomas Fontaine hat wohl alle ersten neuen Düfte der relaunchten Marke "Le Galion" auf Basis der Originalformeln überarbeitet. Vor allem die Soliflordüfte dieser Marke, "La Rose," "Tubéreuse," "Iris" und auch "Snob" zeigen eine für mich klar erkennbare Handschrift, was aber auch an Paul Vacher, dem ursprünglichen Parfumeur und Inhaber der Marke liegen mag, denn alle Düfte verbindet eine überraschend klare und weniger voluminöse Struktur mit klaren Proportionen, die den "Muff" vergangener Tage scheinbar abgelegt haben. Die alten Originaldüfte dieser Zeit kenne ich nicht.

Schon die Kopfnote dieser Iris überrascht mit frisch hellen und fast fruchtigen Tönen, was nicht nur an den sehr zurückhaltenden Zitrusnoten, sondern offenbar auch den Ambrettesamen liegen mag, die in Verbindung dem jetzt schon wahrnehmbaren sauberen Moschus eine luftige Verbindung eingehen. Iris ist sofort wahrnehmbar und verbindet sich mit einem leicht rosigen Hauch zu einem bekannten elegant pudrig floralen Bouquet, die "Iris" dauerhaft bestimmen. Eine Spur Galbanum scheint sich versteckt eine kleine bittergrüne Ecke zu sichern, ohne jemals der majestätischen Iris in den Weg zu kommen. Auch eine halbe Lilienblüte scheint es dem Galbanum nachzumachen, lässt jegliche üppige Wucht vermissen und verbreitet einen cremigen Weißblütenhauch. In der Basis verbindet sich der "saubere Wäsche" Moschus mit den cremig weich floralen Noten und etwas trockenem Zedernholz; alles bettet sich wunderbar unter den leicht staubig pudrigen Duft der Iris.

"Iris" ist durchgehend ein sauberer und klarer Irisduft, der die klassisch elegante Schönheit dieser Pflanze in den Mittelpunkt stellt und niemals schwer wirkt. Durch die Kombination des "saubere Wäsche" Moschus und dem cremigen Blütenakkord lässt Thomas Fontaine den Duft sehr zeitgemäss wirken und hat sicherlich die seinerzeit vorhandenen animalischen Aromen verbannt. Er ist ein schöner eher femininer Alltagsduft mit guter Haltbarkeit und leicht gedrosselter Silage, der gekonnt eine gewisse unbeschwerte Heiterkeit mit der eher gedämpft melancholischen Eleganz der Iris verbindet. Er kombiniert Moderne mit dem Glanz vergangener Zeiten. Was man ihm negativ vorhalten könnte ist seine unspektakuläre Gefälligkeit. Er eckt nicht an und möchte gefallen. Vielleicht fehlt ihm etwas Biss, Kraft oder Innovation, aber Irisdüfte wie dieser passen mit der häufig sehr "korrekt" wirkenden Aura für mich eher immer zu grauen Flanellkostümen oder weißen Baumwollblusen. Gleichzeitig scheint er aber auch lässig genug zu sein, um im normalen Arbeitsalltag gut tragbar zu sein...und genau das scheint sein Vorteil zu sein. Mir persönlich schlägt der Duft eine zu feminine Richtung ein, die ihn für mich untragbar werden lässt. Das macht hier aber gar nichts.

Einen Test ist dieser Duft und allen anderen wunderbaren Düfte der relaunchten Marke "Le Galion" in jedem Fall wert. Für dieses Jahr wurden noch sechs weitere neue Düfte angekündigt, darunter drei Extraits.
7 Antworten

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