SebastianMSebastianMs Parfumrezensionen

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SebastianM vor 19 Tagen 2 1
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
Artischocken-Eigensinn
"Sublime Molécule" - ein seltsamer Name für ein Parfüm. Man denkt sofort an Geza Schön oder Ferran Adrià, aber ganz eindeutig muss hier etwas anderes gemeint sein als Molekularküche. Vielleicht das, was der Duden unter "sublim" versteht: "nur einem sehr feinen Empfinden zugänglich". Allerdings kennt das Parfüm erstmal kein Erbarmen, nix Feinsinnigkeit: Ledrig-holzig und leider recht stechend fällt der Duft mit der Tür ins Haus. Doch gleich fangen ihn die zitrischen Noten, der Koriander und der Pfeffer auf und bilden ein Gegengewicht zu dem ganz leicht rauchigen Leder. Der Duft nimmt weiter keine großartige Entwicklung, er wird nur im Verlauf noch etwas holziger, etwas weicher und auch etwas luftiger, bleibt aber kühl und trocken. Immer wieder wehen dunkelgrüne Noten daher. Ich musste an das Aroma von Spinat und Artischocken denken, das vietnamesischer grüner Tee manchmal hat. Rose und Jasmin kann ich nicht erkennen. Gegen Ende kommt die Vanille zu ihrem Recht, glücklicherweise ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sehr originell finde ich das nicht, rauchiges Leder und Vanille hat es schon häufig gegeben. Ganz schön ist es trotzdem, und süß wird es nie. Alles ist sauber.

Ich habe in letzter Zeit ein ganzes Set mit 15 Düften von Arte Olfatto durchprobiert, wobei mich nur zwei Produkte aus diesem Haus überzeugt haben (das freundliche und originelle "Bois Precious | ArteOlfatto - Luxury Perfumes" und das weiche "Ambre Dèlicieuse | ArteOlfatto - Luxury Perfumes" ), den Rest fand ich langweilig, unrund, überladen, zu süß, woanders abgekupfert oder einfach ganz nett und dafür zu teuer, jedes Parfüm in diversen Kombinationen dieser Merkmale. "Sublime Molécule | ArteOlfatto - Luxury Perfumes" jedoch hat was, es ist definitiv ein eigensinniger Duft mit Charakter. Die Sillage ist dabei gut dosiert: Man wird wahrgenommen doch fällt niemandem zur Last.
1 Antwort
SebastianM vor 3 Monaten 3 2
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
Virginal
Sofort assoziiere ich frischen, blonden Tabak. Ein Akkord ohne übertriebene Süße, was ich sehr schätze. Den Vetiver nimmt man deutlich wahr, er geht in die strohig-grüne Richtung. Für meine Nase ist es fast derselbe Vetiver wie in "Vetiver | Hiram Green" von Hiram Green und eindeutig das bestimmende Element in diesem Parfüm. Den Lavendel kann ich kaum als solchen identifizieren, ich spüre nur so eine trocken-krautige Anmutung mit etwas Schärfe, die aber vielleicht auch von etwas anderem stammen könnte. Die Holzkomponente des Tabak-Akkords (die Zeder?) hat leider wie so oft heutzutage etwas Stechendes. Die dezente Kombination von Weihrauch und Ambergris in der Basis verleiht Leuchtkraft und Dauerhaftigkeit. Auch das Patchouli erdet nicht, sondern schwebt eher. Der Duft bleibt über seinen ganzen Verlauf frisch und lebendig, wenngleich das Ambroxan sich zum Schluss ein wenig aufdrängt.

Insgesamt also ein kühler, grün-holziger Vetiverduft. Trotzdem wirkt der Duft substantiell genug, wahrscheinlich vom Sandelholz in der Basis und etwas balsamisch-blumigem im Herzen. Einzelne Noten auseinanderzuhalten ist jedoch schwierig für mich. Alles erscheint auf klassische Weise ausgeglichen und eng verwoben. Es ist trotzdem kein klassisches Parfüm, sondern ein sehr modernes: es gibt nicht viel Entwicklung, kein wirkliches Fundament, keine Tiefe, dafür Licht und Luft. Das Ganze tendiert etwas zum stereotypisch Maskulinen und ist jederzeit und überall tragbar, mit elegant-zurückhaltender Sillage. Die Haltbarkeit ist gerade richtig fürs Büro. Besonders jetzt im Frühling ein angenehmer, empfehlenswerter Duft.

Ach ja, Marketing und so: Angeblich ist der Duft vom "Arboretum de Virginia" inspiriert. Es gibt in Virginia mehr als ein Arboretum, gemeint ist vermutlich das Orland E. White Research Arboretum, eine landwirtschaftliche Forschungseinrichtung. Weder dort noch bei den anderen in Frage kommenden Institutionen wird Tabak erwähnt. Dafür stellt sich der Hersteller vor, dass man gerne einen Walzer tanzt und auf Bänken sitzt. Man darf solche Texte einfach nicht lesen... (Und wo wir gerade im Besserwissermodus sind, müsste es nicht eigentlich "Bois Tabac de Virginie" heißen?)
2 Antworten
SebastianM vor 9 Monaten 3 3
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
Küss die Hand, gnä' Frau
Fruchtig-ambriert-würzig, sanft wildledrig, mit erwas Balsam und viel Vanille. Sehr süß! Normalerweise nehme ich bei süß-fruchtig sofort Reißaus, aber dieser hier hält recht elegant eine Balance irgendwo zwischen schwer und hell. Man weiß nicht, ist er für 17- oder 70-jährige. Nach einiger Zeit verliert der Duft ein wenig von seiner Konfitüren-Charmeurs-Ausstrahlung und wird etwas wärmer. - Ich kann mir nicht vorstellen, dieses Parfüm am Morgen (zu schwer-süß) oder Abend (zu wenig Geheimnis) an jemandem zu mögen. Es ist der erste Duft, den ich als reinen Nachmittagsduft klassifizieren würde, bestens geeignet beim Kaffeekränzchen oder beim Stehempfang im Freien.
3 Antworten
SebastianM vor 10 Monaten 2 1
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
Heiter bis glücklich
Der Duft beginnt blumig-warm mit Tuberose und Tabak, belebt durch Bergamotte. Trotz der Tuberose macht alles einen hellen und sauberen Eindruck. Diese Luftigkeit behält der Duft über seinen ganzen Verlauf, auch wenn er später hell-holzig wird. Schokolade kann ich nicht erkennen, aber vielleicht ist damit der ganz, ganz schwach rauchige Eindruck gemeint, den ich von Zeit zu Zeit spüre. Das Ganze ist durchaus trocken und nicht frisch. Sehr angenehm gerade im Sommer. Leider wirkt die Blumigkeit im weiteren Velauf auf mich etwas künstlicher. Sie wird auch ein wenig aufdringlich grün aufgepeppt (Patchouli?) und süßlich (Ylang?) angereichert. Die Frische geht ganz weg und wird ersetzt durch Saubermoschus. Das bleibt dann einige Stunden so. Sauber-hell-blumig-grün mit Süße unterlegt. Die Projektion reicht ungefähr zwei Zentimeter über die Haut und verliert sich dann schnell. Ein sehr zurückhaltender Duft für alle Gelegenheiten, ob Büro, Restaurant, Theater oder nach dem Sport, für das Frisch-Gewaschen-Gefühl. Ich kann mir gut vorstellen, diesen Duft gerne an anderen wahrzunehmen, wenn ich keine großen Ereignisse erwarte. Man ist sozusagen mittelgut drauf, heiter bis glücklich, bei gemäßigten 24° C.
1 Antwort
SebastianM vor 11 Monaten 9 2
8
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
Irreführung der Behörden
Insgesamt bin ich recht angetan von Fougère Emeraude. Allerdings ich finde ihn gar nicht so "fougerig": das Grün ist doch äußerst dezent, auch ist die Tuberose - die übrigens gar nicht fleischig sondern eher leicht wächsern daherkommt - viel weniger bestimmend als die pudrig-süße Lavendel-Mimose-Tonka-Kombination. Insofern bietet sich der Duft völlig anders dar, als ich erwartet hatte. Die leichte Seifigkeit erinnert noch am ehesten an ein klassisches Fougère.

Aber ist der Duft schön! Ausgewogen, elegant, schmeichelnd und optimistisch. Die Struktur ist nicht sehr dicht, der Duft ist nicht üppig, man kann ihn jederzeit tragen. Nur leider fehlt es ihm ein wenig an innerer Spannung und Lebhaftigkeit. Ich vermisse die bittere Minze von Eichenmoos oder stärker erdig-ledrige Noten, die den Duft klassischer und weniger angepasst-modern machen würden. Er ist schon recht ereignislos, wenn auch unbestreitbar luxuriös (und unverschämt teuer).

Auch der Name weckt falsche Erwartungen, smaragdgrün ist hier gar nichts, nur ein bisschen krautig vom Muskatellersalbei. Der genannte pudrig-weißblütige Akkord hat so gar nichts von Farn oder Blättern. Immerhin kann man bei Wikipedia lernen, dass der sog. "Strich" (also das Mineralpulver) des Smaragds weiß ist.

PS: Nachdem Herr von Spee die Mode aufgebracht hat, möchte auch ich jemanden zum Duell fordern, nämlich denjenigen, der Rive Gauche p. H. als ähnlichen Duft eingestuft hat. Und dann auch noch die ursprüngliche Version im Metallzylinder. Jenes Parfüm ist sicher eines der besten Fougères, die es jemals gab. Dem vorliegenden Duft, bei aller Schönheit, tut der Vergleich zuviel Ehre an.
2 Antworten
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