SonnenwendeSonnenwendes Parfumkommentare

19.06.2019 19:25 Uhr
22 Auszeichnungen
Die frühen Vogelgesänge waren verklungen und erste Sonnenstrahlen in meinem Gesicht versprachen einen freundlichen Tag.
Ich spürte deine Hand in meiner.
" Wollen wir einen Ausflug machen ?"
fragte ich leise.
" Oh ja ", sagtest du lächelnd.
" Wir fahren nach Berlin ".

Ich saß bereits im Auto, als du mit einem Picknickkorb aus dem Haus kamst.
Mandarinen lagen darin, deren leuchtendes Orange so verlockend aussah.
Eine fruchtige Köstlichkeit, die uns über viele Stunden erfreuen würde.

Um der Schnelllebigkeit des Alltags zu entfliehen, nahmen wir unseren Weg über Landstraßen und kleine Alleen.
Lindenblütenblätter fielen in unser Cabriolet.
Wir fühlten uns wie ein junges Paar, welches mit einem Blütenregen in eine glückliche Zukunft gewünscht wird.
Wir waren glücklich.
Unsere Zukunft war jetzt.

An einem See machten wir Rast.
Während wir die Mandarinen naschten, wehte eine frische Brise
Strandhäuschenzedernduft zu uns herüber.
Wieder lag deine Hand in meiner und ich wußte, daß ich mit dir immer Frühling haben würde - zu jeder Jahreszeit, ein Leben lang.


1A-33 mag beim ersten Sprühnebel noch an ein Kölnisch Wasser erinnern,
dieser Eindruck verflüchtigt sich jedoch schnell.
Eine frische, saftige Mandarine gibt den Auftakt, deren Fruchtigkeit sich bis in die Basis hält.
Auf der Haut entwickelt sich nach kurzer Zeit die angenehme süße Note der Lindenblüte.
Sie gibt dem Duft seinen wahren Charakter. Zart unterstützt von Jasmin und Magnolie.
Iris und Zedernholz haben in der Basis ihren gemeinsamen Auftritt.
Iris wirkt hier als pudriger Gegenpohl.
Die holzige Note bekommt so eine feine balsamische Würze.

Die Dosierung sollte mit Bedacht gewählt sein.
Hier handelt es sich nicht um ein Erfrischungswasser, sondern um ein Eau de Parfum, welches seinem Namen absolut gerecht wird.
Morgens aufgesprüht, hält es sich über den ganzen Tag. Auf den Haaren oder in der Kleidung auch weit darüber hinaus.

Die Ziffern 1A beziehen sich auf das erste Autokennzeichen von Berlin.
33 steht für Moabit, den ersten Firmenstandort der Familie Schwarzlose.

Der Flacon aus dickwandigem Glas im Art déco Stil ist versehen mit einem edlen Messingverschluß und sieht sehr wertig aus.
Zusammengenommen handelt es sich hier um einen optischen und olfaktorischen Genuß, mit dem sich schöne Tage beginnen lassen.


08.12.2018 20:03 Uhr
16 Auszeichnungen
Zahlreiche extravagante Duftschöpfungen haben wir inzwischen von Serge Lutens kennengelernt, doch was hat sich der Monsieur dabei gedacht ein Parfum
Dent de Lait zu nennen?
Ich habe eine Probe erhalten und werde der Angelegenheit auf den Zahn fühlen.
Ünglücklicherweise werfe ich vorher noch einen Blick auf die Duftnoten und lese : Blut-Akkord.
Nun wird mir doch etwas bang.
Ich frage mich, was da auf mich zukommen mag.
Wie wird dieser verwendete Akkord duften?
Frisches, altes, getrocknetes Blut -
alles schon mal gerochen.
Möchte ich das in einem Parfum wiederfinden?
Doch halt, es handelt sich ja um den benannten kindlichen Milchzahn.
Kann so schlimm also nicht sein.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als mein ältester Sohn sich im Alter von 6 Jahren peu à peu von seinen ersten Zähnen trennte.
Ein Backenzahn erwies sich als besonders hartnäckig und wollte sich den zahnbautechnischen Planungen nicht fügen.
Da kam sein Papa auf die geniale Idee, den Störenfried mit einem festen Zwirn zu umwickeln und das andere Ende des Fadens an der Playmobil -Steinschleuder zu befestigen.
Die Schleuder wurde gespannt und eh wir alle begriffen, daß nun aus Spiel ernst werde sollte, war der Zahn auch schon gezogen.
Mit Spuren von Blut baumelte er am stabilen Faden und hinterließ dabei keinen unangenehmen Dufteindruck.

Doch endlich zum Test:
Ich sprühe und augenblicklich befinde ich mich auf dem Zahnarztstuhl.
"So, nun bitte noch einmal kräftig den Mund ausspülen ", höre ich meinen Arzt sagen.
Aldehyde in reinster Form wirken auf mich ein und ich meine schon fast eine Mundspülung schmecken zu können.
Gewisse Zweifel kommen auf, ob ich mich gerade parfümiert oder desinfiziert habe.
Nach einer Stunde wird der Duft etwas sanfter, was sicher an der Kokosmilch liegen mag. Gibt es da eine Ähnlichkeit mit Chanel Nr. 5 ?
Nein, dieser Gedanke keimt nur ganz kurz in mir auf, was sicher an den Aldehyden liegen mag.
Dent de Lait hat nichts zitrisches, nichts blumiges, nichts cremiges.
Wenn ich eine leichte Mandelnote wahrnehme, liegt es eventuell an dem verwendeten Benzaldehyd, welches süß mandelig daher kommt.
Auch nach 2 Stunden stagniert Dent de Lait in seiner Aldehydpräsenz.
Jede Lebendigkeit bleibt aus.
Fast schon wünsche ich mir den Blut - Akkord herbei, um das Ganze wiederzubeleben, doch auch diesen vermisse ich noch nach Stunden.
Da ist leider nichts zu retten -
das Parfum ist klinisch tot.

Die komatöse Haltbarkeit ist durchaus ordentlich.
6 Stunden am Handgelenk waren bei mir möglich, wobei die Sillage eher körpernah bleibt.
Der SL - typische Flakon paßt diesmal vortrefflich. Könnte sich doch auch ein gutes Mundwasser darin befinden.

Fazit:
Nein, mein lieber Monsieur Lutens,
dieser Behandlung möchte ich mich nicht noch einmal unterziehen.
Der Zahn ist nun endgültig gezogen.


04.12.2018 20:17 Uhr
12 Auszeichnungen
Ein Mitbringsel der besonderen Art hatte Serge Lutens im Gepäck, als er von einer Reise aus dem Orient zurückkehrte.
Wieder Zuhause, träumte er von den Wundern Arabiens, von Serails und den Märchen aus 1001 Nacht.
Inspiriert von den Düften orientalischer Märkte, schuf er ein Parfum, in dem er Komponenten verband, die getrocknet besonders gut duften.

So nimmt mich Arabie bei der Hand und führt mich vorbei an den üppig gefüllten Ständen der Händler, die mir Feigen, Datteln, Nüsse und Mandarinen feilbieten....
und weiter zu den Gewürzschalen mit Kreuzkümmel, Muskatnuß und Nelken.

Eine uralte Lehre besagt,
daß trockene Bestandteile ihrem Wesen nach edel sind,
während feuchte Inhaltsstoffe die Wollust verkörpern.....
So liegt die Verbindung zu den Serails nahe, in denen man sich körperlichen Freuden jeglicher Art hingab.

Arabie ist eine sehr sinnliche Komposition.
Es gibt keinen Duftverlauf von Kopf, Herz und Basis im üblichen Sinne.
Mit dem ersten Tropfen zeigt sie eine Präsenz, wie sie seinesgleichen sucht.
Die getrockneten Früchte und Gewürze gehen eine Verbindung ein und entfalten auf der Haut eine volle goldene Wärme.
Sandelholz und Zedernharze tragen mit holzigen Noten bei und vermitteln fast schon meditative Ruhe und Entspannung.

Diese Stimmung verführt mich zu einer Zeitreise.
Ich sehe mich in der Küche meiner Großeltern sitzend.
Es war in der Vorweihnachtszeit und während meine Eltern in ihrer hektischen Betriebsamkeit fortfuhren, fand ich hier die besinnlichen Stunden, die das Miteinander so wertvoll machen.
Kerzenschein erleuchtete den Raum und tauchte alles in ein warmes Licht:
den Nussknacker, das Räucherhäuschen, die Schale mit Mandarinen, Nüssen und Lebkuchen.
Ein köstlicher würziger Duft stieg mir in die Nase und gab mir zu verstehen, daß der Heiligabend nicht mehr weit war.
Mit Hilfe meines Großvaters schrieb ich Wunschzettel und oft war die Vorfreude auf ein Spielzeug viel intensiver, als das Geschenk selbst.
Als ich zweieinhalb Jahre war, hatte sich folgende Geschichte zugetragen, an die ich keine Erinnerung habe, die jedoch durch eine Tonbandaufnahme festgehalten wurde.
Meine Eltern hatten unter dem Weihnachtsbaum zahlreiche Geschenke platziert, unter anderem einen kostspieligen Puppenwagen mit einer Puppe darin.
Als ich ins Wohnzimmer gerufen wurde und den geschmückten Baum mit all seinen Lichtern erblickte, war ich so beeindruckt von dieser Pracht, daß ich die Spielzeuge nicht zur Kenntnis nahm.
Lediglich einem kleinen Pilz, der am Baum befestigt war, galt meine ganze Aufmerksamkeit.
Auf die Frage meiner Mutter: "Was ist denn nun das Schönste? " rief ich voller Begeisterung:
" Ein kleiner Pilz !"

Arabie ist mein Weihnachtsduft.
Er erinnert mich an diese Kindheitstage, die vor allem mein Großvater mit dem ausgefüllt hat, was für mich wertvoll war:
Wärme und Geborgenheit.

Arabie mit seiner raumfüllenden Opulenz, strahlt auch noch nach Stunden auf der Haut eine volle würzige Wärme aus.
Ein paar getrocknete Früchte und Gewürze reichen für ein kleines Glück.

Wer im Dunkeln sitzt, zünde sich einen Traum an.
Was eignet sich als Stimulation besser, als ein schöner Duft?!


29.11.2018 20:28 Uhr
25 Auszeichnungen
Es muß 1995 gewesen sein.
Meine Söhne waren noch klein und der Älteste hatte eine unangenehme Erkältung mit Fieber und Mittelohrentzündung aus dem Kindergarten nach Hause gebracht.
Sein kleiner Bruder hatte sich nicht lange bitten lassen und war ihm mit allen Krankheitsymptomen gefolgt.
Nach einem Arztbesuch stand fest,
daß wir es uns in den kommenden Tagen Zuhause gemütlich machen mußten.
Zusammen mit Benjamin Blümchen übernahm ich die Kinderbetreuung.
Ich las vor, bis wir die Geschichten auswendig konnten, baute mit Lego und Playmobil oder wir machten andere Spiele.
Wenn Benjamin mich mit lautem
TÖÖÖRÖÖÖ aus dem Kassettenrecorder ablöste,
widmete ich mich der Hausarbeit und sorgte für unser leibliches Wohl.
Die Tage waren ausgefüllt und gingen schnell vorbei, doch durch schniefende Nasen und Ohrenschmerzen blieb die erholsame Nachtruhe für uns alle aus.
Als mein Mann am Freitagabend von der Arbeit nach Hause kam, war mit mir kein Preis mehr zu gewinnen.
Nach einem heißen Bad verabschiedete ich mich relativ schnell mit Mister Sandman.

Am nächsten Tag ging es uns allen bereits wesentlich besser und mein Mann schlug mir nach dem Mittagessen vor, daß es mir bestimmt gut tun würde, ein wenig raus zu gehen - zum Bummeln in die Stadt vielleicht.....Er wäre ja jetzt da.
Oh, was für ein schönes Angebot.
Es dauerte nicht lange und ich war aus der Tür.

In der Stadt schlenderte ich etwas ziellos durch die Einkaufsstrassen, doch nach einer Woche Quarantäne genoß ich das bunte Leben und ließ mich gerne treiben, ohne mich selbst einbringen zu müssen.
Mein Weg führte schließlich in eine Parfümerie, wo mich sogleich eine freundliche Verkäuferin in Empfang nahm.
Ob ich den neuen Duft von Dior schon kennen würde, fragte sie mich und ob sie mir davon auf's Handgelenk sprühen dürfe?
Vermutlich hatte sie an meinen dunklen Augenringen erkannt, daß mir ein wenig Dolce vita nicht schaden könnte.

Allein der schöne Flakon weckte meine Lebensgeister.
Wie ein kleiner Himmelskörper lag er in ihrer Hand und durch den facettenartigen Schliff brachen sich die Lichter der Parfümerie darin und funkelten wie Sterne.
Die goldgelbe Flüssigkeit versprach ein köstliches Elixir und JA, natürlich wollte ich mich diesem Dufterlebnis nicht verweigern.
So sprühte sie und was ich erfuhr, war ein wahres Feuerwerk der Aromen.

Die fruchtige Süße von Aprikosen und Pfirsichen,
würzige Akkorde von Zimt und Kardamom,
dazu die pfeffrige Schärfe von Nelken strömten auf mich ein.
Rosen und Rosenholz begleitet von sanfter Vanille gaben sich zu erkennen und wieder etwas angenehme Süße von Heliotrop.
Sandelholz, Vetiver und Patschuli verliehen im Drydown eine sehr schöne, zarte holzige Note, die ich allerdings erst später wahrnahm.
So lange wartete ich nicht, um mich zum Kauf zu entschließen.
Dieses Fläschchen süße Lebensfreude wollte ich mir zum Geschenk machen.
Ja, wenn das so ist, verpacke ich Ihnen den Duft noch schön, sagte die Verkäuferin.

Glücklich machte ich mich auf den Heimweg und wurde von meinen Männern mit stürmischer Freude begrüßt.
Natürlich hatte ich für jeden ein Mitbringsel dabei und nachdem ich alle Bauwerke des Nachmittags begutachtet hatte, holte ich mein Geschenk aus der Tasche.

Die Verkäuferin hatte auf einem goldenen Teller zahlreiche Sterne drapiert. In der Mitte präsentierte sich die leuchtend gelbe Verpackung des Flakons, mit Celophan umhüllt und mit einer glitzernden gelben Schleife
verschlossen.
Es sollte noch ein paar Tage dauern,
bis ich meiner Vorfreude genug Tribut gezollt hatte und die Verpackung öffnete.

Ich freue mich, daß ich diesen Duft weiterhin bekomme und mir so eine schöne, intensive Erinnerung immer wieder auffrischen kann.
Inzwischen ist er nur noch als Eau de Toilette erhältlich, doch seine Haltbarkeit und Sillage sind außerordentlich.
Dolce vita hat einen hohen Wiedererkennungswert und hebt sich deutlich ab von den aktuellen Duftkreationen.
Seine sprühende, fruchtig - blumige Würze hält, was sein Name verspricht.
Lebensfreude pur.


26.11.2018 16:36 Uhr
16 Auszeichnungen
Du bist eigensinnig und hast einen starken Charakter.
Du bist nicht leise, aber nie aufdringlich.
Du hinterläßt bleibenden Eindruck,
ohne dich einschmeicheln zu wollen.
Du hast auf mich gewartet, bis ich bereit war, mich auf dich einzulassen.

Du empfängst mich mit einer herzlichen Umarmung.
Läßt mich Platz nehmen vor dem Kaminfeuer und mich die angenehme Wärme genießen.
Während du von deinem Kräutergarten erzählst, bereitest du mir Tee und ich nehme den Duft von Kamille, Salbei und Bergamotte wahr.
Du umsorgst mich, deckst mich zu und läßt mich ruhen in einem Gefühl der absoluten Entspannung.

Seit über 30 Jahren ist Aromatics Elixir mein treuer Begleiter und ich gebe zu,
daß ich mich erst etwas schwer getan habe, mit diesem außergewöhnlichen Duft.
Anfangs nahm ich ihn bei anderen Menschen wesentlich angenehmer wahr.
Die Aura, die seine Träger umgab, hatte eine Faszination inne, die mich fesselte.
Der Duftschweif reichte aus, um mir ein Wohlgefühl zu verschaffen.
An mir selbst empfand ich die Aromen, wie eine zu enge Umklammerung.
Ob es an der Gewöhnung liegt oder an der Art der Dosierung, kann ich nicht sagen, doch inzwischen fühle ich mich auf angenehme Weise getragen von diesem Elixir.
Dabei parfümiere ich mir lediglich die Handgelenke. Alles weitere wäre zuviel.

Aromatics Elixir war 1972 das erste Parfum, welches sich die Erkenntnisse der Aromatherapie zu nutze machte.
Entspannende und anregende Komponenten befinden sich in perfekter Ausgewogenheit und nehmen so auf subtile Weise Einfluss auf den Geist.
Über 90 Inkredienzien soll es beinhalten, wobei ich nur einen Bruchteil daraus bestimmen kann.
Eichenmoos, Patschuli, Vetiver und Bergamotte nehme ich deutlich wahr.
Ebenso Kamille, Rose und Ylang-Ylang.

Ich belasse es bei diesem Versuch.
Eine kunstvolle Schöpfung ist es
allemal und manchmal frage ich mich, ob nicht Jean Baptiste Grenouille seine Finger im Spiel gehabt hat ;-)


13.11.2018 18:29 Uhr
29 Auszeichnungen
Als Magie noire 1978 lanciert wurde, war ich noch Schülerin, trug fast täglich ein dunkles Kleid mit mysthischen Malereien und las Tolkien, während Räucherstäbchenduft durch mein Zimmer waberte.
Zum ersten Mal sah ich die Werbung für den Duft in einer Zeitschrift und dachte : so soll das Parfüm heißen, das ich mir einmal kaufen möchte.
Stattdessen trug ich zähflüssiges Patchouli aus Indien und einen Moschusduft aus der Drogerie.
Drei Jahre sollte es noch dauern, bis mir Magie noire tatsächlich begegnete und ich wußte, daß ich diesen Duft auch tragen wollte.
Es war ein trüber Herbstmorgen, als eine Mitschülerin den Klassenraum betrat und mit einer opulenten, süß - würzigen Wolke die Tristesse beendete.
Als ich nach ihrem Wohlgeruch fragte, kam es wie ein sanftes Schnurren über ihre Lippen:
Maahschie nuarrre.
In der Vorweihnachtszeit war für uns eine einwöchige Studienfahrt nach Heidelberg geplant.
Wir mieteten uns in einer Jugendherberge ein und bezogen mit sechs Mädels ein Zimmer.
Die ersten Tage waren straff durchorganisiert und ließen keine Zeit für eigene Aktivitäten, doch der vierte Tag ließ Platz für einen Stadtbummel.
Wir freuten uns alle darauf, denn jede hatte ein kleines Taschengeld dabei.
In der Nacht schlief ich unruhig und hörte im Traum Wölfe heulen.
Das ich nicht geträumt hatte, stellte sich am nächsten Morgen heraus.
Unsere Herberge lag neben einem Tierpark und die Wölfe hatten sich mit dem Vollmond zu einem Stelldichein getroffen.
Dies nahm ich nun endgültig als Omen, in der Stadt eine Parfümerie aufzusuchen und mir meinen langersehnten Wunsch zu erfüllen.
30 ml kostbare Flüssigkeit.
Am letzten Abend trafen wir uns alle zu einem gemütlichen Beisammensein im Partyraum des Hauses.
Wir hatten ein paar schöne, unbeschwerte Stunden.
Das böse Erwachen folgte bei der Rückkehr ins Zimmer.
Eine von uns hatte vergessen, die Tür abzuschließen und meine Freundinnen blickten fassungslos in ihre leeren Geldbeutel.
Bittere Tränen flossen.
Bei mir war nicht mehr viel zu holen gewesen.
Meine Kostbarkeit fand ich zum Glück unversehrt im Kulturbeutel vor.
Seitdem weiß ich, daß man nicht zu lange warten sollte, in das zu investieren, was einem am Herzen liegt.

Ich liebe diesen Duft nach wie vor.
Einzelne Noten kann ich nur schwer erkennen.
Sehr schnell verbindet sich alles zu einer köstlichen Komposition.
Schwarze Johannisbeere und Himbeere vermute ich in getrockneter Form.
Grüne Noten und Hyazinthe befinden sich schon zu Beginn in Liaison mit dem Honig, der bis zum Schluss mit einer angenehmen Süße beiträgt.
Blumige Akzente von Ylang Ylang und Rose nehme ich wahr, nicht unauffällig gefolgt von Patchouli und Eichenmoos.
Die Haltbarkeit ist grandios.
Noch nach 24 Stunden nehme ich eine würzige Süße auf der Haut wahr.
Die Sillage ist, wie bereits anfangs erwähnt, ebenfalls überdurchschnittlich.
Sicher, der Duft hat sich nach seiner Reformulierung verändert.
Seine Kraft ist sanfter und leiser geworden.
Ja,.....vielleicht passen wir gerade deshalb noch so gut zusammen.


12.11.2018 16:32 Uhr
13 Auszeichnungen
Nein, ich möchte nicht noch einmal 21 sein.
Nicht mehr auf der Suche nach mir, wie ich sein möchte, sondern glücklich so zu sein, wie ich bin.
Und dennoch gibt es Tage, an denen ich mich dünnhäutig fühle -
Ruhe suchend mich zurückziehen möchte.
Oder es gibt die sonnigen, fröhlichen Tage. Die zwar unspektakulär, jedoch absolut harmonisch verlaufen, im Einklang mit mir und der Welt.
Wie die Stimmung auch sei. Ich greife immer mal wieder gerne zu diesem Duft.

Der erste Eindruck ist zunächst etwas synthetisch. Gerade so, als ob Pfirsich, Zimt und Kardamom ihren Weg durch die Celophanverpackung finden müßten. Doch das ist schnell verflogen.
Schon bald bildet die Kopfnote eine harmonische Verbindung mit der Haut
wobei sich Kardamom und Zimt dezent zurückhalten.
Blumig duftend reihen sich Ylang-Ylang und Iris ein. Die Pistazienblüte kommt mit nussigen Akzenten hinzu. Nicht schwer, sondern ganz leicht mandelig.
Der bleibende Eindruck ist von Heliotrop, Vanille und Tonkabohne bestimmt. Eine leicht holzige Note verhindert, daß der Duft zu süß wird.

Be 21 ist ein angenehmer Wohlfühlduft mit guter Haltbarkeit und Sillage.
Er sorgt für eine positive Stimmung und lädt zum Kuscheln ein.
Und wenn mein Mann, mit dem ich seit 39 Jahren zusammen bin, mich dann in den Arm nimmt und mir sagt, wie gut ich dufte, ja dann...fühle ich mich besser als mit 21....;-)


10.11.2018 18:24 Uhr
8 Auszeichnungen
Es ist ein trüber, regnerischer Tag und ich denke schon am Morgen :
Heute muß es Schokolade sein.
Nicht viel, nur ein kleines Stück.
Ich gehe ins Bad, sehe den schönen Flakon mit Schleife und der rotbraunen
Flüßigkeit - warum nicht mal gesprüht?

Bereits der Auftakt ist sehr gehaltvoll.
Orangenblüten und Jasmin bilden einen süßen, cremigen Schmelz.
Ein wenig fett vielleicht, doch nach einiger Zeit findet die Brombeere ihren Weg und eine fruchtige, leicht säuerliche Note kommt ins Spiel, die dem Leckerchen mehr Facetten verleiht.
Patchouli erdet diesen Gourmand und verleiht eine bleibende Tiefe
Ein vanilliger Eindruck klingt nach.

Abends werfe ich einen Blick auf die Zutatenliste und bin sehr überrascht.
Keine Schokolade und keine Vanille enthalten.
Alles Low Carb, doch Genuß
L' Absolu.


07.11.2018 15:01 Uhr
21 Auszeichnungen
'La vie est belle ' polarisiert.
Viele lieben ihn und können nicht genug davon bekommen..., andere machen einen großen Bogen um wabernde Duftschwaden, die vielerorts hochdosiert zu finden sind.
Mainstream gilt als uncool und kann auch nerven.
Wenn ich zwischen Parfumregalen in Deckung gehen muss, weil sich großflächig mit dem Zerstäuber eingedieselt wird, ahne ich, was sich in manchem Badezimmer abspielt.
Doch wie heißt es: die Dosis macht das Gift.
Ich mag 'La vie est belle ', seine fruchtige Wärme. Nicht jeden Tag.
Doch manchmal sage ich:
Komm zu mir du Schöne.
Umarme mich für einen kurzen Moment, begleite mich mit deinem Duft und laß mich spüren:
Das Leben ist schön.