SonnenwendeSonnenwendes Parfumkommentare

1 - 5 von 10
Sonnenwende vor 11 Monaten 40
9.5
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
10
Flakon

Die Schönheit der Melancholie
Weißt du, wie es ist im Wald zu sein?
Im November.
Wenn dichter Nebel den Tag in einen weichen Umhang hüllt.
Die Blätter gelb gefärbt und aller Kraft beraubt,
leise rieselnd auf ihr Bett aus Moos,
auf sattem erdigen Grund.
Feuchtigkeitsschwanger der Atem des Waldes.
Du hörst sein melancholisches Seufzen:
Alles ist gut.
Zur Ruhe sich legend, nicht um zu schlafen,
nur um ganz bei sich zu sein.
Bis alles wieder erwacht.
Ganz gewiss.

Knowing ist ein Parfüm von tiefer positiver Melancholie.
Ein dichter Umhang, wie selbstverständlich schützend,
ohne schwer zu sein.
Von angenehmer Würze, fast likörig,
köstlich, mit leicht süßlicher Note, der Auftakt.
Pflaume ist hier präsent, fein verwoben mit einer sanften Tuberose.
Mit dem ersten Atemzug beginnt ein Genuß, der mich für viele Stunden begleiten wird.
BlütendurchwobeneerdigeAromen strömen.
Jasmin und Rose liegen in harmonischer Balance, beschützt von dunkelgrünem Patchouli.
Vetiver, mit seiner balsamisch erdigen Kraft, wirkt Ruhe spendend, wie ein guter Freund.
Nie aufdringlich, immer selbstverständlich.

Der Flakon schmiegt sich als edles Schmuckstück in meine Hand.
Ein Schmeichler, den ich nur ungern zur Seite lege.
Seine Ecken und Kanten wie von den Gezeiten glatt geschliffen.
Wertvoll und schwer.
Der honiggoldene Inhalt Wärme strahlend, mit kühler Eleganz.
Leise höre ich sein zartes Wispern:
Liebst du mich?

Ja......gewiss.
27 Antworten

Sonnenwende vor 17 Monaten 20
8
Duft
10
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

So beginnen schöne Tage
Die frühen Vogelgesänge waren verklungen und erste Sonnenstrahlen in meinem Gesicht versprachen einen freundlichen Tag.
Ich spürte deine Hand in meiner.
" Wollen wir einen Ausflug machen ?"
fragte ich leise.
" Oh ja ", sagtest du lächelnd.
" Wir fahren nach Berlin ".

Ich saß bereits im Auto, als du mit einem Picknickkorb aus dem Haus kamst.
Mandarinen lagen darin, deren leuchtendes Orange so verlockend aussah.
Eine fruchtige Köstlichkeit, die uns über viele Stunden erfreuen würde.

Um der Schnelllebigkeit des Alltags zu entfliehen, nahmen wir unseren Weg über Landstraßen und kleine Alleen.
Lindenblütenblätter fielen in unser Cabriolet.
Wir fühlten uns wie ein junges Paar, welches mit einem Blütenregen in eine glückliche Zukunft gewünscht wird.
Wir waren glücklich.
Unsere Zukunft war jetzt.

An einem See machten wir Rast.
Während wir die Mandarinen naschten, wehte eine frische Brise
Strandhäuschenzedernduft zu uns herüber.
Wieder lag deine Hand in meiner und ich wußte, daß ich mit dir immer Frühling haben würde - zu jeder Jahreszeit, ein Leben lang.


1A-33 mag beim ersten Sprühnebel noch an ein Kölnisch Wasser erinnern,
dieser Eindruck verflüchtigt sich jedoch schnell.
Eine frische, saftige Mandarine gibt den Auftakt, deren Fruchtigkeit sich bis in die Basis hält.
Auf der Haut entwickelt sich nach kurzer Zeit die angenehme süße Note der Lindenblüte.
Sie gibt dem Duft seinen wahren Charakter. Zart unterstützt von Jasmin und Magnolie.
Iris und Zedernholz haben in der Basis ihren gemeinsamen Auftritt.
Iris wirkt hier als pudriger Gegenpohl.
Die holzige Note bekommt so eine feine balsamische Würze.

Die Dosierung sollte mit Bedacht gewählt sein.
Hier handelt es sich nicht um ein Erfrischungswasser, sondern um ein Eau de Parfum, welches seinem Namen absolut gerecht wird.
Morgens aufgesprüht, hält es sich über den ganzen Tag. Auf den Haaren oder in der Kleidung auch weit darüber hinaus.

Die Ziffern 1A beziehen sich auf das erste Autokennzeichen von Berlin.
33 steht für Moabit, den ersten Firmenstandort der Familie Schwarzlose.

Der Flacon aus dickwandigem Glas im Art déco Stil ist versehen mit einem edlen Messingverschluß und sieht sehr wertig aus.
Zusammengenommen handelt es sich hier um einen optischen und olfaktorischen Genuß, mit dem sich schöne Tage beginnen lassen.
16 Antworten

Sonnenwende vor 23 Monaten 14
4
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Dieser Zahn ist gezogen
Zahlreiche extravagante Duftschöpfungen haben wir inzwischen von Serge Lutens kennengelernt, doch was hat sich der Monsieur dabei gedacht ein Parfum
Dent de Lait zu nennen?
Ich habe eine Probe erhalten und werde der Angelegenheit auf den Zahn fühlen.
Ünglücklicherweise werfe ich vorher noch einen Blick auf die Duftnoten und lese : Blut-Akkord.
Nun wird mir doch etwas bang.
Ich frage mich, was da auf mich zukommen mag.
Wie wird dieser verwendete Akkord duften?
Frisches, altes, getrocknetes Blut -
alles schon mal gerochen.
Möchte ich das in einem Parfum wiederfinden?
Doch halt, es handelt sich ja um den benannten kindlichen Milchzahn.
Kann so schlimm also nicht sein.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als mein ältester Sohn sich im Alter von 6 Jahren peu à peu von seinen ersten Zähnen trennte.
Ein Backenzahn erwies sich als besonders hartnäckig und wollte sich den zahnbautechnischen Planungen nicht fügen.
Da kam sein Papa auf die geniale Idee, den Störenfried mit einem festen Zwirn zu umwickeln und das andere Ende des Fadens an der Playmobil -Steinschleuder zu befestigen.
Die Schleuder wurde gespannt und eh wir alle begriffen, daß nun aus Spiel ernst werde sollte, war der Zahn auch schon gezogen.
Mit Spuren von Blut baumelte er am stabilen Faden und hinterließ dabei keinen unangenehmen Dufteindruck.

Doch endlich zum Test:
Ich sprühe und augenblicklich befinde ich mich auf dem Zahnarztstuhl.
"So, nun bitte noch einmal kräftig den Mund ausspülen ", höre ich meinen Arzt sagen.
Aldehyde in reinster Form wirken auf mich ein und ich meine schon fast eine Mundspülung schmecken zu können.
Gewisse Zweifel kommen auf, ob ich mich gerade parfümiert oder desinfiziert habe.
Nach einer Stunde wird der Duft etwas sanfter, was sicher an der Kokosmilch liegen mag. Gibt es da eine Ähnlichkeit mit Chanel Nr. 5 ?
Nein, dieser Gedanke keimt nur ganz kurz in mir auf, was sicher an den Aldehyden liegen mag.
Dent de Lait hat nichts zitrisches, nichts blumiges, nichts cremiges.
Wenn ich eine leichte Mandelnote wahrnehme, liegt es eventuell an dem verwendeten Benzaldehyd, welches süß mandelig daher kommt.
Auch nach 2 Stunden stagniert Dent de Lait in seiner Aldehydpräsenz.
Jede Lebendigkeit bleibt aus.
Fast schon wünsche ich mir den Blut - Akkord herbei, um das Ganze wiederzubeleben, doch auch diesen vermisse ich noch nach Stunden.
Da ist leider nichts zu retten -
das Parfum ist klinisch tot.

Die komatöse Haltbarkeit ist durchaus ordentlich.
6 Stunden am Handgelenk waren bei mir möglich, wobei die Sillage eher körpernah bleibt.
Der SL - typische Flakon paßt diesmal vortrefflich. Könnte sich doch auch ein gutes Mundwasser darin befinden.

Fazit:
Nein, mein lieber Monsieur Lutens,
dieser Behandlung möchte ich mich nicht noch einmal unterziehen.
Der Zahn ist nun endgültig gezogen.

7 Antworten

Sonnenwende vor 23 Monaten 16
10
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
8
Flakon

Ein Licht im Dunkel
Ein Mitbringsel der besonderen Art hatte Serge Lutens im Gepäck, als er von einer Reise aus dem Orient zurückkehrte.
Wieder Zuhause, träumte er von den Wundern Arabiens, von Serails und den Märchen aus 1001 Nacht.
Inspiriert von den Düften orientalischer Märkte, schuf er ein Parfum, in dem er Komponenten verband, die getrocknet besonders gut duften.

So nimmt mich Arabie bei der Hand und führt mich vorbei an den üppig gefüllten Ständen der Händler, die mir Feigen, Datteln, Nüsse und Mandarinen feilbieten....
und weiter zu den Gewürzschalen mit Kreuzkümmel, Muskatnuß und Nelken.

Eine uralte Lehre besagt,
daß trockene Bestandteile ihrem Wesen nach edel sind,
während feuchte Inhaltsstoffe die Wollust verkörpern.....
So liegt die Verbindung zu den Serails nahe, in denen man sich körperlichen Freuden jeglicher Art hingab.

Arabie ist eine sehr sinnliche Komposition.
Es gibt keinen Duftverlauf von Kopf, Herz und Basis im üblichen Sinne.
Mit dem ersten Tropfen zeigt sie eine Präsenz, wie sie seinesgleichen sucht.
Die getrockneten Früchte und Gewürze gehen eine Verbindung ein und entfalten auf der Haut eine volle goldene Wärme.
Sandelholz und Zedernharze tragen mit holzigen Noten bei und vermitteln fast schon meditative Ruhe und Entspannung.

Diese Stimmung verführt mich zu einer Zeitreise.
Ich sehe mich in der Küche meiner Großeltern sitzend.
Es war in der Vorweihnachtszeit und während meine Eltern in ihrer hektischen Betriebsamkeit fortfuhren, fand ich hier die besinnlichen Stunden, die das Miteinander so wertvoll machen.
Kerzenschein erleuchtete den Raum und tauchte alles in ein warmes Licht:
den Nussknacker, das Räucherhäuschen, die Schale mit Mandarinen, Nüssen und Lebkuchen.
Ein köstlicher würziger Duft stieg mir in die Nase und gab mir zu verstehen, daß der Heiligabend nicht mehr weit war.
Mit Hilfe meines Großvaters schrieb ich Wunschzettel und oft war die Vorfreude auf ein Spielzeug viel intensiver, als das Geschenk selbst.
Als ich zweieinhalb Jahre war, hatte sich folgende Geschichte zugetragen, an die ich keine Erinnerung habe, die jedoch durch eine Tonbandaufnahme festgehalten wurde.
Meine Eltern hatten unter dem Weihnachtsbaum zahlreiche Geschenke platziert, unter anderem einen kostspieligen Puppenwagen mit einer Puppe darin.
Als ich ins Wohnzimmer gerufen wurde und den geschmückten Baum mit all seinen Lichtern erblickte, war ich so beeindruckt von dieser Pracht, daß ich die Spielzeuge nicht zur Kenntnis nahm.
Lediglich einem kleinen Pilz, der am Baum befestigt war, galt meine ganze Aufmerksamkeit.
Auf die Frage meiner Mutter: "Was ist denn nun das Schönste? " rief ich voller Begeisterung:
" Ein kleiner Pilz !"

Arabie ist mein Weihnachtsduft.
Er erinnert mich an diese Kindheitstage, die vor allem mein Großvater mit dem ausgefüllt hat, was für mich wertvoll war:
Wärme und Geborgenheit.

Arabie mit seiner raumfüllenden Opulenz, strahlt auch noch nach Stunden auf der Haut eine volle würzige Wärme aus.
Ein paar getrocknete Früchte und Gewürze reichen für ein kleines Glück.

Wer im Dunkeln sitzt, zünde sich einen Traum an.
Was eignet sich als Stimulation besser, als ein schöner Duft?!
3 Antworten

Sonnenwende vor 23 Monaten 37
10
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Facetten des Lebens
Es muß 1995 gewesen sein.
Meine Söhne waren noch klein und der Älteste hatte eine unangenehme Erkältung mit Fieber und Mittelohrentzündung aus dem Kindergarten nach Hause gebracht.
Sein kleiner Bruder hatte sich nicht lange bitten lassen und war ihm mit allen Krankheitsymptomen gefolgt.
Nach einem Arztbesuch stand fest,
daß wir es uns in den kommenden Tagen Zuhause gemütlich machen mußten.
Zusammen mit Benjamin Blümchen übernahm ich die Kinderbetreuung.
Ich las vor, bis wir die Geschichten auswendig konnten, baute mit Lego und Playmobil oder wir machten andere Spiele.
Wenn Benjamin mich mit lautem
TÖÖÖRÖÖÖ aus dem Kassettenrecorder ablöste,
widmete ich mich der Hausarbeit und sorgte für unser leibliches Wohl.
Die Tage waren ausgefüllt und gingen schnell vorbei, doch durch schniefende Nasen und Ohrenschmerzen blieb die erholsame Nachtruhe für uns alle aus.
Als mein Mann am Freitagabend von der Arbeit nach Hause kam, war mit mir kein Preis mehr zu gewinnen.
Nach einem heißen Bad verabschiedete ich mich relativ schnell mit Mister Sandman.

Am nächsten Tag ging es uns allen bereits wesentlich besser und mein Mann schlug mir nach dem Mittagessen vor, daß es mir bestimmt gut tun würde, ein wenig raus zu gehen - zum Bummeln in die Stadt vielleicht.....Er wäre ja jetzt da.
Oh, was für ein schönes Angebot.
Es dauerte nicht lange und ich war aus der Tür.

In der Stadt schlenderte ich etwas ziellos durch die Einkaufsstrassen, doch nach einer Woche Quarantäne genoß ich das bunte Leben und ließ mich gerne treiben, ohne mich selbst einbringen zu müssen.
Mein Weg führte schließlich in eine Parfümerie, wo mich sogleich eine freundliche Verkäuferin in Empfang nahm.
Ob ich den neuen Duft von Dior schon kennen würde, fragte sie mich und ob sie mir davon auf's Handgelenk sprühen dürfe?
Vermutlich hatte sie an meinen dunklen Augenringen erkannt, daß mir ein wenig Dolce vita nicht schaden könnte.

Allein der schöne Flakon weckte meine Lebensgeister.
Wie ein kleiner Himmelskörper lag er in ihrer Hand und durch den facettenartigen Schliff brachen sich die Lichter der Parfümerie darin und funkelten wie Sterne.
Die goldgelbe Flüssigkeit versprach ein köstliches Elixir und JA, natürlich wollte ich mich diesem Dufterlebnis nicht verweigern.
So sprühte sie und was ich erfuhr, war ein wahres Feuerwerk der Aromen.

Die fruchtige Süße von Aprikosen und Pfirsichen,
würzige Akkorde von Zimt und Kardamom,
dazu die pfeffrige Schärfe von Nelken strömten auf mich ein.
Rosen und Rosenholz begleitet von sanfter Vanille gaben sich zu erkennen und wieder etwas angenehme Süße von Heliotrop.
Sandelholz, Vetiver und Patschuli verliehen im Drydown eine sehr schöne, zarte holzige Note, die ich allerdings erst später wahrnahm.
So lange wartete ich nicht, um mich zum Kauf zu entschließen.
Dieses Fläschchen süße Lebensfreude wollte ich mir zum Geschenk machen.
Ja, wenn das so ist, verpacke ich Ihnen den Duft noch schön, sagte die Verkäuferin.

Glücklich machte ich mich auf den Heimweg und wurde von meinen Männern mit stürmischer Freude begrüßt.
Natürlich hatte ich für jeden ein Mitbringsel dabei und nachdem ich alle Bauwerke des Nachmittags begutachtet hatte, holte ich mein Geschenk aus der Tasche.

Die Verkäuferin hatte auf einem goldenen Teller zahlreiche Sterne drapiert. In der Mitte präsentierte sich die leuchtend gelbe Verpackung des Flakons, mit Celophan umhüllt und mit einer glitzernden gelben Schleife
verschlossen.
Es sollte noch ein paar Tage dauern,
bis ich meiner Vorfreude genug Tribut gezollt hatte und die Verpackung öffnete.

Ich freue mich, daß ich diesen Duft weiterhin bekomme und mir so eine schöne, intensive Erinnerung immer wieder auffrischen kann.
Inzwischen ist er nur noch als Eau de Toilette erhältlich, doch seine Haltbarkeit und Sillage sind außerordentlich.
Dolce vita hat einen hohen Wiedererkennungswert und hebt sich deutlich ab von den aktuellen Duftkreationen.
Seine sprühende, fruchtig - blumige Würze hält, was sein Name verspricht.
Lebensfreude pur.

6 Antworten

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