Tehseuz

Tehseuz

Rezensionen
1 - 5 von 14
Der erwachsene Bruder vom Orange Flamingo
Der Purple Flamingo von Marc Gebauer ist für mich einer der schönsten Iris-Düfte überhaupt, neben bekannten Vertretern wie L'Homme, Irisss, Dior Homme Intense (2011) oder Iris Poudre(und natürlich vielen weiteren).

Der Duft startet frisch, mit klaren Saubermann-Noten und einer sofort präsenten Iris, die den gesamten Verlauf über konstant mitschwingt. Nach meiner Wahrnehmung ist es genau diese Iris, die dem Duft seine Eleganz, Reife und Tiefe verleiht. Auch die bekannte Orangen- bzw. Weichspülernote aus dem Orange Flamingo ist deutlich wahrnehmbar, hier jedoch wesentlich zahmer und weniger aufdringlich. Alles wirkt stimmiger, runder und insgesamt besser ausbalanciert. Der Orange Flamingo ist eher mit dem Brecheisen durch die Wand, direkt, laut, einfach „in your face“. Der Purple Flamingo hingegen geht durchdachter vor, plant, setzt auf feineres Werkzeug und überzeugt dadurch über die gesamte Länge.
Die Handschrift von Christian Carbonnel überzeugt mich auch hier wieder voll und ganz, einfach ein Meister seines Fachs.

Für alle, die mit dem Inhaltsstoff Iris noch nicht so vertraut sind: Iris riecht in Parfüm nicht blumig wie eine frische Blüte (wie viele vermuten), sondern pudrig, weich und leicht erdig, mineralisch, ein bisschen wie ein kalter Felsen. Das Irisöl bzw. die Irisbutter wird aus der Wurzel der Pflanze (Schwertlilie) gewonnen, die mehrere Jahre trocknen und reifen muss, bevor sie weiterverarbeitet werden kann. Erst dabei entsteht der typische Irisduft, was ihn zu einem der teuersten und edelsten Rohstoffe der Parfümerie macht.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass sowohl der Purple als auch der Orange Flamingo ihre eigenen Stärken haben und man für sich entscheiden muss, was einem mehr liegt. Für mich ist der Purple Flamingo jedoch klar der beste Gebauer-Duft: raffiniert, luxuriös, ausgewogen und vielseitig. Er ist praktisch überall und zu jedem Anlass tragbar.

Was Haltbarkeit und Sillage angeht, bewegen wir uns definitiv überdurchschnittlich. Etwas schwächer als beim Orange Flamingo, aber absolut ausreichend, um problemlos durch einen kompletten Arbeitstag zu kommen, etwa 8 bis 12 Stunden, je nach Hauttyp und eigener Wahrnehmung.

Vielen Dank fürs Lesen!
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Traumhafte DNA aber leider schlechte Haltbarkeit?
Reflection Man von Amouage ist ein echtes Flaggschiff unter den Herrendüften, um es konkret zu sagen: aktuell Platz 5 der All-Time-Bestenliste für Herrendüfte. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ich ihn endlich ausführlich teste.

Der Duft bringt im Grunde alles mit, was ich mir von einem zeitlosen Klassiker wünsche: Eleganz, Eigenständigkeit und diese kleinen Emotionen, die beim Riechen ausgelöst werden. Einatmen … und „ahhh“. Einfach nice.

Der Start ist frisch und klar, leicht grünlich, fast seifig, getragen von Rosmarin und Bitterorange. Sehr schnell gesellt sich cremiger Neroli dazu, der dem Duft eine saubere, elegante Wärme verleiht. Im Hintergrund nehme ich zudem eine dezente, fast metallische Note wahr, die nur ganz subtil mitschwingt. Im Herzen wird es blumiger durch Jasmin und Ylang-Ylang, ohne jemals süß oder altmodisch zu wirken – eher im Gegenteil. Die Basis aus Sandelholz, Zedernholz und Vetiver liefert eine trockene, gepflegte Holzigkeit, wie wir sie lieben. Insgesamt riecht Reflection Man frisch, maskulin-floral, hochwertig und ruhig – Understatement statt Statement.

Leider ist die Haltbarkeit an meiner Haut unfassbar schwach. Selbst bei 5–6 Sprühstößen ist der Duft gefühlt spätestens nach zwei Stunden verschwunden, was ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen kann. Es gibt natürlich zahlreiche Reformulierungen, und ich kann mir gut vorstellen, dass Reflection Man im Laufe der Zeit stark verwässert wurde, was ich extrem schade finde. Vielleicht liegt es auch an meinem Hauttyp, aber mehr als 5 von 10 Sternen für die Haltbarkeit fallen mir wirklich schwer.

Schauen wir uns als Nächstes den RF45 an und hoffen, dass dort allein durch die deutlich höhere Ölkonzentration eine überzeugendere Haltbarkeit zustande kommt.

Danke fürs Lesen!
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Der Einsteiger unter den Oud Stars
Der Fars aus der Oud Stars Collection ist für mich einer der gefälligsten Oud-Düfte dieser Reihe und auch insgesamt aus dem Hause Xerjoff.

Wer einen Duft sucht, der nicht nach klassischem 08/15-Designerparfum riecht, eine 100% eigenständige DNA besitzt und nicht aufdringlich ist, dem Träger aber dennoch eine selbstbewusste und eigenständige Präsenz verleiht, könnte mit dem Fars genau richtig liegen.

Der Duft eröffnet angenehm frisch mit Bergamotte und wird von Anfang bis Ende von einer klar wahrnehmbaren Lavendelnote begleitet. Nach wenigen Minuten gesellen sich sehr dezente florale Nuancen dazu, die mich an einen Frühlingsspaziergang erinnern, wenn die ersten Pflanzen zu blühen beginnen. Durch Vetiver, Sandelholz und das eher zurückhaltend eingesetzte, eingedampfte Oud wird der Fars zunehmend holziger, trockener und gleichzeitig weicher – ein Charakter, den er bis in den Drydown hinein beibehält. Nach etwa 4–5 Stunden kommt eine ganz leichte Süße hinzu, begleitet von einer angenehmen Erdigkeit. Die in den Inhaltsstoffen gelistete Rose nehme ich persönlich zu keinem Zeitpunkt wahr.

Zusammengefasst ist der Fars ein sehr gefälliger Oud-Duft von Xerjoff, der mittlerweile zu einem überschaubaren Preis erhältlich ist. Als Blind-Buy würde ich ihn dennoch nicht uneingeschränkt empfehlen, da die krautig-aromatischen Noten von Lavendel, Wacholder & Co. ihn durchaus etwas spezieller machen. Wer Fougére-Düfte schätzt, könnte im Fars jedoch seinen persönlichen Traumduft finden.

Zur Haltbarkeit kann ich ausschließlich Positives berichten: Auf meiner Haut hält der Duft problemlos 8–10 Stunden. Die Sillage bewegt sich im angenehmen Mittelfeld, weder zu stark noch zu schwach, wodurch sich der Duft zu nahezu jedem Anlass tragen lässt. Der Flakon ist, wie man es von Xerjoff kennt, eine klare 10/10.

Danke fürs Lesen!
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Stonelabel alá Xerjoff
Der Pikovaya Dama stammt aus der hochpreisigen Stone Label Collection von Xerjoff und steht für puren Luxus und Ästhetik.

Doch wie riechen über 500 € aus einem wirklich wunderschönen Flakon?

Erst einmal eröffnet er wunderbar blumig und frisch, wobei die Bergamotte und Neroli sehr gut zur Geltung kommen. Es ist auch ein erster Anklang von Rose wahrzunehmen.
Nach der leicht spritzigen Eröffnung wird der Duft nach und nach runder und geht immer mehr in Richtung seiner DNA - pudrig, cremig, blumig. Definitiv auch seifig! Aber nicht irgendeine Seife, sondern die Seife aus dem besten Hotel, in dem ihr jemals übernachtet habt. Eine Seife, die einhüllt, beruhigt, Sauberkeit und tiefe Eleganz ausstrahlt. Nach einiger Zeit gesellt sich aber eine weitere Variable in die Duftkomposition mit dazu: Würze. Ich vermute, Kardamom und Koriander sind hier die "Übeltäter". Der Koriander bzw. der würzige Akzent stört mich persönlich leider etwas und lässt ihn noch mal schwerer wirken. Danach bleibt er allerdings relativ linear. Wem der Pikovaya Dama nach ca. einer halben bis einer Stunde auf der Haut noch gefällt, wird ihn danach auch noch lieben. Auf jeden Fall unbedingt auf der Haut testen.

Blindbuy Kandidat? Definitiv nicht.

Zur Projektion und Haltbarkeit lässt sich eine außergewöhnlich starke Performance und Sillage äußerst positiv hervorheben. Der Duft strahlt selbst nach dem Duschen noch intensiv aus, über 10-14 Std. Auf der Kleidung noch deutlich länger.

Was die Optik betrifft, ist der Flakon mit dem Tigerauge meiner Meinung nach der schönste, den Xerjoff je kreiert hat. Ich liebe dieses schlichte Design des kristallfarbenen Flakons in Kombination mit dem wunderschönen Tigerauge und dem bräunlich schimmernden Duftöl.

Der Duft selbst ist unisex. Dennoch sehe ich ihn eher an einer reiferen, gestandenen Frau, die mitten im Leben steht und auch ein Stück weit Erfolg ausstrahlt. Hier noch mal der Hinweis: Der Duft riecht wirklich teuer. Selbstverständlich kann den Duft jeder tragen und am Ende muss das jeder für sich selbst wissen. Geschmackssache eben.

Werde ich mir den Duft irgendwann kaufen?

Vielleicht, allerdings aus einer verlässlichen Souk-Quelle, da er dem originalen Preis meiner bescheidenen Meinung nach nicht gerecht wird. 500-600 € (100 ml) sind doch etwas übers Ziel hinausgeschossen, aber auch bewusst von der Marke Xerjoff so platziert.

Ich hoffe, ich konnte euch durch meine Erfahrung weiterhelfen.
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Beachclub – Ein echtes Nischenjuwel
Für mich ist Beachclub ein sehr innovatives und einzigartiges Parfüm, das deutlich mehr Aufmerksamkeit und eine höhere Bewertung verdient hätte.

In der heutigen Zeit werden Düfte schnell und gerne in das Segment „Nische“ eingeordnet, aber wenn ihr mich fragt, ist das Parfüm, das Kai Porten in Zusammenarbeit mit Miguel Matos geschaffen hat, echte Nische.

Eine DNA, die beim ersten Testen zwar durchaus herausfordernd ist, die aber, wenn man den Duft einmal verstanden hat, wirklich einzigartig ist und in genau dieser Form in der Duftwelt kein zweites Mal anzutreffen.

Der Duft startet mit ordentlich Power im Opening: Rauchige, würzige und leicht ledrige Noten, begleitet von einer sanft ausbalancierten Süße, bestimmen den Auftakt. Nach der ersten halben bis maximal einer Stunde lässt der oft erwähnte „Lagerfeuergeruch“ deutlich nach, und die Vielschichtigkeit des Duftes tritt immer mehr hervor. Harzig und warm geht es weiter, während süßliche Noten, unter anderem der Geruch einer äußerst leckeren Banane, nach und nach präsenter werden. Schließlich verschmilzt der Duft durch den sanften Moschus zu einer zweiten Haut, und am Ende bleibt eine wunderschöne Vanille, die noch viele Stunden präsent ist.

Beachclub ist nichts für Anfänger, sondern für Nischenfans, die auf der Suche nach neuen Duftfarben sind – Düfte, die staunen lassen, im Gedächtnis bleiben und sich klar vom Mainstream abheben.

Lieber Kai, tolle Arbeit, weiter so!
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