Turandot

Turandot

Rezensionen
1 - 5 von 838
Mutprobe bestanden
Ich gestehe, es hat schon eine gehörige Portion Mut gefordert, mich mit diesem Parfumeur näher auseinander zu setzen. Das ist ja eigentlich so gar nicht mein gewohntes Terrain. Ich habe mich natürlich auch mit seiner Hintergrundgeschichte befasst, die Doku über ihn angesehen und somit hat dann die Neugier gesiegt. Erwartet hatte ich nichts weniger als ein aussergewöhnliches und für mich Durchschnittsparfuma wahrscheinlich eher untragbares Kunstwerk, das ich einfach zur Erweiterung meines Dufthorizonts testen wollte. Die Geschichte um den Kreuzigungsnagel habe ich einfach mal ausgeblendet.

Erlebt habe ich dagegen einen Duft, der gleichwohl künstlerisch aussergewöhnlich ist und doch war meine Angst vor rauchig-harzigen Schwaden voller Düsternis völlig unbegründet. Im Gegenteil, mich begeistert, wie Filippo Sorcinelli Gewürze, Hölzer und Räucherwerk und nicht nur den Weihrauch selbst so einsetzt, dass das Ergebnis eben nicht rauchig, nicht klerikal, nicht düster wirkt und auch nicht an Gotik oder gar Walpurgisnacht erinnert. Ich erlebe, wie sich der Duft auf meiner Haut ausgesprochen sauber, samtig-seidig und eher silbrig entwickelt. Runder und noch vielschichtiger und ausdrucksstärker als die Weihrauchdüfte von Comme des Carcons, aber nichts bedrängt mich hier und ich bin in dieser Hinsicht ja eher ängstlich. Wenn ein Parfum zu dicht wirkt, gebe ich bald auf. Das wird mir schnell zu anstrengend und ich kann die Schönheit komplexer Rezepturen dann nicht wirklich anerkennen. Reliqvia ist dagegen für mich mal wieder ein Dufterlebnis, das ich als wirklich bereichernd empfinde.

Ganz sicher werde ich die Abfüllung verbrauchen. Ob ich mir dann einen Flakon zulege, das steht noch in den Sternen, zumal mir der Flakon auch zu plakativ das Symbol darstellt, das als Reliquie gewürdigt werden soll. Das stösst mich sogar ein wenig ab. Das ist aber im Moment auch völlig unwichtig. Ich freu mich erst mal einfach über eine neue Dufterfahrung.
16 Antworten
Mittel gegen den Herbstblues
Ein Duft, der im Auftakt mit Galbanum lockt, rennt bei mir schon mal offene Türen ein. Diese etwas widerspenstige Note nimmt den Gewürzen ihren Christkindlmarkt-Charakter und lässt die Rose Eleganz ohne Arroganz verbreiten. Weihrauch und ein Hauch Patchouli verleihen ein silbriges Finish und verhindern, dass die Vanille in der Basis es doch noch schafft im Verbund mit der Tonkabohne das Parfum im Ausklang ins aufdringlich Süße abdriften zu lassen. Unnötig, darauf zu verweisen, dass hier wieder Thomas Fontaine sein Können zeigt.

Ich glaube, Lubin wird die nächste Marke sein, mit der ich mich wieder einmal ausgiebig befassen werde. Nicht zuletzt die beeindruckende Webseite, in der ich mich immer mal wieder verliere erzählt Geschichten, die wunderbar in Parfum umgesetzt wurden.

Black Rose wird wohl für mich ein freundlicher Begleiter durch den gefürchteten grauen Herbst, dem kein noch so goldener Oktober seine bedrückende Seite nehmen kann. Aber ja, ich weiß, der nächste Frühling kommt bestimmt.
14 Antworten
Kalt = gefühllos? Im Gegenteil!
Ich habe die vielen aktuellen amber-tonka-vanille-warmen Düfte sowas von satt. Umso mehr genieße ich die klare,erhabene und ja, manchmal eisige Kälte, die Parfums ausstrahlen, wenn sie von Thomas Fontaine in die heutige Zeit transformiert wurden. Sie haben es nicht nötig kuschelig zu wirken, sondern sind für mich eher sophisticated, eventuell anfangs sogar etwas abweisend. Weder die Kopfnote fällt umsatzheischend mit der Tür ins Haus, noch bemühen Duftnoten des vorderen Orients in mitteleuropäisch gemäßigten Zonen Märchen aus 1001Nächten zu erzählen.

Adieu Sagesse ist für mich ein Beispiel, wie ein kühler Duft einen ganzen Roman erzählen kann, auf der Klaviatur der Gefühle spielt und dabei doch ernsthaft bleiben kann. Dabei spielt jedoch ein ganzes Füllhorn von Blüten die Hauptrolle. Diese Noten aber so einzusetzen, dass sie nicht romantisch bis zur Grenze zum Kitsch oder zur Tropenschwüle wirken. Das kann eben nur ein Parfumeur, der mit Nuancen zu spielen weiß und nicht ins Volle greifen muss.

Dass nicht nur die Heritage-Reihe von Patou inzwischen der Vergangenheit angehört, ist für mich auch ein Beispiel, wie frevelhaft mit den Kostbarkeiten der Duftwelt zugunsten des Umsatzes umgegangen wird. Das ganze Dufthaus Patou ist ja wohl inzwischen in den undurchsichtigen Tiefen eines Luxuskonzerns untergegangen. Umso mehr schätze ich es, wenn Parfumeure eben nicht dem Zeitgeist frönen sondern ihre olfaktorische Handschrift nicht verleugnen.

15 Antworten
Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!
Ja, ich weiß, das soll Adenauer mal gesagt haben. Aber geht es uns nicht allen hin und wieder so? Ich habe mich jedenfalls dabei ertappt, dass ich heute - 5 Jahre später - nicht mehr hinter meinem Statement zu 31 Rue Cambon EdP stehe. Da aber zustimmende Antworten darunter stehen, lösche ich es nicht. Schließlich war es ja mein damaliger Eindruck. Ich habe mich aber auch im Verdacht, damals einfach einttäuscht gewesen zu sein, dass mein heiß geliebtes 31 Rue Cambon EdT nicht mehr herstellt wird. Das Strahlen, die Spritzigkeit des EdTs hat mir gefehlt. So ganz objektiv war das vielleicht dann halt doch nicht.

Doch nun hat mir eine Abfüllung des EdPs das Parfum auf kürzestem Weg auf die Wunschliste katapultiert. Das ist ein Traumduft, der eine zarte Iris im Zaum hält, weniger pudrig als es sonst bei Parfums mit Iris in der Herznote üblich ist. Nicht wirklich pudrig und schon gar nicht staubig, wie ich manche Irisdüfte erlebe. Erfreulicherweise zeigen auch Ylang Ylang und die Rose vergleichsweise vornehme Zurückhaltung und belegen so chanel`sche Eleganz die es nicht nötig hat, irgendwelchen Trends nachzujagen.

Um noch einmal den Vergleich mit dem EdT zu bemühen: Was damals für mich ein Manko war, sehe ich heute anders, denn die fehlende Leichtigkeit und Ausstrahlung des EdTs wurde beim EdP durch Tiefe und Sinnlichkeit und ein warmes Verschmelzen mit der Haut mehr als wett gemacht. Nichts hat der Duft an Kostbarkeit verloren und so werde ich die Abfüllung genießen und schon langsam anfangen, das Sparschwein zu füttern.
12 Antworten
Ein neuer Stern am Dufthimmel...
...und was habe ich nun davon? Wie lange hoffte ich schon, mal wieder einen "echten", ja "richtigen" neuen Guerlainduft zu entdecken. Fast hätte ich die Hoffnung aufgegeben, hatte schon ketzerisch vermutet, die modernen Guerlainnasen können es halt einfach nicht. Aber weit gefehlt, sie können es schon noch - und wie. Aber ich werde wohl nie mehr, als mit ein paar Tröpfchen zum Testen, sozusagen einen Blick durchs Schlüsselloch in höhere Guerlaindimensionen blicken dürfen.

Mit Perle Impériale hat Guerlain wieder einen Duft geschaffen, den ich schlicht und ergreifend vollendet, ja perfekt nennen möchte. Seidig, schmeicheln, schimmernd wie Perlen, zart pudrig und doch niemals süß oder gar schwer schwebt der Duft über meiner Haut. Es mag ja sein, dass geübte Nasen die Feige, das Sandelholz oder ein weiches Leder erkennen können. Die Haltbarkeit ist auch erstaunlich, denn im Grunde ist das bei aller Eleganz und allem Ausdruck doch ein zarter Duft. Er flüstert, aber was er flüstert ist Poesie, ist Harmonie, ist einfach vollendet. Ich kann nur das Ergebnis genießen und habe gar keine Veranlassung, auch nur den Versuch zu unternehmen, die Rezeptur aufzudröseln.

Bin ich nun wirklich traurig, den Duft niemals wirklich mein Eigen nenne zu dürfen? Fast trifft das zu - aber ich will mich lieber drüber freuen, dank Parfumo zumindest mein "Achtel-Lorbeer-Blatt" genießen zu können. (Geklaut bei Reinhard Mey) Also schweig ich fein still und beschreibe Glück einmal mehr damit, einen neuen Guerlainduft erleben zu können.
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