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Turandot

Turandot

Rezensionen
1 - 5 von 841
Trommelwirbel zur Bekanntgabe einer Niederlage
das nannte man zu Napoleons Zeiten eine Chamade .

1969 war ich mit 19 gerade aus dem zwar hochinteressanten, aber inzwischen überflüssigen Beruf der Drogistin ausgebrochen und in der feinsten Parfümerie der Stadt gelandet. Zwar hoffnungslos unterbezahlt, denn es war ja eine Ehre, hier überhaupt arbeiten zu dürfen, aber überglücklich. Ich kann mich noch gut erinnern, dass damals die ersten knallbunten Hot Pants auftauchten und wir die, wie auch heute wieder, über ebenso bunten Strumpfhosen trugen. Tja Mädels, alles schon da gewesen.

Von Guerlain führten wir für Damen damals nur Shalimar, Mitsouko Chant d`Aromes und Jicky. In unseren Augen, bzw. Nasen Düfte für ältere Damen so mindestens über 35!! Dann wurde uns Chamade vorgestellt und wir Mädels waren aus dem Häuschen. Natürlich gefiel uns die Übersetzung mit der romantischen Geschichte, waren wir doch in einem Alter, in dem wir uns noch gerne geschlagen gegeben haben. Aber ganz abgesehen davon war Chamade ein eleganter Duft, der auch zu uns jungen Dingern gepasst hat, Düfte für junge Mädchen waren damals entweder patchouli-lastig und damit unfein, oder frischblumig.

Der erste Eindruck war romantisch, verspielt blumig, dann wurde es elegant, warm, schmeichelnd um mit unserer Ausdrucksweise damals als Kuschelduft zu enden. Heute denke ich, dass der Duft für uns eigentlich viel zu groß war, aber wir fühlten uns damit als Dame, was natürlich keine zugegeben hätte, denn die Elterngeneration haben wir wildentschlossen verachtet. Wir gehörten endlich auch "dazu". Holten uns einen Hauch der Eleganz unserer Kundinnen, wenn auch nur olfaktorisch.

Wir waren uns damals nur noch nicht schlüssig, ob wir uns Warren Beatty Marlon Brando oder Rock Hudson geschlagen geben sollten.
22 Antworten
Weder Nische noch Nostalgie, aber ein Aha-Erlebnis.
Es ist mir klar, dass ich bei diesem Duft wieder einmal gegen den Strom schwimme. Aber ich stehe hier, ich kann nicht anders als zu versuchen, meine Begeisterung in Worte zu fassen.

Die geneigte Leserschaft möge mal ausblenden, dass die Düfte von Issey Miyake in jedem größeren Müller und erst recht in den Parfümerieabteilungen normaler Kaufhäuser in unseren 0815/Innenstädten zu finden sind. Es ist mir auch klar, dass die Duftnoten, die in der Pyramide stehen selbstredend synthetischer Art sind. (Beinahe hätte ich geschrieben "synthetischer Natur") Ausserdem wird dem Parfum wohl schon von vornherein jegliche Weiblichkeit abgesprochen, so dass die wenigsten meiner Geschlechtsgenossinnen auch nur in Erwägung ziehen, den Duft mal zu testen. Gedanklich eingeordnet, abgehakt und für uninteressant befunden. Und damit entgehen sie einem Dufterlebnis, das zumindest einem Teil der weiblichen Parfumas durchaus für den kommenden Sommer ein Rezept gegen bleierne Hitzeperioden liefern könnte.

Allerdings will ich durchaus einschränken, welchen Damen ich Le Sel d'Issey und vor allem das Eau de Parfum zum Test empfehlen möchte:
Wer klare und kalte Düfte wie z.B. Tirrenico liebt, wer noch heute Düfte mit Eichenmoos sucht, wer noch heute Wrappings nachtrauert, Victrix
mag und einen Duft nicht zum Kuscheln sucht, sondern es genießen kann, wenn einem ein Parfum den Kopf frei pustet. All denen rate ich, einfach mal wieder in die banalen Niederungen der Kaufhausparfümerien hinabzusteigen. Wer sich fürchtet, weil als Note "Algen" angegeben ist, den kann ich beruhigen. Weder das gekippte Poolwasser noch der ungepflegte Gartenteich lassen grüßen, sondern ein eiskalter Hauch Meeresluft weht einem über die Haut.
Der Duft hat für mich auch keinen deutlichen Verlauf und auch der Weihrauch ändert nichts an der strahlenden Helle, die Le Sel durchzieht. Das ist sicher kein raffiniertes Kunstwerk der Parfumkunst, das uns durch Stunden immer neue Bilder und Geschichten vorführt. Aber mich hat der Duft positiv überrascht und wer weiß, vielleicht wird er im Sommer in meiner Sammlung zu finden sein.
14 Antworten
Einladung ins Kopfkino
Ob Bertrand Duchaufour jemals in Tibet war, wissen wir natürlich nicht. Aber ich vermute, dass er sich zumindest mit dem Land und seiner Geschichte intensiv befasst haben wird. Ich habe meist sehr feine Antennen dafür, ob ein Duft auf Teufel komm raus auf ein olfaktorisches Bild getrimmt wurde, oder ob der Parfumeur sich in die Materie eingefühlt hat, die er dufttechnisch nachempfinden möchte.

Von Khullu habe ich inzwischen genügend Testmaterial, dass ich mich mit dem Duft intensiv beschäftigen konnte. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich es hier weniger mit einem Parfum zu tun habe, das ich tragen möchte. Ich wüsste gar nicht, zu welcher Gelegenheit das passen könnte. Und trotzdem fasziniert mich der Duft. Ich sitze entspannt im gemütlichsten Sessel, habe keinerlei sonstige Ablenkung, konzentriere mich nur auf den Duft auf meinem Handgelenk und bin unversehens in einem Kopfkino gefangen, das mich in eine mir im Grunde völlig fremde Welt entführt, die Welt der Nomaden im Hochland von Tibet. Ich sehe, ja spüre die grobe Leinwand, aus der die Jurte gewebt ist, höre die blechernen Glocken der Jaks, die so anders klingen als unsere Kuhglocken, rieche die offene Feuerstelle und die Gewürze die von der Kochstelle aufsteigen. Ich sehe die Weite der Landschaft und die Klarheit der Berge in ewigem Eis in der Ferne. Klingt kitschig? Vielleicht - für mich ist das ein olfaktorisches Bild, das vor meinem geistigen Auge entsteht und das umso erstaunlicher, als es ja ein europäisches Dufthaus ist und bei Khullu ein französischer Parfumeur diese Szenerie entsehen ließ.

Khullu wird wohl im Gegensatz zu z.B. Spring in Bome aus demselben Haus kein Duft sein, den ich als Parfum tragen möchte. Aber wer sich auf sein Kopfkino einlassen kann, dem erzählt er Geschichten einer exotischen Welt, bei der wir sicher immer nur Zaungast sein werden. Die Abfüllungen werde ich gerne auf diese Weise verbrauchen und wer weiß, vielleicht erzählt mir Khullu ja eines Tages noch ein neues Kapitel aus der Heimat des Dalai Lhama. Bertrand Duchaufour ist für mich ein Magier der Düfte, zumindest dieses Mal.





13 Antworten
Mutprobe bestanden
Ich gestehe, es hat schon eine gehörige Portion Mut gefordert, mich mit diesem Parfumeur näher auseinander zu setzen. Das ist ja eigentlich so gar nicht mein gewohntes Terrain. Ich habe mich natürlich auch mit seiner Hintergrundgeschichte befasst, die Doku über ihn angesehen und somit hat dann die Neugier gesiegt. Erwartet hatte ich nichts weniger als ein aussergewöhnliches und für mich Durchschnittsparfuma wahrscheinlich eher untragbares Kunstwerk, das ich einfach zur Erweiterung meines Dufthorizonts testen wollte. Die Geschichte um den Kreuzigungsnagel habe ich einfach mal ausgeblendet.

Erlebt habe ich dagegen einen Duft, der gleichwohl künstlerisch aussergewöhnlich ist und doch war meine Angst vor rauchig-harzigen Schwaden voller Düsternis völlig unbegründet. Im Gegenteil, mich begeistert, wie Filippo Sorcinelli Gewürze, Hölzer und Räucherwerk und nicht nur den Weihrauch selbst so einsetzt, dass das Ergebnis eben nicht rauchig, nicht klerikal, nicht düster wirkt und auch nicht an Gotik oder gar Walpurgisnacht erinnert. Ich erlebe, wie sich der Duft auf meiner Haut ausgesprochen sauber, samtig-seidig und eher silbrig entwickelt. Runder und noch vielschichtiger und ausdrucksstärker als die Weihrauchdüfte von Comme des Carcons, aber nichts bedrängt mich hier und ich bin in dieser Hinsicht ja eher ängstlich. Wenn ein Parfum zu dicht wirkt, gebe ich bald auf. Das wird mir schnell zu anstrengend und ich kann die Schönheit komplexer Rezepturen dann nicht wirklich anerkennen. Reliqvia ist dagegen für mich mal wieder ein Dufterlebnis, das ich als wirklich bereichernd empfinde.

Ganz sicher werde ich die Abfüllung verbrauchen. Ob ich mir dann einen Flakon zulege, das steht noch in den Sternen, zumal mir der Flakon auch zu plakativ das Symbol darstellt, das als Reliquie gewürdigt werden soll. Das stösst mich sogar ein wenig ab. Das ist aber im Moment auch völlig unwichtig. Ich freu mich erst mal einfach über eine neue Dufterfahrung.
16 Antworten
Mittel gegen den Herbstblues
Ein Duft, der im Auftakt mit Galbanum lockt, rennt bei mir schon mal offene Türen ein. Diese etwas widerspenstige Note nimmt den Gewürzen ihren Christkindlmarkt-Charakter und lässt die Rose Eleganz ohne Arroganz verbreiten. Weihrauch und ein Hauch Patchouli verleihen ein silbriges Finish und verhindern, dass die Vanille in der Basis es doch noch schafft im Verbund mit der Tonkabohne das Parfum im Ausklang ins aufdringlich Süße abdriften zu lassen. Unnötig, darauf zu verweisen, dass hier wieder Thomas Fontaine sein Können zeigt.

Ich glaube, Lubin wird die nächste Marke sein, mit der ich mich wieder einmal ausgiebig befassen werde. Nicht zuletzt die beeindruckende Webseite, in der ich mich immer mal wieder verliere erzählt Geschichten, die wunderbar in Parfum umgesetzt wurden.

Black Jade wird wohl für mich ein freundlicher Begleiter durch den gefürchteten grauen Herbst, dem kein noch so goldener Oktober seine bedrückende Seite nehmen kann. Aber ja, ich weiß, der nächste Frühling kommt bestimmt.
14 Antworten
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