Turbobean I / smell / Quality

16.12.2019 21:42 Uhr
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Manchmal kriegt sogar so en abgebrühter-desillusionierter Parfumo wie ich Pipi in die Augen…

Als ich eben den Blog der Kollegin @Ttfortwo gelesen habe, in dem sie so wunderbar von einer supernetten Geste ihrer Vorgesetzten berichtet, wurde mir ganz weihnachtlich zumute und warm ums Herz.

Sofort erinnerte ich mich an einen Moment, in dem auch mir jemand eine riesengroße Freude gemacht hatte, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe. Und obwohl die Story schon lange her ist und überhaupt nichts mit Parfums zu tun hat, möchte ich sie hier erzählen.

Obwohl … damals habe ich stets intensiv nach "Balafre Vert (Eau de Toilette)" geduftet. Soviel dazu. Was war das für ein schöner Duft! Jetzt bin ich nicht mehr ganz off topic.

Jedenfalls habe ich damals während der Buchmesse in einem Frankfurter Hotel gearbeitet. Eigentlich an der Bar. Aber im Frühstücksservice herrschte eine gewisse Aufregung, denn Udo Jürgens war im Haus und wollte sein spätes Frühstück auf's Zimmer. Die auszubildenden jungen Damen wendeten sich an mich mit Autogrammwünschen, denn ich hatte bereits in dieser Abteilung zu tun und kannte die Kollegen recht gut. (Einer hat sich mal die Glut seiner heimlichen Zigarette vor Schreck in den eigenen Hemdsärmel gekippt, weil ich hinter ihm stand und die Stimme des Restaurantdirektors imitierte. Es war ein Riesenspaß und das ganze Team hat sich vor Lachen überhaupt nicht mehr eingekriegt.)

Ich bat also darum, das Frühstück nach oben bringen zu dürfen, was mir gestattet wurde. Als ich dann vor Udo Jürgens stand, bat ich ihn um ein paar Autogrammkarten. Er bedauerte, dass er derzeit keine Karten bei sich habe. Aber er wollte später sehen, was sich machen ließe. Das Thema war für mich aber erledigt, und ich musste die Damen enttäuschen. Schließlich hatte sowohl Udo Jürgens als auch meine Wenigkeit noch Anderes zu tun.

Als ich gegen Mitternacht meine Bar abschloss und das Hotel verließ (durch den Vordereingang, denn der Personaleingang war ab 22 Uhr geschlossen) um den Feierabend einzuläuten, kam mir auf der Treppe tatsächlich Udo entgegen, der soeben sein Konzert in der Frankfurter Festhalle beendet hatte. Als er mich sah, war er hocherfreut und meinte, es sei schön, dass wir uns doch noch getroffen hätten und ob ich wüsste, wo man hier noch in Ruhe ein Bier trinken könne.

Na klar wusste ich das. Ich hatte den Schlüssel zur „kleinen Bar“, wo kein Mensch mehr saß. Wir strebten also gemeinsam die Tränke an. Auch ich hatte großen Durst nach einem anstrengenden 14-Stunden-Tag. Wir waren wie Hirsche auf der Suche nach der labenden Tränke. Auf dem Weg zur Bar durchquerten wir die Hotelhalle. Dort tagte noch ein Team vom ZDF. Ich erinnere mich an Frank Elstner und Eberhadt Stanjek, die ich an dem Abend ebenfalls bedient hatte.

Als sie Udo Jürgens erblickten, baten sie ihn zu sich an den Tisch. Aber Udo winkte ab. Zu müde, es täte ihm sehr leid. So setzten wir erstens unseren Weg fort und uns zweitens an die leere Bar. Ich holte zwei Fürstenberg aus dem Kühlschrank, die wir uns schmecken ließen. Er interessierte sich dafür, was ich so tue und ich durfte ihm ein wenig berichten. Dann leerte er sein Bier und zückte einen ganzen Stapel Autogrammkarten. Ich diktierte: Für Petra, für Brigitte, für Dana. Herzlichst, Udo. Ich bekam auch eines. Servus Turbo war darauf zu lesen. Und ist es noch heute, weil ich das Kärtchen in Ehren halte.

Manche 'Kleinigkeiten' vergisst man sein ganzes Leben nicht. Frohe Weihnachten.


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