Turbobean I / smell / Quality

1 - 5 von 15

Der geschätzte Forums-Kollege JoHannes hatte es mir prophezeit: "In Kuwait gibt es gute Düfte!", behauptete er. Ich antwortete: "Aber leider nicht um ein Uhr in der Früh." Mein Zwischenstopp im Nahen Osten fand nämlich zwischen ein und sechs Uhr morgens statt und meine Hoffnung, zu dieser Uhrzeit auf eine reiche Auswahl an Düften zu treffen, ging gegen Null. Ich sollte mich getäuscht haben. Aber dazu später.

Mein Hinflug mit einer arabischen Airline war zunächst von irritierenden Erlebnissen geprägt. Nie hatte ich so viele voll verschleierte Frauen gesehen. Ich respektiere diese muslimische Tradition, schaudere aber immer ein wenig, bei deren Anblick. Zumindest gibt es auch Burkas von Chanel, wie ich feststellen konnte, so dass die Damen auch etwas französischen Chic genießen.

Die Herren tragen ebenfalls lange Gewänder, allerdings in angenehmem Weiß. Und im Gegenteil zu den zurückhaltenden Damen, neigen sie auch eher zu Meinungsäußerungen. Während des Fluges flammte ein Streit zwischen zwei Männern auf, der zunächst mit Beschimpfungen begann, dann in beträchtliche Handgreiflichkeiten überging, und nachdem das Flugpersonal mit Unterstützung anderer Fluggäste die Streithähne trennen konnte, flogen Schuhe in vollem Karacho durch die Kabine, begleitet von wüsten Beschimpfungen (sogenannten Wüstenbeschimpfungen).

Neben mir und hinter mir saß eine sechsköpfige Familie. Kurz vor der Landung holte Mama einen großen Flakon aus den Tiefen ihrer Burka und reichte ihn unter ihren Lieben herum. Alle Familienmitglieder besprühten sich mit diesem Duft. Und ich fand das einfach nur klasse! Ein wunderschöner Oud-Duft durchzog die Kabine. Nicht schwer, sogar etwas frisch, mit hellem Holz. Ja, dachte ich mir, so etwas würde ich auch tragen. Ich war kurz davor, die Familie auf den Duft anzusprechen, traute mich aber nicht. Die Herrschaften machten auf mich nicht den Eindruck, als wären sie an einem Fachgespräch interessiert. Vielleicht hätte ich nur etwas mehr Mut haben müssen. Gewiss hätte man freundlich reagiert.

Dann packten weitere Anwesende ihre Flakons aus und als nächstes nahm ich einen Schoko-Vanille-Duft wahr, der auch etwas Frische zeigt. Danach kam noch ein recht moderner Oud-Duft zum Zuge. Jedenfalls scheint es in Fliegern aus dem arabischen Raum vor der Landung olfaktorisch hoch her zu gehen.

Zurück am Boden verzauberte mich dann zunächst ein anderer Duft: Bei einem gemeinsamen Essen mit thailändischen Freunden, wurde ich auf eine Pflanze aufmerksam, die einen sehr feinen Duft verströmte.

Zur Verwunderung meiner Tischnachbarn beschäftigte ich mich ausgiebig mit dem Gewächs im Blumentopf, zupfte eine Blüte ab, reichte sie herum, und alle Anwesenden stimmten mir zu, dass dies ein sehr schöner Duft sei. Bis plötzlich eine junge Dame einen Schrei ausstieß und einen Warnruf auf thailändisch verlauten ließ. Sofort waren alle Damen am Tisch in heller Aufregung und sorgten für weitest möglichen Abstand zwischen ihnen und der Pflanze. Die Reaktionen glichen denen des westlichen Pendants, wenn plötzlich eine Maus auf der Bildfläche erscheint: Es herrschte blanke Panik.

Grund für diesen Aufruhr war eine große Raupe, die sich genüsslich über die jungen Blüten her machte. Nicht für Geld und gute Worte war man bereit, sich der Pflanze wieder zu nähern und es musste der Tisch gewechselt werden. Ich weiß bis heute nicht, was an diesem possierlichen Tierchen so schrecklich sein soll. Meine Nachfrage ergab lediglich, dass man die "Augen" nicht sonderlich schätzte.

Als mein Aufenthalt in Thailand dem Ende zuging, hatte ich weder einen Oud-Duft entdeckt, noch konnten mich andere duftende Produkte (Salben, Cremes, Sprays, Gewürzmischungen, Hölzer, etc.) überzeugen, so dass ich den Rückflug ohne solcherlei Souvenirs antrat. Wenig Hoffnung setzte ich auf den Zwischenstopp in Kuwait, da in den Stunden nach Mitternacht im Allgemeinen kein nennenswertes Angebot auf Flughäfen herrscht.

Als ich gegen 2:30 Uhr alle Formalitäten hinter mich gebracht hatte, betrat ich den Duty Free Bereich und staunte nicht schlecht darüber, dass sämtliche Shops geöffnet, und mit reichlich Personal ausgestattet waren. Die Dame, die sich im Parfumshop an meine Fersen heftete, betrachtete es offenbar als ihre Pflicht, mich möglichst bald und ausgiebig mit diversen Essenzen zu besprühen. Immer wieder hob sie den einen oder anderen Flakon empor, beschrieb ihn als "very good" und zielte in meine Richtung. Ich konnte sie nur mit Mühe davon abhalten, den Abzug zu drücken.

Stattdessen versuchte ich, meinen neu gewonnenen Schatten zu ignorieren und umrundete die Regale, auf der Suche nach einem Schätzchen. Hierzu genügt mir in der Regel ein kurzer Schnupperer am Sprayer und ich weiß ungefähr, was Sache ist. Unter misstrauischen Blicken der ambitionierten Verkäuferin drehte ich also meine Runden und gelangte irgendwann zum Regal von "Atyab al Marshoud", einem kuwaitischen Hersteller mit langer Tradition. Ich schnupperte hier, ich schnupperte dort und ebenfalls an einem weißen Flakon mit der Aufschrift Marshoud 4.

Klingelingeling! Kennt ihr das? Man schnuppert so vor sich hin und plötzlich macht es klick. Wow! Was war denn das??? Ich nahm einen wunderschönen hellen orientalischen Duft mit modernen, eleganten Anklängen wahr. Nun durfte meine Begleitung sprühen. Auf das Kärtchen bitte. Nein, nicht auf den Arm! Mit dem Kärtchen in der Hand schlenderte ich durch die Hallen und konnte meine Nase nicht davon lassen. Also gut: Zurück zum Regal und zwei Sprüher auf den Hals. Schade, dass meine neue Freundin inzwischen offenbar Feierabend hatte, das hätte ihr Spaß gemacht.

Ab in ein Cafe, wo ich für zehn Euro eine Tasse Tee und einen (hervorragenden) Zitronenmuffin erwarb. So saß ich nun da, genoss meinen Tee, und eine Welle von Glück überkam mich, ausgelöst von dem, was da vom Hals nach oben strömte. Und auch noch viele Stunden später im Flieger versiegte diese Quelle nicht. Es duftete erstens ausgiebig und zweitens wunderschön.

Keine Frage, dass ich einen Flakon von Marshoud 4 erworben habe. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass es sich um echtes Oud handelt, eingewoben in helles Holz und ein paar moderne Noten von Moschus und ISO-E-Super. Der Duft hält sehr lange an und entwickelt sich mit der Zeit immer mehr in Richtung blumiges, natürliches Oud. Was für eine Entdeckung!

Der Kollege JoHannes hatte Recht: In Kuwait gibt es gute Düfte. Und ich bin am Ende meiner Reise doch noch zu einem duftenden Souvenir gekommen. Und was für einem!

20 Antworten

Im hiesigen Off-Topic-Forum "Tausend tolle Tipps" geben Parfumixe einander Ratschläge jeglicher (meist hausfraulicher) Art und Weise. Vielleicht hat der Eine oder die Andere diesen praktischen und unterhaltsamen Thread ja noch gar nicht entdeckt:

https://www.parfumo.de/forum/viewtopic.php?t=84137

Meinen heutigen Tipp könnte ich auch dort platzieren, aber es gibt noch einen Aspekt, der vielleicht eine Aufwertung zum Blog verdient.

Hier ist also mein Tipp und seine Geschichte:

Was tun gegen Stechmücken?

Werdet Ihr in diesem Spätsommer auch von Mücken geplagt? Diese kleinen summenden Biester, die man hört, aber nicht sieht, um sie ein paar Minuten später zu spüren, wenn sie an empfindlichsten Hautpartien ihr schändliches Werk getan haben, und eine schrecklich juckende Quaddel produzierten, die einen nicht mehr schlafen lässt. Und als ob das noch nicht genug Gemeinheit wäre, nehmen sie sich, quasi als Nachtisch, noch mindestens eine andere Körperstelle vor, so dass man gar nicht mehr weiß, wo man zuerst kratzen soll.

In diesem Spätsommer habe ich bereits an mehreren Nächten derbe Flüche und Verwünschungen in Richtung dieser Plagegeister ausgestoßen, für die ein gutes Jahr zu sein scheint. Sie bevorzugten die empfindlichen Stellen zwischen meinen Fingern und das juckt fürchterlich.

Vor meinem ersten Asien-Aufenthalt hatte ich mich in der Apotheke erkundigt, was gegen Moskitos zu tun sei. Der Apotheker drückte mir eine Flasche mit DEET in die Hand, eine chemische Mückenkeule, die man nicht öfter als zweimal täglich benutzen, und auf keinen Fall in Mund oder Augen bekommen darf.

Wie unnötig diese Art von chemischem Giftcocktail ist, erfuhr ich dann in Thailand. Dort geben sich die Menschen natürliche Liquids auf die Haut, die man in jedem Laden kaufen kann. Es handelt sich um einfache Mischungen mit Orangenöl, Lavendel oder irgendwelchen Blüten. Dem Vernehmen nach avisieren Mücken den Duft der Haut. Und wenn dieser von anderen Aromen überdeckt wird, dann finden die Plagegeister ihre Nahrungsquelle einfach nicht mehr. Das funktionierte gut, und mein DEET blieb ungenutzt im Koffer.

Nun hatte ich zwar keines dieser Wundermittel in meiner Hausapotheke, aber ich dachte mir, dass ein sommerliches Eau de Parfum mit Zitrus- und Holznoten ebenfalls die gewünschte Wirkung erzielen müsste. So rieb ich den angenehmen Duft Original Vetiver von Creed auf die Hände und hoffte, in dieser Nacht verschont zu bleiben.

Und siehe da: Am nächsten Morgen wachte ich nach einer ungestörten Nacht frisch und munter auf. Soweit mein Tipp. Die Methode scheint zu funktionieren.

Dann saß ich bei meiner morgendlichen Kanne Tee und sinierte so vor mich hin, als ich plötzlich eine wunderschöne Moschusnote vernahm. Ich hatte keine Ahnung, wo diese herkam, bis ich mich an meine vorabendliche Aktion erinnerte. Ja natürlich! Der Moschus von Original Vetiver auf meiner Hand.

Das ist wirklich eine der schönsten Begrüßungen am Morgen, die ich mir vorstellen kann. Außer einem zarten Kuss natürlich ;-)

10 Antworten
Vor 62 Tagen
42 Auszeichnungen

Wusstet ihr eigentlich, wie gut man Gerüche wahrnimmt, wenn man selber keinen Duft trägt? In dieser Woche habe ich damit erste Erfahrungen gemacht, wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal eine Olive isst, nachdem es sich jahrelang dagegen gesträubt hatte.

Aber von vorne:

Da ich die neuesten Diskussionen sehr wichtig finde, darüber, was wir Parfumixe zum Umweltschutz beitragen können, hatte ich einen Feldversuch gestartet: Kann man Taschenzerstäuber mit Hilfe von Alkohol und Essig, wieder komplett duftneutral machen und somit wiederverwenden? (Siehe Forum) Ich also einen alten Glas-Taschenzerstäuber (Inhalt: APOM pour Homme) sowie einen alten Plastik-Taschenzerstäuber (Inhalt: Chanel Allure Homme Edition Blanche) nach allen Regeln der Kunst mit Alkohol gereinigt und in Essig eingelegt.

Die erste Reinigung von Sprayer und Fläschchen mit Alkohol erfolgte über der Küchenspüle und in besagte Spüle floss dann auch die alkoholische Flüssigkeit. Das war ein Fehler. Seitdem duftet es aus dem Abfluss meiner Spüle nach einer kruden, unangenehmen Mischung diverser Duftbestandteile. Besonders dann, wenn in diese Spüle heißes Wasser gegossen wird. Es ist ein Grauen und besonders Edition Blanche nervt sehr. Dessen Basisnote finde ich in dieser Darreichungsform unerträglich.

Am einem der nächsten Abende stand ein Workshop an: „Frankfurt Green City“. Eine Veranstaltung, die sich großem Interesse erfreute. Somit war der Veranstaltungssaal prall gefüllt. Bevor ich dorthin loszog, nahm ich noch eine erfrischende Dusche (es war heiß draußen) und normalerweise hätte ich danach ein paar Sprüher eines unaufdringlichen Sommerduftes genommen, wahrscheinlich Original Vetiver. Aber auf Grund der geruchlichen Belästigungen aus meiner Küchenspüle war mir, zum ersten Mal seit Jahrzehnten, nicht nach Beduftung zumute. Nur das bewährte Weleda Sanddorn-Deo erhielt Landeerlaubnis.

Eine Stunde später nahm ich meinen Platz inmitten anderer Zuhörer ein und staunte nicht schlecht, welche vielfältigen geruchlichen Eindrücke mich erreichten. Eindrücke, die ich so intensiv sonst nicht wahrnehme. Kein Wunder: Normalerweise bin ich so beseelt von meinem eigenen Duft, dass höchstens eine übermäßige Anzahl Sprüher One Million, Chanel No. 5 und Konsorten von mir wahrgenommen werden. Na ja, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es ist schon ein großer Unterschied spürbar.

Nun saß ich also da, neben mir zwei junge Hipster, die gewiss mit ihrem Rennrad vorgefahren waren, auf der anderen Seite zwei alternativ angehauchte Damen, die Dinkel-Butterbrot mit Tomaten und duftenden Kräutern verspeisten. Hinter mit hatte ein Herr seinen Schweiß nicht im Griff. Irgendwo in der Nähe hat jemand zweimal während des Vortrages dezent einen fahren lassen. Der Hipster neben mir trug Grey Vetiver (unangenehm bei der Hitze) und zwei, drei Sitze weiter saß eine angemessene Dosierung Sauvage. Gar nicht so schlecht. Die Dame schräg vor mir duftete sehr gut: Zitrisch mit leicht blumigen Anklängen und vor Allem unaufdringlich. Ihr gebührt der Duftpokal des Abends.

Zwei Dinge möchte ich also loswerden:

1. Schütte niemals Parfumreste in die Küchenspüle.

2. Gehe doch mal unbeduftet unter die Leute. Du wirst staunen ...

20 Antworten
Vor 89 Tagen
34 Auszeichnungen

Ein Blick auf die Auszüge meines Girokontos würde keinerlei verdächtige Aktivitäten zu Tage fördern: Gehaltszahlung, Mainova, Supermarkt, DSL-Anschluss, Käufe von Gartengeräten, Boxershorts, ein Buch, Online-Apotheke, ein Restaurantbesuch, Zuzahlung für eine Zahnbehandlung und natürlich die monatliche Zahlung für mein Worldvision-Patenkind.

Keinerlei verdächtige Transferleistungen an Parfümerien oder an private ParfumverkäuferInnen. Man könnte glatt denken, ich hätte mit Düften nichts am Hut.

Aber weit gefehlt! Für solche Zwecke umgehe ich die Trutzburg meines Girokontos, die seit Jahren der stets lauernden Gefahr einer Kontoüberziehung und der damit verbundenen horrenden Überziehungszinsen standhält. (Jeder, der sparen möchte, sollte als erstes versuchen, sein Girokonto auszugleichen. Damit ist schon viel erreicht.) Vielmehr nutze ich für solcherlei Zwecke mein Paypal Konto. Ich nenne es Playpal. Hier spielt das Leben!

2005 subskribierte ich einmal Bordeaux-Weine, die ich sorgfältig im Keller einlagerte. Heute sind sie etwas im Wert gestiegen und werden nicht nur getrunken, sondern auch verkauft. Zahlung per Playpal. Das Bild im Wohnzimmer passt einfach nicht mehr zu meiner Einrichtung. Verkauf über Playpal. Die vier Jeans, die ich fast nie trage: Ebay. Zahlung per Playpal. Und alle vernachlässigten Flakons aus meiner Sammlung … ab in den Souk. Zahlung per Playpal.

Und wenn dann das Geld endlich eingegangen sind, gehen die Planungen vergnüglich los: Welchen Duft wünsche ich mir schon lange? Welchen sollte ich unbedingt probieren? Welcher Flakon würde mir Freude bereiten? Es steht Geld zur Verfügung. Mach was draus! Bisher ist mir das stets vortrefflich gelungen. Es gab immer Objekte des Begehrens auf meiner Liste und mein Guthaben wurde gut angelegt.

Aber nun ist nichts mehr, wie es war. Wie aus heiterem Himmel. Nachdem ich etwa 1000 Düfte getestet, und etwa 100 Flakons ge- und verkauft habe, durften bei einer nochmaligen, gründlichen Aufräumaktion die letzten fraglichen, vernachlässigten Flakons gehen. Etwa 450,- Euro wurden damit in mein Playpal-Konto gespült, bereit, reinvestiert zu werden. Aber was ist das? Seit einem Monat tut sich auf diesem Konto nichts. Eine Sushi-Bestellung und zwei Abfüllungen, aber das war's auch schon.

Um es deutlich zu sagen: Es gibt kein einziges Duftprodukt auf dem Planeten Erde, das ich mir wünsche. Das, was ich habe, macht mich rundum zufrieden und es besteht kein weiterer Handlungsbedarf. War's das jetzt?

Vielleicht sollte ich mir wieder eine Freundin suchen. Mit einer Vorliebe für Düfte. Auf meiner persönlichen Seite gibt's ein Bild von mir … ;-)


18 Antworten
Vor 96 Tagen
34 Auszeichnungen

Es ist schon erstaunlich, wie oft ich mich mit dem Thema „Düfte“ beschäftige, obwohl ich eigentlich keiner der Hardcore-Sammler bin. Und ich finde es einfach wunderbar, dass ich mir zum Beispiel Morgens, bei einer Tasse Tee, noch bevor der Arbeitsalltag über mich hereinbricht, Gedanken mache über meine Vorlieben und die neuesten Abfüllungen, dass ich schnuppere, in Betracht ziehe, bewundere, seziere, beschreibe und auch verwerfe. Das Ganze ist für mich total erfreulich und entspannend.

Dann setze ich mich auch noch an einem Sonntag Mittag hin und schreibe einen Blog über diese eigentlich total unwichtigen Dinge. Ich finde, das ist ein Stück Lebensqualität und einfach total positiv.

An einem dieser ruhigen Morgende, bei einer Tasse Tee, erkannte ich auch, was meine Signatur ist.

Ein Signaturduft, also ein Duft, den man am häufigsten und am liebsten trägt, mit dem man sich am besten identifizieren kann, hat Vor- und Nachteile:

Ein gravierender Vorteil ist, dass man ein Erkennungsmerkmal hat. Ich erlebe das bei Freunden und Bekannten, die sich keine großen Gedanken machen, sondern einfach nur einen Duft ständig benutzen. Eine Freundin trägt bei unseren Treffen immer „Chloe“, unser Elektriker duftet immer nach einem männlichen Beifuß-Deo (sowas spanisches), ein Bekannter riecht immer recht streng nach Synthetik und eine Lehrerin in der Kunstakademie, sie hat braune, volle Locken, die ihr wahnsinnig gut stehen, verwendet nur Jil Sander III, der ihr ebenso gut steht.

Das hat was: Ein Duft, der zu einem Menschen gehört. Eigentlich finde ich dieses Konzept toll. Nachteil: Man selbst riecht den Duft, welchen man täglich benutzt, nur noch kurz nach dem Aufsprühen. Für mich wäre das nichts, denn ich möchte meinen Duft zumindest ein paar Stunden oder am besten den ganzen Tag über wahrnehmen.

Dem Konzept „Signaturduft“ steht in meinem Fall also die Adaptionsfähigkeit des Geruchssinns entgegen.

Doch nun hat mir ein Duft vor Augen geführt, was ich will, wie ich duften möchte und wie ich den Spagat zwischen Signatur und Adaption hinkriege:

Seit zwei, drei Monaten besitze ich den Duft „Freshman“ von Truefitt & Hills. Böse Zungen behaupten, es handele sich um billigste Synthetik. Für mich ist es hingegen der optimale Duft. Aber warum? Nun, es gibt zwei Arten von synthetischer Frische, die ich liebe: Die wilde Frische der Meeresluft und die kühle Frische der Bergluft. Für beide gibt es synthetische Entsprechungen. Zum Einen den berühmten Cool Water Aquatik-Akkord, wie man ihn auch in „Green Irish Tweed“ findet und zum Anderen den weit verbreiteten „Sky-Air-Akkord“, den man von „Pleasures for Men“ und „Himalaya“ von Creed kennt.

„Freshman“ startet mit kühler Bergluft und mündet nach vielen Stunden in dem angenehmen Duft einer nordischen Meeresbrise a la Cool Water. Kraftvoll und frisch. Klar und sauber. Synthetik, die in mir Assoziationen von Erlebnissen in der Natur hervorruft, abgerundet mit frischen Zitrusfrüchten und als Gegenpol ein Hauch blumiger Ylang-Ylang.

Und DAS ist meine Signatur: Frische! So dufte ich am liebsten, damit fühle ich mich am wohlsten.

Und zum Glück gibt es mehrere Vertreter aus dieser Richtung, so dass ich mich nicht auf einen einzigen Duft beschränken muss. „Green Irish Tweed“, „Himalaya“ und eben auch in „Freshman“ senden alle diese wunderschöne Botschaft: Frische, Natur, Sauberkeit, klare Luft. Auch „Original Vetiver“ duftet zumindest seifig und sauber. („Aventus“ hingegen habe ich nun verkauft, weil ich einfach keinen Bock mehr habe auf zu viel Pompöses.)

Und wenn ihr, liebe Duftverrückte, weitere Vorschläge in dieser Richtung habt: Nur heraus damit. Ich bin für Tipps dankbar.

Und ich bin dankbar, dass ich hier in Frieden und Freiheit und mit großer Freude meine Gedanken über dieses harmlose, nebensächliche, unschuldige Thema schweifen lassen kann, als ginge es um ernsthafte Fragen des Lebens.


13 Antworten
1 - 5 von 15