loewenherzloewenherz’ Parfumblog

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Vor 91 Tagen
82 Auszeichnungen

Eins der Dinge, die ich hier immer besonders gemocht habe, ist die Diversität. An Parfums, an Meinungen, letztlich an Menschen - schreibenden, lesenden und diskutierenden. Dass es ein stetes Kommen und Gehen ist, dass immer wieder neue - wenngleich virtuelle - Gesichter hinzu kommen, neue Meinungen, Ideen - und Parfums. Und wenn sich hie und da eine(r) verabschiedet, folgt ihm/r doch rasch ein(e) Neue(r) nach, inspiriert und bereichert - und letztlich: trägt - diese Internetseite zu etwas so wunderbar Unwesentlichem wie Parfum.

Heute geht einer. Es wird keine weiteren Kommentare oder Blogs von loewenherz mehr geben. Ich bin immer jemand gewesen, der auf die kleine Stimme gehört hat, die mir zuraunt, ob es noch richtig ist, irgendwo zu sein. Und geht, wenn sie das nicht mehr sagt. Ich habe in den letzten beiden Wochen, in denen ich schon nichts mehr geschrieben habe, noch mal in mich hineingehört und glaube, es ist ein guter Moment, jetzt Lebewohl zu sagen. Sich anderswo hinzuwenden. Etwas Neues zu tun. Und Euch alles Gute zu wünschen - jedem von Euch.

Ich schreibe dies, weil ich nach nahezu fünf Jahren nicht völlig wortlos gehen möchte. Und damit sich in ein paar Wochen nicht irgendjemand fragen muss, wo loewenherz denn ist, wie es ihm geht. Es geht ihm gut. Allen sei Dank, die diese Seite ins Leben gerufen, die sie gepflegt, sie unterhalten und entwickelt haben. Allen sei Dank, die mich inspiriert und amüsiert haben mit ihren großen und kleinen Kommentaren rund um wohlriechende Wässerchen und manchmal auch nebenher. Allen sei Dank, die mich so lange haben lesen mögen.

Macht's gut!

83 Antworten
Vor 123 Tagen
63 Auszeichnungen

In ein paar Wochen - das habe ich neulich erst bemerkt - ist es so weit: dann werde ich fünf Jahre hier auf parfumo.de sein. Kommt mir gar nicht so lange vor. Meinen ersten Kommentar geschrieben - zu Tom Fords Azure Lime - habe ich zwar erst über ein Jahr später, aber seitdem bin ich tatsächlich sehr regelmäßig hier. Manchmal nur für ein paar Minuten, oft auch nur nebenbei. Aber doch hier. Seit fast fünf Jahren.

Ich könnte nun fortfahren, wie dankbar ich für die vielen wunderbaren und klugen Kommentare bin, die ich seitdem gelesen habe, für die Inspirationen, für die tägliche Zerstreuung. Und all das stimmte ja - denn für all das bin ich tatsächlich dankbar. Und doch ist da noch etwas anderes, an das ich denken musste, als mir diese fünf Jahre neulich bewusst geworden sind - etwas, für das ich noch dankbarer bin.

Fünf Jahre Leben. Fünf Jahre, in denen ich fast täglich die Muße gehabt habe, mich mit etwas so Profanem wie Parfum zu beschäftigen. Darüber zu schreiben und zu lesen. Was für ein Privileg! Was für ein unbeschreiblicher Luxus! Fünf Jahre, in denen es keinen Kummer gab, der so erheblich gewesen wäre, dass ich nicht kurz hätte vorbeisehen wollen. Fünf - so muss es ja gewesen sein - letztendlich sorgenfreie Jahre.

Ein Miesepeter (oder eine Miesepeterin) mag nun vielleicht einwerfen: 'Mensch, loewenherz - fünf Jahre fast jeden Tag parfumo.de! Über achthundert Kommentare geschrieben - das sind gut drei die Woche! Was hättest du stattdessen alles machen können! Die Welt bereisen! Die Laken durcheinanderbringen! Einem Kind Märchen vorlesen! Karriere!' Dem (oder der) würde ich dann sagen: 'Alles gemacht. Geht beides.'

20 Antworten
Vor 149 Tagen
36 Auszeichnungen

Bin ich auf Reisen - Städte wie Paris oder London mal ausgenommen - spielt Parfum dabei in der Regel keine herausragende Rolle. Weder führe ich meine Sammlung in einem Köfferchen in der Welt spazieren, noch liegt der Fokus unterwegs auf dem Entdecken oder Ausprobieren von Parfum. Sicherlich, manchmal passiert es doch, dass ich mal eine halbe Stunde mit Parfum vertrödele - eben, wenn ich in Städten mit spannenden Geschäften wie etwa Guerlain-Flagship Stores unterwegs bin - aber auch dann ungeplant und 'nur' aus Lust am Augenblick.

In den USA - besonders jenseits der großen Metropolen - gibt es vielfach sogenannte 'Antique Malls'. Es handelt sich dabei um große oder mindestens mittelgroße Hallen, oft entlang vielbefahrener Straßen und mithin für den autofahrenden Besucher weithin sicht- und gut erreichbar. Die Hallen sind in etwa zimmergroße Segmente unterteilt, die jeweils einem Aussteller 'gehören'. Die sind jedoch fast nie selbst zugegen - stattdessen sind alle Artikel preisausgezeichnet und werden am Ausgang an einer für alle Segmente zuständigen Kasse bezahlt.

Eine oder zwei (oder noch mehr) Stunden in diesen Antique Malls zu vertrödeln, ist wunderbar. Wer sich angesichts hiesiger Antik- und Flohmärkte immer gefragt hat, wo es denn die alten Schaukelpferde und gut erhaltenen Aussteuerdecken mit Spitzenborte, die Shakerstühle und Zinnteekannen für kleines Geld noch gibt, von denen man in Zeitschriften und Büchern manchmal lesen kann - hier sind sie! Und wer Spielzeug aus den 50ern, schönes altes Silber oder perlmuttintarsierte Duellpistolen sucht, wird sicherlich auch fündig werden.

Auf (Fern-)Reisen ist man ja in der Regel hinsichtlich Volumen und Gewicht sehr eingeschränkt, so dass ich an den Weichholztruhen und Porzellanservices, den Messingbetten und marmornen Waschtischen nur wehmütig vorbeigehen kann. Verschleudert werden die Sachen nie, aber die Preise sind meistens vernünftig - und dass in den Antique Malls nicht (oder nur in seltenen Ausnahmefällen) gehandelt wird, kommt meinem Temperament auch entgegen. Und wenn man aufmerksam hinschaut, findet man dort auch - mitunter spannende - Parfums.

Ich habe ein paar Bilder gemacht und beispielhaft angehängt. Das Sortiment der einzelnen Anbieter ist zumeist bunt gemischt - und immer mal wieder stehen ein oder zwei Fläschchen Parfum dazwischen - in eigentlich jeder Mall sind welche dabei. Stets sind sie angebrochen, oft sehr alt und häufig an (oder auch jenseits) der Grenze ihrer Haltbarkeit - und oftmals Schüttflakons. Und bei allem Reiz und aller Neugier war mir das Risiko, dass mein Koffer die nächsten dreißig Jahre nach gekipptem Chanel - oder was auch immer - riechen könnte, doch zu groß.

Gekauft habe ich dann doch noch ein Parfum - allerdings bei Nordstrom, also in einem 'normalen' Geschäft - Mandarino di Amalfi Acqua, von dem ich mir diesen Sommer viel Spaß erhoffe. Aber bei meiner nächsten USA-Reise werde ich bestimmt wieder 'antiquen' - und jedem, der Roadtrips und alte Sachen und ein bisschen stöbern mag, möchte ich eine oder auch zwei Stunden in einer solchen Antique Mall unbedingt ans Herz legen. Und wer weiß - vielleicht kaufe ich beim nächsten mal dann doch auch mal ein spannendes, altes Parfum...

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Vor 7 Monaten
55 Auszeichnungen

Vor gut dreißig Jahren veröffentlichte der US-amerikanische Psychologe Robert Sternberg seine 'Dreieckstheorie der Liebe'. Dieser Theorie liegt die Annahme zugrunde, dass die von Menschen füreinander empfundene Liebe aus drei 'Dimensionen' oder 'Komponenten' besteht: Leidenschaft, Vertrautheit und Bindung. Aus den insgesamt acht möglichen Verteilungsmustern dieser drei Komponenten leitet Sternberg - von mir stark simplifiziert dargestellt - nun seine acht 'Arten der Liebe' ab:

1) Nicht-Liebe: keine der drei Komponenten, völlige Indifferenz

2) Sympathie: nur Vertrautheit, das Erwägen der Möglichkeit eines 'Mehr', endet vielleicht in Freundschaft

3) Verliebtheit: nur Leidenschaft, die typische (oft flüchtige) Schwärmerei. Herzklopfen und sowas.

4) leere Liebe: nur Bindung, z.B. arrangierte oder Vernunftehen

5) romantische Liebe: Vertrautheit und Leidenschaft, die klassische (dramatische) 'Romeo und Julia'-Liebe

6) kameradschaftliche Liebe: Vertrautheit und Bindung, etwa das glückliche, alte Ehepaar

7) törichte Liebe: Leidenschaft und Bindung, die überstürzte Heirat (in Las Vegas)

8) perfekte Liebe: der (verklärte) Idealzustand aus allen drei Komponenten

Nun wäre ich ja aber kein richtiger Parfumaficionado - und dieser Blog in diesem Forum völlig deplatziert - wenn ich bei der Lektüre der Sternbergschen Theorie nicht gleich (na ja - innerhalb der nächsten Tage) recht deutliche Parallelen zwischen Sternberg und unseren 'Liebesbeziehungen' zu Parfums gefunden hätte. Solche Parallelen amüsieren und unterhalten mich - und ich verschriftliche meine Gedanken dazu gerne - und auch deswegen möchte ich sie mit Euch teilen:

1) Nicht-Liebe: ein Parfum, das uns gar nicht erreicht. Weder Zu-, noch Abneigung, sondern eins, bei dessen Schnuppern man sich denkt: 'Aha. Und jetzt?' - und seinen Namen gleich wieder vergisst

2) Sympathie: der typische Duft, den wir als 'ganz nett' bezeichnen, ganz kurz so 'en passant' erwägen und wieder verwerfen - den wir wohl aber behalten würden, erhielten wir ihn etwa als Geschenk

3) Verliebtheit: Kopfnotenseelenfänger in geilen Flaschen, Parfums, die wir uns nicht leisten können (oder wollen) - oder vergriffene Düfte, von denen wir uns einbilden, die wären es aber gewesen

4) leere Liebe: Düfte, die man aus irgendwelchen Gründen eben hat und nicht weggeben mag. Weil sie ein Geschenk von Tante Uschi waren. Weil der Umtausch (ohne Kassenbon) zu lästig scheint. Oder so.

5) romantische Liebe: Parfums, in denen man aufs erste Hinriechen hin einen Seelenverwandten gefunden zu haben glaubt. Mit denen man wie ein Idiot mit der Nase am Handgelenk rumläuft. Bis es vorbei ist.

6) kameradschaftliche Liebe: die Düfte, die uns seit Jahren begleiten und die unser Leben bezeugen. In die wir uns heute vielleicht nicht noch mal verliebten, aber ohne die wir uns nicht vorstellen können zu sein

7) törichte Liebe: Blind- oder Schnäppchenkäufe, etwa 'Tobacco Vanille (Eau de Parfum) für 25 Euro bei eBay Rumänien' oder 'Letzte Chance, Sonderposten, nur noch heute, alles muss raus!'

8) perfekte Liebe: nach der suche ich noch

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Vor 8 Monaten
36 Auszeichnungen

Zu beurteilen, ob ein Parfum - objektiv - gut ist, ist ungefähr so einfach wie bei Bildender Kunst oder Musik. Man kann sich mit ein bisschen Interesse und Erfahrung wohl die Kenntnis aneignen, technische und handwerkliche Fertigkeiten zu erkennen, und man kann lernen, die Qualität der verwendeten Materialien und ihrer Verarbeitung zu beurteilen. Und wenn man noch ein bisschen erfahrener geworden ist, dann kann man vielleicht sogar beurteilen, wie kreativ oder innovativ ein Parfum ist. Oder ein Bild oder eine Sinfonie. Ob das Parfum, das Bild oder Sinfonie deswegen - objektiv - gut sind, vermag man dann aber noch lange nicht zu sagen - muss man im Grunde auch gar nicht - weil der dem Vorgenannten inhärente Daseinszweck ja subjektives Gefallen ist.

So wie es sicher hochbegabte Maler gibt, die ihre Zeit damit verplempern, fotorealistisch verfettete Haustiere zu porträtieren, gibt es Parfums, die einfach nur den Duft von etwas möglichst naturgetreu zu reproduzieren anstreben. Das kann ich schon wertschätzen, das macht den Duft aber deswegen lange noch nicht 'gut'.

So wie es Dilettanten gibt, die ihre vielleicht brillanten Ideen einfach handwerklich nicht richtig umzusetzen in der Lage sind, gibt es Parfums, deren Kreativität man durchaus anerkennen muss, aber wenn minderwertige Inhaltsstoffe schlampig verarbeitet werden, macht die originelle Idee alleine noch keinen guten Duft.

So wie es Künstler gibt, die so sehr darauf bestrebt ist, nur von Fortfortfortgeschrittenen verstanden zu werden, so gibt es auch Konzeptparfums, deren Originalität und Qualität niemand beurteilen kann, weil das Produkt einfach zu sperrig und zu unzugänglich konzipiert ist. Und man das Interesse schlicht zu früh verliert.

Und ein Parfum, das zu seiner Zeit innovativ war, ist es in einem anderen dufthistorischen Kontext womöglich nicht mehr. Kein anderer Artikel ist so gegenwärtig und so sehr im Jetzt verhaftet wie ein Parfum - und wenn es jetzt und hier das Herz nicht trifft, dann hilft es wenig, dass es das vielleicht vor zwanzig Jahren tat.

Was ist ein nun also ein gutes Parfum? Ich glaube, ich kann die Frage nach ein paar Jahren der (Amateur-) Beschäftigung mit Parfum - für mich und nur für mich - endlich beantworten. Wobei ich ahne, dass die Antwort bei jedem wohl ein bisschen anders lauten dürfte, was schön und richtig ist. Für mich ist ein gutes Parfum eines, das in einer schönen und sorgfältigen Sprache in einer den verwendeten 'Wörtern' angemessenen Zeitspanne eine interessante, verständliche und idealerweise einzigartige Geschichte zu erzählen in der Lage ist. Das dabei etwas 'mit mir macht', mich unterhält, mich vielleicht amüsiert. Und das die Zeit, die ich mit ihm verbringe, ein bisschen besser macht, als sie ohne dieses Parfum gewesen wäre. Eigentlich ganz einfach, oder?

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