loewenherzloewenherz’ Parfumblog

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Vor 28 Tagen
61 Auszeichnungen

In ein paar Wochen - das habe ich neulich erst bemerkt - ist es so weit: dann werde ich fünf Jahre hier auf parfumo.de sein. Kommt mir gar nicht so lange vor. Meinen ersten Kommentar geschrieben - zu Tom Fords Azure Lime - habe ich zwar erst über ein Jahr später, aber seitdem bin ich tatsächlich sehr regelmäßig hier. Manchmal nur für ein paar Minuten, oft auch nur nebenbei. Aber doch hier. Seit fast fünf Jahren.

Ich könnte nun fortfahren, wie dankbar ich für die vielen wunderbaren und klugen Kommentare bin, die ich seitdem gelesen habe, für die Inspirationen, für die tägliche Zerstreuung. Und all das stimmte ja - denn für all das bin ich tatsächlich dankbar. Und doch ist da noch etwas anderes, an das ich denken musste, als mir diese fünf Jahre neulich bewusst geworden sind - etwas, für das ich noch dankbarer bin.

Fünf Jahre Leben. Fünf Jahre, in denen ich fast täglich die Muße gehabt habe, mich mit etwas so Profanem wie Parfum zu beschäftigen. Darüber zu schreiben und zu lesen. Was für ein Privileg! Was für ein unbeschreiblicher Luxus! Fünf Jahre, in denen es keinen Kummer gab, der so erheblich gewesen wäre, dass ich nicht kurz hätte vorbeisehen wollen. Fünf - so muss es ja gewesen sein - letztendlich sorgenfreie Jahre.

Ein Miesepeter (oder eine Miesepeterin) mag nun vielleicht einwerfen: 'Mensch, loewenherz - fünf Jahre fast jeden Tag parfumo.de! Über achthundert Kommentare geschrieben - das sind gut drei die Woche! Was hättest du stattdessen alles machen können! Die Welt bereisen! Die Laken durcheinanderbringen! Einem Kind Märchen vorlesen! Karriere!' Dem (oder der) würde ich dann sagen: 'Alles gemacht. Geht beides.'

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Vor 54 Tagen
35 Auszeichnungen

Bin ich auf Reisen - Städte wie Paris oder London mal ausgenommen - spielt Parfum dabei in der Regel keine herausragende Rolle. Weder führe ich meine Sammlung in einem Köfferchen in der Welt spazieren, noch liegt der Fokus unterwegs auf dem Entdecken oder Ausprobieren von Parfum. Sicherlich, manchmal passiert es doch, dass ich mal eine halbe Stunde mit Parfum vertrödele - eben, wenn ich in Städten mit spannenden Geschäften wie etwa Guerlain-Flagship Stores unterwegs bin - aber auch dann ungeplant und 'nur' aus Lust am Augenblick.

In den USA - besonders jenseits der großen Metropolen - gibt es vielfach sogenannte 'Antique Malls'. Es handelt sich dabei um große oder mindestens mittelgroße Hallen, oft entlang vielbefahrener Straßen und mithin für den autofahrenden Besucher weithin sicht- und gut erreichbar. Die Hallen sind in etwa zimmergroße Segmente unterteilt, die jeweils einem Aussteller 'gehören'. Die sind jedoch fast nie selbst zugegen - stattdessen sind alle Artikel preisausgezeichnet und werden am Ausgang an einer für alle Segmente zuständigen Kasse bezahlt.

Eine oder zwei (oder noch mehr) Stunden in diesen Antique Malls zu vertrödeln, ist wunderbar. Wer sich angesichts hiesiger Antik- und Flohmärkte immer gefragt hat, wo es denn die alten Schaukelpferde und gut erhaltenen Aussteuerdecken mit Spitzenborte, die Shakerstühle und Zinnteekannen für kleines Geld noch gibt, von denen man in Zeitschriften und Büchern manchmal lesen kann - hier sind sie! Und wer Spielzeug aus den 50ern, schönes altes Silber oder perlmuttintarsierte Duellpistolen sucht, wird sicherlich auch fündig werden.

Auf (Fern-)Reisen ist man ja in der Regel hinsichtlich Volumen und Gewicht sehr eingeschränkt, so dass ich an den Weichholztruhen und Porzellanservices, den Messingbetten und marmornen Waschtischen nur wehmütig vorbeigehen kann. Verschleudert werden die Sachen nie, aber die Preise sind meistens vernünftig - und dass in den Antique Malls nicht (oder nur in seltenen Ausnahmefällen) gehandelt wird, kommt meinem Temperament auch entgegen. Und wenn man aufmerksam hinschaut, findet man dort auch - mitunter spannende - Parfums.

Ich habe ein paar Bilder gemacht und beispielhaft angehängt. Das Sortiment der einzelnen Anbieter ist zumeist bunt gemischt - und immer mal wieder stehen ein oder zwei Fläschchen Parfum dazwischen - in eigentlich jeder Mall sind welche dabei. Stets sind sie angebrochen, oft sehr alt und häufig an (oder auch jenseits) der Grenze ihrer Haltbarkeit - und oftmals Schüttflakons. Und bei allem Reiz und aller Neugier war mir das Risiko, dass mein Koffer die nächsten dreißig Jahre nach gekipptem Chanel - oder was auch immer - riechen könnte, doch zu groß.

Gekauft habe ich dann doch noch ein Parfum - allerdings bei Nordstrom, also in einem 'normalen' Geschäft - Mandarino di Amalfi Acqua, von dem ich mir diesen Sommer viel Spaß erhoffe. Aber bei meiner nächsten USA-Reise werde ich bestimmt wieder 'antiquen' - und jedem, der Roadtrips und alte Sachen und ein bisschen stöbern mag, möchte ich eine oder auch zwei Stunden in einer solchen Antique Mall unbedingt ans Herz legen. Und wer weiß - vielleicht kaufe ich beim nächsten mal dann doch auch mal ein spannendes, altes Parfum...

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Vor 123 Tagen
55 Auszeichnungen

Vor gut dreißig Jahren veröffentlichte der US-amerikanische Psychologe Robert Sternberg seine 'Dreieckstheorie der Liebe'. Dieser Theorie liegt die Annahme zugrunde, dass die von Menschen füreinander empfundene Liebe aus drei 'Dimensionen' oder 'Komponenten' besteht: Leidenschaft, Vertrautheit und Bindung. Aus den insgesamt acht möglichen Verteilungsmustern dieser drei Komponenten leitet Sternberg - von mir stark simplifiziert dargestellt - nun seine acht 'Arten der Liebe' ab:

1) Nicht-Liebe: keine der drei Komponenten, völlige Indifferenz

2) Sympathie: nur Vertrautheit, das Erwägen der Möglichkeit eines 'Mehr', endet vielleicht in Freundschaft

3) Verliebtheit: nur Leidenschaft, die typische (oft flüchtige) Schwärmerei. Herzklopfen und sowas.

4) leere Liebe: nur Bindung, z.B. arrangierte oder Vernunftehen

5) romantische Liebe: Vertrautheit und Leidenschaft, die klassische (dramatische) 'Romeo und Julia'-Liebe

6) kameradschaftliche Liebe: Vertrautheit und Bindung, etwa das glückliche, alte Ehepaar

7) törichte Liebe: Leidenschaft und Bindung, die überstürzte Heirat (in Las Vegas)

8) perfekte Liebe: der (verklärte) Idealzustand aus allen drei Komponenten

Nun wäre ich ja aber kein richtiger Parfumaficionado - und dieser Blog in diesem Forum völlig deplatziert - wenn ich bei der Lektüre der Sternbergschen Theorie nicht gleich (na ja - innerhalb der nächsten Tage) recht deutliche Parallelen zwischen Sternberg und unseren 'Liebesbeziehungen' zu Parfums gefunden hätte. Solche Parallelen amüsieren und unterhalten mich - und ich verschriftliche meine Gedanken dazu gerne - und auch deswegen möchte ich sie mit Euch teilen:

1) Nicht-Liebe: ein Parfum, das uns gar nicht erreicht. Weder Zu-, noch Abneigung, sondern eins, bei dessen Schnuppern man sich denkt: 'Aha. Und jetzt?' - und seinen Namen gleich wieder vergisst

2) Sympathie: der typische Duft, den wir als 'ganz nett' bezeichnen, ganz kurz so 'en passant' erwägen und wieder verwerfen - den wir wohl aber behalten würden, erhielten wir ihn etwa als Geschenk

3) Verliebtheit: Kopfnotenseelenfänger in geilen Flaschen, Parfums, die wir uns nicht leisten können (oder wollen) - oder vergriffene Düfte, von denen wir uns einbilden, die wären es aber gewesen

4) leere Liebe: Düfte, die man aus irgendwelchen Gründen eben hat und nicht weggeben mag. Weil sie ein Geschenk von Tante Uschi waren. Weil der Umtausch (ohne Kassenbon) zu lästig scheint. Oder so.

5) romantische Liebe: Parfums, in denen man aufs erste Hinriechen hin einen Seelenverwandten gefunden zu haben glaubt. Mit denen man wie ein Idiot mit der Nase am Handgelenk rumläuft. Bis es vorbei ist.

6) kameradschaftliche Liebe: die Düfte, die uns seit Jahren begleiten und die unser Leben bezeugen. In die wir uns heute vielleicht nicht noch mal verliebten, aber ohne die wir uns nicht vorstellen können zu sein

7) törichte Liebe: Blind- oder Schnäppchenkäufe, etwa 'Tobacco Vanille (Eau de Parfum) für 25 Euro bei eBay Rumänien' oder 'Letzte Chance, Sonderposten, nur noch heute, alles muss raus!'

8) perfekte Liebe: nach der suche ich noch

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Vor 137 Tagen
35 Auszeichnungen

Zu beurteilen, ob ein Parfum - objektiv - gut ist, ist ungefähr so einfach wie bei Bildender Kunst oder Musik. Man kann sich mit ein bisschen Interesse und Erfahrung wohl die Kenntnis aneignen, technische und handwerkliche Fertigkeiten zu erkennen, und man kann lernen, die Qualität der verwendeten Materialien und ihrer Verarbeitung zu beurteilen. Und wenn man noch ein bisschen erfahrener geworden ist, dann kann man vielleicht sogar beurteilen, wie kreativ oder innovativ ein Parfum ist. Oder ein Bild oder eine Sinfonie. Ob das Parfum, das Bild oder Sinfonie deswegen - objektiv - gut sind, vermag man dann aber noch lange nicht zu sagen - muss man im Grunde auch gar nicht - weil der dem Vorgenannten inhärente Daseinszweck ja subjektives Gefallen ist.

So wie es sicher hochbegabte Maler gibt, die ihre Zeit damit verplempern, fotorealistisch verfettete Haustiere zu porträtieren, gibt es Parfums, die einfach nur den Duft von etwas möglichst naturgetreu zu reproduzieren anstreben. Das kann ich schon wertschätzen, das macht den Duft aber deswegen lange noch nicht 'gut'.

So wie es Dilettanten gibt, die ihre vielleicht brillanten Ideen einfach handwerklich nicht richtig umzusetzen in der Lage sind, gibt es Parfums, deren Kreativität man durchaus anerkennen muss, aber wenn minderwertige Inhaltsstoffe schlampig verarbeitet werden, macht die originelle Idee alleine noch keinen guten Duft.

So wie es Künstler gibt, die so sehr darauf bestrebt ist, nur von Fortfortfortgeschrittenen verstanden zu werden, so gibt es auch Konzeptparfums, deren Originalität und Qualität niemand beurteilen kann, weil das Produkt einfach zu sperrig und zu unzugänglich konzipiert ist. Und man das Interesse schlicht zu früh verliert.

Und ein Parfum, das zu seiner Zeit innovativ war, ist es in einem anderen dufthistorischen Kontext womöglich nicht mehr. Kein anderer Artikel ist so gegenwärtig und so sehr im Jetzt verhaftet wie ein Parfum - und wenn es jetzt und hier das Herz nicht trifft, dann hilft es wenig, dass es das vielleicht vor zwanzig Jahren tat.

Was ist ein nun also ein gutes Parfum? Ich glaube, ich kann die Frage nach ein paar Jahren der (Amateur-) Beschäftigung mit Parfum - für mich und nur für mich - endlich beantworten. Wobei ich ahne, dass die Antwort bei jedem wohl ein bisschen anders lauten dürfte, was schön und richtig ist. Für mich ist ein gutes Parfum eines, das in einer schönen und sorgfältigen Sprache in einer den verwendeten 'Wörtern' angemessenen Zeitspanne eine interessante, verständliche und idealerweise einzigartige Geschichte zu erzählen in der Lage ist. Das dabei etwas 'mit mir macht', mich unterhält, mich vielleicht amüsiert. Und das die Zeit, die ich mit ihm verbringe, ein bisschen besser macht, als sie ohne dieses Parfum gewesen wäre. Eigentlich ganz einfach, oder?

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Vor 150 Tagen
46 Auszeichnungen

Heute habe ich meine Flakons in Ordnung gebracht. Also sie abgestaubt und gerade hingestellt - und dabei rieche ich an jedem - besonders an denen, die ich schon ein paar Wochen nicht mehr getragen habe. Und ich kann mich bei jedem von ihnen noch dran erinnern kann, wieso ich den mal in meiner Sammlung haben wollte.

Und ein bisschen erinnern mich meine - bzw. durchaus ganz allgemein: Parfums und die, sagen wir mal 'Beziehung', die ich zu ihnen habe, und die 'Funktion', die sie in meinem Alltag einnehmen, an die Beziehung zu Menschen in meinem Leben - und deren Funktion darin. Das war mir so tatsächlich noch nie aufgefallen.

Da ist der enge, der ganz innere Kreis - diejenigen, die mein Leben bezeugen, und von denen ich mir nur kaum vorstellen kann, dass ich sie eines Tages gehen lasse. Das sind nur wenige, das können (bei mir) nur wenige sein.

Da ist der erweiterte Kreis, die ich mal ins Kino oder Restaurant mitnehme und mich dann durchaus gut mit ihnen amüsiere - aber wo ich doch weiß, dass sie ersetzbar sein werden, wenn das Leben uns doch mal trennt.

Da sind diejenigen von früher, an denen man aus nostalgischen Gründen festhält - weil man damals mit ihnen glücklich war. Und bei denen man doch insgeheim weiß, dass das Band eines Tages zu lose geworden sein wird.

Da sind die schwierigen und launischen, über deren Art man sich immer mal wieder ärgert, aber die dann doch immer wieder so großartig und hinreißend sind, dass man doch (noch) nicht von ihnen lassen kann und will.

Da sind die, die man unbedingt mögen wollte, weil sie so cool und angesagt sind - und man sich einfach gut fühlt, wenn man mit denen unterwegs ist. Und doch weiß, dass man sich ein bisschen selbst damit bescheißt.

Passt alles für Parfums so wie für Menschen und ließe sich mit vielen weiteren Beispielen und Analogien fortführen, je länger ich darüber nachdenke. Und ehe mir jetzt einer als Unterschied zu Menschen sagt: 'Ein Parfum kannst du nicht knuddeln, und ein Parfum knuddelt vor allem nicht zurück.' - oh doch! Die wirklich guten tun das!

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