Die Lichtregie kommt wohl vom Himmel selbst. Die Sonne kam gestern Vormittag pünktlich durch; um 10:30 Uhr zur Öffnung der Absperrung: "L'Arc de Triomphe - Wrapped" sieht in diesem Moment aus wie eine Eisskulptur (meint eine deutsche Touristin, die dabei ist). Doch seine Farbe wechselt mit dem Zug der Wolken.
Ein begehbares Kunstwerk haben Christo und seine Jeanne-Claude Paris geschenkt. Und nicht nur Paris; hier ist wieder die Welt zu Gast!
Und in der Ferne friert, gut sichtbar, der Eiffelturm: Wo ist sein Kleid?
Ich gebe es ehrlich zu: Die Verhüllung des Berliner Reichstags interessierte mich nicht sehr, bis - ja! bis ich vom Balkon den Fortschritt der Verpackung mitverfolgen konnte: Erst war ein Turm verpackt, dann der zweite und so weiter. Die Kuppel wurde ja erst später daraufgesetzt!
Und auf wieviel Unverständnis und Kopfschütteln traf ich mit meiner Erklärung: "Das muss ich mir ansehen!"
Welch ein Volksfest wurde uns geboten; oder feierten wir es von uns aus?
Jeder Abend zu Beginn dieses wunderbaren Sommers 1995 war einzigartig, keiner glich dem anderen.
Nun ist der Pariser Triumphbogen fertig verhüllt und 16 Tage lang (bis zum 3. Oktober) ein postumes Geschenk zweier außergewöhnlicher Künstler an diese Stadt, die doch immer wieder überraschen kann: das verlernt Paris wohl nie!
Bei der Metrostation "George V.", noch in guter Sichtweise dieses glitzernden Kunstwerkes, wurde parallel dazu das Stammhaus von Christian Dior mit weißer Kunststofffolie verhängt.
Wie selbstverständlich gehen die Passanten darauf zu und berühren die aufgedruckten Designerkleider.
Nun, seien wir ehrlich: Wer täte das nicht? - "Ich habe eine Dior-Modell berührt!"
"Mein lieber Christian, Deine Kleider haben wirklich einen New Look!", begeisterte sich die legendäre Carmel Snow, Chefredakteurin von "Harper's Baazar", bereits auf der ersten seiner vielen Modenschauen am 12. Februar 1947.
Statt notwendiger Bekleidung aus Kartoffelsäcken, Pferdedecken und allem Verfügbaren, verhüllte Christian Dior die Frauen plötzlich in Mengen schmiegsamen, glitzernden Stoffes und enthüllte damit auch das, was so lange verschwunden war: Anmut und Weiblichkeit!
Die aus dieser Schau kurz darauf entstandene "Tulpen"-Linie wurde zu tragbarer Mode: Sie feierte in dieser so hoffnungsvollen Zeit die Auferstehung der Frau.
So kann es also nicht verwundern, dass François Demachy auch dieses, so wichtige Ereignis im Leben Christian Diors in seine Duftserie "La Collection Couturier Parfumeur" unter dem Namen "New Look 1947" aufnahm.
"New Look 1947" ist weiblich; wie das Bar-Kostüm (das ikonische Modell des New Looks) zieht dieses Duftgewand sofort Aufmerksamkeit auf sich: Allein schon durch das strahlende Duftweiß von reichem Jasmin und eleganter Rose. Ylang-Ylang darf als schmückendes Element nicht fehlen.
Dieses helle duftende Leuchten wird von Tuberose noch charmant unterstrichen; doch führt sie auch in die dezente, rauchig-warme Welt von Benzoe und cremiger Vanille.
Iris mit ihrer Puderquaste taucht bei mir erst jetzt auf; so, als wolle sie sich vergewissern, dass alles an dieser Kreation so ist, wie es sein sollte, um dann dem Duft den finalen Touch zu verleihen.
Diese, doch sehr florale Duftkreation entfaltet sich auf meiner Haut wie der umschmeichelnde Rock der namensgebenden Modelinie: reich und großzügig umspielt er mich als eleganter Begleiter für einige schöne Stunden; immer leicht changierend wie wertvolles Gewebe.
So ist "New Look 1947" wieder einmal eine Komposition, mit der Monsieur Demachy die von ihm begonnene Duft-Geschichte Christian Diors weitererzählt.
In seinem feinen pudrigen Blumenkleid sicher kein Duft, der jeden anspricht.
Aber "Blumenfrauen", wie ich, werden ihn lieben; auch wenn meine "Zeit der Rosen" schon seit einigen Jahren Vergangenheit ist.
Also lande ich ("Endlich!" wird so mancher sagen) doch wieder bei meinem Ausgangspunkt:
Paris weiß immer noch zu entzücken!
Es verhüllt oder enthüllt: das kommt allein auf den Standpunkt des Betrachters an.
"New Look 1947" als Duft zieht jedenfalls an!
Messieurs: À votre Santé!
Wieder eine sehr interessante Rezension, die ich total gern gelesen habe, die Duftnoten sprechen mich übrigens total an, das könnte ein Duft für mich sein..........
Ylang ist mir nur angenehm, wenn es nicht zu sehr dominiert - aber Deine Beschreibung dessen, was Kunst und Mode vermögen, und wie wichtig sie sein können, immer von neuem unsere Sinne anzuregen, finde ich einmal mehr gleichermaßen inspirierend wie auch von einer leisen Wehmut ob der Vergänglichkeit alles Schönen durchzogen. Wäre es ewig, wäre es sicher auch nicht mehr so wertvoll. Doch andererseits wünschen wir uns immer wieder, daß es anhalten möge: Zwiespalt der conditio humana.
Mit diesem Duft verbinde ich zwei schöne Dinge.
Es war die erste Probe, die mir (ungefragt) ins Haus flatterte, die liebe Turandot hat mich an die Hand genommen. Und, ich entdeckte meine Vorliebe für den historischen Kontext von Düften, als ich begann zu Dior zu recherchieren.
Obwohl ich gar kein Blumenfan bin, mag ich diesen Duft sehr gerne, was wohl an seiner Frische liegt...leider ist der Preis ' zu verhüllen '.
Es war die erste Probe, die mir (ungefragt) ins Haus flatterte, die liebe Turandot hat mich an die Hand genommen. Und, ich entdeckte meine Vorliebe für den historischen Kontext von Düften, als ich begann zu Dior zu recherchieren.
Obwohl ich gar kein Blumenfan bin, mag ich diesen Duft sehr gerne, was wohl an seiner Frische liegt...leider ist der Preis ' zu verhüllen '.