Sauvage (Eau de Toilette) von Dior

Sauvage 2015 Eau de Toilette

Profumo
25.08.2015 - 08:49 Uhr
54
Top Rezension
3Duft 7.5Haltbarkeit 7.5Flakon

"Eau Conformiste"

Na klar, dieser Duft dürfte sich für Dior zur erhofften Cashcow entwickeln: ein seit bald 30 Jahren überaus erfolgreiches Konzept, nur leicht variiert, heute wie damals (in jeder x-beliebigen Herren-Umkleide nachprüfbar) absolut massentauglich - da kann nichts schiefgehen.

Chanel, der ewige Konkurrent, hat´s vorgemacht, Dior zieht mit einiger Verspätung nach. „Bleu de Chanel“ und nun „Sauvage“, zwei Düfte, die so banal, so uninspiriert und mutlos sind, dass man eigentlich nur noch staunen kann.
Staunen über soviel Verzagtheit, staunen aber andererseits auch über soviel Chuzpe, diese Düfte als ‚modern’ und ‚zukunftsweisend’ zu etikettieren.
Nein, sie sind vielmehr altbackend und ihre Zeitgemäßheit beschränkt sich alleine darauf, mit einem uralten Trend noch einmal in die Verlängerung zu gehen.
„Terre d’Hermès“ und „Dior Homme“, mag man von ihnen halten was man will, waren doch immerhin Großtaten in Sachen Inspiration und Innovation – „Bleu de Chanel“ und „Sauvage“ sind meilenweit davon entfernt.

Dass „Sauvage“ sich obendrein den Namen eines der größten Herrenduft-Klassikers borgt, eines seinerzeit wirklich revolutionären, macht die Angelegenheit nur noch zynischer. Als ich das erste Mal davon las, hielt ich es für einen schlechten Scherz, oder wahlweise ein dummes Gerücht. Schon mit dem neuen „Eau Sauvage Extrème“, dem folgenden „Eau Sauvage Parfum“ und erst recht mit dem kürzlich lancierten „Eau Sauvage Cologne“ wurde das Konzept des alten Roudnitska-Duftes in eine Art und Weise gedehnt und gestreckt, dass man kaum mehr von einem Kontext sprechen konnte. Mit „Sauvage“ aber schuf man nun einen Duft, der mit dem hauseigenen Über-Klassiker in absolut keiner verwandtschaftlichen Beziehung steht.

Warum also der Name „Sauvage“? Ist der Duft von ‚wild’ oder ‚ungestüm’ doch soweit entfernt wie ein Pudel von einem Wolf. „Eau Conformiste“ wäre vermutlich passender gewesen, doch wer möchte sich einen Duft zulegen, der schon namentlich verrät, dass er genauso riecht wie fast alle anderen. Also, lieber mit „Sauvage“ einen Individualismus heucheln, der so individuell ist wie der Besitz eines Smartphones.

Aber lassen wir das.

„Sauvage“ soll vermutlich gar nicht mich und die vielen anderen ansprechen, die ebenso wenig riechen wollen wie die ganze Meute, sondern ebenjene, die im Grunde gar kein Interesse am Duft an sich haben, sondern vielmehr riechen wollen wie alle anderen auch – die Meute eben.
Dünkelhaft sich darüber zu mockieren, aber irgendwie enttäuscht es mich trotzdem.
Und seltsam: in welch glorreichem Licht „Dior Homme“ (das ich nie geliebt habe...) plötzlich dasteht, angesichts des fahlen Flackerns von „Sauvage“.

Mal sehen was als nächstes kommt, von „Sauvage Extrème“, „Sauvage Cologne“, „Sauvage Parfum“ etc. mal abgesehen – angepasster geht nimmer. Irgendwann muss Dior auch wieder aus der Deckung.
Man darf gespannt sein.
„Sauvage“ darf derweilen getrost übergangen werden.
14 Antworten
LerryLerry vor 4 Monaten
Danke für deie gute Zusammenfassung
SalveSalve vor 6 Jahren
Dankeschön, dass du Bleu de Chanel und Sauvage so treffend in einem Satz beschrieben hast.
ZinobvlgariZinobvlgari vor 6 Jahren
"Beliebigkeit das neue Wild" (ergoproxy),
zieht als Kerosindunstwolke am Firmament entlang! Ein Rätsel bleibt trotzdem, wie sich vor allem diese Millennials, für die der Ausverkauf der Welt täglich ein neuer Kick ist, ihre ach so coole Individualität illuminieren können.
Ebenso ist "Sauvage" und all die anderen Trittbrettfahrer, ein wenig zugespitzes Dutzendwasser. Reicht schon aus für den Hype als "wild" dazuzugehören.
Anpassung ist der neue Mut!
pudelbonzopudelbonzo vor 7 Jahren
Erstaunlicherweise ist der Pudel am nächsten mit dem Wolf verwandt.
ExUserExUser vor 10 Jahren
ich finde nicht, dass er beliebig riecht. er ist sehr interessant, auf meiner haut entwickelt er sich, wie ein tragbare version fille en aiguilles,. diors (solide) antwort auf düfte wie aventus, pluriel masculin, terre d´ hermes und bleu
KovexKovex vor 10 Jahren
Sooo schlimm finde ich den gar nicht, aber trotzdem ein klasse treffender Kommentar.
ApiciusApicius vor 10 Jahren
Muss ich noch testen. Ob ich dem vielleicht doch ein positive Seite abgewinnen kann?
FittleworthFittleworth vor 10 Jahren
Sehr gute Analyse. Das Zeug riecht tatsächlich derarig beliebig, daß "Eau Conformiste" eine wunderbar passende Bezeichnung wäre.
ErgoproxyErgoproxy vor 10 Jahren
Ich habe ihn 2 mal getestet. Mein Fazit: Für Dior ist Beliebigkeit das neue Wild. Pokal für Deinen Kommentar.
Zauber600Zauber600 vor 10 Jahren
Du sprichst mir aus der Seele .. nur würde ich in dieser Aufreihung von Peinlichkeiten noch L'Homme Ideal/Guerlain hinzufügen..ob diese Düfte die jüngere Generation bei Invictus/1Million abholen können?Fragen über Fragen. POKAL + danke für den Kommi!
JoTJoT vor 10 Jahren
Wenn man nun noch bedenkt, das Johnny Depp sein Gesicht für den Duft her gibt...den hätte er vielleicht vorher mal testen sollen.
JoTJoT vor 10 Jahren
Heute getestet und muss dir 100% zustimmen. Stinklanweiliges Allerlei wie eben Chanel Bleu. Wenn das alles ist, was den großen Parfümeuren für so bekannte Marke wie Dior und Chanel einfällt, nehmen sie wohl ihren Job nicht ernst.
GingerGinger vor 10 Jahren
Auweia. Werd ihn naechste Woche mal testen. Die Welt will anscheinend betrogen sein.
RoninRonin vor 10 Jahren
Oh je, ist der wirklich so schlimm? Nun gut, was will man erwarten. Dior hatte die Chance, sich einen Roudnitska- oder Sieuzac-Schüler (Ellena bzw. Duchaufour) als Hausparfumeur zu holen. Es wurde Demachy. Selber schuld.