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Top Rezension
Sich kennenzulernen braucht Zeit – machmal ueber 40 Jahre
Mitte der 70er Jahre verbrachte ich das erste Mal ohne Mama und Papa Ferien im Ausland. Fuer zwei Wochen war ich bei einer franzoesischen Gastfamilie in Orléans untergebracht. Mein Erfahrungshorizont war ueberwiegend durch die fraenkische Provinz gepraegt und ein Tagesausflug nach Muenchen hatte fuer mich damals denselben Erregungsfaktor wie fuer einen 16-jaehrigen heute das Warten auf das neueste iPhone 6S vor dem Apple Store auf der Fifth Avenue.
Jeden Morgen wenn ich aufwachte, hatte ich es eilig, ins Badezimmer zu gehen, denn da gab es Massen an Dingen zu entdecken, die ich von zuhause nicht kannte. Bei uns im fraenkischen Bad waren Nivea, Schauma-Shampoo und Fa-Deo die Highlights. Im franzoesischen Bad standen lauter kostbar aussehende Flakons, da gab es Dosen mit Puderquasten und allerlei andere Behaelter mit gut riechenden Cremes, Pulvern und Fluessigkeiten mit so tollen Namen wie Caron, Hermès und auch Guerlain. Wie haette ich da widerstehen koennen?? Besonders angetan hatten es mir natuerlich die Duefte meiner Gasteltern.
Meine Gastmutter trug damals entweder Eau de Guerlain oder Magie Noire von Lancòme. Mein Gastvater hingegen hatte einen Flakon von Habit Rouge. Aus Furcht es koennte gleich jemand ins Bad kommen und mich in flagranti ertappen habe ich also schnell den Flakon von Habit Rouge genommen, die Kappe abgezogen und auf den Spruehkopf gedrueckt. Hmm was fuer ein guter Duft kam mir da entgegen, fraenkischer Horizont hin oder her, ich hatte den Eindruck meine Nase in eine Tuete Traubenzucker mit Orangen- und Zitronengeschmack zu stecken.
Doch ploetzlich hatte ich den Eindruck, als wuerde der Duft anfangen zu mueffeln. Er kam mir mit einem Male alt und staubig vor. Allerdings ist mir damals schon aufgefallen, dass das ganze roch wie die Puderquaste, die ich tags zuvor aus einer Dose mit hautfarbenem Puder beschnuppert hatte.
Mittlerweile sind ueber 40 Jahre vergangen, mein Horizont hat sich (immens) erweitert und heute weiss ich, dass ich damals den ersten Kontakt mit dem Lippenstiftakkord hatte. Auch was eine Guerlinade ist weiss ich inzwischen und meine Einstellung zu Habit Rouge hat sich um 360°Grad gewandelt. Seit vielen Jahren hat dieser Duft einen Stammplatz in meiner Sammlung, auch wenn ich ihn nicht sehr haeufig trage. Er hat schon etwas von „der Guten Alten Zeit“ an sich, man mag es Altmodisch, Traditionell, Klassisch, Old School und und und nennen. Nein, ein moderner Duft ist Habit Rouge sicher nicht – er ist ZEITLOS. Man muss ihm nur etwas Zeit lassen, sich auf ihn einlassen und er wird einen belohnen mit vielen Facetten.
Im Fruehsommer dieses Jahres habe ich uebrigens meine Gasteltern von damals wieder besucht. Beide sind mittlerweile an die 80 und leben jetzt in der Naehe von Lille. Aber im Badezimmer stehen immer noch Eau de Guerlain und Habit Rouge. Als ich die beiden Flakons sah, wurde mir bewusst, dass sie wahrscheinlich der Ausloeser fuer mein Duft-Hobby waren.
Jeden Morgen wenn ich aufwachte, hatte ich es eilig, ins Badezimmer zu gehen, denn da gab es Massen an Dingen zu entdecken, die ich von zuhause nicht kannte. Bei uns im fraenkischen Bad waren Nivea, Schauma-Shampoo und Fa-Deo die Highlights. Im franzoesischen Bad standen lauter kostbar aussehende Flakons, da gab es Dosen mit Puderquasten und allerlei andere Behaelter mit gut riechenden Cremes, Pulvern und Fluessigkeiten mit so tollen Namen wie Caron, Hermès und auch Guerlain. Wie haette ich da widerstehen koennen?? Besonders angetan hatten es mir natuerlich die Duefte meiner Gasteltern.
Meine Gastmutter trug damals entweder Eau de Guerlain oder Magie Noire von Lancòme. Mein Gastvater hingegen hatte einen Flakon von Habit Rouge. Aus Furcht es koennte gleich jemand ins Bad kommen und mich in flagranti ertappen habe ich also schnell den Flakon von Habit Rouge genommen, die Kappe abgezogen und auf den Spruehkopf gedrueckt. Hmm was fuer ein guter Duft kam mir da entgegen, fraenkischer Horizont hin oder her, ich hatte den Eindruck meine Nase in eine Tuete Traubenzucker mit Orangen- und Zitronengeschmack zu stecken.
Doch ploetzlich hatte ich den Eindruck, als wuerde der Duft anfangen zu mueffeln. Er kam mir mit einem Male alt und staubig vor. Allerdings ist mir damals schon aufgefallen, dass das ganze roch wie die Puderquaste, die ich tags zuvor aus einer Dose mit hautfarbenem Puder beschnuppert hatte.
Mittlerweile sind ueber 40 Jahre vergangen, mein Horizont hat sich (immens) erweitert und heute weiss ich, dass ich damals den ersten Kontakt mit dem Lippenstiftakkord hatte. Auch was eine Guerlinade ist weiss ich inzwischen und meine Einstellung zu Habit Rouge hat sich um 360°Grad gewandelt. Seit vielen Jahren hat dieser Duft einen Stammplatz in meiner Sammlung, auch wenn ich ihn nicht sehr haeufig trage. Er hat schon etwas von „der Guten Alten Zeit“ an sich, man mag es Altmodisch, Traditionell, Klassisch, Old School und und und nennen. Nein, ein moderner Duft ist Habit Rouge sicher nicht – er ist ZEITLOS. Man muss ihm nur etwas Zeit lassen, sich auf ihn einlassen und er wird einen belohnen mit vielen Facetten.
Im Fruehsommer dieses Jahres habe ich uebrigens meine Gasteltern von damals wieder besucht. Beide sind mittlerweile an die 80 und leben jetzt in der Naehe von Lille. Aber im Badezimmer stehen immer noch Eau de Guerlain und Habit Rouge. Als ich die beiden Flakons sah, wurde mir bewusst, dass sie wahrscheinlich der Ausloeser fuer mein Duft-Hobby waren.
13 Antworten


danke:))))